Ordensleben in Indien Zum prophetischen Leben berufen corner

Zum prophetischen Leben berufen

Ordensleben in Indien

von SHALINI MULACKAL PBVM

Shalini Mulackal

Ordensleben als Berufung zum prophetischen Leben – so sieht es die indische Ordensfrau und Theologin Shalini Mulackal. Für sie sind Ordensleute Gottessucher, die sich ganz auf die Seite der Armen stellen und sich mit der gegenwärtigen Situation nicht zufriedengeben. Neue Wege des Ordenslebens sind gefordert, die sowohl das Kastendenken als auch die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft durch eine prophetische Lebensweise in neuen offenen Gemeinschaften herausfordern und dem wachsenden religiösen Fundamentalismus die Stirn bieten.

Von alters her ist Indien für sein spirituelles Erbe und religiöses Ethos bekannt. Ein Leben der Entsagungen ist Teil der Religiosität der Hindus. Die heiligen Orte wie Rishikesh und Banarus legen Zeugnis für diese Realität bis heute ab. Hier finden wir Jungen, die darauf trainiert werden, auf der Suche nach dem Absoluten allem zu entsagen. Auch dem Christentum ist von Anbeginn an diese Art der Suche nach dem Absoluten nicht fremd. Einige Christen folgten dem Weg Jesu mit totaler Hingabe, indem sie allem anderen entsagten. Zurzeit gibt es mehr als 100.000 Frauen und Männer, die diesen Lebensweg in der indischen Kirche gewählt haben. Davon sind 93.000 Ordensfrauen.

Für Christen bedeutet das Ordensleben nicht eine Entsagung von dieser Welt, sondern vielmehr ein tieferes Eintauchen in diese Welt als radikale Jünger Jesu.1 Es ist ein Ruf, in Gemeinschaft mit anderen zu leben und Gemeinschaften der Freiheit, der Nachfolge und der Gerechtigkeit zu errichten. Ordensleute sehen sich selbst als radikale Jünger Jesu, die Christus zu ihrem Ziel, ihrer Profession und ihrem Beruf gemacht haben. Christus nachfolgen bedeutet, seine prophetische Sendung anzunehmen und ihn in denjenigen zu erkennen, die arm sind und die leiden. Wir haben diesbezüglich kein besseres Beispiel als Mutter Teresa, die auch weiterhin ein leuchtendes Vorbild für alle Ordensleute in Indien ist. Wenn wir ihren 100. Geburtstag im kommenden August feiern, dann ist es angebracht, sich die Frage nach der Bedeutung und dem Stellenwert des Ordenslebens in diesem Land zu stellen. Was bedeutet »prophetische Mission« für Männer und Frauen, die öffentlich ihr Leben in den Dienst Gottes und der Menschen stellen? Um dies zu beantworten, müssen wir zunächst einen kurzen Blick auf das gegenwärtige Indien richten.

Der indische Kontext

Es gibt keinen Zweifel daran, dass das Indien des 21. Jahrhunderts ein schnell sich entwickelndes Land in der heutigen Welt ist. Die wachsende wirtschaftliche Mobilität der Menschen ist in vielerlei Hinsicht sichtbar. Etliche Menschen haben von der Globalisierung mit ihrer freien Marktwirtschaft profitiert. Allerdings hat die Mehrheit der indischen Bevölkerung nicht von der Globalisierung profitieren können, ganz im Gegenteil; sie ist noch weiter marginalisiert worden. Dalits, Tribals (indigene Völker) und Frauen sind die drei Gruppen, die von der Globalisierung negativ betroffen sind und einer besonderen Aufmerksamkeit in diesem Land bedürfen.

Die indigenen Völker machen etwa acht Prozent der Gesamtbevölkerung Indiens aus. Der willkürliche Verkauf des Landes der indigenen Völker an Transnationale Konzerne durch den Staat oder die Zentralregierung, die Genehmigung von Megaprojekten im Namen von Entwicklung, all dies führt zu massiven Vertreibungen der Tribals. Da sie jedoch vom Wald als Lebensgrundlage abhängen, sind sie von der starken Abholzung massiv betroffen. Der Frauenhandel und der Handel mit jungen Mädchen für Sex und Arbeit sind heute zu einem ernsten Problem geworden.

16 Prozent der Gesamtbevölkerung Indiens sind bis heute gezwungen, unter dem Schatten der Kastenhierarchie zu leben, die sie der grundlegenden Menschenwürde und Menschenrechte beraubt. Kein Inder, Ordensleute eingeschlossen, ist frei von dieser Kastenmentalität. Fast täglich berichten Zeitungen über Gewalt gegen Dalits. 80 Prozent der Dalits sind bis heute wirtschaftlich und sozial gesehen benachteiligt, ihrer Grundbedürfnisse und Menschenrechte beraubt. Sie sind auch weiterhin die Ärmsten, häufig Analphabeten, schlecht ernährt und die am stärksten diskriminierten Menschen in Indien.

Trotz des wirtschaftlichen Wachstums Indiens in den letzten Jahren, hat der Status der Frauen sich nicht zufriedenstellend geändert. Gemäß dem UN-Entwicklungsbericht der vergangenen Jahre, gehört Südasien, Indien eingeschlossen, zu den am geringsten gendersensitiven Ländern. Gewalt gegen Frauen steigt an. Von Vergewaltigungen von Frauen und selbst von Kindern wird fast täglich in den Medien berichtet. Die ausgeprägte soziale Präferenz für das männliche Geschlecht, das System der Mitgift, die wachsende Zahl der Tötung weiblicher Föten und Kinder, die Benutzung der Körper von Frauen in kommerziellerWerbung sowie sexuelle Gewalt jeglicher Art sind alles Symptome einer Gesellschaft, die noch immer durch patriarchalische Traditionen geprägt ist.

Religiöser Fundamentalismus

Neben dem Genannten sieht sich Indien einem wachsenden religiösen Fundamentalismus gegenüber, der eine ernsthafte Bedrohung für die säkulare und demokratische Natur der indischen Verfassung und der Art der Regierungsführung in diesem Land darstellt. Ein flüchtiger Blick aufs heutige Indien offenbart, dass Indien in Flammen steht. In jüngster Vergangenheit haben wir die Flammen kommunalistischer Gewalt in Gujarat, Orissa, Karnataka und anderen Teilen Indiens erleben müssen. Kirchen sind niedergebrannt worden, Statuen zerschlagen, Mitglieder von Minderheiten sind wie Tiere gejagt und tätlich angegriffen worden, Frauen vergewaltigt, terrorisiert und einige auch grausam verbrannt worden. Die Ursache für diese Gewalt des Kommunalismus und den Hass ist der wachsende Fundamentalismus. Beginnend im vergangenen Jahrhundert, und besonders gefährlich in den vergangenen 20–25 Jahren sehen wir unbarmherzige Bestrebungen, Indien in ein Hindu Rashtra zu verwandeln, eine Hindu-Nation.

Es gibt eine systematische und anhaltende Kampagne der Sangh Parivar2, das Bild Indiens zu verändern, indem man sich an der Verfassung zu schaffen macht, die indische Geschichte verfälscht, religiöse Minderheiten im Land attackiert, die Strukturen der Herrschaft in das Safrangelb der Hindutva-Ideologie einfärbt. Etwa 30 Organisationen der Sangh Parivar haben Hunderttausende von Kadern, die alle Lebensbereiche infiltrieren und beeinflussen – ideologisch, religiös, politisch, sozial, schulisch, moralisch, historisch und auch rechtlich – und auch jedes Segment der Gesellschaft – Jugendliche, Frauen, Kinder, Tribals, Polizei, Armee, Bürokraten, Regierungsbeamte etc.

Sr. Namrata mit einer Frauengruppe in einem Dorf der Rampur Region in Uttar Pradesh.
FOTO: FRIEDRICH STARK

Die Bedeutung des Ordenslebens

Innerhalb dieses Kontextes gilt es nun, das Ordensleben in Indien und seine Bedeutung in Augenschein zu nehmen. Die althergebrachte christliche Tradition der imitatio Christi, die Suche nach Jesus und die Nachfolge, ist heute der wichtigste Grund, weshalb Christen sich in aller Freiheit für das Ordensleben entscheiden. Von Beginn an wird das Ordensleben als radikale Nachfolge Jesu wahrgenommen.Nachfolge bildet das Zentrum des Ordenslebens.

Das II. Vatikanische Konzil betont die Nachfolge Christi als das grundlegende Kennzeichen des Ordenslebens. Die Nachfolge Jesu ist die besondere Profess des Ordenslebens (Perfectae Caritatis 5) beziehungsweise die spezielle Berufung (PC 8). Jesus nachzufolgen bedeutet, »ihn in denjenigen zu erkennen, die arm sind und die leiden.«3 Nachfolge bedeutet, mit Hilfe der Macht Gottes die gegenwärtigen negativen Lebensbedingungen zu verändern. Diese Nachfolge hat einen praktischen und kritischen Ansatz und beinhaltet beides, das Mystische und das Politische, die lobpreisende Anbetung Gottes und das Handeln im Namen von Gerechtigkeit, die persönliche Bekehrung und das Engagement in Situationen der Unterdrückung, Spiritualität und das Werk der Neuschöpfung. All dies wird grundlegend integriert, wenn das Leben, das als Ordensleben bezeichnet wird, als Leben der Nachfolge abgebildet wird.4

Ordensleben als prophetische Berufung

Die Prophetie ist eine Konstante im Ordensleben gewesen. Seit seinen Anfängen unter den Witwen, Jungfrauen und Diakoninnen der ersten Jahrhunderte bis in die Gegenwart kann die prophetische Rolle der Ordensleute über die lange Geschichte des Ordenslebens nach verfolgt werden. Papst Johannes Paul II. anerkennt die prophetische Natur des Ordenslebens, wenn er sagt: »In der Kirchengeschichte hat es neben anderen Christen nicht an Männern und Frauen des gottgeweihten Lebens gefehlt, die kraft einer besonderen Gabe des Geistes ein glaubwürdiges Prophetenamt ausgeübt haben, wenn sie im Namen Gottes zu allen, auch zu den Hirten der Kirche sprachen.«

Im Neuen Testament wird das Konzept der Nachfolge immer mit dem historischen Jesus verbunden, der von seinen Zeitgenossen als Prophet angesehen wurde (vgl. Mt 21,46; Lk 7,16). Er – so Brüggemann – übte seine prophetische Rolle in Solidarität mit den Armen und im Konflikt mit den Mächtigen aus. Nach Ansicht von Diarmuid O’Murchu fordert die prophetische Dimension des Ordenslebens dazu auf, was auch immer ungerecht, unterdrückend und unmenschlich ist, zu kritisieren, während zugleich darauf zu achten ist, Menschen in einem solchen Prozess nicht zu demotivieren. Es gilt, die Zeichen der Zeit zu deuten und alles zu bewerten, was innerhalb einer Gesellschaft und in der unmittelbaren Umgebung unterdrückend und ungerecht ist. Das bedeutet, Menschen zu befähigen, sich an der Geschichte zu beteiligen, Gerechtigkeit, Compassion und Liebe zu fördern und Hoffnung zu nähren, indem Beharrlichkeit ermutigt wird und negative Entwicklungen überwunden werden.

Ordensleben – wie es seine Geschichte bekräftigt – ist zudem eine prophetische Präsenz innerhalb der Kirche. Es soll im Zentrum des Systems stehen und seine Stimme im Namen der Unterdrückten erheben, nach Gerechtigkeit schreien und sich weigern, angesichts sozialer Sünde zu schweigen. Das Ordensleben fordert die Kirche auf, das Evangelium über das System zu stellen und eine bessere Welt inmitten von Elend zu errichten, so dass die gesamte Welt aus den Gräbern der Ungerechtigkeit auferstehen und sich freuen kann.

Für die Theologin Sr. Shalini Mulackal steht das Ordensleben in Indien heute vor der Herausforderung, eine eindeutige Option für die marginalisierten Gruppen der Gesellschaft – Dalits, Tribals und Frauen – zu treffen. Das Foto zeigt junge Frauen, die nach erlittener Gewalt Zuflucht in einer Einrichtung eines Frauenordens in Uttar Pradesh gefunden haben.
FOTO: FRIEDRICH STARK

Die Mission von Ordensleuten in Indien

Im derzeitigen Kontext Indiens, wo 40 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, ihrer Grundbedürfnisse, Menschenwürde und -rechte beraubt, sind Ordensleute berufen, Zeugnis von Jesu flammender Wut über Ungerechtigkeit, seine Identifikation mit den Armen und seine Leidenschaft für die Herrschaft Gottes abzulegen. Auch wenn wir auf der individuellen Ebene einzelne Ordensmänner und -frauen finden können, die dieser prophetischen Berufung treu sind, so mag es sein, dass wir Prophetie als Hauptanliegen des Ordenslebens insgesamt in Indien nicht antreffen. Orden unterhalten und leiten viele gute Ausbildungs- einrichtungen, Hospitäler und andere karitative Einrichtungen, die vielen Menschen dienen. Zudem gibt es viele Ordensleute, die in abgelegenen Dörfern arbeiten, die Ärmsten der Armen ausbilden, ihnen eine medizinische Grundversorgung zukommen lassen und ihnen bei Entwicklungsprojekten helfen. Nichtsdestotrotz, als Jüngerinnen und Jünger Jesu muss unsere vorrangige Option für die Armen weiter gestärkt werden und konkrete Ausdrucksweisen finden. In welchem Dienst auch immer eine einzelne Ordensfrau beziehungsweise ein Ordensmann oder auch eine Kongregation engagiert ist, ist es unumgänglich, dass sie eine vorrangige Option für die Armen treffen müssen und all ihre Dienste gemäß dieser Option neu ausrichten. Im heutigen Indien verliert das Ordensleben seine Bedeutung und seinen Sinn, wenn Ordensgemeinschaften diese Option für die Armen nicht ernst nehmen. Die vorrangige Option für die Armen bedeutet, eine vorrangige Option für die marginalisierten Gruppen in Indien zu treffen, das heißt für die Dalits, die Tribals und die Frauen. Es bedeutet, sich für ihr Wohl und ihre Befähigung einzusetzen. Damit dies geschieht, müssen Ordensleute mehr und mehr ihre Rolle als Initiatoren karitativer Einrichtungen oder als Manager von Entwicklungsprojekten hinter sich lassen und mit den Armen zusammenarbeiten, um mit ihnen gemeinsam ihre Hoffnungen und Ängste, Leiden und Freuden, Unsicherheiten und Kämpfe zu erkennen und für ihre völlige Befreiung zu wirken.

INFO-TIPP

Shalini Mulackal wird auf Einladung von missio in diesem Jahr als Gast im Rahmen der diesjährigen Kampagne zum Monat der Weltmission vom 1.–12. Oktober 2010 zu Veranstaltungen nach Deutschland kommen. Genaue Veranstaltungstermine und -orte werden rechtzeitig über » www.missio.de/... bekanntgegeben.

Das Vidyajyoti College of Theology der Jesuiten in New Dehli, eine der bedeutendsten theologischen Hochschulen Indiens, ist mit einer eigenen Seite im Internet zu finden:
» vidyajyoti.in

Ein neues Selbstverständnis ist gefordert

Die vorrangige Option für die Armen erfordert, dass Ordensleute in Indien sich nicht nur in Entwicklungsprojekten und karitativen Aktivitäten engagieren, sondern sich auch für einen Systemwechsel einsetzen. Sie müssen sich mehr in Diensten engagieren, die den Einsatz für strukturelle und politische Veränderungen beinhalten. Sie sind berufen, ein glaubwürdiges prophetisches Zeugnis von den Werten Jesu zu geben. Dies würde bedeuten, dass Ordensleute nicht nur sich weigern, in der Verewigung von Ungerechtigkeit und Unterdrückung mitzuwirken, sondern auch gegen diese kämpfen, sei es in ihrem persönlichen Leben, ihren Gemeinschaften oder ihren Einrichtungen.

Es ist nicht wichtig, in welchem Dienst man engagiert ist. Was aber von Bedeutung ist, ist die Haltung, die jemand gegenüber denjenigen, die arm gemacht wurden (those made poor), einnimmt. Deshalb ist es wichtig zu prüfen, ob man bewegt ist von Compassion oder beunruhigt durch das Leiden anderer wie es Jesus war, wie es auch Mutter Teresa war. Ordensleute in Indien müssen diese Eigenschaft bis zum Maximum entwickeln, die Fähigkeit mit anderen zu fühlen. Solidarität mit den Armen und denjenigen an den Rändern der Gesellschaft kann Ordensleuten helfen, all dem in einer Gesellschaft zu widerstehen, das ungerecht und unterdrückend ist.

Option für die Armen im indischen Kontext erfordert zudem, dass Ordensleute in großer Zahl weg von institutionalisierten Gemeinschaften hin zu Gemeinschaften vor Ort werden. Das heißt, sie leben inmitten der Menschen, die arm gemacht worden sind, in ländlichen Gebieten, in Slums, in Kolonien für Dalits, und sie nehmen einen einfacheren Lebensstil an, wie es inzwischen schon einige vormachen. Dies wird zu einem MUSS, um gemeinsam den Weg mit den gebrochenen Menschen zu gehen, den Unterdrückten, denjenigen, die in vielerlei Hinsicht isoliert und marginalisiert sind.

Überdies müssen Ordensleute in einem Kontext wachsenden Kommunalismus und religiösen Fundamentalismus offene Gemeinschaften bilden, wo immer es möglich ist mit Mitgliedern anderer Gemeinschaften, mit gläubigen Laien oder selbst mit Menschen anderen Glaubens, die die gleiche Hingabe teilen, eine bessere Gesellschaft zu errichten. Solch offene Gemeinschaften sind für die Förderung des interreligiösen Dialogs an der Basis eine dringende Notwendigkeit der Stunde. Ordensleute sind berufen, die Grenzen ihrer individuellen Einrichtung oder Gemeinschaft zu überschreiten, sich stärker zu vernetzen, das heißt sowohl unter den Orden als auch zwischen Ordensleuten und Laien und mit allen Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten. Diese Vernetzung ist ein Muss heutzutage, um eine Zivilisation der Freiheit mit Verantwortung zu errichten, um eine Gesellschaft von leidenschaftlicher Gerechtigkeit zu errichten und folglich das Reich Gottes hier und jetzt zu verwirklichen.

ANMERKUNGEN

1 Dies ist ein Gegensatz zu der hinduistischen Tradition der Sanyas, in der die Person der Welt total entsagt.

2 Sangh Parivar ist die Dachorganisation hindu-nationalistischer Bewegungen. Es gibt unterschiedliche Organisationen, die sich der Hindutva-Ideologie verschrieben haben.

3 Alejandro Cussianovich, Religious Life and the Poor: Liberation Theology Perspective (Dublin: Gill and Macmillion Ltd., 1979), 52.

4 Vgl. Elisabeth A. Johnson, C.S.J., »Discipleship: Root Model of the Life Called Religious,« Review for Religious vol. 42, (1983): 870.

5 John Sankarathil, OSFS, Towards a Prophetic Spirituality of Religious Life (Bangalore: Asian Trading Corporation, 1999), 108.

6 Vita Consecrata, 84.

7 Vgl. Walter Brüggemann, The Prophetic Imagination (Philadelphia: Fortress Press, 1978), 81.

8 Vgl. Joan Chittister, OSB, »The Prophetic Dimension of Religious Life,« Religious Life Review, vol. 35, No 177, (March-April 1996): 83.

Von der Spiritualität getragen

Ordensleute, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte und einen Systemwechsel einsetzen, benötigen eine Spiritualität, die die vollständige Menschlichkeit von Personen, besonders derjenigen an den Rändern, fördert. Die feministische Spiritualität scheint dieses Erfordernis zu erfüllen, zumal sie eine starke Betonung auf Beziehungen und Vernetzungen legt. Feministische Spiritualität weist eine starke Hingabe für Gerechtigkeit und die Erlösung von politischen und strukturellen Beziehungen auf. Im Gegensatz zu traditioneller Frömmigkeit hat die feministische Spiritualität eine starke Lebensorientierung und ist zutiefst besorgt um die Aufrechterhaltung und den Unterhalt des Lebens in all seiner Fülle hier und jetzt.

Diese Lebensorientierung kann nicht getrennt werden vom Kampf für Gerechtigkeit, da das Leben in vielen Teilen dieser Welt und in vielen Kontexten durch Ungerechtigkeit, ökologische Krisen und Systeme der Unterdrückung bedroht wird. Feministische Spiritualität kann das hierarchische Paradigma vom Herrschenden / Untergeordneten verwandeln in eine Beziehung der Vernetzung, Unabhängigkeit und Gegenseitigkeit. Respekt für das Anderssein, Gleichheit, Gegenseitigkeit, Eigenständigkeit sind grundlegende Komponenten einer feministischen Weltsicht. Solch eine Spiritualität kann Ordensleute befähigen, die Konfiguration der menschlichen Gemeinschaft von einer Pyramide hin zu einem Kreis zu verwandeln.

Überdies müssen Ordensleute in Indien zu indischen christlichen Ordensleuten werden, indem sie die Ideale der spirituellen Traditionen unseres Landes integrieren; es gilt, die charakteristischen Haltungen unseres Erbes wertzuschätzen und darin zu wachsen, als da wären Innerlichkeit, Loslösung, Einfachheit des Lebensstils, Askese und Hingabe sowie ein indischer Lebensstil und eine indische Ausprägung des Gebetslebens.

Propheten sind Gottessucher

Der Ruf, Propheten in der heutigen Situation zu sein, verlangt von Ordensleuten in Indien, hingebungsvolle Gottessucher zu sein und zugleich eine Gegenkultur zu begründen. Sie sind gerufen, eine vorrangige Option für die Armen zu treffen und sich insbesondere für die Befähigung von Dalits, Tribals und Frauen einzusetzen. Ein prophetischer Lebensstil fordert Ordensleute auf, sich weg von institutionalisierten Gemeinschaften hin zu offenen Gemeinschaften zu bewegen, die Laien befähigen und Volksbewegungen im Land die Hand reichen.

SHALINI MULACKAL PBVM
Ordensfrau und Theologin, Professorin für Systematische Theologie am Vidyajyoti College of Theology der Jesuiten in New Dehli, Indien

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