Papst Benedikt XVI. enthebt Bischof seines Amtes AUSTRALIEN corner

Papst Benedikt XVI. enthebt Bischof seines Amtes

Frage der Frauenordination und der Weihe verheirateter Männer als Auslöser des Konflikts

Bischof William Morris ist sehr betroffen, dass er den Bericht des apostolischen Visitators nie zu Gesicht bekam. Das Foto zeigt ihn während einer Diözesanversammlung im vergangenen Jahr.
FOTO: DIOCESE TOOWOOMBA

Papst Benedikt XVI. hat am 2. Mai den Bischof der australischen Diözese Toowoomba vorzeitig von seinen Amtspflichten entbunden. Mit der vorübergehenden Leitung der Diözese bis zur Ernennung eines Nachfolgers ist Weihbischof Brian Finnigan aus Brisbane ernannt worden.

Die Amtsenthebung von Bischof William Morris hat in Australien zu Protesten geführt. Auch die Bischofskonferenz Australiens hat in einem Brief an die Diözese ihre »Betroffenheit« über die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. ausgedrückt und angekündigt, dass sie den in diesem Jahr anstehenden Adlimina Besuch in Rom nutzen werde, um die durch die Amtsenthebung aufgeworfenen Fragen und Sorgen mit den Verantwortlichen des Vatikans zu besprechen. Die Vereinigung der Ordensoberen des Landes hat gegen das Verfahren, das schließlich zur Amtsenthebung geführt hat, in einem Brief an den Papst protestiert. Auch viele Priester des Landes haben sich mit Bischof Morris solidarisiert und gegen die Entscheidung protestiert.

Auslöser des Konflikts war ein Brief von Bischof Morris an seine Gemeinden im Dezember 2006. In diesem Brief hat er darauf hingewiesen, dass in ein paar Jahren nur noch maximal 19 Priester für seine Diözese zur Verfügung stehen würden. Der Diözese gehören etwa 300.000 Katholiken an. Sie hat eine Fläche von 487.000 km2 (zum Vergleich: die Bundesrepublik Deutschland hat eine Fläche von 375.000 km2). Vor diesem Hintergrund wies er in seinem Brief darauf hin, dass sich die Frage nach den Zulassungsbedingungen fürs Priestertum neu stelle. Zum einen würde es um die Frage der Weihe von fähigen, verheirateten Männern (»viri probati«) gehen. Zum anderen dürfte zukünftig die Frage der Frauenordination nicht außer Acht gelassen werden. Eine kleine Gruppe sehr traditioneller Katholiken hatte daraufhin Bischof Morris im Vatikan angezeigt. Ihm wurde vorgeworfen, sich nicht mehr innerhalb der Lehre der katholischen Kirche zu befinden.

Wie Bischof Morris in einem Brief an die Gläubigen der Diözese nun mitteilt, müsse er mit großer Traurigkeit feststellen, dass sein damaliger Hirtenbrief bewusst falsch interpretiert worden sei. Seit der Klage gegen ihn durch eine kleine Gruppe von Gläubigen aus der Diözese sei er von verschiedenen Kongregationen des Vatikans (der Glaubenskongregation, der Bischofskongregation und der Sakramentkongregation) insgesamt sechs Mal aufgefordert worden, seinen freiwilligen Rücktritt einzureichen, was er aber stets abgelehnt hatte. Im Jahr 2009 hat Papst Benedikt sodann den Erzbischof der Diözese Denver / USA, Erzbischof Charles Chaput, als apostolischen Visitator für die Diözese Toowoomba ernannt.

Nach Ansicht von Bischof Morris stellt sich die Frage, welches Gewicht die Meinung der Mehrheit der Gläubigen der Diözese, die Meinung des gesamten Klerus der Diözese und auch der Ordensleute in Rom überhaupt habe? Stattdessen schenke Rom einer absolut kleinen Gruppe innerhalb der Diözese Gehör. Die Visitation von Erzbischof Chaput habe lediglich drei Tage gedauert. Wie aber, so Morris gegenüber National Catholic Reporter, könne sich ein offiziell eingesetzter Visitator, der die Region nicht kenne, sich in einer solch kurzen Zeit in einer solch großen Diözese ein umfassendes und ausgewogenes Urteil über die Situation bilden?

In seinem Brief an die Gläubigen zeigt sich Bischof Morris sehr betroffen darüber, dass er den Bericht des apostolischen Visitators nie zu Gesicht bekommen habe. So habe er letztlich auch nicht dazu beitragen können, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in angemessener Art und Weise zu entkräften, da er nicht einmal wisse, zu welchem Urteil Erzbischof Chaput gekommen sei.

Gegenüber National Catholic Reporter betonte Bischof William Morris am 10. Mai, dass das Ergebnis dieses Verfahrens eine ganz klare Botschaft beinhalte: jeder Bischof, der es wage, Fragen zu stellen, könne jederzeit abberufen werden.

Den Brief von Bischof Morris an die Gläubigen der Diözese Toowoomba, der Brief der australischen Bischofskonferenz sowie weitere Informationen finden sich im Original auf der Homepage der Diözese Toowoomba .

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