Religionsgemeinschaften als Sündenböcke Interview mit Erzbischof Dr. Ndagoso corner

Religionsgemeinschaften als Sündenböcke

Interview mit Erzbischof Dr. Matthew Ndagoso / Kaduna über Hintergründe der Gewalt in Nigeria

von NORBERT KÖßMEIER

Es scheint, als ob die Spirale der Gewalt in Nigeria nicht mehr zu durchbrechen ist. Blutige Unruhen in vielen Landesteilen des Nordens nach den Präsidentschaftswahlen, Bombenanschläge auf das Polizeihauptquartier und das UN-Gebäude in Abuja und auf einen Biergarten in Maiduguri, blutige Auseinandersetzungen in Jos – all diese Vorfälle geschahen binnen weniger Wochen und Monate und haben eine Vielzahl von Opfern gefordert. Im folgenden Interview, dass Forum Weltkirche Mitte September mit Erzbischof Dr. Matthew aus Kaduna geführt hat, legt der nigerianische Erzbischof dar, dass zum einen das soziale Elend großer Bevölkerungsteile, zum anderen das Versagen des Staates den Nährboden für die Gewalt bilden. Die Religionsgemeinschaften werden seiner Meinung nach zu Unrecht zu Sündenböcken im Zusammenhang mit dieser Gewalt gemacht, indem man die Konflikte als religiöse Konflikte tituliert. Er fordert eine differenzierte Auseinandersetzung mit den wirklichen Ursachen der Gewalt und ein Ende der Straffreiheit für die Gewalttäter.

Am 26. August 2011 ist eine Autobombe vor dem UNGebäude
in Abuja explodiert. 23 Menschen wurden getötet, viele verletzt. Boko Haram hat sich zu diesem Anschlag
bekannt. Die Gewalt in Nigeria hat damit eine neue Dimension erreicht.
FOTO: KNA-BILD

Erzbischof Matthew, wie würden sie die momentane Situation in Nigeria beschreiben?

Es ist eine Besorgnis erregende Situation, nicht nur im nördlichen Teil des Landes, sondern in ganz Nigeria, denn mit den Bombenattentaten, die an verschiedenen Orten stattgefunden haben, und der Gewalt in den letzten Wochen und Monaten, wird eine deutliche Botschaft verbreitet: es gibt keine Sicherheit in diesem Land! Vielmehr wird Unsicherheit verbreitet. Wenn es aber keine Sicherheit mehr gibt in unserem Land, dann wird auch nicht investiert. Ausbleibende Investitionen führen zu noch mehr Arbeitslosigkeit und noch mehr Armut. Die Gewaltwelle der letzten Wochen und Monate hat also eine Menge Auswirkungen. Von daher sollte jedem, dem dieses Land am Herzen liegt, die jetzige Situation ein Grund zur Sorge sein. Die Unsicherheit ist sehr ernst zu nehmen, denn niemand kann sagen, wann die nächsten Anschläge verübt werden, wann die nächsten Gewaltübergriffe stattfinden, wo sie stattfinden, wer sie verüben wird. Das Misstrauen wächst, weil sich Menschen fragen, ob derjenige mit dem man sich gerade noch unterhalten hat, vielleicht auch ein Bombenattentäter ist. Deshalb sollte jeder den Ernst der Lage erkennen. Die jetzige Situation geht jeden an.

Es scheint so, dass insbesondere die nördliche Region in diesem Jahr, vor allem in den letzten Wochen und Monaten, zum Schauplatz einer beispiellosen Gewaltwelle geworden ist. Maiduguri, Jos, Kaduna – aber auch die Hauptstadt Abuja – sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Worin sehen Sie die Gründe für diese Gewalt der letzen Wochen und Monate?

Die Gewalt in Maiduguri, Jos oder Kaduna begann nicht erst in diesem Jahr. Alle diese Orte haben leidvolle Jahre mit brutalen Gewaltübergriffen hinter sich. Wenn Menschen sehr arm sind, wenn junge Menschen keine Arbeit finden, wenn sie nicht einmal wissen, woher sie die nächste Mahlzeit bekommen können, wenn sie überhaupt keine Perspektiven mehr sehen, dann ist dies sicherlich als eine der Ursachen mitzubedenken. Hinzu kam in diesem Jahr die Gewalt im Zusammenhang mit den Wahlen. Als die Wahlen vorbei waren und der bisherige Vizepräsident des Landes zum Präsidenten gewählt worden war, gab es an vielen Orten, auch in Kaduna, eine furchtbare Gewaltwelle, und das, obwohl auch internationale Beobachter diese Wahlen als einen wichtigen Schritt für die Demokratisierung des Landes bezeichnet hatten, die freiesten und fairsten Wahlen, die je in Nigeria stattgefunden haben. Gegner des neuen Präsidenten wollten sich damit nicht abfinden und haben die hoffnungslose Situation vor allem junger Menschen für ihre eigenen politischen Machtinteressen instrumentalisiert. Diese Kombination, die Machtvorstellungen bestimmter Leute, verbunden mit der ausweglosen Situation vieler junger Menschen, hat die Situation nur verschlimmert.

Und noch ein Weiteres kommt hinzu. Was wir in den letzten Wochen und Monaten erlebt haben, insbesondere die schlimmen Bombenanschläge in Abuja, der Hauptstadt unseres Landes, deutet darauf hin, dass es Verbindungen zum internationalen Extremismus beziehungsweise Terrorismus gibt. Aber auch in diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die hoffnungslose Situation vieler Menschen im Land wie ein Nährboden wirkt und letztlich gewaltbereiten Extremisten eine ungeahnte Unterstützung bietet.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass wir, das heißt die Kirche, unsere Ressourcen sehr gut dafür genutzt haben, jungen Menschen eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Dadurch haben sie die grundlegenden Voraussetzungen und auch Perspektiven für ein eigenständiges Leben erhalten. All das, was nun in Nigeria geschieht, wäre nicht passiert, wenn der Staat eben genau dies getan hätte und tun würde, nämlich Ausbildungsmöglichkeiten und Perspektiven für junge Menschen bereitzustellen. Ich will damit die Problematik nicht verharmlosen nach dem Motto: »Wir machen das Gute; wenn dies auch der Staat getan hätte, dann gäbe es keine Gewalt.« Natürlich gibt es Gewalt. Aber wenn zumindest sichergestellt wäre, dass die Menschen Zugang zu den Grundbedürfnissen erhalten, dann hätten wir mit Sicherheit nicht diese Ausmaße der nun sichtbaren Gewalt. Demgegenüber müssen wir seit langem schon erleben, dass es viele, viele junge Menschen gibt, um die sich keiner kümmert, die das Gefühl haben, dass sie keiner will, die hoffnungslos und auch verzweifelt sind. Es ist dann ein Leichtes für andere, die bösartige Absichten verfolgen, diese jungen Menschen für eigene Zwecke zu instrumentalisieren.

Die Präsidentschaftswahlen im Frühjahr diesen Jahres wurden als die freiesten und fairsten Wahlen bezeichnet, die Nigeria bisher erlebte. Trotzdem kam es in Folge der Wahlen zu einer Welle der Gewalt vor allem in den nördlichen Bundesstaaten, da einige fanatische Gruppierungen
das Wahlergebnis nicht akzeptieren wollten. Das Foto zeigt die Zentrale der unabhängigen, auch internationalen
Wahlbeobachter, in der der Einsatz koordiniert und die Daten der Wahlbeobachter gesammelt wurden.
FOTO: KNA-BILD

Sie erwähnen die Verbindungen einiger Gruppen in Nigeria zum internationalen Extremismus beziehungsweise Terrorismus. Ist es ein Zufall, dass in den letzten Wochen und Monaten eine ungeheure Ausweitung der Gewalt stattgefunden hat oder sind diese Gewaltakte an verschiedensten Orten im Land Teil eines Planes?

Nun, wenn wir uns die verschiedenen Orte und Gewaltakte anschauen, dann müssen wir feststellen, dass wir in diesem Jahr eine neue Dimension der Gewalt erleben. Zugleich müssen wir jedoch auch differenzieren. Der Anschlag auf ein Bierlokal in Maiduguri Ende Juni, der Bombenanschlag auf das Polizeihauptquartier in Abuja Mitte Juni und schließlich der furchtbare Bombenanschlag auf das UN-Gebäude in Abuja Ende August gehen alle auf Boko Haram zurück. Boko Haram hat sich zu diesen furchtbaren Taten bekannt. Diese Anschläge sind Teil eines Planes, denn diese extremistische Gruppierung verfolgt ihre eigene Agenda. Boko Haram ist der Meinung, dass die Elite Nigerias für die Situation im Land, vor allem der Korruption verantwortlich ist, ganz gleich ob Christen oder Muslime. Allen gemein ist, dass sie eine westliche Ausbildung erhalten haben. Die Muslime, die einen großen Teil der Elite ausmachen und ebenfalls für die Korruption verantwortlich sind, haben nach Ansicht von Boko Haram zudem den Islam verraten und korrumpiert. Deshalb sei Ausbildung nach westlichem Vorbild der Untergang für Nigeria. Vielmehr müsse die Implementierung der Scharia im gesamten Land durchgesetzt werden, not- falls mit Gewalt. Die Herrschaft der Scharia wäre nach Ansicht von Boko Haram der einzig mögliche Weg, den Sumpf der Korruption trockenzulegen und den wahren Islam durchzusetzen. Aber letztlich geht es nur um eigene Machtansprüche, die mit Religion wenig zu tun haben. Boko Haram hat kein Recht, sich auf den Islam zu berufen. Aber in diesem Zusammenhang können wir davon sprechen, dass diese Gewaltakte Teil eines Planes sind, weil Boko Haram eine bestimmt Agenda verfolgt.

Sie waren bis 2008 Bischof der Diözese Maiduguri, bevor sie zum Erzbischof von Kaduna ernannt wurden, und haben während Ihrer Zeit in Maiduguri persönlich unter den Gewaltakten von Boko Haram leiden müssen. 2009 hat Boko Haram in Maiduguri einen gewaltsamen Aufstand gegen den Staat begonnen, der schließlich vom Militär niedergeschlagen wurde. Es hat viele Opfer gegeben, der Führer dieser Gruppierung wurde vom Militär unter ungeklärten Umständen erschossen. Wie aber ist es möglich, dass Boko Haram seit diesem Zeitpunkt zurück zu ihrer alten Stärke gefunden hat und nun in der Lage ist, sogar in der Hauptstadt Abuja Terroranschläge zu verüben?

Nun, die Frage von Boko Haram ist vergleichbar mit der internationalen Terrorszene. Man weiß einfach nicht, wer sie sind. Wir gehen mit ihnen in die Stadt oder auf den Markt, wir gehen zusammen in die Kirche oder die Moschee, ohne eine Ahnung davon zu haben, wer sie wirklich sind. Es ist nicht möglich, sie als Mitglieder von Boko Haram zu identifizieren. Und ihnen ist es gelungen, sich im Verborgenen, das heißt in kleinen Privathäusern an verschiedensten Orten im Land neu zu organisieren. Sie haben Strategien entwickelt, die auch vom internationalen Terrorismus bekannt sind. Sie leben unauffällig und friedlich mit ihren Nachbarn zusammen. Zum Teil über längere Zeit. Niemand vermutet irgendetwas. Und auf einmal werden sie zum Bombenattentäter oder erschießen im Biergarten in Maiduguri Menschen, wie im Juni geschehen. Die Nachlässigkeit unseres Staatsapparates macht es ihnen natürlich auch leicht, sich neu zu organisieren. Es ist für mich nicht überraschend, nun feststellen zu müssen, dass Boko Haram es geschafft hat, sich innerhalb von zwei Jahren neu zu organisieren und vielleicht besser aufzustellen als je zuvor.

Nach der Gewalt in Folge der Präsidentschaftswahlen: Vertriebene in Kaduma wissen nicht, ob sie zurück in ihre Häuser können.
FOTO: KNA-BILD

In westlichen Medien war hinsichtlich der Gewalt in Nigeria immer wieder von erneuten Gewaltausbrüchen zwischen Christen und Muslimen, vor allem auch im Zusammenhang mit Jos, aber auch Maiduguri, berichtet worden. Aber trifft dies den Kern der Konflikte?

Nein, natürlich nicht. Ich betone es sehr deutlich, es handelt sich nicht um einen Konflikt zwischen Religionsgemeinschaften. Vielmehr werden die Religionsgemeinschaften zum Sündenbock gemacht. Solange Menschen diesen Konflikt zu einem religiösen Konflikt erklären, wird es keine Lösung der Konflikte geben können. Denn die ganzen Fragen und Probleme der Armut, der Arbeitslosigkeit, der Bestechung, der Korruption, die ja sozusagen den Nährboden für die Gewalt bilden, sind keine religiösen Fragen und fallen aus dem Blickfeld. Für die politische Klasse in unserem Land ist es sehr angenehm und ein Leichtes, diese Konflikte zu religiösen Konflikten zu erklären. Den eigentlichen Problemen muss sie sich dann nicht zuwenden. Und häufig genug ist sie selbst in Korruption und Bestechung verstrickt. Natürlich ist festzustellen, dass sowohl Christen als auch Muslime an den Konflikten beteiligt sind. Dann ist aber auch zu sehen, dass sie unterschiedlichen Ethnien angehören. Häufig sind die Grenzen der Religionszugehörigkeit und der Zugehörigkeit zu bestimmten Ethnien, vor allem im Norden, identisch. Wer es drauf anlegt, für den ist es sehr leicht, die unterschiedlichen Gruppen gegeneinander auszuspielen oder aufzuhetzen. In der Berichterstattung wird nie gesagt, dass es sich um Mitglieder verschiedener Ethnien handelt, die aufeinander losgegangen sind. Warum nicht? Im Hinblick auf die Gewalt in Jos kommt hinzu, dass unterschiedliche Ethnien auch zum Teil unterschiedliche Lebensweisen haben. Ein Aspekt der Gewalt beruht auf der Tatsache, dass es gerade auch in Jos um Landfragen geht, um Weiderechte, um Machtansprüche in dem Bundesstaat. Viehzüchter beanspruchen Land für ihre Herden und kommen in Konflikt mit Bauern, die um ihre Äcker fürchten. Nochmals: unterschiedliche Ethnien gehören häufig unterschiedlichen Religionsgemeinschaften an. Schlagzeilen wie »Christen von Muslimen angegriffen« oder umgekehrt werden der Sache nicht gerecht und tragen dazu bei, dass eine Lösung für die Ursachen des Konfliktes nicht zu finden ist. Ja, diese Schlagzeilen sind meiner Meinung nach sogar gefährlich, da sie dazu beitragen, dass es innerhalb der Religionsgemeinschaften zu einer falsch verstandenen Solidarisierung führt. Wir haben es bereits erlebt, dass aufgrund solcher Meldungen plötzlich Muslime und Christen in ganz anderen Landesteilen aufeinander losgehen, um ihre Glaubensbrüder zu rächen. Natürlich kann man nicht verneinen, dass Religion eine Rolle spielt. Aber es ist eben nur ein Aspekt in dieser komplexen Frage. Ich betone erneut: wenn Menschen Arbeit hätten, wenn sie in der Lage wären, sich und ihre Familie zu ernähren, wenn sie ihre Grundbedürfnisse befriedigen könnten, wenn die Bestechung und Korruption im Land ernsthaft bekämpft würde, dann würde meines Erachtens diese Gewalt ein Ende finden. Ganz langsam nimmt nun auch endlich unsere politische Klasse wahr, dass es sich nicht um religiöse Konflikte handelt. Die Konflikte in unserem Land beinhalten sehr vielfältige Dimensionen, und mit diesen muss man sich endlich auseinandersetzen.

Jos – Eine Stadt zwischen Hoffnung und Angst. Die Katholikin Augustina Haruna und ihr muslimischer Mann Alhadji Abdulaziz Haruna machen sich große Sorgen angesichts der immer wieder ausbrechenden Gewalt in Jos.
FOTO: KNA-BILD

Die Gouverneure der nördlichen Provinzen haben angekündigt, dass sie die Frage der Gewalt auf die Agenda ihrer anstehenden gemeinsamen Beratungen setzen werden und dazu beitragen wollen, Frieden und Vertrauen zu errichten. Was erwarten Sie von diesen Beratungen, was erwarten Sie von der Regierung in dieser Situation?

Unseren Landesregierungen und unserer Bundesregierung fehlt der politische Wille, wirklich etwas zu ändern. Sie sind nur daran interessiert, über Geld zu verfügen und Geld auszugeben. Aber sie widmen sich nicht den eigentlichen Fragen. In diesem Land ist es möglich, dass Menschen schwere Verbrechen begehen, dass sie andere Menschen angreifen, dass sie sie töten. Und niemals ist bisher ein Täter im Zusammenhang dieser gewaltsamen Konflikte für seine Taten verurteilt worden oder ins Gefängnis gesteckt worden. Und selbst wenn jemand in Haft genommen wurde, ist er, sobald das Thema aus den Medien verschwunden war, plötzlich wieder frei gekommen, ohne dass er sich vor Gericht hatte verantworten müssen.

Jedes Mal nach besonders gewaltsamen Vorfällen im Land haben Regierende oder Politiker entsprechende Kommissionen gebildet, um die Vorfälle zu untersuchen, um Maßnahmen zu ergreifen, damit so etwas nicht wieder geschieht. Dann treffen sie sich, beraten und gehen wieder auseinander. Und nichts passiert! Und es geschieht nichts, weil ihnen schlichtweg der politische Wille fehlt. Einige von ihnen zählen zu denjenigen, die die Probleme im Land verursachen, die die verschiedenen Ethnien und Religionen für eigene Zwecke instrumentalisieren. Diesbezüglich habe ich keine Hoffnung, dass sich etwas ändert. Und manche Politiker sind einfach zu schwach, um wirklich notwendige Maßnahmen ergreifen zu können. Vielleicht mag sich was ändern, wenn die Bürger Nigerias begreifen lernen, dass sie alle für den Frieden Verantwortung tragen. Frieden beginnt immer mit mir selbst. Wer Frieden will, hat bei sich selbst zu beginnen. Wenn dieser Prozess in der Zivilgesellschaft seinen Lauf nimmt, dann wird sich etwas ändern. In die Politiker beziehungsweise die Regierungen habe ich diesbezüglich kein Vertrauen. Sie installieren Kommissionen, berufen ein Treffen nach dem anderen ein, besuchen eine Konferenz nach der anderen, aber nichts passiert, nichts ändert sich. Sie treffen keine Entscheidungen und ergreifen keine Maßnahmen.

Kommen wir auf die Katholische Kirche zu sprechen. Welche Möglichkeiten hat die Katholische Kirche, um Frieden im Land zu errichten?

Das wichtigste ist, dass die Kirche sich für Versöhnung einzusetzen hat. Die Sendung Jesu war dadurch geprägt, dass er sich für Versöhnung eingesetzt hat, dass er die Menschen untereinander und mit Gott versöhnt hat. Und dies ist die Sendung der Kirche. Deshalb setzt sich die Kirche seit Jahren auf allen Ebenen, sei es die nationale, die diözesane oder Gemeindeebene, für die Versöhnung ein und tut, was sie kann. Es ist meine feste Überzeugung, dass wir gerufen sind, jeder Einzelne von uns, Brücken zu bauen. Es geht darum, dass christliche Führer, muslimische Führer und traditionelle Herrscher der unterschiedlichen Ethnien miteinander Beziehungen aufbauen, und dass diese Beziehungen und Freundschaften sich ausdehnen auf die Mitglieder der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften beziehungsweise der unterschiedlichen Ethnien und auch unter ihnen Beziehungen und Freundschaften entstehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies unsere Aufgabe ist und Frieden herbeiführen kann. Wenn Menschen wahrnehmen, dass zwischen den Religionsführern und den traditionellen Herrschern unterschiedlicher Volksstämme Beziehungen und Freundschaften entstehen, dann wird sich etwas ändern können im Land. Ganz wichtig ist, was wir seit Jahren als Katholische Kirche fordern: dass Gewalttäter, die sich womöglich auch noch auf ihre Religion oder auch ihre ethnische Zugehörigkeit im Zusammenhang mit der von ihnen verübten Gewalt berufen, endlich auch als Gewalttäter behandelt und bestraft werden.

NORBERT KÖßMEIER

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