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»Ein Seiltanz über ein Feld von politischen Landminen«

100-jähriges Bestehen der Missionswissenschaft gefeiert

Kardinal Peter Turkson (li.) hielt anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Missionswissenschaft in Münster den Festvortrag. Neben ihm: der Münsteraner Bischof Felix Genn und Prof. Michael Sievernich.
FOTO: SUSANNE HAVERKAMP/THEOLOGISCHE FAKULTäT MüNSTER

Gleich ein dreifaches Jubiläum wurde vom 4.–6. November 2011 in Münster mit einem dreitägigen Symposium begangen: Vor 100 Jahren wurden an der Münsteraner Fakultät die ersten Vorlesungen in Missionswissenschaft gehalten. Zugleich gründeten sich das »Internationale Institut für missionswissenschaftliche Forschungen« und die »Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft «. All das wurde am ersten Novemberwochenende mit einem dreitägigen Symposium gefeiert.

Für den Festvortrag war Kardinal Peter Turkson aus Rom angereist. Der Ghanaer, der inzwischen Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ist, sprach über den Zusammenhang von Mission und Gerechtigkeit. Er stellte dabei heraus, dass Gerechtigkeit ein »Herzstück des biblischen Erbes« ist. Am Beispiel der Afrika-Synoden 1994 und 2009 konnte er zeigen, dass das konkrete Engagement für soziale Gerechtigkeit mittlerweile Kern aller missionarischen Arbeit ist. »Wie der Heilige Vater bei der Eröffnung der Synode sagte, wäre es ideologisch, nur Vorschläge zu machen, ohne zu handeln.« Gleichzeitig dürfe man Pastoral nicht mit Politik verwechseln und es sei bedauernswert, wenn Priester ihre Gemeindearbeit aufgeben, um »politische Führer zu werden, weil sie mehr an politische als an pastorale Lösungen für das Elend ihrer Gemeinden glauben«. Insofern sei der konsequente Einsatz für soziale Gerechtigkeit notwendig für jede missionarische Tätigkeit, aber ebenso »ein sehr schwieriges Geschäft und eher ein Seiltanz über einem Feld von politischen und ideologischen Landminen«.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn erinnerte in seinem Grußwort daran, wie selbstverständlich in seiner Kindheit der Gedanke an Mission war. »Wir haben zuhause Missionszeitschriften gelesen und Ordensleute waren begeistert davon, in fremden Ländern Christus zu verkünden.« Seit den 70er Jahren wurden dagegen eher die Missbräuche, die Gewalt und die Ausbeutung in den Mittelpunkt gestellt und Mission ein Ausdruck für »das intolerante, vereinnahmende Wesen der Kirche«. Heute dagegen werde das Wort wieder modern. »Es vergeht kaum eine kirchliche Sitzung, wo nicht über kurz oder lang von ›missionarischer Kirche‹ die Rede ist.« Und damit sei auch die Kirche in Deutschland gemeint.

Prodekan Prof. Dr. Reinhard Feiter betonte für die Katholisch-Theologische Fakultät, dass die Missionswissenschaft »unverzichtbarer Bestandteil der Münsteraner Theologie« sei. Zwar halte die Vakanz seit der Emeritierung des früheren Institutsleiters Giancarlo Collet an, »doch die Hoffnung auch«.

Sehr zufrieden mit dem Verlauf des Jubiläums-Symposiums, das am Sonntag mit einem Festgottesdienst in der Dominikanerkirche endete, so Susanne Haverkamp in einer Pressemitteilung der Theologischen Fakultät, zeigte sich Michael Sievernich, der Vorsitzende des Internationalen Instituts für Missionswissenschaft. »Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen«, sagte er. »Der Austausch von Experten verschiedener Disziplinen von allen fünf Kontinenten war sehr bereichernd.« Und was ist wichtig für die Zukunft? »Die Frage, wie das Thema der Interkulturalität und Interreligiösität in der Theologenausbildung verankert wird«, sagt Michael Sievernich. »Münster ist auch nach 100 Jahren die einzige katholische Fakultät in Deutschland, die ein missionswissenschaftliches Institut hat. Das ist bei der Bedeutung der Frage einfach zu wenig.«

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