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Deutschland / Uganda

»Kony-Kampagne ist gefährlich«

Dr. Barbara Meier von der Universität Münster verurteilt die übers Internet verbreitete »Kony-Kampagne« von »Invisible Children«, da sie die heutige Realität in Uganda außer Acht lasse und letztlich nur eine militärische Option als »Konfliktlösung« anbiete. Das Foto zeigt sie im Gespräch mit Ältesten in Nord-Uganda.
FOTO: EXZELLENZCLUSTER »RELIGION« / UNI MÜNSTER

Wissenschaftler halten die Internet- Kampagne »Kony 2012« zur Ergreifung des ugandischen Rebellenchefs Joseph Kony für gefährlich. »Bisher haben die Rebellen in Uganda auf jede Militäraktion mit brutalen Rachefeldzügen reagiert «, sagt Ethnologin und Uganda- Expertin Dr. Barbara Meier vom Exzellenzcluster »Religion und Politik« der Uni Münster. »Nach den Operationen ›Iron Fist‹ im Jahr 2002 und ›Lightning Thunder‹ 2009 der ugandischen Armee mit US-amerikanischen Militärberatern gab es immer Vergeltungsschläge der Rebellenarmee mit hunderten Opfern.«

Vergeltungsschläge seien auch denkbar, wenn die USA, wie in der Kony- Kampagne der US-Organisation »Invisible Children« gefordert, in Zentralafrika eingreifen würden, so Meier. Sie hat das Land für Forschungen über Konys Rebellengruppe oft bereist. »In Uganda sieht man die plötzliche Bekanntheit Konys durch die millionenfach angeklickte Internet- Kampagne kritisch. Man hat den Eindruck, dass ›Invisible Children‹ geschäftliche Interessen verfolgt. Die weltweite Aufmerksamkeit könnte dem Rebellenführer, der seit 2006 nicht in Uganda, sondern im Kongo, in der Zentralafrikanischen Republik und im Südsudan aktiv ist, erneut Auftrieb verschaffen «, kritisiert die Forscherin.

»Der Bürgerkrieg im Land ist vorbei. Die Menschen in Norduganda setzen längst auf friedliche Konfliktlösung und Vergangenheitsbewältigung statt auf Vergeltung«, so Meier. Gemeinsam mit Kirchen und Hilfsorganisationen habe sich auch »Invisible Children« bislang um ein lokal verankertes Verfahren der Konfliktbeilegung bemüht. »In der Internet- Kampagne ist davon keine Rede mehr.« Kony werde vielmehr als das personifizierte Böse inszeniert.

Der rund 30-minütige Videoclip über Kony und die Gräueltaten seiner »Widerstandsarmee des Herrn« (»Lord’s Resistance Army«, LRA) ist Teil einer umstrittenen Kampagne der US-amerikanischen Organisation »Invisible Children«. Der Film unterschlägt nach Ansicht der Wissenschaftlerin die politischen, historischen und religiösen Hintergründe des Konflikts, der schon 1986 begonnen habe. So gebe es, anders als im Film dargestellt, kaum verlässliche Informationen über die LRA. Der Film spreche von 30.000 Kindersoldaten, verschweige aber, dass die Zahl sich auf 25 Jahre seit Bestehen der Widerstandsarmee beziehe.

Der Film ist von der amerikanischen Organisation »Invisible Children« am 05. März veröffentlicht worden und hat sich rasend schnell verbreitet. Die Kampagne erreichte Medienberichten zufolge über Netzwerke wie Twitter, Facebook und YouTube rund 60 Millionen Menschen weltweit. Barbara Meier leitet am Exzellenzcluster das Forschungsprojekt »Die Lord’s Resistance Army: Gewalt und Christentum in Ostafrika«. Ihre Forschungen mündeten in einem von der Fachwelt und Öffentlichkeit viel beachteten Film »Fighting Spirits«.

Wie CISA am 16. März berichtet, wird der Film insbesondere auch von religiösen Führern aus Uganda stark kritisiert. Ihrer Meinung nach könne dieser Film die Bevölkerung des Nordens von Uganda erneut traumatisieren, die dabei ist, sich von einem 23-jährigen brutalen Krieg zu erholen. Vor allem aber sei der Inhalt des Filmes überholt, so der anglikanische Bischof Johnson Gakumba aus Gulu gegenüber CISA. »Dieser Film hätte 2003 erstellt werden sollen, nicht aber im Jahr 2012.«

»Unsere Option ist ganz eindeutig der Dialog, da wir davon überzeugt sind, dass jegliche militärische Operationen in keinster Weise helfen werden«, so Gakumba, Vorsitzender der Friedensinitiative der religiösen Führer der Acholi (ARLPI) im Norden Ugandas. Nach Ansicht des Bischofs verfälsche der Film die aktuelle Situation und sei voll von vereinfachenden Rechtfertigungen, die lediglich eine militärische Lösung des Konflikts nahelegen würden.

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