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MALAYSIA

Bedenken gegen neue Verhaltensrichtlinien für Muslime

Benötigen die Muslime Malaysias verbindliche Verhaltensrichtlinien, die ihr Verhalten gegenüber Nicht-Muslimen regeln? Menschenrechtsaktivisten und Vertreter anderer Religionen verurteilen dieses Ansinnen, das nach ihrer Meinung die Konflikte zwischen den Religionen nur verschärfen würde.
FOTO: UCANEWS

Christliche Führer und Menschenrechtsaktivisten haben Ende Februar ihre Besorgnis hinsichtlich eines Vorschlages für offizielle Verhaltensrichtlinien für Muslime zum Ausdruck gebracht. Diese neuen Richtlinien sollen das Verhalten von Muslimen insbesondere gegenüber Nicht-Muslimen anleiten.

»Es ist lächerlich, dass nach 54-jähriger Unabhängigkeit, in der wir Seite an Seite gelebt haben, Muslime nun Richtlinien benötigen für ihre Interaktionen mit Nicht-Muslimen«, so die muslimische Menschenrechtsaktivistin Marina Mahathir, Tochter des ehemaligen Premierministers Mahathir Mohamad, gegenüber UCANews am 20. Februar.

Die Vereinigung der Ulama Malaysias hat den Vorschlag für diese Richtlinien am 16. Februar unterbreitet. Zugleich hat sie alle Muslime des Landes aufgefordert, sich von religiösen Festen von Nicht-Muslimen fernzuhalten. Diese Aufforderung der Vereinigung hoher islamischer Gelehrter erfolgte nach einem Besuch eines hinduistischen Festes durch den muslimischen Premierminister Najib Razak. Dieser Besuch hatte in Malaysia eine heftige Debatte ausgelöst, ob Muslime religiöse Feste anderer Religionen besuchen dürften oder nicht.

»Wir wissen aufgrund unserer religiösen Erziehung mit Sicherheit, was wir als Muslime dürfen und was nicht. Oder ist dieser Vorschlag nun das Eingeständnis, dass diese islamischen Gelehrten ihren Job, uns zu erziehen, nicht erfüllt haben, so dass wir bis heute ignorant sind?«, so Marina Mahathir.

Reverend Eu Hong Seng, Präsident von National Evangelical Christian Fellowship Malaysia, befürchtet demgegenüber vor allem einen Missbrauch solcher Richtlinien: »Richtlinien können ein sehr hilfreiches Werkzeug sein, um Harmonie zu fördern und Missverständnisse zu vermeiden. Aber in den Händen von engstirnigen und übereifrigen Menschen wären diese Richtlinien verheerend.«

Für den Präsidenten des ökumenischen Rates der Kirchen Malaysias sind solche Richtlinien völlig überflüssig. »Es gibt genügend Gesetze, um die Interessen der Gemeinschaften sicherzustellen. Muslimen den Besuch religiöser Feiern von Nicht-Muslimen zu verbieten, erzeugt mehr Misstrauen, statt Harmonie und Einheit zu fördern.«

Prominente muslimische Gelehrte sehen stattdessen die Notwendigkeit solcher Richtlinien, da Politiker den Islam missbraucht hätten. Asri Zainul Abidin, ein früherer Mufti des Staates, erklärte am 19. Februar in malaysischen Medien, dass muslimische Politiker von der Regierungs- und von Oppositionsparteien sich gegenseitig aus rein politischem Kalkül vorwerfen, unislamisch zu sein. Richtlinien würden Klarheit schaffen, welche Art von Partizipation an religiösen Feierlichkeiten anderer Religionsgemeinschaften gemäß dem Islam erlaubt seien, gestützt auf Kenntnis und nicht auf Emotionen.

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