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THAILAND

»Mit anderen Augen sehen!«

Asylsuchende in Bangkok erzählen mit Hilfe von Fotos ihre eigene Geschichte. Die Projektleiterin, Molly Mullen vom Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRSAP), erhofft sich, dass den Asylsuchenden damit auch ein Weg gezeigt wird, aus dem Verborgenen herauszutreten.
FOTO: UCANEWS

Projekt der Jesuiten stellt die Situation von Asylsuchenden und Flüchtlingen in den Mittelpunkt

Es war eine simple Idee, jedoch eine, die unerwartete Ergebnisse hervorbrachte. Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten im asiatisch-pazifischen Raum (JRSAP) setzt sich bereits seit drei Jahrzehnten für die Nöte des beständigen Stroms von Flüchtlingen aus der gesamten Region ein, Flüchtlinge, denen in ihrer Heimat Freiheit und Rechte verweigert wurden.

Aus Anlass dieses 30-jährigen Einsatzes entstand die Idee, acht Asylsuchende aus Kambodscha, China, Iran, Pakistan und Sri Lanka in ein Projekt einzubeziehen, das ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Geschichte auf ihre eigene Weise und mit ihrer eigenen Stimme zu erzählen. Sie erhielten Kompaktkameras und eine zweistündige Einführung in die Bedienung der Kameras. Sodann hatten sie zwei Monate Zeit, ihr Leben in der Hauptstadt Bangkok in Bildern zu erzählen.

Molly Mullen, Sprecherin von JRSAP, erklärte gegenüber UCANews am 16. April: »Wir wollen, dass die Menschen in Bangkok und in der gesamten Region verstehen lernen, dass Flüchtlinge und Asylsuchende durchaus in der Lage sind, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Menschen hören das Wort Flüchtling sehr häufig. Aber sie verstehen nicht, worüber wir sprechen. Es gibt hier Menschen aus der ganzen Welt, die versuchen, ihr Leben zu retten und in Bangkok Sicherheit zu finden.«

Das Projekt, so Mullen, habe den Betroffenen nun die Möglichkeit geboten, mit Hilfe von Fotografie ein effektives Medium zu nutzen, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und über ihre Erfahrungen zu berichten.

»Es gibt keine Sprachbarrieren mit Fotografien. Menschen können mit Fotos wirklich das rüberbringen, was sie sagen wollen, und sie haben es mit dieser Fotoausstellung wirklich sehr gut gemacht.«

Phea, ein früherer freier Journalist in Kambodscha und Mitglied der Oppositionspartei, bekam mit der Regierung des Landes Ärger, nachdem er zwei Bücher über politische Korruption und Menschenrechtsverletzungen im Land veröffentlicht hatte. Das Erziehungsministerium verbot die Bücher und verkündete, dass der Autor gesucht werde, um ihn zu befragen. Phea floh aus Kambodscha und kam im Juli 2010 nach Bangkok.

»Ich bin sehr glücklich über dieses Projekt, denn es ist Teil meiner Geschichte. Ich will, dass insbesondere die Menschenrechtsorganisationen in Thailand oder anderswo in der Welt das Leben von Asylsuchenden kennenlernen.«

Yi, eine Lehrerin und Mutter aus dem Nordosten Chinas, ertrug mehrere Jahre der Drangsal, emotionale Trauma und physische Folter durch chinesische Behörden, die sie zwingen wollten, ihrer Praxis des Falun Gong abzusagen. Falun Gong nahm 1992 in China seinen Anfang als eine spirituelle Tradition, die moralische Lehren, Meditation und körperliche Übungen verbindet. 1999 wurde es von der chinesischen Regierung verboten, viele Anhänger oder Praktiker des Falun Gong wurden verhaftet und gefoltert.

Verlassen von ihrem Mann, der zugleich ihr Kind mitnahm, kam Yi 2007 nach Bangkok. Das Fotoprojekt gab ihr die Möglichkeit, im Namen derjenigen, die nicht in der Lage waren, aus China zu fliehen, zu sprechen.

»Mit diesen Bildern will ich lediglich anderen mitteilen, wie das Leben eines Falun Gong Flüchtlings aussieht«, so Yi.

Für Molly Mullen kommt in den Bildern der Flüchtlinge vor allem eines zum Ausdruck: die Würde eines jeden Einzelnen, der als Flüchtling nach Bangkok gekommen ist. Viele der Flüchtlinge haben sich, so Mullen, als Geister in Bangkok beschrieben, die im Verborgenen leben. »Ich hoffe, dass mit diesem Projekt die Idee der Geister langsam gemindert werden kann in der Gemeinde der Flüchtlinge.«

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