»Die Kirche zu den Menschen bringen!« Dialog, Partizipation und Mitverantwortung corner

Die Kirche zu den Menschen bringen!

Dialog, Partizipation und Mitverantwortung

von BISCHOF GILLES COTES SMM

Ein Poster der Diözese Daru-Kiunga zum Thema »Kleine Christliche Gemeinschaften «: »Zusammen arbeiten«, »Mit anderen teilen«, »Gemeinschaft der Liebe«, »Gemeinschaft des Glaubens«, »Gemeinschaft der Hoffnung«.
FOTO: DIöZESE DARU-KIUNGA

Dialog, Partizipation und Mitverantwortung in der Kirche der Westprovinz Papuas

Die Diözese Daru-Kiunga in der Provinz West-Papua in Papua Neuguinea umfasst ein riesiges Gebiet (99.000 km2). Viele Dörfer und Siedlungen sind bis heute nur schwer zu erreichen. In dieser Region hat die Kirche vor einigen Jahren einen umfassenden partizipativen Prozess begonnen, an dessen Ende die Verabschiedung eines Pastoralplanes stand, der nun umgesetzt wird. Kleine Christliche Gemeinschaften (KCG) prägen das Bild von Kirche. Es geht darum, eine Kirche zu sein, die Gemeinschaft ermöglicht und fördert, eine Kirche, die Partizipation und Mitverantwortung aller ermöglicht und fördert, eine Kirche, die eine Kirche der Menschen in West-Papua ist. Bischof Gilles Côtés, seit 1999 Bischof dieser Diözese, beschreibt im Folgenden diesen Prozess, der die Kirche in der Diözese Daru-Kiunga nachhaltig verändert.

In der westlichen Provinz von Papua Neuguinea (PNG) begann das Werk der Evangelisierung im Juni 1959 mit der Ankunft der ersten beiden Monfortaner Missionare aus Kanada. Niemand wollte in diese Region kommen, um die Kirche in dieser sehr abgelegenen und unterentwickelten Ecke dieser Erde zu errichten. Unser Provinzobere sagte damals, als die Entscheidung getroffen wurde, dass wir von Kanada in diese Ecke Papuas gehen: »Es wird fast unmöglich und sehr schwierig werden, aber genau deshalb gehen wir dort hin!« So kamen also die Montfortaner Missionare aus Kanada nach PNG. Inspiriert durch die Lehren und den Geist des II. Vatikanischen Konzils luden sie umgehend die Menschen ein, am Leben und der Mission der Kirche mitzuwirken. Sie unternahmen große Anstrengungen, um ein Zugehörigkeitsgefühl zur Kirche zu erzeugen; und sie planten Events, die für die Menschen zu einer neuen Erfahrung von Gemeinschaft wurden und dazu führten, dass die Menschen sagen konnten: »Wir sind Kirche!« Ich erinnere mich, als ich Ende 1971 nach Papua kam, dass bereits ein System lokaler Leitung und Kirchenführer in den existierenden Gemeinden seinen Anfang nahm.

Langsam aber allmählich drangen die Missionare mit Hilfe ihrer melanesischen Mitarbeiter bis zu den Menschen vor, die in kleinen Gruppen in abgelegenen Dörfern lebten. Konkret bedeutete es: tagelange Märsche durch den Urwald und lange Fahrten mit dem Kanu. Es kostete Zeit, da die Diözese eine Fläche von 99.000 km2 abdeckt und bis heute nur eine Straße mit einer Länge von 133 Kilometern existiert, die das ganze Jahr befahrbar ist. Die meisten Dörfer können maximal dreimal jährlich besucht werden aufgrund der großen Entfernungen, die zu Fuß oder mit Schlauchbooten zurückgelegt werden müssen und aufgrund der hohen Benzinpreise. Heute sind wir in einigen Ecken der Diözese, die die gesamte Westprovinz abdeckt, dabei, die Kirche erst zu errichten.

Mitte der 70er Jahre hatten wir begonnen, uns über Wege und Möglichkeiten Gedanken zu machen, die katholischen Gemeinden insbesondere in den abgelegenen Dörfern zu stützen. Diese Gemeinden benötigten ihre eigene Leitungsstruktur und mussten selbst verantwortlich werden für das Leben ihrer Gemeinden, für ihren Unterhalt, ihr Wachstum etc. Dies war die Zeit, als wir auch die Gründung so genannter Basisgemeinden in Betracht zogen. Und wir fragten uns: Wie könnten wir solche Gemeinden errichten? Uns war klar, wir benötigten einen Plan, eine Methode, um unsere Ziele zu erreichen

Feierliche Gründung einer Kleinen Christlichen Gemeinschaft in der Diözese Daru-Kiunga.
FOTO: BISCHOF GILLES COTES

Der partizipative pastorale Ansatz

Es war ein langer Weg. Zu Beginn der 80er akzeptierten wir ein Programm mit Namen »Das neue Bild der Pfarrei«. Es wurde uns von der »Bewegung für eine bessere Welt« (»Movement for a Better World« – MBW) vorgestellt. In den folgenden Jahren nahmen die meisten Pfarreien größere Anstrengungen auf sich, um ihre Aktivitäten zu planen und sicherzustellen, dass eine gute Kommunikation aufgebaut wurde, damit alle Menschen über die Aktivitäten der Pfarrei informiert werden konnten. Information ist entscheidend, wenn wir wünschen, dass die Menschen teilhaben am Leben der Kirche. In allen Dörfern gaben wir Besinnungstage zum Thema »Christliche Gemeinschaft«, was einen großen Enthusiasmus hervorbrachte.

Mitte der 90er Jahre schließlich machten wir einen großen Schritt nach vorne und entschieden, uns als Diözese auf den Weg zu machen und dem Programm der Erneuerung zu folgen, statt es einzelnen Pfarreien selbst zu überlassen, ihren eigenen Weg zu beginnen. Mit der Assistenz und Begleitung des MBW schrieben wir unseren Pastoralplan. Dies kostete uns fast vier Jahre voller harter Arbeit. Dass es so lange dauerte, lag vor allem daran, dass es uns ein Anliegen war, dass die Menschen zu jedem Moment in diesen Prozess eingebunden waren und ihren Beitrag leisten konnten. Wir erstellten eine Analyse der Situation der Diözese, reflektierten den sozialen Kontext und die religiöse Erfahrung der Menschen. Wir träumten gemeinsam von einer Kirche, die wir nach Gottes Willen werden sollten (ein ideales Modell der Diözese). Und wir beschrieben den Weg, dem wir folgen wollten, um dieses ideale Modell werden zu können. Während der Diözesanversammlung im November 1999 schließlich akzeptierten die Teilnehmer einstimmig den erarbeiteten diözesanen Pastoralplan. Und dies war möglich, weil sie in allen Stadien der Vorbereitung und Erarbeitung des Pastoralplans einbezogen waren und somit das Gefühl hatten, dass es ihr eigener Plan war. Und dies war der Beginn unseres Glaubensweges als Diözese.

Während der ersten Phase (sie dauerte 11 Jahre von 2001–2012) förderten wir vor allem Werte, menschliche Werte wie auch Werte des Evangeliums, durch eine Vielzahl von Aktivitäten: Identität (melanesisches und christliches Leben als Geschenk Gottes), Würde (Gleichheit, Respekt) und Freiheit (frei zu sein, wahrhaftes Leben zu wählen und einander zu vertrauen). Wir begannen zudem, die Spiritualität der Gemeinschaft (Communio-Spiritualtität) zu leben und zu fördern, was einen großen Unterschied ausmacht in der Art und Weise unserer Beziehungen, unserer Zusammenarbeit und unserer Bemühungen, auf unserem Glaubensweg voranzuschreiten. Diese Spiritualität wurde zu einem beständigen Ruf zur Umkehr, zur Evangelisierung, zur Inkulturation und schließlich zu einem Aufruf, besser aufeinander Acht zu geben.

Kleine Christliche Gemeinschaften – Ergebnis des Pastoralplanes

Während dieser ersten Phase sensibilisierten wir die Menschen für Geschwisterlichkeit, für Erfahrungen von Gemeinschaft, um sie einander näherzubringen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass es gut sei, einander wie Brüder und Schwestern zu begegnen. Das Ziel war es, sie für die Errichtung Kleiner Christlicher Gemeinschaften (KCG) zu gewinnen. Zum Ende der ersten Phase (im Jahr 2010) planten wir sehr genau die einzelnen Schritte zur Errichtung der KCGs. Wir waren konfrontiert mit sehr großen Herausforderungen: die enorme Größe unserer Diözese, der Mangel an Straßen und Beförderungsmitteln, die großen Distanzen, die es zu überwinden galt, um zu allen Menschen vorzudringen, die Wanderungsbewegungen der Menschen auf der Suche nach Nahrung und Arbeit, der Mangel an Leitung in einigen Gemeinschaften, die Ankunft von fünf Ölgesellschaften mit dem Ziel der Ausbeutung der Ressourcen in der West-Provinz, der Streit einiger Pfarreiteams, der hohe Level von Analphabetismus in einigen Dörfern etc.

Aber das für die Koordination des diözesanen Pastoralplans verantwortliche Team (Diocesan Team for Pastoral Animation – DTPA) und einige andere kamen zusammen und planten die einzelnen Schritte. Das Wichtigste war, dass die Menschen wissen und verstehen können mussten, worüber wir sprachen, dass ihnen die Gründe für die Errichtung von KCGs in der Diözese verständlich wurden. Wir mussten daher zu den Menschen gehen. Und deshalb entschieden wir, alle Familien in der Diözese zweimal zu besuchen, Leiter der KCGs zu wählen und auszubilden. Wir legten auch den Zeitpunkt und die Art und Weise fest, die KCGs zu gründen .

Das diözesane Logo für Kleine Christliche Gemeinschaften.
FOTO: DIöZESE DARU-KIUNGA

Die Umsetzung

Und so wurde es auch gemacht:

  • Wir baten alle Pfarreiteams, eine Gruppe von Menschen auszuwählen, die bereit und auch fähig waren, dieses Anliegen allen Familien der Pfarrei mitzuteilen. Wir nannten solche Freiwilligen die Besucher.
  • Diese Besucher bildeten wir für ihren ersten Besuch in den Familien aus. Wir stellten ihnen Materialien für ihren Dienst zur Verfügung, vor allem zwei Flyer, die das Was und das Warum von KCGs erklärten. Um diesen Inhalt erstellen zu können, studierten wir nochmals ausführlich, was wir Jahre zuvor in unserem diözesanen Pastoralplan bereits über KCGs formuliert hatten.
  • Der Bischof schrieb einen Brief an alle Familien und die Besucher übergaben und erklärten ihn den Familien. – Die Pfarreiteams organisierten Beförderungsmittel, wo es notwendig war, und erstellten einen Zeitplan für die Besuche der Familien.
  • Die Besucher wurden nach ihrem ersten Besuch zusammengerufen, um über ihre Erfahrungen zu berichten und um sie zugleich für ihren zweiten Besuch auszubilden beziehungsweise vorzubereiten.
  • Nach dem Besuch aller Familien in einem Dorf oder einer Siedlung wurden alle Familien, die Ja gesagt hatten, zu einem Treffen eingeladen und mit Hilfe des Pfarreiteams und der Besucher in Gruppen eingeteilt, die eine KCG bilden. In einigen Dörfern und Siedlungen hatten die Bewohner und Familien es bereits von sich aus gemacht. Dies zeigte ihr Interesse an den KCGs und ihre Bereitschaft, sich auf eine solche Erfahrung einzulassen. Die Frage der Leitung wurde den Teilnehmern erklärt, auch die Rolle der Mitglieder der Leitung von KCGs. Für jede KCG benötigten wir einen animator (Anm.: die Aufgabe dieser Person ist es, zu den Treffen einzuladen, zu schauen, dass die KCG ihren Weg geht etc.), einen facilitator (Anm.: jemand, der etwas ermöglicht, das heißt der den Dialog innerhalb der KCG ermöglicht, der Partizipation ermöglicht etc.), und schließlich jemanden, der die Entscheidungen der KCG festhält und sich für die Umsetzung einsetzt. Die gewählten Leiter schließlich wurden zu speziellen Ausbildungskursen eingeladen.
  • DTPA bildete alle Mitarbeiter auf diözesaner Ebene aus, damit diese sodann die neu gewählten Leiter der KCGs ausbilden konnten. Zwölf Teams wurden auf diese Aufgabe vorbereitet, und in allen Pfarreien wurden Ausbildungskurse angeboten. In einigen Pfarreien wurden an mehreren Orten Ausbildungen angeboten. Der Bischof schrieb eigens einen Brief an die neu gewählten Leiter der KCGs, der den Titel trug: »Leiten bedeutet dienen«.
  • Die Menschen waren inzwischen informiert worden über die Methode, eine KCG zu beginnen. Wir bereiteten einen Event mit dem Titel »Die Erfahrung christlicher Solidarität« vor. Dieses Event bestand aus drei Treffen einer KCG an drei aufeinander folgenden Tagen. Am Ende des dritten Treffens wurden die Familien gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, sich zukünftig einmal monatlich zu treffen. Am vierten Tag schließlich kam ein Priester hinzu und man feierte gemeinsam die Eucharistie. Während dieser Eucharistiefeier wurde die Gründung der KCG gefeiert. Die Mitglieder gaben ihrer Hingabe für die KCG Ausdruck. Jedem Leitungsteam wurde ein Kreuz, eine Bibel, ein KCG-Logo, ein Buch für Aufzeichnungen, KCG Ausweise, ein Kugelschreiber und Poster mit Themen und Bibel- Referenzen für ihr nächstes Treffen überreicht.
  • Es gelang uns, während der Fastenzeit 2011 insgesamt 231 KCGs zu gründen. Wenn wir uns die Größe der Diözese anschauen und all die Hindernisse, die wir zu überwinden hatten, um diese wundervolle Erfahrung wirklich zu erleben, können wir zu Recht sagen, dass es wie ein Wunder war und dass etwas geschehen ist, das Gott selbst wollte, dass es mit uns geschah.
  • Einige Gruppen oder Familien waren während der Fastenzeit 2011 noch nicht bereit und die Gründung ihrer KCG konnte nicht wie geplant stattfinden. Gründe waren unter anderem der Tod einer Person, neu gewählte Leiter, die auf der Suche nach Arbeit den Ort verlassen mussten etc. Einige von ihnen konnten schließlich zu einem späteren Zeitpunkt gegründet werden.

Unsere Herausforderung ist es nun, auf die KCGs Acht zu geben, insbesondere die Leiter. Allen Pfarreiteams ist eine Ausbildung für diesen Dienst gegeben worden und auch besonderes Material wie zum Beispiel Themen für Einkehr- beziehungsweise Besinnungstage. Es ist wichtig, dass wir die Leiter der KCGs begleiten und ihnen helfen, in ihrem Engagement stark zu bleiben. Dies ist unsere Priorität für die kommenden Jahre.

INFO-TIPP

Bischof Gilles Côtés wird auf Einladung von missio im Rahmen der diesjährigen Kampagne zum Weltmissionssonntag nach Deutschland kommen. Stationen seiner Reise werden u. a. die Erzdiözese Freiburg und die Diözese Osnabrück sein. Die genauen Termine werden rechtzeitig unter www.missio.de bekannt gegeben.

Was ist eine Kleine Christliche Gemeinschaft?

Für uns in unserer Diözese besteht eine KCG aus 10–15 Familien. Ein Schlüsselelement einer KCG ist es, dass die Mitglieder ihren Glauben miteinander teilen. Dies kann nicht geschehen, wenn die Gruppe zu groß ist. Dann nämlich würden einige wenige ihren Glauben mitteilen, die meisten jedoch einfach nur zuhören. Die Familien einer KCG kommen einmal monatlich zu ihrem Treffen im Namen Jesu zusammen. Während des Treffens schauen sie auf ihre Situation, auf Situationen, die ihr Leben betreffen und reflektieren diese im Lichte des Wortes Gottes. Danach treffen sie gemeinsam eine Entscheidung, um einen Wandel zum Besseren hin in ihrem Leben zu ermöglichen. Unser Ziel ist es, dass sie irgendwann auch die Verantwortung für die Vorbereitung der Kinder auf die Sakramente übernehmen. Sie sind Gemeinschaften des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Sie sind Gottesdienst-Gemeinschaften. Sie sind Gemeinschaften des Dienstes und der Sendung. In einem Dorf oder einer Siedlung kommen alle Mitglieder einer KCG zum Sonntagsgottesdienst oder zu besonderen Feiern und Aktivitäten zusammen, häufig organisiert durch die Pfarrei.

Für Bischof Gilles Cotés ist der gesamte Prozess der gemeinsamen Erarbeitung des diözesanen Pastoralplanes wie auch die Umsetzung und die Errichtung von KCGs ein wichtiger Weg der lokalen Kirchenentwicklung. Dialog, Teilhabe und Mitverantwortung prägen die Kirche in Daru-Kiunga. Das Foto zeigt Bischof Gilles Cotés bei der diesjährigen Palmsonntags-Liturgie in dem Dorf Moian.
FOTO: BISCHOF GILLES COTES

Dezentralisierung von Macht in der Kirche

Warum bilden wir KCGs? Es gibt viele Gründe, einige sind bereits genannt worden. Ich denke jedoch, dass der wichtigste Grund zur Errichtung von KCGs darin besteht, die Kirche zu den Menschen zu bringen. Es ist nicht gut, wenn die Menschen die Kirche als große Institution, getrennt von ihnen selbst, ansehen, wenn sie darauf warten, dass ihnen gesagt wird, was sie zu tun und zu denken haben. Die Menschen müssen erfahren können, dass sie selbst Kirche sind, dass das Leben und die Mission der Kirche ihre Verantwortung ist; sie müssen sich die Entscheidungen, die zum Wohl aller getroffen werden, zu eigen machen können. Dies bedeutet aber, dass sie in die Entscheidungsprozesse auf allen Ebenen eingebunden werden. Bei KCGs geht es um einen Prozess der Dezentralisierung von Macht in der Kirche. Macht ist sehr stark mit Entscheidungen und Entscheidungsfindung verbunden. In ihren KCGs sind die Mitglieder eingeladen, Entscheidungen über ihr Leben zu treffen, in dem sie es im Licht des Wort Gottes betrachten. Und es geht um Entscheidungen, wie sie ihren Glauben und Liebe in ihrem Alltag leben.

»Wir denken, entscheiden und handeln gemeinsam «

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist, dass in einer Diözese, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine Kirche zu errichten, die durch Partizipation und Gemeinschaft geprägt ist, die Menschen eine Struktur benötigen, die es ihnen ermöglicht, diese Gemeinschaft,

diese Communio zu erleben. Communio wird erfahrbar, wenn es ein Teilen unter den Menschen gibt, wenn Menschen aufeinander hören und selbst ihren Beitrag leisten, wenn sie ihre Gaben zum Wohl aller Mitglieder teilen, wenn Menschen Entscheidungen treffen, um ihr Leben zu ändern und zu verbessern, wenn sie lernen, wahrhaft Brüder und Schwestern in Christus zu sein. Solch eine Erfahrung kann in einer KCG gelebt werden. Es geht darum, aktive Mitglieder der Kirche zu werden. Um es einfach auszudrücken: Wir denken gemeinsam, wir entscheiden gemeinsam, wir handeln gemeinsam.

Wir wünschen uns, die Partizipation und die geteilte Verantwortung aller Menschen im Leben und der Mission der Kirche noch effektiver zu machen. Wir wünschen uns, jedem Einzelnen dabei helfen zu können, als Mensch und als Christ zu reifen. Wir wünschen uns, die fortdauernde Erneuerung aller Menschen zu ermutigen und die Aufmerksamkeit der Leiter auf die Sorgen und Nöte der Menschen lenken zu können. Wir wünschen, dass alle unsere Mitglieder eine wichtige Rolle im Leben der Kirche und der Gesellschaft spielen. Wir wünschen, dass Dialog, Partizipation und Mitverantwortung Teil des Alltagslebens der Menschen werden.

Gemeinschaft – herausgefordert durch einen modernen Lebensstil

Es gibt viele Veränderungen, die heutzutage in PNG stattfinden, zum Teil finden diese Veränderungen sehr schnell statt. Dies hat große Auswirkungen auf die melanesische Kultur und auf den christlichen Glauben.

Das Wohlergehen aller in der traditionellen Gesellschaft wird heute durch Ideen und Wege herausgefordert, die statt der Gemeinschaft die Person in den Mittelpunkt stellen: Ich kann selbst für mich sorgen und benötige die anderen nicht mehr. Der Fokus liegt jedoch in diesem Denken auf dem Besitz und nicht auf Beziehungen. Die Person, die Arbeit gefunden und ihr Dorf verlassen hat, macht die Erfahrung, dass sie auf sich allein gestellt überleben kann. Ihre Sicherheit besteht nicht länger aus der Solidarität, die unter den Menschen im Dorf herrscht, sondern im Geld und in ihren Besitztümern. Das Interesse am Allgemeinwohl geht irgendwie verloren. Was aber wichtiger wird, ist das eigene Wohl und das Wohl der eigenen unmittelbaren Familie.

Dieses Denken fördert ein Verständnis, dass Menschen zuallererst auf ihre eigenen Interessen bedacht sind und egoistisch werden. Als eines dieser Ergebnisse ist festzustellen, dass Mitglieder der Gemeinschaft, die wirklich in Not sind wie zum BeispielWitwen und Waisen, nicht mehr die Unterstützung und Hilfe erhalten, die sie in der traditionellen Gesellschaft erhalten hätten. Das traditionelle Gerüst der Gesellschaft wird heute durch die Moderne ernsthaft herausgefordert. Die Erfahrung mit KCGs helfen den Menschen, so die Resonanz vieler Mitglieder unserer Kirche, den Wert der Gemeinschaft zu erhalten. Und dafür sind sie sehr dankbar.

Natürlich hat dies auch Auswirkungen auf den Glauben. Wenn Menschen sich in erster Linie für Geld und Besitztümer als ihren neuen Schatz entscheiden, dann können sie sehr leicht Gott und die Brüder und Schwestern aus den Augen verlieren. Viele Menschen in PNG leben heute ihr Leben so, als ob Gott nicht existiere und nichts mit ihrem Leben zu tun habe. Andere interessieren sich lediglich dafür, ihre eigene Seele zu retten, ohne auch nur einen Gedanken an das Wohlergehen der Anderen zu verschwenden.

Ausblick

Viele Diözesen in PNG erwähnen Basisgemeinden in ihrem Pastoralplan. Viele sprechen über diese Gemeinschaften, jedoch gibt es keine gemeinsame Auffassung und keinen vereinbarten Weg zur Errichtung dieser Gemeinschaften. Einige Diözesen folgen dem Modell des Lumko-Instituts aus Südafrika. Andere haben ihre eigenen Programme zur Bildung solcher Gemeinschaften entwickelt. Wieder andere, wie auch unsere Diözese, folgen dem Programm von MBW. Was jedoch trotz aller Unterschiede wichtig ist: dass wir als Kirche in PNG uns zum Ziel gesetzt haben, die Menschen dafür zu gewinnen, einen aktiven Part in ihrem Leben als Kirche zu übernehmen und darin zu wachsen, sich für sie verantwortlich zu fühlen.

BISCHOF GILLES COTES SMM
Ordensmann und Priester, gebürtig aus Kanada, seit 1971 in Papua Neuguinea tätig, 1995 zum Bischof geweiht und zum Weihbischof der Diözese Daru-Kiunga ernannt, seit 1999 Bischof der Diözese Daru-Kiunga / Papua Neuguinea

Gratis-Ausgaben

Ich möchte Forum Weltkirche mit 2 Gratis-Ausgaben kennen lernen.

/ Bestellen bei HerderShop24