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PAKISTAN

Muslim von aufgebrachtem Mob lebendig verbrannt

Nach der brutalen Ermordung von Ghulam Abbas demonstrieren Menschen in Lahore gegen die zunehmende Gewalt im Namen von Religion in Pakistan.
FOTO: UCANEWS

Ein muslimischer Mann ist Anfang Juli in Chani Goth in der pakistanischen Provinz Punjab wegen angeblicher Schändung des Korans bei lebendigem Leib verbrannt worden. Ghulam Abbas war zuvor unter dem Verdacht der Blasphemie verhaftet worden, dann jedoch von einem aufgebrachten Mob aus seiner Zelle des Polizeireviers gezerrt und auf einer Straßenkreuzung des Ortes verbrannt worden. Lokale Medien berichteten, dass während der Auseinandersetzungen acht Polizisten verletzt und vier Polizeifahrzeuge zerstört worden seien.

Father Samuel Raphael aus Bahawalpur, 60 Kilometer entfernt von Chani Goth, erklärte gegenüber UCANews, dass dieser brutale Übergriff ein Anzeichen für die zunehmende Gesetzlosigkeit und religiöse Intoleranz im Lande sei. »Dieser Übergriff ist Ausdruck für eine unmenschliche Gesellschaft, die mit gefährlicher Geschwindigkeit immer intoleranter wird. Die umstrittenen Blasphemiegesetze sollten solche Anschuldigungen eigentlich in einem rechtlich festgelegten Prozedere behandeln, jedoch nehmen die Menschen immer öfter die Sache in die eigene Hand. Einige sagen, dass Abbas psychisch krank gewesen sei, aber er bekam überhaupt keine Chance, seine Unschuld zu beweisen«, so der katholische Priester.

Einen Tag zuvor war in Faisalabad ein Mann von einem Mob zusammengeschlagen worden, weil er angeblich herabwürdigende Bemerkungen über den Propheten Mohammed gemacht haben soll. Die Polizei konnte den Mann aus der Menschenmenge befreien und retten. Jedoch blockierte daraufhin der aufgebrachte Mob eine Straße und forderte den Tod des Mannes.

Nach Angaben der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP) der pakistanischen Bischofskonferenz sind in diesem Jahr zwei Muslime und ein Christ, alle der Blasphemie beschuldigt, ermordet worden. Insgesamt seien seit Januar letzten Jahres bis Mai diesen Jahres insgesamt 88 Personen, darunter 64 Muslime und 17 Christen zu Opfern der Blasphemiegesetze geworden.

»Die Polizei ist sich bewusst, dass solche Anschuldigungen immer häufiger missbraucht werden. Jedoch hat dieses Problem immer noch keine Priorität für unsere Regierung. Das Leben von Menschenrechtsaktivisten ist bedroht aufgrund steigender aggressiver Haltungen im Land«, so Peter Jacob, Anwalt und Geschäftsführer von NCJP. »Die Chance ist vielleicht schon verpasst, um einen öffentlichen Diskurs über die Blasphemiegesetze zu führen.«

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