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HONGKONG

Regierung zieht Reformpläne für den Schulunterricht vorerst zurück

Demonstranten vor dem Regierungssitz in Hongkong kreuzen die Arme als Ausdruck ihrer Ablehnung der von der Regierung geplanten »Gehirnwäsche an Schulen «. Hunderttausende haben an den 10-tägigen Protesten teilgenommen.
FOTO: UCANEWS / KUNG KAO PO

Massive Studentenproteste gegen »Gehirnwäsche in der Schule«

Die Regierung Hongkongs hat angekündigt, die dreijährige Frist für Schulen, innerhalb derer das neue Unterrichtsfach »moralische und nationale Erziehung « eingeführt werden sollte, zu verwerfen. Diese Ankündigung wurde von der Regierung gemacht, nachdem ein zehntägiger von Studenten angeführter Protest gegen die Pläne der Regierung durchgeführt worden war. Die Studenten werfen der Führung Hongkongs vor, dass dieses neue Unterrichtsfach überaus nationalistisch geprägt sei und eine »gesäuberte « Version der chinesischen Geschichte unterrichte.

Der Regierungschef Hongkongs, Leung Chun-ying, erklärte auf einer Pressekonferenz am 09. September, dass die Schulen völlige Autonomie haben würden, zu entscheiden, wann und wie dieses Unterrichtsfach eingeführt werden sollte, wenn überhaupt.

Der Franziskaner Stephen Chan, Berater der diözesanen Kommission »Gerechtigkeit und Frieden«, warnte gegenüber UCANews jedoch davor, dass die Erklärung Leungs Augenwischerei sei. »Es handelt sich eher um eine Anpassung der zeitlichen Perspektive und nicht um einen Politikwechsel.« Vielmehr sei er davon überzeugt, dass die Regierung nun mit aller Macht versuche, die einzelnen Schulen entweder durch Drohungen oder aber durch Fördergelder für ihre Sache zu gewinnen. Die Demonstranten rief der Ordensmann dazu auf, auf der Hut zu bleiben und sich auf einen sehr langen Protest einzustellen.

Etwa 286.000 Menschen nahmen an dem 10-tägigen Sit-in vor dem Regierungsgebäude in Hongkong teil. Den Höhepunkt erreichte der Protest am 07. September, als gleichzeitig 120.000 Studierende vor dem Regierungsgebäude protestierten. Die Demonstranten riefen in Sprechchören »Nein zur Gehirnwäsche in Schulen«.

Kardinal Joseph Zen, emeritierter Bischof von Hongkong, nahm ebenfalls an den Protesten teil. Mit seiner Anwesenheit wollte er zugleich 14 Studierenden seine Solidarität bekunden, die aus Protest gegen die Regierungspläne einen Hungerstreik begonnen hatten.

Gegenüber UCANews erklärte der Kardinal, dass es ihm großen Kummer bereite, wenn Studierende zum Mittel des Hungerstreiks greifen müssten, um in ihren Sorgen gehört zu werden. Es sei enttäuschend, dass die Regierung es ablehne, den Plan als solchen zu verwerfen. »Ich hoffe, dass die Studenten friedlich bleiben und es nicht zu einer Eskalation kommen wird. Wenn die Regierung jedoch lediglich eine Verzögerungstaktik nutzt, dann haben wir keine andere Wahl als den Protest fortzuführen.«

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