Das Konzil fordert uns heraus – bis heute! Eine indische / asiatische Perspektive corner

Das Konzil fordert uns heraus – bis heute!

Eine indische / asiatische Perspektive

von MICHAEL AMALADOSS SJ

Die Bischöfe (Konzilsväter) bei der Eröffnung der vierten Session des II. Vatikanisches Konzils in der Konzilsaula.
FOTO: KNA-BILD

Für den indischen Theologen Michael Amaladoss SJ ist das II. Vatikanische Konzil ein bahnbrechendes Ereignis gewesen, das die Kirche bis heute herausfordert. Die Frage der Ortskirchen, der Volk-Gottes Theologie und der Mission der Kirche als Dialog sind für ihn zentrale Themen des Konzils, die nur zum Teil ihre Umsetzung nach dem Konzil erfahren haben. Im folgenden Beitrag setzt sich der Autor mit diesen zentralen Fragen auseinander und beleuchtet sie aus indischer beziehungsweise asiatischer Perspektive.

Zurückschauend auf das II. Vatikanische Konzil, 50 Jahre nach Beginn dieses so wichtigen Ereignisses, denke ich, dass seine Bedeutung und sein Stellenwert für Asien in drei Orientierungen liegt, die das Konzil der Kirche gab. Diese sind:

1. Die Universalkirche als Gemeinschaft von Ortskirchen;

2. Die Kirche als Volk Gottes;

3. Dialog als Weg der Mission der Kirche. In all diesen drei Bereichen hat man sich den Herausforderungen zum Teil gestellt, während weitere Fortschritte noch erzielt werden können.

Die Ortskirche

Während das I. Vatikanische Konzil sich auf den Papst konzentrierte, richtete das II. Vatikanische Konzil den Fokus auf die Bischöfe. Es bejahte die kollegiale Verantwortung der Bischöfe. Neue Strukturen wie nationale und regionale Bischofskonferenzen wie auch die Bischofssynode entstanden in Folge. Gaudium et Spes bestand auf den Dialog zwischen Evangelium und Kulturen (GS 53–62). Die Föderation asiatischer Bischofskonferenzen (gegründet 1970) betonte, dass ein solcher Dialog zur Entstehung von Ortskirchen führe. Jedoch ist die Kirche sehr stark zentralisiert. Synoden und Bischofskonferenzen produzieren Dokumente. Entscheidungen können sie nicht treffen. Die Bischofssynode wird eng kontrolliert durch das zentrale Amt in der Kirche und selbst die Abschlussdokumente von Bischofssynoden werden letztendlich vom Papst geschrieben. Der Vatikan ist in der Lage, die Ausrichtung einer Bischofskonferenz durch die sorgsame Ernennung von Bischöfen über viele Jahre zu verändern. Zentrale Kontrolle wird errichtet durch die Anerkennung und Belohnung von Loyalität. Der lateinische Ritus kennt keine Autonomie oder eine gewisse Demokratie, wie es ein synodales System kennt und dessen sich andere Riten scheinbar erfreuen. Wenn ein Gespräch auf die kirchliche Communio zu sprechen kam, wurde von Vertretern des Vatikans umgehend daraus die »hierarchische Communio« gemacht.

Der Vision von Ortskirchen wurde im Konzil durch das Dokument über die Liturgie ein konkreter pastoraler Ausdruck geschenkt. Dort heißt es nämlich: »Die Kirche wünscht in dem, was nicht den Glauben oder das Wohl der ganzen Gemeinschaft berührt, nicht einmal in der Liturgie die starre Form eines einzigen Wortlautes aufzuerlegen; im Gegenteil pflegt und fördert sie sogar die Vorzüge des Geistes und Mitgiften der vielfältigen Stämme und Völker;…« (Sacrosanctum Concilium 37). Die Bischofskonferenzen wurden autorisiert, dieses Projekt zu implementieren. Aber abgesehen von der wörtlichen Übersetzung lateinischer liturgischer Texte, die durch den Vatikan genehmigt werden musste, und einiger Gesten beziehungsweise lokaler Musik wurde keine Kreativität der Ortskirchen erlaubt. So besitzen wir Aussagen des Konzils über Zielsetzung und Strukturen, die nicht angewendet werden. Nur auf dem Gebiet der Volksreligiosität, der Spiritualität und Theologie waren die Ortskirchen in der Lage, kreative Rollen zu spielen. In Indien haben wir die Ashram-Bewegung erlebt. Asiatische Befreiungstheologien wie Minjung-Theologie, Dalit-Theologie oder auch die feministische Theologie, Theologien, die sich der Begegnung von Evangelium und Kulturen gewidmet haben, wie auch Religionstheologien und Missionstheologien sind erblüht. Diese Entwicklungen sind auch von den meisten Bischöfen unterstützt worden, trotz der beständigen Bemühungen der Kontrolle, insbesondere in Priesterseminaren, und des daraus resultierenden Phänomens der Selbstzensur. Johannes Paul II. schrieb in »Fides et Ratio« (1998): »Unter ihnen nimmt Indien einen besonderen Platz ein. Ein großartiger geistiger Aufschwung führt das indische Denken zur Suche nach einer Erfahrung, die dadurch, dass sie den Geist von den durch Zeit und Raum gegebenen Bedingtheiten befreit, Absolutheitswert hat. Im Dynamismus dieser Suche nach Befreiung finden sich große metaphysische Systeme. Den Christen von heute, vor allem jenen in Indien, fällt die Aufgabe zu, aus diesem reichen Erbe die Elemente zu entnehmen, die mit ihrem Glauben vereinbar sind, so dass es zu einer Bereicherung des christlichen Denkens kommt.« (FR 72). Aber wie frei sind wir wirklich? Wenn hinduistische Fundamentalisten das Christentum als ausländische Religion bezeichnen, können wir nicht wirklich aufspringen und sagen, dass wir vollkommen indisch sind, selbst-finanziert, sich selbst-verbreitend und selbst-regierend sind. Wir haben noch einen weitenWeg zurückzulegen, um eine indische Kirche zu werden und nicht nur eine Kirche in Indien. Es ist unsere Aufgabe: es wird nicht das Geschenk von irgendjemand anderem sein.

Im Bereich der Theologie, der Spiritualität und der Volksreligiosität sind vielfältige und kreative Ansätze in den Ortskirchen in Asien entstanden. Ein Ausdruck dieser Vitalität der Ortskirchen Asiens ist in Indien die christliche Ashram-Bewegung. Das Foto zeigt TeilnehmerInnen der 15. Versammlung von »All India Ashram Aikya Satsang« – eine Föderation katholischer geistlicher Zentren, die als Ashram geführt werden.
FOTO: UCANEWS

Die Kirche und das Volk Gottes

Der zweite bedeutende Vorstoß des Konzils betrifft das Selbstverständnis der Kirche als das Volk Gottes (Lumen Gentium 9–17). Das I. Vatikanische Konzil hat die Autorität des Papstes in den Mittelpunkt gestellt. Das II. Vatikanische Konzil hat dies ausgeglichen mit der Kollegialität der Bischöfe. Zudem hat es die Vision der Kirche als Volk Gottes unterstrichen. Es ist das Volk des neuen Bundes, mit Gottes Gesetz in seinem Herzen geschrieben (vgl. Jer 31,31–34). Der heilige Petrus nennt es »ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Pries terschaft, ein heiliger Stamm… Einst wart ihr nicht sein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk« (1 Petr 2,9–10). Das Volk sind Priester, die am Priestertum Christi teilhaben, die nicht nur Christi Opfer als sein Leib, sondern sich selbst anbieten. Das Volk Gottes nimmt Teil an Christi prophetischem Amt. Das Konzil sagt dazu: »Die Gesamtheit der Gläubigen… kann im Glauben nicht fehlgehen, und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie mittels des übernatürlichen Glaubenssinns (sensus fidei) des ganzen Volkes immer dann kund, wenn sie »von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien« ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und Sitten äußert.« (Lumen Gentium 12). Es besteht hier ein ausgezeichnetes Gleichgewicht zwischen dem Glaubenssinn und dem offiziellen Lehramt des Papstes und der Bischöfe. Der Heilige Geist schenkt zudem den Gläubigen spezielle Gaben, nicht zu ihrem eigenen Vorteil, sondern für den Dienst an den Menschen (vgl. 1 Kor 12,7–11). Die Hierarchie – die Bischöfe und Priester – steht im Dienst des Volkes. Jedoch wird die lateinische Kirche unglücklicherweise in weiten Teilen sehr stark vom Klerus dominiert. In Asien hat der Klerus auch eine dominante ökonomische und soziale Rolle in der Gemeinschaft. Da die asiatischen Christen tendenziell zu großen Teilen sehr arm sind, hängen sie vom Klerus und den kirchlichen Institutionen in verschiedenen wirtschaftlichen, sozialen, medizinischen und schulischen Diensten ab. Wo es Organisationen wie zum Beispiel Pfarrgemeinderäte gibt, wenn sie denn existieren, haben sie lediglich eine Beratungsfunktion. Mit dem Rückgang der Zahl der Priester übernehmen die Gläubigen verschiedene Rollen in der Kirche. Aber sie haben Verantwortung ohne Macht. Wenn Christen in die Mittelklasse aufsteigen, dank der sozialen und schulischen Einrichtungen der Kirche, werden sie kooperativer, aber auch fordernder als zuvor. Aber anstatt dass die Kirche zu einer Konsensdemokratie (keine Mehrheitsdemokratie!) wird, verbleibt sie im Wesentlichen hierarchisch und autokratisch mit Führern, die sich ihrer absoluten Autorität erfreuen.

Der Dialog des Handelns ist ein wichtiger Beitrag in Indien, zugleich die Spannungen zwischen Religionsgemeinschaften abzubauen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Das Foto zeigt Sr. Namrata bei ihrer Arbeit mit muslimischen Frauen in der Region Rampur in Indien.
FOTO: FRITZ STARK

Eine Kirche im Dialog

Das II. Vatikanische Konzil präsentiert schließlich eine Kirche, die nicht bloß ihre Feinde und Häretiker bekämpft, sondern die bereit zum Dialog mit der säkularen Welt, mit anderen Religionen und mit anderen Kirchen ist. Ich denke, dass dies eine der bedeutendsten Entwicklungen ist, die die Kirche weg von einer bis dahin vorherrschenden aggressiven Missionsmethode, insbesondere zu Zeiten des Kolonialismus, führte. Diese Offenheit für Dialog ist besonders offensichtlich im letzten Dokument des Konzils, in Gaudium et Spes. Es ist adressiert an die gesamte Menschheit. Nach einer Analyse der Welt, der Menschheit und ihrer Gemeinschaft im Kontext ihrer »Hoffnung und Freude, Trauer und Angst« (GS 1), beinhaltet dieses Dokument einen speziellen Teil zum Dialog der Kirche mit der modernen Welt, indem sie eine positive Sicht von dieser annimmt (40–44). Sodann fährt das Dokument fort und buchstabiert die Kontexte des Dialogs auf dem Gebiet des Familienlebens und der Kultur, sozio-ökonimischer und politischer Aktivitäten und der Friedensarbeit inmitten von Konflikten jeglicher Art durch. Dieser Aufruf zum Dialog mit der Welt wird ergänzt durch den Aufruf zum Dialog mit den Religionen, insbesondere den monotheistischen Religionen Islam und Judentum (Nostra Aetate), mit anderen Kirchen (Orientalium Ecclesiarum und Unitatis Redintegratio) sowie mit der politischen Welt (Dignitatis Humanae). Anstrengungen wurden auf diesem Gebiet in den vergangenen fünfzig Jahren unternommen. Es gab gemischte theologische Kommissionen zwischen den Kirchen, symbolische Dialogtreffen mit den Führern anderer Kirchen und Religionen und Begegnungen mit Intellektuellen der säkularisierten Welt. Aber kein merklicher Fortschritt wurde gemacht. Interreligiöse Gewalt gibt es auch weiterhin in vielen Teilen der Welt. Religionen sind nicht frei von politischer Einflussnahme oder Beherrschung. Die Gründe dafür mögen nicht immer religiöser Natur sein, sondern sozio-politischer und selbst ökonomischer. Deshalb sollte der Dialog auch alle Dimensionen des menschlichen Lebens einbeziehen, so wie Gaudium et Spes es versuchte zu verdeutlichen. Die Kirche tendiert jedoch dazu, sich selbst in eine überlegene Position zu stellen, was den wirklichen Dialog erschwert. Genau auf diesem Gebiet können die asiatischen Kirchen eine frische Perspektive einbringen, die ihre Wurzeln im Konzil hat, die jedoch von den asiatischen Kirchen vertieft und weiterentwickelt worden ist. Dies ist die Mission der Kirche.

Mission verstanden als Dialog ist für den asiatischen Kontext von besonderer Wichtigkeit. Das Foto zeigt Papst Johannes Paul II. während seiner Indien-Reise im Jahr 1999. Im Rahmen dieser Reise traf er sich mit hochrangigen Vertretern anderer Religionen: Bhai Manjit Singh Sahib, das Oberhaupt der Sikh (Mitte), und Shankaracharya Madhavananda Saraswati, das Oberhaupt der Hindus.
FOTO: KNA-BILD

Die Mission Gottes und der Kirche

Ad Gentes, das Missionsdekret des Konzils, verdeutlicht die Mission der Kirche sehr klar:

»Der Herr Jesus… gründete seine Kirche als Sakrament des Heiles und sandte die Apostel in die gesamte Welt, so wie er selbst vom Vater gesandt worden war… Daher obliegt der Kirche die Pflicht, den Glauben und das Heil Christi zu verbreiten« (AG 5).

Dies wird zur Bekehrung der Menschen führen, zu ihrer Taufe und der Gründung der Gemeinschaft der Kirche. Aber diesem Ruf zur Mission war »Gottes Mission « – die Missio Dei – vorausgegangen. In einem früheren Abschnitt heißt es in Ad Gentes:

»Die pilgernde Kirche ist ihrer Natur nach missionarisch, da sie selbst aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes ihren Ursprung herleitet gemäß dem Ratschluss Gottes, des Vaters. Dieser Ratschluss aber fließt aus der »Quellliebe« beziehungsweise Wertschätzung Gottes, des Vaters, hervor, der… aus seiner überreichen und barmherzigen Güte frei schaffend und überdies uns gnädig berufend, mit ihm im Leben und in der Herrlichkeit Gemeinschaft zu haben, seine göttliche Güte freigiebig ausgegossen hat und nicht aufhört auszugießen, so dass er, der der Schöpfer von allem ist, schließlich ›alles in allem‹ (1 Kor 15,28) wird…« (AG 2)

Die Mission Gottes ist die Sendung des Wortes und des Geistes, die seit ihrer Erschaffung in der Welt aktiv und präsent sind. Deshalb sind sie auch immer und überall aktiv. Die Mission Gottes ist heilbringend. Gaudium et Spes zeigt dies auf:

»Der christliche Mensch… dem österlichen Mysterium zugesellt und dem Tod Christi gleichgestaltet, wird er, durch Hoffnung gestärkt, der Auferstehung entgegeneilen. Dies gilt nicht nur für Christgläubige, sondern auch für alle Menschen guten Willens, in deren Herzen die Gnade auf unsichtbare Weise wirkt. Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da die letzte Berufung des Menschen wahrhaft eine ist, nämlich die göttliche, müssen wir festhalten, dass der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, in einer Gott bekannten Weise diesem österlichen Mysterium zugesellt zu werden.« (GS 22)

Gott macht sich auf zu jedem Menschen, auf Wegen die nur Gott allein kennt. Dignitatis Humanae verdeutlicht dies in ähnlicher Weise:

»Die Aussagen des göttlichen Gesetzes aber erfasst und anerkennt der Mensch mittels seines Gewissens; er ist gehalten, diesem in seiner gesamten Tätigkeit treu zu folgen, um zu Gott, seinem Ziel, zu gelangen. Er darf also nicht gezwungen werden, gegen sein Gewissen zu handeln. Er darf aber auch nicht daran gehindert werden, gemäß seinem Gewissen zu handeln, insbesondere im religiösen Bereich. Die Ausübung der Religion besteht nämlich aufgrund ihres Charakters selbst vor allem in willentlichen und freien inneren Akten, durch die der Mensch sich unmittelbar auf Gott hinordnet…Die soziale Natur des Menschen selbst aber erfordert, dass der Mensch die inneren Akte der Religion auch äußerlich ausdrückt, mit anderen im religiösen Bereich in Gemeinschaft tritt und seine Religion in gemeinschaftlicher Weise bekennt.« (DH 3)

Religionen, als das kollektive Gewissen der Menschen, werden zu Wegen der Mission Gottes, welche deshalb jeden Menschen zu erreichen suchen. Gleichzeitig hat Gott Jesus gesandt, um Gottes heilbringende Liebe in der Geschichte Mensch werden zu lassen und vor Augen zu führen. Und Jesus hat die Kirche gesandt, diese gute Nachricht zu verkünden. DieseWege können sich nicht widersprechen. In welcher Beziehung stehen sie aber?

Die asiatischen Theologen geben der Mission Gottes die Priorität und schlagen vor, dass die Mission der Kirche im Dienst der Mission Gottes steht. Während Jesus als das Wort die Fülle der Wahrheit ist, ist die Kirche pilgernd unterwegs hin zur Fülle in der Zukunft, wenn das Reich Gottes vollkommen realisiert sein wird. Das Ziel der Mission heute ist das Reich Gottes und die Kirche sein Symbol und Diener. In der Perspektive der Mission Gottes werden die anderen Religionen als »Co-Pilger« betrachtet, die zusammen mit der Kirche auf dem Weg zum Reich Gottes sind.

Die Kirche allein hat nicht und wird sehr wahrscheinlich auch nicht die gesamte Menschheit erreichen. Selbst wenn die Kirche die frohe Botschaft verkündet, hat die Kirche die anderen Manifestationen Gottes gegenüber den Menschen zu berücksichtigen. Verkündigung selbst wird dann dialogisch.

Mission bedeutet Dialog

Wenn man all dies in Betracht zieht, kann man sagen, dass Mission heute Dialog bedeutet. Die Föderation asiatischer Bischofskonferenzen (FABC) erklärte im Jahr 1974 bei ihrer ersten Generalversammlung, dass Mission ein Dialog des Evangeliums mit den Realitäten Asiens ist, das heißt den vielen Armen, den reichen Kulturen und den lebendigen Religionen. Dieser dialogische Zugang hat die asiatischen Kirchen geleitet. Aufgrund der kleinen und schwachen Präsenz der Kirche in den meisten asiatischen Ländern (ausgenommen die Philippinen), ist der Dialog nicht einfach. Hochkarätiger Dialog zwischen Intellektuellen und Führern kommt nicht sehr häufig vor und ist vielleicht auch nicht sehr hilfreich. Aber der Dialog des Lebens und die Zusammenarbeit in der Förderung des Menschen finden auf vielen unauffälligen Wegen statt. Authentischer Dialog kann nur zwischen Gleichen stattfinden, deren Freiheit respektiert wird und die »Respekt vorMenschen auf ihrer Suche nach Antworten für die tiefsten Fragen ihres Lebens haben und das Wirken des Geistes im Menschen respektieren«. (Johannes Paul II. Acta Apostolicae Sedis 78, 1986). Solch ein Dialog scheint heutzutage dringend zu sein, nicht nur in Asien, sondern überall, insbesondere an Orten, wo Menschen entchristianisiert sind.

MICHAEL AMALADOSS SJ
Ordensmann und Priester, Theologe

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