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Der Wunsch nach Freiheit

Interview mit Erzbischof Charles Bo / Yangon – Myanmar

von NORBERT KÖSSMEIER

Für Erzbischof Charles Bo ist der politische Wandel in Myanmar mit vielen Hoffnungen verbunden.
FOTO: NORBERT KÖSSMEIER

Myanmar hat nach jahrzehntelanger Militärdiktatur einen Weg der Öffnung und auch der Demokratisierung begonnen. Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ist zu Beginn des Jahres ins Parlament gewählt worden. Sie gilt als große Hoffnungsträgerin und auch als mögliche zukünftige Präsidentin des Landes. Während der VI. AsIPA Generalversammlung sprach Forum Weltkirche mit Charles Bo, Erzbischof der Hauptstadtdiözese Yangon, über die Entwicklungen in seiner Heimat.

Erzbischof Charles Bo, in ihrer Heimat in Myanmar findet zurzeit ein politischer Wandel statt. Wie würden Sie diesen Wandel beschreiben?

Auf politischer Ebene gibt es aktuell einige sehr positive Anzeichen eines Wandels. Ich würde sagen, dass wir uns auf den Weg gemacht haben, eine Demokratie in Myanmar zu errichten. Auch wenn noch nicht sehr viel erreicht worden ist, so haben die Menschen das Gefühl, nun frei zu sein und erleben, dass sie ihre Meinung frei äußern können. Also eine ganz andere Situation als noch vor 10 Monaten. Die Menschen sind sehr glücklich über diesen Wandel. Wir können nicht sagen, was Senior General Than Shwe bewogen hat, diesem Wandel scheinbar zuzustimmen (Anm. d. Red.: Senior General Than Shwe war von 1992 – 2011 während der Militärdiktatur Vorsitzender des State Peace and Development Council, in dieser Funktion zugleich Staatoberhaupt Myanmars; 2011 trat er zurück und ermöglichte die Amtseinführung von Thein Sein als neuem Präsidenten des Landes). Wir sehen aber, dass unser neuer Präsident Thein Sein offen ist für diesen Wandel, ganz offensichtlich auch hinsichtlich der Wahlen im Jahr 2015, wo es durchaus zur Wahl von Aung San Suu Kyi als neuer Präsidentin des Landes kommen mag, sollte das Parlament es zuvor schaffen, Änderungen der Verfassung zu verabschieden.Wir stellen auch fest, dass einige Minister unserer jetzigen Regierung für diesen Wandel offen sind. Dies sind sehr positive Signale. Natürlich müssen wir noch ein wenig abwarten, um wirklich sehen zu können, ob dieser Wandel Auswirkungen in der Praxis haben wird.

Dieser Wandel bedeutet dann aber, dass die Militärs ihre bisherige Machtfülle abzugeben haben. Hat der Präsident die Unterstützung der Militärs hinsichtlich der politischen Veränderungen, oder besteht die Gefahr, dass Teile der Armee gegen diesen Wandel revoltieren werden?

Ich bin mir nicht sicher, inwieweit Senior General Than Shwe das Militär auf diesen Wandel vorbereitet hat beziehungsweise auf diesen Kurs eingeschworen hat. Wir erhalten Nachrichten, dass Than Shwe nun mehrfach betont habe, dass er nun ein Pensionär sei und sich gänzlich aus der Politik zurückgezogen habe. Auch habe er, so wurde uns berichtet, bereits Vorkehrungen für seinen Tod getroffen und veranlasst, dass es nur eine private Beerdigung geben solle, also kein Staatsbegräbnis, um eben deutlich zu machen, dass er sich aus der Politik zurückgezogen habe. Was wir zum jetzigen Zeitpunkt wahrnehmen ist, dass das Militär scheinbar sehr offen ist für diesen politischen Wandel im Land. Und es scheint, dass unser jetziger Präsident die volle Unterstützung des Militärs hat. Argwöhnisch macht uns allerdings das gewaltsame Vorgehen des Militärs gegen das Volk der Kachin im Norden des Landes und gegen die Kachin Independence Army (KIA). Der Präsident hat das Militär aufgefordert, die Gewalt zu stoppen. Jedoch scheint das Militär in dieser Frage nicht auf den Präsidenten zu hören. Friedensverhandlungen wurden abgebrochen. Man kann also die jetzige Situation nicht mit den Vereinigten Staaten von Amerika vergleichen. Wenn der amerikanische Präsident den Befehl gibt, dann folgt das Militär, sei es ein Rückzugsbefehl oder ein Angriffsbefehl. Bei uns ist es diesbezüglich noch anders. Wir sind zurzeit in einer Übergangsphase, es braucht Zeit, Dinge geschehen langsamer als anderswo. Natürlich sind wir froh, dass dieser Wandel geschieht, ohne dass es zu einem Blutvergießen gekommen ist.

Was mögen die Gründe dafür sein, dass in der Frage des Kachin-Konflikts das Militär nicht auf den Präsidenten hört?

Man muss sehen, dass das Gebiet der Kachin ein an Rohstoffen und Mineralien reiches Gebiet ist. Vor al lem Teakholz und Jade finden sich dort. Das Gebiet liegt direkt an der Grenze zu China. Das Militär macht durch den illegalen Handel mit China große Gewinne, just in dem Gebiet, in dem das Hauptquartier der KIA liegt. Es hat ein Interesse daran, diese Region zu »säubern «, um ungehindert seinen Geschäften mit China nachgehen zu können. Der Konflikt geht vor allem um wirtschaftliche und finanzielle Interessen, und das Militär unterhält vielfältige Beziehung zu China, die es nicht aufgeben will. Natürlich bestehen die wirtschaftlichen und finanziellen Interessen auch auf Seiten der Kachin. Dieses Volk ist bekannt dafür, dass es Jade abbaut und mit Jade handelt. Erst kürzlich ist ein neues Vorkommen an weißer Jade entdeckt worden, neben der grünen Jade ein sehr wertvolles Mineral. Zugleich muss man sehen, dass zumindest ein Teil der KIA nicht bereit ist, ohne weiteres ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen. In der Vergangenheit hat sie die Erfahrung gemacht, dass die Militärregierung all ihre Versprechen trotz eines unterzeichneten Waffenstillstandsabkommens nicht eingehalten hat. Deshalb fordern sie zunächst politische Zugeständnisse und auch Zusicherungen, was ihr Stammesgebiet angeht. Erst dann wären sie bereit, ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen. Angesichts dieser Situation leidet natürlich vor allem die Zivilbevölkerung dieser Region unter dem Konflikt, und viele Familien, vor allem Frauen und Kinder, haben in Flüchtlingscamps Zuflucht gesucht.

Mitglieder der Kachin Independence Army (KIA) in ihrem Hauptquartier in Laiza. Der Konflikt zwischen dem Volk der Kachin und der Armee Myanmars hat sich in den letzten Monaten erneut zugespitzt. Der Rohstoffreichtum des Gebietes der Kachin bildet den Hintergrund für den seit Jahren schwelenden gewaltsamen Konflikt.
FOTO: UCANEWS

Haben Mediatoren in der aktuellen Situation überhaupt eine Chance, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln und einen Friedensprozess in Gang zu bringen? Ist die Kirche in dieser Frage involviert?

Wenn wir uns das Volk der Kachin anschauen, stellen wir fest, dass 99 Prozent Christen sind, vor allem Katholiken und Baptisten. Nur sehr selten finden sich auch Buddhisten unter der Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund haben die Katholische Kirche und auch die Baptisten immer wieder versucht zu vermitteln. Bis heute jedoch ohne Erfolg. Im Oktober 2011 hat mich Aung San Suu Kyi angerufen und mich in dieser Frage um Rat gebeten. Ich habe daraufhin mit meinen Mitbrüdern Kontakt aufgenommen. Vier Bischöfe der Katholischen Kirche gehören dem Volk der Kachin an. Wir konnten schließlich ermöglichen, dass Aung San Suu Kyi sich mit diesen vier Bischöfen und mit mir getroffen hat, um die Situation zu erörtern. Der Hauptgrund für den andauernden Konflikt und die Weigerung der KIA, Friedensgesprächen zuzustimmen, liegt darin, dass die KIA der Regierung nicht vertraut. So versucht das Militär auch weiterhin alles, um selbst von den Ressourcen dieser Region zu profitieren, so dass den Kachin nichts von diesem Reichtum bleibt. Das Volk der Kachin fühlt sich betrogen. Aung San Suu Kyi versprach am Ende des Treffens, dass sie ihr Bestes gebe, damit einWaffenstillstand geschlossen werde und ein Versöhnungsprozess in Gang käme. Als die KIA von diesem Treffen erfuhr und dass sich Aung San Suu Kyi für die Gründe der jetzigen Situation interessiere, ließ die KIA eine Botschaft an Aung San Suu Kyi übermitteln, in der es hieß, dass die KIA sie zu direkten Gesprächen einlade. Allerdings sieht sie sich in der jetzigen Situation dazu nicht in der Lage, da ihr dann der Vorwurf gemacht werden könnte, dass sie sich an der Regierung und am Parlament vorbei in die Verhandlungen einmische.

Das bedeutet aber, dass die Führer der Kachin der Friedensnobelpreisträgerin vertrauen, was doch zur Beendigung des Konfliktes eine wichtige Rolle spielen könnte.

Mit Sicherheit schenken sie Aung San Suu Kyi großes Vertrauen. Sie sehen sie als eine moralische Autorität, als eine politische Führerin, der sie vertrauen können. Die Wunden auf Seiten der Kachin, die ihr die Macht haber über all die Jahre zugefügt haben, sind so groß, dass sie nicht einfach einem Waffenstillstand zustimmen werden. Zugleich nehmen wir wahr, dass es nicht nur das Volk der Kachin, sondern fast alle ethnischen Gruppen und Völker im Land sind, die ein großes Vertrauen in Aung San Suu Kyi setzen. Sie setzen solch ein großes Vertrauen in sie, dass sie davon ausgehen, dass die Friedensnobelpreisträgerin den Konflikt zwischen Kachin und der Regierung löse, dass sie den Konflikt um die Rohingyas löse. Egal um welches Problem es geht, das während der vergangenen 40 Jahre Militärherrschaft entstanden ist, viele Menschen gehen davon aus, dass Aung San Suu Kyi all diese Probleme nun sehr schnell löse. Dabei muss man allerdings beachten, und das betont sie selbst immer wieder, dass sie zurzeit nur ein einfaches Mitglied im Parlament ist. In der aktuellen Situation, in der wir uns auf dem Weg der Demokratisierung befinden, kann sie nicht an den demokratisch legitimierten Organen des Staates vorbei ohne Auftrag der Regierung oder des Parlaments in diese Konflikte eingreifen. Zudem muss man auch beachten, dass ihr Verhalten sehr genau von allen Seiten beobachtet wird. Häufig wird ihr vorgeworfen, zu diesem oder jenem Problem keine Stellung bezogen zu haben. Man stellt Erwartungen an sie, die man an einen Regierungschef stellt, nicht aber an ein einfaches Mitglied des Parlaments. Ich gehe davon aus, dass sie 2015 Präsidentin wird, vorausgesetzt bis dahin konnte die Verfassung geändert werden. Und es scheint so, dass sie auch bereit ist, diese Verantwortung zu übernehmen.

Die Bevölkerung Myanmars setzt große Hoffnungen in Aung San Suu Kyi. Viele sehen in ihr die zukünftige Präsidentin des Landes. Das Foto zeigt eine Kundgebung der Liga für Demokratie (NLD) am 7. Februar 2012 im Myaungmya-Stadion. Teilnehmer halten Plakate mit Abbildungen der Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi empor.
FOTO: KNA-BILD

Heißt das, dass zur Zeit eine sehr hoher Erwartungsdruck von Seiten der unterschiedlichen ethnischen Gruppen und Völker und auch von Seiten der Bevölkerung auf Aung San Suu Kyi lastet, dem sie in der jetzigen Situation nur schwerlich gerecht werden kann, der – sollten sich die Erwartungen nicht erfüllen – in Frustration umschlagen könnte?

Ja, und sie ist sich dieser Situation sehr wohl bewusst. Zugleich würde ich sagen, dass sie die Probleme im Land nach jahrzehntelanger Militärherrschaft sehr genau kennt und als politische Führerin sehr qualifiziert ist. Wenn sie 2015 gewählt werden sollte, dann bin ich mir sicher, dass sie alles daran setzen wird, den Prozess der Demokratisierung fortzuführen, dass sie sich dafür einsetzt, die unterschiedlichen Gremien, Völker, Gruppen zu befähigen und zu ermächtigen und natürlich auch die religiösen Führer in die Lösung der Probleme des Landes einzubeziehen. Dass heißt, sie wird Schritt für Schritt auf alle Beteiligten, auch auf internationale Partner und Verbündete zugehen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedoch so, dass die Erwartungshaltung ihr gegenüber sehr hoch ist. Sie gilt als eine Ikone, auch eine Ikone des Wandels. Die Menschen bewundern sie, dass sie trotz der Repressalien durch die Militärherrscher, trotz des 15 Jahre dauernden Hausarrests sich nicht hat brechen lassen. Für die Bevölkerung ist sie ganz klar die nächste Präsidentin.

Sind diese Hoffnungen berechtigt?

Nun, zunächst einmal ist zu sehen, dass bei den Nachwahlen zum Parlament in diesem Frühjahr nur 45 Parlamentssitze neu besetzt wurden. Aung San Suu Kyi und ihre Partei, die Nationale Liga für Demokratie, haben davon 40 Sitze erhalten. Allerdings sind im Parlament insgesamt 664 Parlamentarier. Nun wird es bis 2015 darum gehen, dass sie die Mehrheit des Parlaments für eine Verfassungsänderung gewinnt. Denn ohne eine Verfassungsänderung kann sie sich gar nicht zur Wahl stellen. Wenn ihr dies gelingt, dann bin ich überzeugt, dass sie als Siegerin aus den kommenden Wahlen hervorgehen wird. Sie hat einen sehr starken Rückhalt in der Bevölkerung, natürlich nicht bei einigen Hardlinern. Aber davon gibt es meines Erachtens nur noch sehr wenige.

Welche Bestimmungen der Verfassung müssen denn geändert werden, damit Aung San Suu Kyi zum Staatsoberhaupt gewählt werden kann?

Die jetzige Verfassung besagt, dass der Präsident, einige Minister und auch 25 Prozent der Parlamentarier dem Militär angehören müssen. Zudem muss jedes Mitglied der Regierung aus Myanmar stammen, auch der Ehegatte. Keines der eigenen Kinder darf eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen. Im Fall von Aung San Suu Kyi bedeutet dies, dass sie nicht gewählt werden könnte, da sie mit einem Engländer verheiratet war und ihre Kinder die britische Staatsangehörigkeit besitzen.

Wie sehen Sie, Erzbischof Charles Bo, angesichts dieses Wandels in Myanmar die Rolle der Kirche?

Die Kirche, und dies ist wichtig zu verstehen, verstand sich seit der Unabhängigkeit des Landes als eine kleine Zelle, die in jeden Winkel des Landes ging, um die Menschen, egal welcher Ethnie zu erreichen. Natürlich sind die Möglichkeiten der Kirche sehr begrenzt. So wurden 1965 bereits unsere Schulen verstaatlicht, auch unsere Hospitäler wurden verstaatlicht. Trotzdem hat die Kirche immer versucht, zu den Menschen zu gelangen, ihnen beizustehen, insbesondere in Notsituationen, aber auch durch spezielle Programme, die den besonders Bedürftigen helfen sollen, ihre Situation zu verbessern, ein Einkommen zu erhalten, zum Beispiel durch Ausbildungseinrichtungen etc. Seit etwa 10 Jahren ist die Kirche diesbezüglich stärker geworden, da es seit dieser Zeit die Caritas gibt. Sie ist sehr stark in allen Diözesen des Landes. Das heißt, die Kirche versucht nicht nur in rein religiösen und spirituellen Fragen präsent zu sein, sondern auch die sozialen Fragen und Nöte der Menschen anzugehen. Diesbezüglich schließt sie niemanden aus. Ganz gleich, ob es sich um Katholiken, Buddhisten, Muslime oder andere handelt, sie alle profitieren von der Arbeit der Kirche.

Natürlich bemühen wir uns, die aktuellen Entwicklungen im Land verantwortungsvoll zu begleiten und auch die Bevölkerung entsprechend zu unterstützen. Erst kürzlich haben wir einen großen Workshop für die Jugend durchgeführt. Das Thema lautete: »Die christliche Beteiligung an der Errichtung einer Nation«. Über 500 Jugendliche haben an diesem Seminar, das von der Erzdiözese Yangon veranstaltet worden war, teilgenommen. Aung San Suu Kyi nahm die Gelegenheit wahr und kam zu unserem Seminar, um zu den jungen Menschen zu sprechen, um mit ihnen über die aktuellen Fragen und Herausforderungen zu sprechen.

Im Januar 2013 werden wir eine große Konferenz durchführen, zu der wir alle Bischöfe, alle Ordensoberen, aber auch den ökumenischen Rat der Kirchen eingeladen haben und an der ebenfalls Aung San Suu Kyi teilnehmen wird. Bei dieser Konferenz wird es um die Frage gehen, inwieweit wir auf die Herausforderungen angesichts der Nöte im Land antworten können. Hauptsächlich werden wir die Frage erörtern, inwieweit wir im Gesundheitsbereich, im Bereich der Ausbildung und Erziehung, aber auch in Fragen des Lebensunterhaltes mit der Regierung kooperieren können. Es sieht so aus, dass die Regierung bereit zu sein scheint, einige Schul- und Gesundheitseinrichtungen der Kirche zurückzugeben. Allerdings haben wir dies bezüglich noch keine offizielle Bestätigung. Vor allem werden wohl auch ehemalige Missions- und Ordensschulen zurückgegeben. Dies sind für uns natürlich sehr positive Signale, aber wir müssen noch abwarten, was passiert.

Myanmar auf einen Blick

Fläche: 676.578 km2
Einwohner: 54.500.000
Religionen:
- Buddhisten: 89 %
- Christen: 4 %
- Muslime: 4 %
- andere: 3 %

Katholiken 655.000
Ordenspriester: 59
Ordensbrüder: 135
Ordensschwestern: 1.661
Laienmissionare: 475
Katechisten: 3.048

Quellen: Worldfactbook 2013; Statistisches Jahrbuch der Katholischen Kirche 2009

Wir führen dieses Gespräch hier in Sri Lanka während der VI. AsIPA Generalversammlung. Sie haben in ihrer Predigt während dieser Generalversammlung gesagt, dass es für Christen heute entscheidend sei, hungrig zu sein für die Botschaft des Evangeliums. Verspüren die Menschen in ihrer Heimat diesen Hunger nach dem Wort Gottes?

Mit Sicherheit verspüren die Menschen diesen Hunger, vor allem in einem christlichen Umfeld, seien es nun Katholiken oder Baptisten. Aber zugleich fordern sie eine andere Art von Leitung, was die Amtsträger angeht, seien es nun Bischöfe oder Priester. Die Menschen erwarten, dass sich die Amtsträger besser organisieren, um den Menschen eine gute Ausbildung in Glaubensfragen zu ermöglichen. Sie erwarten von den Priestern und Ordensleuten, dass diese sie besser unterweisen im Wort Gottes, so dass die Menschen immer besser das Wort Gottes verstehen können. So bemühen wir uns, diesem Anliegen gerecht zu werden und haben eine Fülle von Angeboten – seien es nun Workshops, Seminare oder andere Formen – auf den Weg gebracht. Es ist faszinierend zu sehen, dass die Menschen, sobald sie ihre Arbeit um 17.00 Uhr beendet haben, regelrecht zu diesen Workshops rennen, um dabei zu sein. Sie verspüren wirklich einen Hunger nach dem Wort Gottes, sie sind hungrig auf Ausbildung, auf Unterweisung, auf Glaubenserziehung. Natürlich verspüren sie auch einen Hunger auf bessere Einkommensmöglichkeiten und auf eine verbesserte Lebenssituation. Auch das ist Realität.

Die Kirche in Myanmar ist durch einige Delegierte bei dieser Generalversammlung vertreten. Welche Bedeutung haben Kleine Christliche Gemeinschaften für die Kirche Myanmars?

Ja, wir haben einige Kleine Christliche Gemeinschaften in Myanmar in verschiedenen Diözesen. Bisher jedoch sind sie nicht wirklich verwurzelt in der Kirche. In meiner Diözese, der Erzdiözese Yangon, haben wir verschiedene Programme, um Menschen im umfassenden Sinne zu fördern. Kleine Christliche Gemeinschaften sind nicht der einzige Weg, den wir bisher in der Pastoral verfolgen. Aber wir stellen auch fest, so sagen es einige Bischöfe in Myanmar, dass KCGs eine großartige Art und Weise sind, den Menschen das Wort Gottes näher zu bringen, auf ihren Hunger zu antworten. Auch die Gemeinschaft spielt für die Menschen eine große Rolle, und KCGs leisten einen sehr wichtigen Beitrag, Menschen im umfassenden Sinne zu fördern. Deshalb betonen wir heute in allen Pfarreien und in der gesamten Diözese die Bedeutung von KCGs und versuchen, diesen Ansatz zu fördern. Ich wünsche mir, dass KCGs in meiner Diözese wirklich Wurzeln schlagen.

Erzbischof Charles Bo, Myanmar – ein Land im Wandel. Was sind ihre persönlichen Hoffnungen und Erwartungen für die Zukunft?

Persönlich erhoffe ich mir sowohl für die Kirche als auch für unser Land eine wahre, authentische Freiheit, Freiheit von Gewalt und Konflikten, Freiheit von Armut, Freiheit von Vorurteilen und Rivalitäten zwischen den verschiedenen Ethnien, Freiheit, einander zu lieben, Freiheit, Gott zu lieben – das ist mein persönlicher Wunsch für mein Heimatland, für die Menschen in meiner Heimat.

Haben Sie ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch!

NORBERT KÖSSMEIER

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