März / April 2013 Informationen corner

CHINA / VATIKAN

Auf dem Weg zu einer schismatischen Kirche?

Weihbischof Thaddeus Ma Daqin wird seit seiner Bischofsweihe von den Sicherheitsbehörden
unter Hausarrest gehalten. Nun hat die CCPA zusammen mit der katholischen Bischofskonferenz des Landes seine Absetzung als Bischof erklärt. Damit aber verstoßen die beiden von der Regierung
kontrollierten Gremien gegen das Kirchenrecht, demzufolge nur der Papst das Recht hat, Bischöfe abzusetzen. Foto: UCANEWS

Vatikan verurteilt Absetzung von Weihbischof Ma

Die von der Regierung kontrollierte katholische patriotische Vereinigung in China (CCPA) hat nach einer zweitägigen Sitzung des Ständigen Rates am 12.12.2012 offiziell die Absetzung von Weihbischof Thaddeus Ma Daqin aus Shanghai verkündet. Joseph Liu Yuanlong, stellvertretender Vorsitzender der CCPA bestätigte in einer Erklärung, dass die CCPA zusammen mit der Bischofskonferenz der katholischen Kirche Chinas (BCCCC) entschieden habe, das Genehmigungsschreiben als »Koadjutor«- Bischof der Diözese Shanghai zurückzunehmen. Zugleich sei Ma von all seinen Aufgaben innerhalb der CCPA und der BCCCC entbunden worden. Die Diözese Shanghai wird aufgerufen, »sich mit Ma auf ernste Weise zu befassen«, so Yuanlong.

Bischof Thaddeus Ma Daqin war am 07. Juli 2012 zum Weihbischof der Diözese Shanghai geweiht worden. Direkt im Anschluss an die Bischofsweihe wurde er unter Hausarrest in einem Priesterseminar der Stadt gestellt, da er während der Weihe öffentlich die Niederlegung aller Ämter innerhalb der CCPA unter großem Beifall der Gläubigen verkündet hatte (vgl. Forum Weltkirche, 5/2012, S. 5ff.).

Nicht namentlich genannte Quellen berichteten UCANews, dass Weihbischof Ma vorgeworfen werde, die Bestimmungen des Landes hinsichtlich religiöser Angelegenheiten wie auch die Regeln der BCCCC hinsichtlich von Bischofsweihen verletzt zu haben.

Wie es heißt, werde Ma vorgeworfen, bewusst verhindert zu haben, dass ein von Rom nicht anerkannter Bischof ihm während der Bischofsweihe die Hände habe auflegen können. Zugleich habe er ihm die Kommunion verweigert. Gleichzeitig werde ihm vorgeworfen, öffentlich nicht klar gestellt zu haben, ob er Koadjutor (Meinung der CCPA beziehungsweise BCCCC) oder Weihbischof (so die Ernennung durch den Papst) sei. Als Koadjutor wird er mit dem Rücktritt des amtierenden Bischofs von Shanghai automatisch zum Nachfolger, als Weihbischof nicht, sondern es bedarf einer Ernennung durch den Papst. CCPA und BCCCC verweisen darauf, dass zudem der abgelegte Eid während der Weihehandlung ungültig sei aufgrund einer Störung der Lautsprecheranlage und somit nicht vernehmbar gewesen wäre.

Kirchenrechtler weisen hinsichtlich der Vorgänge in China darauf hin, dass die Ernennung und Absetzung von Bischöfen lediglich dem Papst vorbehalten sei. Ein Bischof habe keinerlei Befugnis, einen anderen abzusetzen. Dies gilt ebenso für Bischofskonferenzen.

Anthony Lam Sui-ki, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Holy Spirit Study Centre in Hongkong erklärte gegenüber UCANews, dass die Mitglieder der chinesischen Bischofskonferenz riskieren würden, kirchenrechtlich bestraft zu werden, wenn sie gemäß Canon 1375 des Kirchenrechts eine Person daran hindern würden, ihren kirchlichen Dienst gemäß ihres Amtes auszuüben.

Wie von UCANews berichtet, verurteilten zahlreiche Gläubige in China die Entscheidung gegen Ma. Die Legitimität der Bischofskonferenz würde überdies in Frage gestellt. Zugleich jedoch würde mehr und mehr auch der amtierende Bischof von Shanghai, Bischof Aloysius Jin Luxian kritisiert, da er bis heute keine Stellungnahme zu diesen Vorgängen abgegeben habe. Bischof Jin, ein sehr prominenter Bischof in China, ist Ehrenpräsident der CCPA und der BCCCC. Das Sekretariat der Diözese Shanghai erklärte gegenüber UCANews, dass der inzwischen 96-jährige Bischof keine Stellungnahme abgeben könne, da er sehr krank sei.

Der höchstrangige chinesische Prälat des Vatikans, Erzbischof Savio Hon Tai-fai, Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, verurteilte am 14.12.2012 die Absetzung von Ma mit scharfen Worten. In einer in Rom veröffentlichten Erklärung stellt Erzbischof Hon klar, dass die BCCCC keinerlei Machtbefugnisse habe, einen Bischof zu ernennen, zu genehmigen, abzusetzen oder zu sanktionieren – dies umso mehr, da diese Bischofskonferenz nicht vom Heiligen Stuhl anerkannt sei. »Bischof Ma bleibt auch weiterhin im Amt als Weihbischof der Diözese Shanghai. Seinen Status als Bischof zu widerrufen, sei kirchlich gesehen ohne jeglichen rechtlichen Wert. Vielmehr jedoch errichtet diese Entscheidung sinnlose Spaltungen im Land.«

Und weiter erklärt Erzbischof Hon: »Der Machtmissbrauch ist umso schmerzlicher, da er einen direkten Angriff auf die Gemeinschaft der Kirche im Jahr des Glaubens darstellt.«

Nach Ansicht von Kardinal Joseph Zen Ze-kiun aus Hongkong würden sich die BCCCC und die CCPA so verhalten, als ob ihnen sogar das Recht zustünde, den Papst abzusetzen. »Sie haben entschieden, dass die Kirche in China nicht die Angelegenheit des Papstes sei. Kann dies etwas anderes bedeuten als eine schismatische Kirche zu sein?«, so der in Shanghai geborene Kardinal.

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