Schwerpunktthema Glaubenszeugen »Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen!« corner

»Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen!«

Predigt des Erzbischofs von Kaduna während der Trauermesse für die Opfer des Bombenanschlags von Boko Haram auf die katholische

von MATTHEW MAN-OSO NDAGOSO

Erzbischof Dr. Matthew Man-oso Ndagoso während der Trauermesse vor den Särgen der Opfer des Bombenanschlages auf die Kirche St. Rita am 28. Oktober 2012 in Kaduna.
FOTO: ERZDIÖZESE KADUNA

Es mag ungewöhnlich erscheinen, dass in dieser Zeitschrift eine Predigt veröffentlicht wird. Bereits mehrfach hat Forum Weltkirche in der Vergangenheit über Hintergründe der Gewalt von Boko Haram im Norden Nigerias berichtet. Diese Gewalt, die unberechenbar ist, die Angst, Verzweiflung und Wut hervorruft, beabsichtigt, das Land zu destabilisieren. Und sie birgt die Gefahr, eine Eskalation der Gewalt durch Gegengewalt zu provozieren.

In dieser von Wut, Angst und Verzweiflung aufgeheizten Situation ergreift der Erzbischof von Kaduna nach dem furchtbaren Bombenanschlag auf die Kirche St. Rita im Oktober vergangenen Jahres die Gelegenheit, um die Menschen aufzufordern, Ruhe zu bewahren, das Recht nicht in die eigene Hand zu nehmen und somit der beabsichtigten Logik Boko Harams zu folgen, einen Konflikt zwischen Christen und Muslimen heraufzubeschwören. Damit aber spielt Erzbischof Dr. Matthew Man-Oso Ndagoso eine entscheidende Rolle bei der Deeskalation der Situation. Obwohl die Trauergemeinde von ihm erwartet, dass er der Verzweiflung und Wut der Menschen Ausdruck gibt, indem er deutlich sagen sollte, dass Christen sich dies nicht länger gefallen lassen sollten, hat er den Mut, genau das Gegenteil zu fordern, nämlich sich für den Frieden einzusetzen. Diese Predigt verdeutlicht auf sehr anschauliche Art und Weise die Tragik hinter den Bombenanschlägen von Boko Haram. Und sie ist Ausdruck eines Glaubenszeugnisses, das unsere Hochachtung verdient. Deshalb macht es auch Sinn, diese Predigt in Forum Weltkirche zu veröffentlichen.

Ich heiße jeden Einzelnen herzlich willkommen, der von nah oder fern gekommen ist, um Anteil zu nehmen an unserer Trauer an diesem traurigen Tag und um mit uns für unsere verstorbenen Brüder und Schwestern zu beten, die auf tragische Weise ihr Leben verloren haben durch diesen beklagenswerten Selbstmordanschlag auf diese Kirche am 28. Oktober 2012. Wir schätzen sehr Ihre freundliche Unterstützung und Solidarität in dieser Stunde der Not. Wie man zu sagen pflegt: »Ein Freund in der Not ist in der Tat ein Freund« (»a friend in need is a friend indeed«). Wir sind wirklich sehr dankbar. Möge der Herr Ihnen ihre freundliche Unterstützung und Solidarität reichlich vergelten.

Unsere Mitglieder, die ums Leben gekommen sind, heißen Samuel Ishaya, Bitrus Simon (bereits in seiner Heimatstadt in Kebbi State beerdigt), Laraba Sule und Sarah Yohana. Es ist mir ein Anliegen, im Namen aller Priester, Ordensleute und der gesamten Glaubensgemeinschaft der Erzdiözese Kaduna den Familienangehörigen unserer getöteten Brüder und Schwestern, der Gottesdienstgemeinde der Kirche St. Rita sowie den Gemeindemitgliedern der Pfarrei St. Monica unser aufrichtiges Mitgefühl und unsere aufrichtige Anteilnahme zu übermitteln. Ich möchte, dass Sie wissen, liebe Brüder und Schwestern, dass die gesamte katholische Gemeinschaft unserer Erzdiözese an Ihrer Seite ist in diesem schwierigen und harten Moment. Der Verlust ist ein Verlust für uns alle und nicht nur ein Verlust für Sie allein. Wir beten zum Allmächtigen Gott, den Verstorbenen die ewige Ruhe zu schenken, den Verwundeten eine schnelle Genesung und den Trauernden Trost.

Die katholische Kirche St. Rita ist durch den Bombenanschlag schwer beschädigt worden.
FOTO: ERZDIÖZESE KADUNA

Erlauben Sie mir in besonderer Weise den Familien von Samuel Ishaya, Laraba Sule und Sarah Yohana dafür zu danken, dass sie uns erlauben, die Getöteten in dieser Kirche hier zu beerdigen. Ich bin mir der sehr geschätzten Tradition unseres Volkes sehr wohl bewusst, die Verstorbenen in der Heimat ihrer Vorfahren mit ihren Ahnen zu beerdigen. Deshalb sind wir umso dankbarer für Ihr Verständnis.

An ihrer Seite sitzen und weinen

Wenn ich auf die sterblichen Überreste unserer Brüder und Schwestern blicke und ihre Familienangehörigen anschaue, dann erinnert mich dies an eine Geschichte von einem kleinen Mädchen, das eines Tages ungewöhnlicherweise sehr spät von der Schule nach Hause gekommen war. Die besorgte Mutter fragte ihre Tochter, als sie sie erblickte, sehr wütend: »Mary, wohin bist Du gegangen, dass Du so spät nach Hause kommst?« Das eingeschüchterte Mädchen antwortete: »Mama, ich bin zu Rita, meiner Freundin gegangen, um ihr mein Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen, da sie ihre Puppe verloren hat.« Die Mutter fragte daraufhin: »Und was hast Du ihr gesagt?« Mary antwortete: »Nichts. Ich habe mich an ihre Seite gesetzt und ihr beigestanden zu weinen. Als sie schließlich aufhörte zu weinen, bin ich nach Hause gegangen.«

Liebe Brüder und Schwestern, in Zeiten wie diesen sind Worte schlichtweg unangemessen, um auszudrücken, was und wie wir fühlen. In Zeiten wie diesen neigenWorte dazu, schlichtweg Schall insbesondere für die Trauernden zu sein. Und ich bin mir sicher, dass dies die Situation der Familien unserer verstorbenen Brüder und Schwestern ist. Den betroffenen Familien sage ich deshalb mit denWorten der kleinenMary, dass wir alle gekommen sind, um an ihrer Seite zu sitzen und mit ihnen zu weinen. Wir sind uns der Unangemessenheit von Worten in Zeiten wie diesen bewusst.

Von Gott verlassen?

Wir alle sind äußerst betrübt durch die tragischen Ereignisse vom 28. Oktober, die zum tragischen Tod unserer Brüder und Schwestern führten, wie auch zur Verwundung von über 134 Personen, vor allem Kinder und junge Erwachsene. Dies hat eine weitere dunkle Wolke über die Familien der Toten, über die Gemeinde St. Rita, die Pfarrei St. Monica, die Erzdiözese Kaduna und den gesamten Bundesstaat Kaduna geworfen. Und es ist normal, sich in Situationen wie diesen verloren, hilflos und verängstigt zu fühlen und selbst auf Gott wütend zu sein und zu fragen, warum er solche Geschehnisse zulässt. Es ist auch normal, zu denken, dass Gott uns verlassen hat. Und lassen Sie mich an dieser Stelle betonen, dass wir jegliches Recht haben, so zu denken und zu fühlen, wenn man bedenkt, dass Gott unser liebender, sorgender und mitfühlender Vater ist.

Liebe Brüder und Schwestern, trotz der Ereignisse sind wir nicht ohne Hoffnung und unser Glaube sagt uns, dass Gott an jenem »schwarzen Sonntag« genau inmitten der dunklen Staubwolken war, die die Kirche nach dem Bombenanschlag gefüllt hatten. Genauso wie er unsichtbar und schweigsam gegenwärtig war bei seinem Sohn, der an jenem Karfreitag am Kreuz hing, der Sohn der sich verlassen fühlte und deshalb schrie: »Eloi, Eloi lama sabachtani« (»Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen« Mk 15,34).

Wenn ich über die Gefühle der Verlassenheit, des Schweigens und der scheinbaren Abwesenheit Gottes in den dunklen Staubwolken, die die Kirche am 28. Oktober gefüllt hatten, spreche, dann erinnert mich dies an den Besuch von Papst Benedikt XVI. im Mai 2005 im Konzentrationslager Auschwitz in Polen, das die Nazis während des II. Weltkrieges nutzten, um Millionen von Juden zu vergasen. In seiner Ansprache in Auschwitz sagte unser Papst: »An diesem Ort des Schreckens zu sprechen, an diesem Ort, wo beispiellose Massenverbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit begangen worden sind, ist fast unmöglich… An einem Ort wie diesem, versagen unsere Worte; am Ende kann es nur eine Totenstille geben – eine Stille, die selbst ein aufrichtiger Schrei zu Gott ist: Warum Herr, bist du schweigsam geblieben? Wie konntest Du dies alles nur zulassen? Wie viele Fragen entstehen an diesem Ort! Beständig taucht die Frage auf: Wo war Gott an jenen Tagen? Warum hat er geschwiegen? Warum konnte er dieses endlose Gemetzel erlauben, diesen Triumph des Bösen?«

Sodann hat der Papst Psalm 44 zitiert, den wir heute als Antwortpsalm gehört haben, ein Psalm der Klage des Volkes Israels über seine Leiden und Sorgen: »Doch du hast uns verstoßen an den Ort der Schakale und uns bedeckt mit Finsternis… um deinetwillen werden wir getötet Tag für Tag, behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Wach auf! Warum schläfst du Herr? Erwache, verstoß nicht für immer! Warum verbirgst Du dein Gesicht, vergisst unsere Not und Bedrängnis? Unsere Seele ist in den Staub hinabgebeugt, unser Leib liegt am Boden. Steh auf und hilf uns! In deiner Huld erlöse uns!« (Ps 44,20.22–26).

Dieser Angstschrei, den Israel in seinen Leiden zu Gott gerufen hat, in einem Moment tiefster Verzweiflung, ist auch der Schrei um Hilfe all jener, die in allen Zeiten für die Liebe Gottes, die Liebe der Wahrheit und die Liebe der Güte leiden müssen. Und dieser Angstschrei heute ist der Angstschrei der katholischen Gemeinschaft der Erzdiözese Kaduna und insbesondere der Gottesdienstgemeinde von St. Rita.

Ich wiederhole an dieser Stelle, was ich bereits der christlichen Gemeinschaft von Maiduguri während der Krise im Jahr 2006 gesagt habe, als wir den Priester Michael Gajere sowie einige Kirchen und Häuser, mein eigenes eingeschlossen, verloren hatten: »Wie auch die Israeliten von einst ist es einfach, sehr einfach in schwierigen Momenten zu denken, dass der Gott der Liebe und des Mitgefühls, der Gott der Verfolgten und Minderheiten abwesend, taub und stumm ist. Aber wir wissen, dass die Israeliten niemals von Gott verlassen wurden. Immer haben sie am Ende des Tages über ihre Feinde triumphiert. Wir wissen zudem, dass Jesus selbst in dem Moment als er am Kreuz zu Gott schrie, nicht durch seinen Vater verlassen worden war. Gott war genau dort mit ihm am Kreuz; nur deshalb konnte Jesus den Tod besiegen und triumphierend auferstehen.

Schuhe von den über 100 Opfern des Bombenanschlags vor dem Eingang zur Kirche.
FOTO: ERZDIÖZESE KADUNA

Die machtvolle Präsenz Gottes

Meine Freunde in Christus, der Punkt ist, dass Gott genau hier war, in dieser Kirche, mit euch, an diesem »schwarzen Sonntag «, genau auf dem Altar, wenn man den Zeitpunkt der Bombenexplosion berücksichtigt, nämlich kurz nach der Konsekration der Gaben und kurz vor der Kommunion. Es ist kein Wunder, dass es so viele Opfer gegeben hat. Wenn man jedoch die Wucht der Explosion berücksichtigt und auch den Umstand, dass die Bombe in der Nähe des Chores und der Kinder explodiert ist, hätte es sogar noch viel schlimmer enden können. Wir müssen Gott danken, dass es nicht noch viel mehr Opfer gegeben hat.

Was wir häufig als Verlassen sein von Gott und als Gottes Abwesenheit in schwierigen Situation auffassen, ist in Wirklichkeit seine machtvolle unsichtbare Präsenz in Stille. Und wie wir alle wissen, ist Schweigen eine sehr machtvolle und effektive göttliche Sprache der Kommunikation. Nur sehr gute Zuhörer werden ihn vernehmen.

Böses nicht mit Bösem vergelten

Als ich die Kirche zum ersten Mal nach der schrecklichen Bombenexplosion besuchte und das Blut unserer getöteten Brüder und Schwestern sah und auch der vielen Verletzten, das in der ganzen Kirche zu sehen war, sagte ich mir, dass ihr Blut niemals umsonst vergossen worden ist. Ich denke, wir alle sind vertraut mit dem christlichen Gedanken, dass das Blut der Märtyer der Samen der Kirche ist. Ich bin überzeugt, dass das Blut von Laraba Sule, Sarah Yohana, Bitrus Simon und Samuel Ishaya und das viele Blut der Verletzten und in der Tat das Blut all derjenigen, die in unserem Land auf diese Weise getötet oder verletzt wurden, die Quelle für dauerhaften Frieden in unserem geliebten Land, insbesondere im Norden sein wird.

Mir ist es ein Anliegen, in besonderer Weise unserer Jugend in unserer gesamten Diözese zu danken, dass sie nach dem Anschlag das Gesetz nicht in die eigene Hand genommen hat. Dies ist ein wirkliches Zeugnis unseres Glaubens in diesem Jahr des Glaubens.

Erlauben sie mir an dieser Stelle die Gelegenheit wahrzunehmen, an jeden Einzelnen und insbesondere an unsere Gläubigen zu appellieren, Ruhe zu bewahren und uns daran zu erinnern, dass der Rahmen, innerhalb dessen wir leben und unseren Glauben praktizieren, uns von Jesus Christus gesetzt worden ist, der uns auftrug: »Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet …« (Mt 5,43ff).

Liebe Brüder und Schwestern, dies ist es, was unsere Religion von uns verlangt. Nicht mehr und nicht weniger. Unabhängig von der Situation, selbst wenn wir Tote zu beklagen haben, die vor uns liegen, getötet durch skrupellose Mörder aus Gründen, die nur ihnen bekannt sind. Schwierige Situationen dürfen uns nicht weniger menschlich oder christlich machen.Wir müssen menschlich und christlich bleiben, selbst in den schlimmsten Zeiten, so wie wir sie jetzt erleben. Es ist eine unbestreitbare Tatsache des Lebens, dass ein Unrecht niemals ein anderes rückgängig machen oder aufheben kann, ganz gleich in welcher Situation. Wir dürfen nicht auf das Böse mit dem Bösen antworten, sondern mit Liebe, denn die Liebe erobert alle. Lassen sie uns die Vergeltung Gott überlassen, denn er sagt, dass die Vergeltung nur ihm vorbehalten sei (vgl. Dtn 32,35).

Rettungskräfte kümmern sich direkt nach dem Anschlag um die Opfer.
FOTO: ERZDIÖZESE KADUNA

Feindesliebe

Der heilige Paulus stellt uns vor eine sehr wichtige Frage in der zweiten Lesung unserer heutigen Liturgie. Er fragt: »Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiß: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.« (Röm, 8,35ff)

In welcher Situation wir uns auch wiederfinden, wir müssen fortfahren, Kinder unseres Vaters im Himmel zu sein. Die einzige Art und Weise, dies zu verwirklichen heißt, unsere Feinde zu lieben und für diejenigen zu beten, die uns verfolgen. So wie wir es heute im Evangelium gehört haben (vgl. Mt 5,43).

Reue, Vergebung und Versöhnung – die Quelle des Friedens

Meine lieben Brüder und Schwestern, wir haben uns hier nicht nur versammelt, um für diejenigen zu beten, die durch den Bombenanschlag getötet worden sind. Wir sind hier auch versammelt, um weiterhin für Frieden zu beten. Frieden, so wissen wir, ist das Ergebnis von Reue, Vergebung und Versöhnung. Vergebung ist die Suche nach Verstehen und das meint nicht, Gewaltakte einfach zu billigen oder zu verzeihen. Vergebung wird demjenigen geschenkt, der darum bittet. Sie kann niemals erzwungen werden, noch kann sie durch irgendwen geschenkt werden. Sondern nur derjenige, der verletzt worden ist, kann demjenigen, der ihn verletzt hat und um Vergebung bittet, vergeben.

Allerdings – wie ich bereits auch der christlichen Gemeinschaft in Maiduguri während der Gedenkfeier, ein Jahr nach den furchtbaren Angriffen auf Christen am 18. Februar 2006 in Folge der Veröffentlichungen der Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung sagte – wenn wir nicht für immer Opfer bleiben wollen, dann haben wir einen Schritt vorwärts zu gehen und denjenigen zu vergeben, die uns verletzt haben, selbst wenn wir sie nicht kennen. Wenn wir dies tun, werden wir wahre Jünger unseres Herrn und Meisters sein, der selbst für die Vergebung seiner Henker betete ohne sie gefragt zu haben: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.« (Lk 23,32). Und dies ist wahrhaft die Situation unserer Aggressoren und Angreifer. Sie wissen nicht, was sie taten.

Im Krieg mit Fanatikern und Terroristen

Erlauben sie mir, uns herauszufordern, damit wir, religiöse Führer, uns unserer Verantwortung bewusst sind als Protagonisten der Versöhnung und des Friedens. Wir müssen die Initiative ergreifen und zusammen für den Frieden arbeiten. Ich fordere uns heraus, insbesondere christliche Führer, um aufrichtige Anstrengungen zu unternehmen, unseren muslimischen Gegenüber die Hand der Freundschaft zu reichen, denn dies ist der Weg unseres Herrn und Meister, ein Meister des Dialogs par excellence.

Gute Christen und Muslime müssen zusammenarbeiten, um Fanatiker und Terroristen in beiden Religionen herauszufischen und zu bekämpfen. Wir müssen Unruhestifter in beiden Religionen identifizieren und isolieren und entsprechend mit ihnen umgehen.

Wenn gute und ehrliche Christen und Muslime schweigsam bleiben im Angesicht von Terroristen, die sich als Eiferer ihrer Religionen maskieren, werden wir auch weiterhin die Konsequenzen erleiden. So hatte auch die katholische Bischofskonferenz von Nigeria während der Krise in Maiduguri betont: »Wir haben gute Gründe anzunehmen, dass die große Mehrheit der Muslime in diesem Land friedliebende und gesetzestreue Nachbarn und Mitbürger sind. Wir rufen sie auf, insbesondere ihre Führer, uns die Hand zu reichen und diejenigen in unserer Gesellschaft zu isolieren und auszuschließen, die gewaltsame Gräueltaten im Namen von Religionen fördern und verüben.«

Lassen Sie mich erneut betonen, dass die Herausforderung, die vor uns liegt in diesem Land, insbesondere im nördlichen Teil, nicht ein Krieg zwischen Christen und Muslimen ist. Nein. Christen und Muslime sind nicht miteinander im Krieg. Unser Land ist im Krieg mit Fanatikern und Terroristen, die Verbrecher sind und unschuldige Nigerianer, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit ermorden.

Wo waren die Sicherheitskräfte?

Ich wünsche in diesem kritischen Augenblick den Sicherheitskräften ausdrücklich zu danken für ihre schnelle und unmittelbare Antwort auf diesen Anschlag. Dies hat enorm dazu beigetragen, den Zusammenbruch von Recht und Ordnung zu verhindern. Wir nehmen sehr wohl wahr, welchen enormen Herausforderungen sie begegnen in diesem schwierigen Moment, und wir wissen, dass sie sehr häufig ihr Leben riskieren, um sicherzustellen, dass wir in Sicherheit und geschützt sind.

Jedoch, wie alles im Leben, glaube ich, dass es auch Raum für Verbesserungen geben muss, insbesondere auf dem Gebiet der geheimdienstlichen Tätigkeit, der Sammlung von Informationen, der Beobachtung und des Austausches von Informationen. Vor allem haben Menschen, die eine Hingabe für ihre Aufgabe verspüren, zur richtigen Zeit auch an dem Ort zu sein, an dem sie sein sollten.

In dieser Hinsicht habe ich eine Frage an diejenigen, die für die Sicherheit der Gottesdienstgemeinde von St. Rita verantwortlich waren an jenem verhängnisvollen Tag, dem 28. Oktober 2012. Wo waren diejenigen, die die Gemeinde an jenem Tag schützen sollten? Wir wissen, dass sie gewissenhaft ihre Aufgaben an vorangegangenen Sonntagen erfüllt hatten; wie aber ist es möglich, dass sie just an diesem verhängnisvollen Sonntag nicht da waren und erst eintrafen, als sich der Bombenanschlag längst ereignet hatte? Wir wollen dies wissen, und wir haben ein Recht darauf, von denjenigen, die die Verantwortung für den von der Verfassung garantierten Schutz unserer Gemeinschaft tragen, eine Antwort zu bekommen.

Mir ist es ein Anliegen, in diesem Augenblick den Einrichtungen der Nothilfe zu danken, insbesondere dem internationalen Roten Kreuz, dem Roten Halbmond, der Nigerian Medical Association NEMA und anderen für ihr unmittelbares Handeln, dass den Verletzten Hilfe, Linderung und Hoffnung schenkte.

Verantwortliche Menschen und Christen bleiben

Erlauben sie mir zum Schluss erneut meine Überzeugungen hervorzuheben: ein Unrecht kann niemals ein anderes Unrecht rückgängig machen und keine Situation, ganz gleich wie schlimm oder schwierig sie auch sein mag, wird uns weniger menschlich oder christlich machen können. Wir bleiben verantwortliche Menschen und Christen, selbst in der größten herausfordernden Situation wie jene, die wir nun erleben. Ich denke manchmal, dass Gott sehr schwierige und herausfordernde Situationen auf unserem Weg erlaubt, damit wir die Möglichkeit haben, ein wirklich authentisches christliches Zeugnis abzulegen. Und ich bin überzeugt, dass die jetzige Situation ein solch seltener Moment ist. Wir sollten und wir müssen uns gegen diese Situation aufbäumen und Zeugen des Evangeliums sein.

Ich bin überzeugt, dass Bitrus Simon, Samuel Ishaya, Laraba Sule und Sarah Yohana, jeder einzelne von ihnen, mit Vertrauen vor Gottes Thron der Barmherzigkeit treten kann und mit dem heiligen Paulus sagen kann: »Denn ich werde nunmehr geopfert, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten.« (2 Tim 4,6–8)

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Gott segne Sie!

MATTHEW MAN-OSO NDAGOSO
Erzbischof von Kaduna / Nigeria

Gratis-Ausgaben

Ich möchte Forum Weltkirche mit 2 Gratis-Ausgaben kennen lernen.

/ Bestellen bei HerderShop24