Mai / Juni 2013 INFOS VATIKAN corner

»Ach, wie wünsche ich mir eine arme Kirche für die Armen!«

Papst Franziskus begeistert die Menschen

Papst Franziskus tritt nach seiner Wahl am Abend des 13. März 2013 auf die Loggia des Petersdoms und präsentiert sich der Weltöffentlichkeit.

Als Kardinal Tauran am Abend des 13. März auf die Loggia trat und den vor dem Petersdom versammelten Menschen sowie den Menschen in aller Welt den neu gewählten Papst ankündigte, war die Überraschung perfekt: ein Kardinal aus Argentinien, der der Gesellschaft Jesu (Jesuiten) angehört und den Namen Franziskus gewählt hat.

Erstmals in der Geschichte der Kirche wurde ein Lateinamerikaner und Jesuit zum Papst gewählt. Und erstmals hat sich ein neu gewählter Papst den Namen Franziskus – nach seinem Vorbild Franz von Assisi – gewählt.

Jorge Mario Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Am 11. März 1958 trat er ins Noviziat der Jesuiten ein. Studien der Philosophie und Theologie absolvierte er am San Miguel Seminar der Jesuiten in Buenos Aires und schloss sie 1970 ab. Am 13. Dezember 1969 wurde er zum Priester geweiht. Von 1971 bis 1973 war er als Novizenmeister und Vizerektor des Seminars in Buenos Aires tätig. Von 1973 bis 1979 war er Provinzial der Jesuiten in Argentinien und Uruguay. Am 20. Mai 1992 wurde er zum Weihbischof von Buenos Aires ernannt und erhielt am 27. Juni 1992 die Bischofsweihe. Am 03. Juni 1997 wurde er zum Koadjutor- Erzbischof von Buenos Aires ernannt und am 28. Februar 1998 in sein Amt als Erzbischof von Buenos Aires eingeführt. Zugleich ist er zu dieser Zeit der Ordinarius für die Gläubigen der orientalischen Riten in Argentinien, die keinen eigenen Ordinarius in Argentinien haben. Papst Johannes Paul II. nahm ihn am 21. Februar 2001 ins Kardinalskollegium auf. Von 2005 bis 2011 war Kardinal Bergoglio Vorsitzender der argentinischen Bischofskonferenz. Während der Generalversammlung der lateinamerikanischen Kirche in Aparecida (im Jahr 2007) wurde er zum Leiter der Redaktionskommission gewählt, die für die Abfassung des Schlussdokumentes der Generalversammlung verantwortlich war.

Als Kardinal war Bergoglio Mitglied der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, der Kleruskongregation und der Kongregation für Institute geweihten Lebens und Gesellschaften apostolischen Lebens. Zudem war er Mitglied im Päpstlichen Rat für die Familie und im Päpstlichen Rat für Lateinamerika.

Seine Gesten und Handlungen bei seinem ersten Auftritt als Papst Franziskus auf der Loggia des Petersdomes haben viele Menschen beeindruckt. Er verzichtete darauf, mit Mozetta (Umhang) und Stola bekleidet auf den Balkon zu treten; er trug nur einen schlichten weißen Talar. Die Stola legte er lediglich zur Erteilung des Segens um, legte sie direkt danach wieder ab. Er stellte sich den Menschen als Bischof von Rom vor und sagte, dass er als dieser neue Bischof von Rom den Weg mit seinem Volk und das Volk mit seinem Bischof gehen werde. Bevor er den Segen »Urbi et Orbi « erteilte, bat er das Volk darum, für ihn zu beten.

Papst Franziskus hat in den ersten Tagen nach seiner Wahl bewusst auf Statussymbole verzichtet und damit Zeichen gesetzt, die viele Beobachter als Zeichen für den Reformwillen des neuen Papstes und als Zeichen für eine neue Interpretation des Papstamtes deuten. Auf dem Weg zur römischen Basilika Santa Maria Maggiore am 14. März, um dort zur Gottesmutter zu beten, verzichtete er auf die Staatskarosse und zog es vor, in einen kleineren Wagen der Sicherheitskräfte des Vatikans zu steigen. Auf dem Rückweg stieg er in den Kleinbus der Kardinäle ein, begab sich zur Unterkunft, in der er während des Vorkonklaves untergebracht war und bezahlte seine Rechnung. Die Gläubigen seines Heimatbistums Buenos Aires rief er dazu auf, den Feierlichkeiten zur Amtseinführung am 19.3. in Rom fernzubleiben und stattdessen das Geld für die teure Reise nach Rom Hilfseinrichtungen für die Armen zu spenden. Als Papst verzichtet er auf einen aus massivem Gold gefertigten Ring. Stattdessen entschied er sich für einen Ring aus Silber.

In Argentinien wurde Kardinal Bergoglio für seine Liebe für die Armen geschätzt. Viele Geschichten über seinen einfachen Lebensstil, seine Sorge für die Armen und seinen Verzicht auf Statussymbole wurden seit seiner Wahl in zahlreichen Medien veröffentlicht.

Gegenüber Medienvertretern erklärte Papst Franziskus am 16. März: »Franz von Assisi ist für mich der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt. Gegenwärtig haben auch wir eine nicht sehr gute Beziehung zur Schöpfung, oder? Er ist der Mann, der uns diesen Geist des Friedens gibt, der Mann der Armut … Ach, wie wünsche ich mir eine arme Kirche für Armen!«

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