Mai / Juni 2013 INFOS VATIKAN corner

Die Erwartungen sind hoch

Reaktionen auf die Papstwahl aus aller Welt

Auch im Bereich der Ökumene sind die Erwartungen an Papst Franziskus sehr hoch. Zugleich setzt der neu gewählte Papst auch hier erste wichtige Akzente. Erstmals seit dem Schisma von 1054 hat ein Ökumenischer Patriarch an der Einführung eines Papstes teilgenommen. Das Foto zeigt Papst Franziskus, der den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios zu einem Gespräch im Vatikan empfängt. Foto: KNA-Bild

Dass Papst Franziskus nun mit sehr hohen Erwartungen an sein Pontifikat konfrontiert wird, zeigen nicht nur die Äußerungen der am Konklave beteiligten Kardinäle, die eine Reform der Kurie erwarten, sondern auch die vielfältigen Reaktionen aus der ganzen Welt. Im Folgenden eine kleine Auswahl von Reaktionen auf diese Papstwahl:

In einem Statement betont der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Rev. Dr. Olav Fykse Tveit, dass die Wahl von Papst Franziskus »einen Wendepunkt im Leben der römisch- katholischen Kirche darstellt, aber auch Auswirkungen auf die Menschen anderer Kirchen und anderer Glaubensvorstellungen hat.« Bezug nehmend auf die Person, den ersten Papst aus Lateinamerika, der sich zudem den Namen Franziskus gewählt hat, erklärt der Generalsekretär des ÖRK, dass aufgrund dieses Papstes, »der einen einfachen Lebensstil gelebt hat und seine Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit und für die Armen in seinem Lebensstil reflektiert, wir unser Engagement für die Suche von Gerechtigkeit und Frieden bestätigen … Nun, in enger Zusammenarbeit mit Papst Franziskus, freuen wir uns, die positiven Beziehungen mit der katholischen Kirche, die in der Vergangenheit sorgsam genährt worden sind, auszubauen.«

Papst Franziskus während seiner ersten Generalaudienz.
FOTO: KNA-BILD

Die Al-Azhar in Kairo, die von den Sunniten als renommierteste religiöse Schule und zugleich höchste Autorität angesehen wird, hat ebenfalls Papst Franziskus zu seiner Wahl gratuliert. In seinem Glückwunschschreiben drückt Großscheich Ahmed al-Tayeb seine Hoffnung aus, wieder bessere Beziehungen zum Vatikan aufbauen zu können. Al-Tayeb verweist zugleich darauf, dass der Islam vom neuen Papst jedoch auch Respekt erwarte. Im Jahr 2010 hatte die Al-Azhar die Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Zuletzt hatte die Al-Azhar Papst Benedikt XVI. aufgefordert, sich bei Muslimen für seine Aufforderung während der Neujahrsmesse 2011, Christen im Mittleren Osten besser zu schützen, zu entschuldigen. Die Aufforderung Benedikts XVI. erging unmittelbar nach dem brutalen Selbstmordanschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria, dem viele Menschen zum Opfer fielen.

Das König Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog in Wien (KAICIID) hat ebenfalls Papst Franziskus zu seiner Wahl gratuliert und die Hoffnung ausgedrückt, die guten Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und dem Zentrum fortsetzen zu können.

Führende Vertreter des Islam aus Indonesien hoffen auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen durch die Wahl von Papst Franziskus. Din Syamsuddin, Vorsitzender der Muhammadiyah, eine islamische Organisation in Indonesien, hofft, dass Papst Franziskus ein »Memorandum of Understanding« mit den beiden großen islamischen Organisationen des Landes, nämlich Muhammadiyah und Nahdlatul Ulama, unterzeichnen werde. Dieses Memorandum hebe hervor, auf welche Art und Weise die Beziehungen zwischen dem Vatikan und indonesischen Muslimen noch harmonischer gestaltet werden könne. Zugleich beinhalte das Dokument verschiedene Punkte zum Schutz von Christen in Indonesien. Din Syamsuddin betont, dass dieses Dokument seit seinem Besuch im vergangenen Jahr im Vatikan in Vorbereitung sei.

Die Vereinten Nationen erhoffen sich von Papst Franziskus Unterstützung im Kampf gegen Hunger auf der Welt. Der Generalsekretär der Welternährungsorganisation FAO, Jose Graziano da Silva, erklärte am 20.03. gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur Österreichs: »Wir schauen auf Papst Franziskus und seinen Einsatz für die Rechte und Bedürfnisse der Schutzlosen, ob Kinder, Frauen oder Männer.« Für die Ausrottung des Hungers und die Verbesserung der Lebensbedingungen der sozial Schwächsten sei der Rückhalt des Vatikans und anderer Religionsgemeinschaften unverzichtbar. Auch Vertreter des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen WFP lobten die ersten Äußerungen des Papstes zum Schutz der Armen. Die katholische Kirche habe einen »enormen Einfluss« auf die Gestaltung einer Politik, die den Hunger in den Entwicklungsländern reduzieren könne.

Die Konferenz der Ordensoberinnen der Vereinigten Staaten (Leadership Conference of Women Religious – LCWR), die über 80.000 Ordensfrauen in Nordamerika repräsentiert, hat ihre Glückwünsche und Gebete dem neuen Papst übermittelt, der in dieser für die katholische Kirche kritischen Zeit das Papstamt übernehme. »Wir vertrauen darauf, dass seine vielen Gaben auch weiterhin zugunsten der Weltkirche verwendet werden, insbesondere aber für die Menschen, die in Armut in allen Teilen der Welt leben. Als Konferenz der Ordensoberinnen der Vereinigten Staaten heißen wir Papst Franziskus’ spirituelle Führung willkommen und freuen uns, mit ihm zusammenzuarbeiten, die Botschaft des Evangeliums weiterzutragen.« Seit mehreren Jahren schon sieht sich die LCWR von Seiten der Glaubenskongregation dem Vorwurf ausgesetzt, die Lehre der Kirche verlassen zu haben. Mehrjährige Visitationen aller Ordenseinrichtungen und Gemeinschaften hatten in den USA, aber auch außerhalb für heftige Proteste gegen das Vorgehen des Vatikans geführt. Nach Abschluss der Visitationen hat der Vatikan, ohne zuvor die Vorsitzende der LCWR über das Ergebnis der Visitationen zu informieren, für die LCWR einen bischöflichen Beauftragten ernannt, der wichtige Entscheidungen bis hin zur Jahrestagung der LCWR nun genehmigen muss. Ob dieser Prozess unter dem neuen Papst nun gestoppt wird, ist offen.

Der lateinamerikanische Theologe Jon Sobrino aus El Salvador, einer der bekanntesten Befreiungstheologen, hofft darauf, dass die bisherigen Gesten des neuen Papstes zu einem großen Zeichen seines Pontifikates werden. Bergoglio habe sich in Argentinien durch sein wirkliches Interesse an den Armen, an den indigenen Völkern, an Gewerkschaftsvertretern, die angegriffen wurden, und schließlich durch seinen einfachen Lebensstil ausgezeichnet. Nach Ansicht Sobrinos stehe die Kirche vor folgenden drängenden Herausforderungen: Die Vision einer Kirche der Armen von Papst Johannes XXIII. endlich Wirklichkeit werden zu lassen, die Reform der Kurie, die Frage von Frauen in der Kirche, die Situation von indigenen Völkern weltweit. Und schließlich die Liebe zur Schöpfung.

Wie Vatican News Service berichtet, erhofft sich die Kirche El Salvadors unter Papst Franziskus endlich die Seligsprechung von Erzbischof Oscar Romero, der am 24. März 1980 erschossen worden war. Der Seligsprechungsprozess ist zwar 1994 eingeleitet, aber bis heute nicht abgeschlossen worden.

Ein historisches Ereignis: Zwei Päpste begegnen sich. Papst Franziskus trifft den emeritierten Papst Benedikt XVI. am 23. März in Castel Gandolfo. Der überraschende Rücktritt von Papst Benedikt XVI. am 28. Februar ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte des Papsttums und wird von vielen Theologen als wichtiges Signal gewertet, Amt und Person stärker voneinander zu trennen. FOTO: KNA-BILD

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