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MYANMAR

Erzbischof Bo fordert Ende der Gewalt gegen Muslime

Ein Mann steht am 21.03.2013 vor der brennenden Moschee in Meikhtila. FOTO: KNA-BILD

Der Erzbischof von Yangon, Charles Bo, hat in einem eindringlichen Appell alle Bürger des Landes aufgerufen, sich für Frieden und Harmonie einzusetzen und gegen die aktuelle Gewalt gegen Muslime. Für Erzbischof Bo sei es dringend erforderlich, dass die friedliche Mehrheit der Bevölkerung sich zu einem Zeitpunkt Gehör verschaffe, an dem zu befürchten sei, dass Myanmar der Gewalt zwischen den Religionen vielleicht nicht mehr Herr werde.

»Ich bin ernsthaft besorgt, dass, sollte sich die Gewalt, die wir nun erlebt haben, fortsetzen, unsere fragile Freiheit, die erst gerade hervorgetreten ist, unseren Händen entrissen werden könnte und Myanmar in einen Teufelkreis von Hass, Gewalt und Unruhen abgleiten könnte«, so Bo in einem Statement am 06. Mai.

Die Regierung ruft Erzbischof Bo auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um die Gemeinschaften zu schützen, die jüngst zur Zielscheibe von Gewalt in Meikhtila und Okkan, nördlich der Hauptstadt Yangon, geworden sind.

Die Sicherheitskräfte des Landes stehen unter massiver Kritik, nachdem ein an die Öffentlichkeit gelangtes Polizeivideo der Gewalt vom März diesen Jahres in Meikhtila zeigt, dass Polizisten lediglich zugeschaut hatten, als ein Mob von Buddhisten die Häuser und Geschäfte von Muslimen zerstörte.

»Es bricht mir das Herz, den aufkommenden Hass und die religiöse Intoleranz in Myanmar und noch schlimmer die entsetzlichen Wellen der Gewalt und der Zerstörung zu sehen«, so Bo.

In Myanmar kommt es nur sehr selten vor, dass die Kirche sich öffentlich zu politischen Entwicklungen oder ethnischen Konflikten in dem überwiegend buddhistischen Land äußert. Während der fast 50-jährigen Diktatur, die vor etwa zwei Jahren endete, war dies praktisch unmöglich.

Unterdessen hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) Myanmar der systematischen ethnischen Säuberung im Zusammenhang mit der Gewalt gegen muslimische Rohingyas bezichtigt. In einem am 22. April veröffentlichten HRW-Bericht heißt es, dass die Menschenrechtsorganisation Beweise für Massengräber im westlichen Rakhine State gefunden habe, wo es im vergangenen Jahr tödliche Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Muslimen gegeben hat. Die Untersuchungsergebnisse des Berichts, der den Titel trägt »Alles was du tun kannst, ist beten«, belegen die »systematischsten Menschenrechtsverletzungen in Myanmar seit demBeginn des viel gelobten Reformprozesses vor mehr als zwei Jahren«, so Phil Robertson, stellvertretender Asien-Direktor von HRW.

»Die Regierung muss umgehend den Menschenrechtsverletzungen Einhalt gebieten und die Täter zur Rechenschaft ziehen, oder aber die Regierung wird mitverantwortlich sein für weitere Gewalt gegen ethnische und religiöse Minderheiten im Land.«

Laut HRW sind Beweise für mindestens vier Massengräber in dem Gebiet gefunden worden. In diesen Gräbern wurden Körper gefunden, deren Arme mit Plastikschnüren und Seilen gefesselt waren. Es wird befürchtet, dass sich weitere Gräber in diesem Gebiet befinden, das zurzeit unter Kriegsrecht gestellt ist.

In der Stadt Mrauk-U, bekannt für ihre große Anzahl von buddhistischen Tempeln aus dem 15. Jahrhundert, wollen Zeugen gesehen haben, dass Polizisten und Militärangehörige Dorfbewohner gezwungen hätten, Massengräber auszuheben.

Nach Aussage von HRW haben sowohl Militärangehörige, Bereitschaftspolizisten, Grenzpolizisten als auch normale Polizeikräfte während der Gewaltwelle einfach weggeschaut und in Einzelfällen gar bei der Gewalt mitgewirkt, die im Juni und Oktober vergangenen Jahres zu mehr als 200 Toten und Hunderten von Verletzten geführt hatte. Mehr als 125.000 Mitglieder des Volkes der Rohingya und andere Muslime wurden vertrieben. Viele von ihnen sehen sich bis heute nicht in der Lage, in ihre Heimat zurückzukehren. In der Provinzhauptstadt Sittwe gebe es praktisch keine Rohingya mehr, so HRW.

Führende buddhistische Mönche in Rakhine State und anderswo in Myanmar sind angeklagt, die Spannungen zwischen Buddhisten und Muslimen entfacht zu haben. HRW berichtet, dass es eine große Anzahl von Vorfällen gibt, in denen buddhistische Klöster Anti- Rohingya-Kampagnen organisiert haben. Sie selbst hätten im Rahmen dieser Kampagnen von notwendigen »ethnischen Säuberungen im Land« gesprochen.

Nach Ansicht von Robertson gebe es unterschiedliche Lager innerhalb der Gemeinschaft buddhistischer Klöster. Einige der Klöster hätten die anti-muslimische Haltung von Buddhisten stark kritisiert.

Wirathu, ein führender buddhistischer Mönch in Myanmar, der im Jahr 2003 dafür verurteilt worden war, antiislamische Pamphlete in Umlauf gebracht zu haben, die schließlich zu anti- muslimischen Krawallen in Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, geführt hatten, weist den Bericht von HRW als falsche Anschuldigungen zurück. »Es ist völlig unwahr, dass buddhistische Mönche und Sicherheitskräfte in die Morde verwickelt gewesen seien. Die Mönche, die die Söhne Buddhas sind, haben strikt den grundlegenden moralischen Regeln des Buddhismus zu folgen. Sie dürfen niemals mental Leben zerstören.«

Jedoch ist Wirathu sehr umstritten. Er gilt als einer der führenden Köpfe der nationalistischen, buddhistischen Bewegung »969«, die in Myanmar immer häufiger als treibende Kraft hinter antiislamischen Kampagnen in Erscheinung tritt. In den größeren Städten des Landes finden sich an immer mehr Geschäften die Embleme der Bewegung. Auch Taxifahrer kleben das Emblem der Bewegung an ihr Auto und signalisieren damit, dass sie nicht bereit sind, Muslime zu transportieren.

Dr. Muang Zarni, ein Menschenrechtsaktivist und Forscher an der London School of Economics, bezeichnet die nationalistische und buddhistische Bewegung »969« als Neo-Nazis Myanmars. Nach ihren Vorstellungen seien alle Muslime im Land Blutsauger. Das Land müsse von ihnen gesäubert werden.

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