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CHINA

Katholische Kirche trauert um Bischof Jin

Bischof Aloysius Jin Luxian aus Shanghai galt als eine der führenden Persönlichkeiten der Kirche Chinas. Auch international hat er eine sehr hohe Reputation genossen. Das Foto zeigt ihn während eines Besuches von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2006 in Shanghai. Während des Treffens sprach Angela Merkel mit Bischof Jin unter anderem über die Lage der Kirche und die Frage der Religionsfreiheit in China. FOTO: KNA-BILD

Der Jesuit und Bischof Aloysius Jin Luxian aus Shanghai ist am 27. April im Alter von 96 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit verstorben. Bischof Jin galt als einer der größten Persönlichkeiten der katholischen Kirche Chinas. Der französische Journalist Dorian Malovic bezeichnete ihn in einer Biographie denn auch als »den gelben Papst«.

Bischof Aloysius Jin Luxian wurde 1916 in Shanghai geboren. Sehr früh hat er seine Eltern verloren. Seine Schulausbildung hat er unter anderem an der High School der Jesuiten gemacht. Im Jahr 1932 trat er ins Seminar der Jesuiten ein und wurde schließlich 1938 Mitglied der Gesellschaft Jesu. 1945 wurde er zum Priester geweiht und nach einer zweijährigen pastoralen Arbeit ging er nach Rom, um an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Theologie zu promovieren. Nach seiner Promotion im Jahr 1950 ging er zurück nach China, zu einer Zeit, als ein neues kommunistisches Regime, angeführt von Mao Zedong, die Macht über das chinesische Festland übernommen hatte.

Ab 1951 begann die neue Regierung, ausländische Missionare zu verhaften und aus China zu verbannen. Father Jin übernahm zu dieser Zeit die Leitung der Jesuiten in Shanghai. In seiner Biographie heißt es, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits ahnte, dass er früher oder später von der Polizei verhaftet werden würde. Gleichzeitig wurde er der Rektor des diözesanen Priesterseminars von Shanghai, stellvertretender Superior der Jesuiten in Shanghai und zum Visitator der Jesuiten in China ernannt, ausgestattet mit entsprechenden Vollmachten, die ihm der damalige Jesuitengeneral übertragen hatte.

Im Jahr 1955 schließlich wurde er zusammen mit Hunderten von Priestern, Ordensleuten und Laien verhaftet, eine Maßnahme der Regierung gegen die »konterrevolutionäre Clique« des damaligen Bischofs und späteren Kardinals Gong Pinmei von Shanghai.

Jin wurde zu 30 Jahren Gefängnis und Umerziehungslager verurteilt. Während dieser Zeit ist er aufgrund seiner ausgezeichneten Sprachkenntnisse – er sprach vier europäische Sprachen fließend – zu einem Übersetzer für technische Handbücher und andere Dokumente geworden, die für die Entwicklung der Industrie Chinas von Bedeutung waren. Obwohl er weiterhin seine Strafe absitzen musste, arbeitete er als Übersetzer für eine Firma, die dem Büro für öffentliche Sicherheit unterstand, was unter den Katholiken zu Misstrauen und Verdächtigungen führte.

Im Jahr 1982 schließlich wurde Jin frei gelassen, und ihm wurde von der Regierung erlaubt, ein neues Priesterseminar der Diözese zu errichten, dessen Gründungsdirektor er schließlich wurde. Dieses Seminar wurde neben der Basilika von Sheshan errichtet und hat bis heute über 400 Priester ausgebildet. 16 von ihnen sind Bischöfe geworden.

1985 schließlich ist Jin zum Koadjutor- Bischof der Diözese Shanghai geweiht worden. Jedoch ohne päpstliche Genehmigung. Erst 2004 hat der Vatikan die Bischofsweihe anerkannt.

Der Tod Bischof Jins erschüttert die Kirche Shanghais zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfolgefrage ungewiss ist. Bereits 2005 hatte Jin den Priester Joseph Xing Wenzhi zum Weihbischof geweiht und als seinen Nachfolger vorgesehen. Nach Angaben des Holy Spirit Study Centre in Hong Kong ist Bischof Xing jedoch im Dezember 2011 von seinem Amt zurückgetreten. Es ist nicht klar, ob der Vatikan seinen Rücktritt erhalten und angenommen hat.

Der zweite Weihbischof, Thaddeus Ma Daqin, wird von der chinesischen Regierung an der Ausübung seines Amtes gehindert, nachdem er sich direkt nach seiner Weihe im Juli vergangenen Jahres von der staatlich kontrollierten katholisch patriotischen Vereinigung Chinas losgesagt hatte.

Bischof Jin hatte in seinem bischöflichen Dienst immer wieder die Spannung zwischen der chinesischen Regierung und dem Vatikan auszuhalten. In einem Interview im Jahr 2007 erklärte er: »Der Vatikan denkt, dass ich nicht genug für den Vatikan tue, und die Regierung denkt, dass ich zuviel für den Vatikan tue.«

Nach seiner Entlassung aus der drei Jahrzehnte dauernden Haft spielte Jin eine führende Rolle in der katholischen Kirche Chinas. Es begann mit dem Wiederaufbau der größten Diözese Chinas – nämlich Shanghai. Er wurde jedoch nicht nur in Shanghai, sondern auch auf nationaler Ebene eine führende Persönlichkeit der Kirche. So konnte er die chinesische Regierung überzeugen, die Einfügung der Bitte für den Papst in das Hochgebet zu erlauben. Ebenso half er bei der Entwicklung der Liturgie in chinesischer Sprache. China war seit der Machtübernahme Maos von der restlichen Welt über Jahrzehnte praktisch abgeschnitten. Kirchlicherseits konnten die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils erst Jahrzehnte später in China erhalten werden. So wurde auch die Liturgie erst Jahrzehnte später erneuert.

Im Jahr 2010 wurde Jin zum Ehrenpräsident der katholisch patriotischen Vereinigung und der chinesischen Bischofskonferenz ernannt. Auch wenn ihn seine Gesundheit daran hinderte, wurde er noch jüngst als einer von neun Vertretern der katholischen Kirche für das 12. Nationalkomitee der politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes ernannt. Es ist das höchste Beratungsgremium der chinesischen Regierung.

Mit zahlreichen Politikern und religiösen Führern aus der ganzen Welt war Bischof Jin befreundet. Papst Benedikt XVI. lud ihn zusammen mit drei weiteren Bischöfen Chinas im Jahr 2005 ein, an der im gleichen Jahr stattfindenden Weltbischofssynode teilzunehmen. Jedoch erhielt keiner der vier Bischöfe die Ausreisegenehmigung der Behörden.

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