Julit / August 2013 INFORMATIONEN corner

PAKISTAN

Ahmadiyya von den Wahlen ausgeschlossen

Bei den Parlamentswahlen am 11. Mai in Pakistan war die islamische Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya praktisch von den Wahlen ausgeschlossen worden, es sei denn, die vier Millionen Mitglieder der Glaubensgemeinschaft hätten sich selbst als Mitglieder einer anderen Religionsgemeinschaft zugehörig bezeichnet und somit ihren Glauben verleugnet.

In dem komplizierten Wahlsystem Pakistans müssen die Wähler auf einem Anhang zum Wahlzettel ihre Religionszugehörigkeit erklären. Während Christen, Hindus und andere religiöse Minderheiten im Land im Anhang aufgeführt werden, wurde ausdrücklich auf dem Formular für Muslime, die ebenfalls ihre Religionszugehörigkeit erklären mussten, erklärt, dass der Unterzeichner (Wähler) den Gründer der Ahmadiyya-Gemeinschaft als falschen Propheten ablehne. Somit blieb den Ahmadiyya nichts anderes übrig als sich selbst als Mitglied einer anderen Religion zu erklären oder aber nicht zur Wahl zu gehen.

Die islamische Gemeinschaft der Ahmadiyya geht auf Mirza Ghulam Ahmad zurück, der die Gemeinschaft 1899 in Indien als Reformbewegung innerhalb des Islam gegründet hatte. Innerhalb der islamischen Gemeinschaft ist sie zum Teil heftig umstritten und wird – wie in Pakistan – zum Teil auch massiv verfolgt.

Bereits 1974 erklärte der damalige Staatspräsident Zulfikar Ali Bhutto, Vater der 2007 getöteten ehemaligen Regierungschefin Benazir Bhutto, die Gemeinschaft der Ahmadiyya zu einer nicht-muslimischen Gemeinschaft. Ein Jahrzehnt später verfügte der Nachfolger Bhuttos, General Zia ul-Haq, der sich 1977 an die Macht geputscht hatte und 1979 Bhutto hinrichten ließ, dass es Mitgliedern der Ahmadiyya-Gemeinschaft verboten sei, eine islamische Terminologie wie zum Beispiel »salem aleikum« (»Der Friede sei mit Euch«) zu benutzen. Bei Zuwiderhandlung drohe eine mehrjährige Gefängnisstrafe. In einem bereits 1985 eingeführten getrennten Wahlsystem mussten Ahmadiyya erklären, dass sie keine Muslime seien, um wählen zu können.

Die United States Commission on International Religious Freedom (USCIRF), eine vom US-Kongress 1998 gegründete unabhängige Kommission zur Förderung der Religionsfreiheit weltweit, hatte 2001 die pakistanische Regierung aufgefordert, dieses ungerechte Wahlrecht abzuschaffen. Nachdem der damalige Regierungschef General Pervaiz Musharraf zunächst auch seine Bereitschaft dazu signalisiert hatte, zog er diese nach dem massiven Protest islamistischer Führer in Pakistan wieder zurück.

Unterdessen wird aus Indonesien von massiver Gewalt gegen Ahmadiyya in der Provinz West-Java berichtet. Am 06. Mai hatten radikale Muslime erneut Moscheen und Häuser der Ahmadiyya- Gemeinschaft angegriffen, diesmal in Cipakat und Tenjowaringin. Ein Sturm des Protestes rief der Gouverneur der Provinz hervor, nachdem er aufgrund der neuerlichen Gewalt gegen die Ahmadiyya- Gemeinschaft erklärt hatte, dass die Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya von der Provinz West-Java ferngehalten werden sollte, um die religiösen Spannungen, die in der Provinz vorhanden sind, zu beseitigen. »Das Problem wird verschwinden, wenn die Ahmadiyya verschwinden«, so Gouverneur Ahmad Heryawan.

Gegenüber UCANews erklärte der Sprecher der Ahmadiyya Indonesiens, Firdaus Mubarik: »Wir sind sehr enttäuscht. Die Erklärung des Gouverneurs bedroht unsere Zukunft als religiöse Minderheit in Indonesien.«

Für Eva Kusuma Sundari, Mitglied des Repräsentantenhauses in Indonesien, werden die Äußerungen des Gouverneurs von West-Java den Hass gegen die Ahmadiyya in einer Provinz nur weiter schüren, die sowieso bereits als die intoleranteste Provinz gegenüber religiösen Minderheiten gelte. 97 Prozent der Bevölkerung West-Javas sind Sunniten.

Bonar Tigor Naipospos vom Institut für Demokratie und Frieden klagt Heryawan an, mit der extremistischen »islamischen Verteidigungsfront« im Vorfeld der nächsten Gouverneurswahlen einen Deal eingegangen zu sein. Um die politische Unterstützung dieser Bewegung zu erhalten, sorge Heryawan dafür, dass alle Aktivitäten der Ahmadiyya in West- Java ein Ende finden.

Angriffe auf Mitglieder der Gemeinschaft der Ahmadiyya begannen in Indonesien im Jahr 2002. Seitdem verzeichnet die Polizei insbesondere in der Provinz West-Java einen Anstieg der Gewalt gegen Ahmadiyyas.

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