Juli / August 2013 INFORMATIONEN corner

SRI LANKA

Bischof von Mannar erneut unter Druck

Erneut ist Bischof Rayappu Joseph zur Zielscheibe regierungstreuer Medien geworden. Sie werfen ihm vor, zusammen mit tamilischen Separatisten für einen eigenständigen Tamilenstaat im Norden Sri Lankas zu kämpfen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Bischof Joseph mit massiven Vorwürfen vonseiten der Regierung oder auch nationalistischer Buddhisten konfrontiert sieht. Immer wieder setzt er sich für die Opfer des Bürgerkrieges und die Einhaltung der Menschenrechte ein.
FOTO: KNA-BILD

Der katholische Bischof der Diözese Mannar, Rayappu Joseph, hat am 24. April entschieden Behauptungen von Medien und Regierungsvertretern zurückgewiesen, die Kirche engagiere sich in einer Konspiration, um einen separaten Tamilenstaat in Zusammenarbeit mit Repräsentanten der indischen Regierung errichten zu wollen. In seinem Statement erklärt Bischof Joseph, dass er niemals für einen autonomen Staat der Tamilen als realisierbare Lösung für den andauernden Versöhnungprozess in Sri Lanka eingetreten sei.

»Ich habe niemals eine Teilung des Landes befürwortet«, so Bischof Joseph, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der nationalen Kommission »Gerechtigkeit und Frieden« der katholischen Bischofskonferenz ist.

Die Anschuldigungen erfolgten im unmittelbaren Anschluss eines Besuches indischer Parlamentarier im Norden Sri Lankas. »Die jüngsten Medienberichte sind irreführend und falsch«, so Bischof Joseph. »Ich wiederhole aber, dass ich als katholischer Bischof, der immer das Wohl der Menschen im Auge haben muss, niemals zögern werde, für die Rechte und für das Wohl der Menschen meine Stimme zu erheben.«

Bischof Joseph gehörte zusammen mit katholischen Priestern und Menschenrechtsaktivisten zu einer Gruppe von Menschen, die während der Konferenz des UN Menschenrechtsrates in Genf eine Petition unterzeichnet hatten, in der sie diese zum Handeln angesichts der ungelösten Probleme im Norden und Osten des Landes aufgefordert hatten. Der Menschenrechtsrat seinerseits verabschiedete eine Resolution zu Sri Lanka, die die Regierung auffordert, eine unabhängige Kommission zur Untersuchung der Menschenrechtsverbrechen während des Bürgerkrieges, der 2009 endete, einzusetzen.

Das Engagement von Bischof Joseph im Zusammenhang mit der Petition hat heftige Reaktionen vonseiten einiger Regierungsmitglieder hervorgerufen. Nishantha Warnasinghe, Generalsekretär der Regierungspartei, klagt Bischof Joseph an, ein tamilischer Separatist zu sein.

Father Sarath Iddamalgoda, ein bekannter Menschenrechtsaktivist in Sri Lanka, erklärte gegenüber UCANews, dass die Anschuldigungen der Medien nur sehr schwer zu entkräften seien, da diese Medien von der Regierung kontrolliert werden und somit keine Meinungen veröffentlichen, die die Regierung missbillige.

»Ich bin mit Bischof Joseph zusammen bei verschiedenen Konferenzen gewesen, auf denen er sich zu nationalen Fragen äußerte. Niemals hat er sich jedoch für eine Teilung des Landes ausgesprochen. Er setzt sich demgegenüber sehr für eine politische Lösung ein, die die tamilische Identität respektiert«, so Iddamalgoda. »Wir haben bis heute keinerlei Versuche der Regierung wahrnehmen können, eine politische Lösung des Konfliktes herbeizuführen. Stattdessen übernehmen die Medien die Rolle, den Ruf des Bischofs zu zerstören.«

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