Juli / August 2013 Christ sein bedeutet, auf der Seite der Armen zu stehen! corner

Christ sein bedeutet, auf der Seite der Armen zu stehen!

Reflexionen eines Bischofs aus Papua-Neuguinea

von GILLES COTE

Insbesondere in den sehr entlegenen Dörfern der Diözese Daru-Kiunga leiden die Menschen unter den zum Teil sehr schwierigen Bedingungen, ohne Bildungseinrichtungen, ohne Gesundheitsfürsorge und ohne Zugang zu den Märkten.
FOTO: GILLES COTE

Die jüngste Wahl von Papst Franziskus erzeugte auf vielen Gesichtern ein Strahlen und in vielen Herzen auf der ganzen Welt Hoffnung. Durch seine Worte und Gesten hat er unmittelbar nach seiner Wahl seine klare Richtung verdeutlicht, die er seinem Dienst als Bischof von Rom und als oberster Hirte aller Katholiken geben will. Während seines ersten Treffens mit Journalisten, nur wenige Tage nach seiner Wahl, sagte er: »Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!« Diese Aussage reflektiert den Sendungsauftrag Jesu und zugleich fordert sie uns alle heraus. Es gilt, als Christ sich der Sache der Armen anzunehmen, sich auf die Seite der Armen zu stellen in einer Welt, in der die Armen ausgeschlossen werden.

Das II. Vatikanische Konzil und die Armen

Am Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils versammelte sich bei Nacht eine Gruppe von Bischöfen, um in den Domitilla-Katakomben die Eucharistie zu feiern. Während dieser Feier unterzeichneten sie eine Selbstverpflichtung, bekannt geworden als der so genannte Katakombenpakt (vgl. ForumWeltkirche 6 –2012, S. 24ff.). Der Titel, den die Bischöfe für diese Übereinkunft wählten, lautete: »Für eine dienende und arme Kirche«. Nach dem II. Vatikanischen Konzil haben etwa 500 weitere Bischöfe diesen Pakt unterzeichnet. Eine Kirche, die dient und arm ist, ist eine arme Kirche für die Armen. Ob Papst Franziskus wohl diesen Pakt unterzeichnet hat? Man ist geneigt zu glauben, dass er dies getan hat.

Erst kürzlich las ich eine Publikation über das Zweite Vatikanische Konzil. Der Autor dieser Veröffentlichung war selbst ein Konzilsvater. Er berichtet, dass es während des Konzils viele informelle Gruppen gab, jede mit unterschiedlichen Interessen. Eine dieser Gruppen wurde die Gruppe Kirche der Armen genannt. Diese Gruppe knüpfte an den Aussagen von Papst Johannes XXIII. an, der in einer Radiobotschaft am 11. September 1962, nur einen Monat vor Beginn des Konzils, mitteilte: »Die Kirche will eine Kirche aller Menschen sein, in besonderer Weise die Kirche der Armen. Die Kirche wird zu einer dienenden und armen werden.« Diese Aussagen waren in den Herzen und Gedanken vieler Konzilsteilnehmer fortwährend präsent. Die Bischöfe der Gruppe Kirche der Armen trafen sich während des Konzils regelmäßig, um über eine Kirche für und mit den Armen zu reflektieren. Indem sie durch ihre Interventionen immer wieder auf diese Botschaft von Papst Johannes XXIII. hinwiesen, stellten sie sicher, dass diese Botschaft nicht verloren ging.

Offensichtlich hat es kein einziges Dokument des Konzils gegeben, das sich explizit mit dieser Frage auseinandergesetzt hat. Jedoch war die Idee der Kirche der Armen während des gesamten Konzils doch allgegenwärtig. So kam es, dass diese Gruppe der Bischöfe folgende Ideen förderte:

  • Ausübung persönlicher und sozialer Gerechtigkeit, insbesondere mit Entwicklungsländern;
  • Frieden und Einheit der Menschheitsfamilie;
  • Evangelisierung der Armen und derjenigen, die nicht zur Kirche kommen;
  • Die Forderung nach der Erneuerung der Priester und Gläubigen durch Armut und die Armen.

Die Konzilsdokumente und die Option für die Armen

Im Folgenden einige Auszüge aus Konzilsdokumenten, in denen diese Ideen Eingang gefunden haben:

  • »Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen dieser Zeit, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind Freude und Hoffnung, Trauer und Angst auch der Jünger Christi, und es findet sich nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihrem Herzen widerhallte. Ihre eigene Gemeinschaft setzt sich nämlich aus den Menschen zusammen, die, in Christus geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen vorzulegen ist. Deswegen erfährt sie sich mit dem Menschengeschlecht und seiner Geschichte innigst verbunden.« (Gaudium et spes 1).
  • »Der Gesandte tritt nämlich in das Leben und die Sendung dessen ein, der »sich selbst entäußert hat, indem er Knechtsgestalt annahm« (Phil 2,7). Des halb muss er bereit sein, sein Leben lang zu seiner Berufung zu stehen, sich und allem zu entsagen, was er bis dahin als sein hatte, und sich allen zu allem machen (1 Kor 9,22).« (Ad gentes 24).
  • »Da diese Sendung fortdauert und durch den Ablauf der Geschichte die Sendung Christi selbst entfaltet, der gesandt wurde, den Armen frohe Botschaft zu bringen, muss die Kirche unter dem Ansporn des Geistes Christi auf demselben Weg voranschreiten, auf dem Christus selbst vorangegangen ist, nämlich auf dem Weg der Armut, des Gehorsams, des Dienstes und der Selbstaufopferung bis hin zum Tod…« (Ad gentes 5,2).
  • »Obwohl sie aber allen gegenüber Schuldner sind, haben die Presbyter dennoch als ihnen in besondererWeise Anvertraute die Armen und Schwächeren, mit denen der Herr selbst sich verbunden zeigte …« (Presbyterium ordinis 6,3).
  • »Bei ihrer Weitergabe sollen sie [Anm.: die Bischöfe] die mütterliche Sorge der Kirche gegenüber allen Menschen, ob gläubig oder nicht gläubig, beweisen und mit besonderer Sorge die Armen und Schwächeren begleiten, denen die Frohbotschaft zu verkünden sie der Herr gesandt hat.« (Christus Dominus 13,1)

Die Bischöfe, die den Katakombenpakt unterzeichnet hatten, kehrten nach dem Konzil zurück in ihre Heimat und versuchten ihr Bestes, eine dienende und arme Kirche zu errichten. Einer der führenden Bischöfe dieser Gruppe Kirche der Armen war der brasilianische Bischof Dom Helder Camara.

Diözesanversammlung der Diözese Daru-Kiunga: Nach einem sehr langen Vorbereitungsprozess, in den die gesamte Diözese einbezogen war, hat die Diözesanversammlung die pastoralen Richtlinien verabschiedet. Die Frage der Armen spielt für die Diözese eine bedeutende Rolle.
FOTO: GILLES COTE

Die Kirche in Papua-Neuguinea

Die Kirche in Papua-Neuguinea hat keine sehr lange Tradition, da die ersten Missionare aus Europa erst vor etwa 130 Jahren an den Küsten Papuas landeten. Die Ortskirche wurde erst im Jahr 1966 in Diözesen und Erzdiözesen organisiert. In einigen Teilen des Landes begann die Erstevangelisierung erst wenige Jahre vor Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils. Man kann sich deshalb vorstellen, welch starken Einfluss die Lehre des Konzils auf die Bischöfe und Gläubigen hatte. Mit voller Überzeugung kann ich deshalb sagen, dass die Kirche, die in Papua errichtet worden ist, eine Kirche der Partizipation und der Communio ist, in Treue zu den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Kirche des Konzils ist das Volk Gottes, der Leib Christi, ein Mysterium der Gemeinschaft, eine pilgernde und dienende Kirche. Die Bischöfe sind eng vereint in ihren Bemühungen, eine Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils zu errichten.

Nur wenige Jahre nach dem Konzil, in den Jahren 1975 –1976, organisierten wir eine Selbstreflexion der Kirche; wir ermutigten die Menschen, sich die Kirche zu eigen zu machen und zu sagen »Wir sind die Kirche «. Nach der Synode von Ozeanien im Jahr 1998 hielten wir eine Generalversammlung der Katholischen Kirche im Jahr 2004 ab. Zwei Jahre hatten die Vorbereitungen gedauert. Menschen aus dem gesamten Land engagierten sich. Wir förderten eine lebendige Kirche in Christus. Das sichtbare Ergebnis dieses Ereignisses war der erste niedergeschriebene und akzeptierte nationale Pastoralplan, der sich zum Ziel gesetzt hatte, alle Menschen in das Leben und die Mission der Kirche einzubinden. Zur Zeit durchlaufen wir einen Prozess der Evaluierung unseres ersten nationalen Pastoralplanes und bereiten die Generalversammlung des Glaubens vor, die im November diesen Jahres stattfinden wird. Das Ergebnis dieser Glaubensversammlung, an der Repräsentanten aller Diözesen des Landes teilnehmen, wird hoffentlich die Niederschrift unseres zweiten nationalen Pastoralplans sein. Und dieser wird uns denWeg weisen, eine Kirche der Gemeinschaft und Partizipation, eine Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils zu errichten.

Und die Armen?

Mit Sicherheit sind die Armen Teil unserer Kirche. Die meisten Menschen sind Kleinbauern und leben von ihrer Subsistenzwirtschaft. Sie haben keinen Zugang zu den Märkten. Die Mehrheit von ihnen muss mit etwa einem US Dollar pro Tag auskommen. Sie leiden sehr aufgrund der Unfähigkeit der Regierung, ihnen grundlegende Dienste (wie zum Beispiel Gesundheitsdienste) zur Verfügung zu stellen.

In unserem nationalen Pastoralplan gibt es einen eigenen Abschnitt, der sich mit der Frage der Armen befasst. Überschrieben ist dieser Abschnitt mit dem Titel: »Die Armen: eigenverantwortlich und respektiert « In dem Text wird die Zielrichtung beschrieben:

»Wir wollen, dass die katholische Kirche ein Modell und zugleich Zeugin der Gerechtigkeit ist, ebenso Anwältin von Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Dies erfordert, dass wir Menschen befähigen hin zu größerer Eigenverantwortlichkeit, Gerechtigkeit in Fragen von Arbeitsbedingungen und -möglichkeiten sicherstellen und für die Anerkennung der Rechte aller, besonders der Frauen und Kinder, eintreten. Wir müssen Menschen mit den notwendigen Fähigkeiten ausstatten, um Konflikte friedlich lösen zu können. In ähnlicher Weise muss die Kirche zu einem Modell und einer Zeugin der Integrität der Schöpfung, ja zu einer Anwältin der Sorge um die Umwelt werden.« (Alive in Christ – National Pastoral Plan for the Catholic Church in Papua New Guinea, 2006–2010, S. 28). Die Zielsetzung ist also nicht, sich um die Armen zu sorgen, sondern sie zu befähigen, damit sie ihrer Armut entrinnen können.

Während wir unseren Pastoralplan evaluieren, gibt es viele Fragen für weitere Reflexionen und Klärungen in Vorbereitung auf unsere Glaubensversammlung. Inwieweit haben wir die Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils von einer partizipatorischen Kirche implementiert? Was sind die Indikatoren und Hoffnungszeichen dafür, dass sich eine Kirche der Communio, mit einem besonderen Platz für die Armen und Benachteiligten, etabliert? Wenn wir nicht vollständig die Armen in das Leben und die Mission der Kirche einschließen, sind wir nicht die Kirche Jesu Christi und auch nicht die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Proteste am Weltkindertag: Zusammen mit den Kindern fordert die Kirche der Diözese Daru-Kiunga die Einhaltung der Kinderrechte.
FOTO: GILLES COTE

Die Diözese Daru-Kiunga: Eine Kirche der Communio und Partizipation

Die ersten Missionare erreichten Kiunga am 20. Juni 1959. Unser erster Bischof, Gerard Deschamps, ein Montfortaner Missionar aus Kanada, war zur Zeit des Konzils apostolischer Präfekt von Kiunga und hat in dieser Funktion auch am Konzil teilgenommen. Die Erfahrungen des Konzils hatten einen grundlegenden Einfluss auf ihn. Dies resultierte in seinem Wunsch und seiner Entscheidung, eine Kirche des II. Vatikanischen Konzils in der Westprovinz von Papua-Neuguinea zu errichten, eine Kirche der Communio und Partizipation. Und dies sind unsere leitenden Grundsätze all unserer Arbeit der Evangelisierung und der menschlichen Entwicklung bis heute geblieben.

Während wir die vergangenen 53 Jahre hart gearbeitet haben, stellt sich die Frage, auf welche Weise wir uns der Armen angenommen haben. Haben wir eine Kirche erbaut, die arm ist und für die Armen da ist, eine Kirche, die eine dienende Kirche ist?

Es gibt unterschiedliche Arten von Armut. Es dreht sich nicht allein um die Frage, ob man Geld hat oder nicht. Einige Menschen sind arm, da sie keinen Zugang zu Märkten haben. Andere wiederum sind arm, da es keine grundlegenden Dienste gibt, die in ihre Dörfer kommen, wie zum Beispiel Gesundheitsdienste oder Bildung. Wiederum andere sind arm, da ihr Mangel an Wissen sie zu Opfern des rapiden Wandels macht, der in unserer Gesellschaft zurzeit stattfindet. Und es gibt Menschen, die arm sind, weil sie keinen Weg für ein besseres Leben in der Zukunft entdecken können.

Von Beginn unserer Missionstätigkeit an haben wir unser Bestes versucht, um zu den Menschen zu gelangen, wer auch immer sie sind und wo auch immer sie leben, ganz gleich ob arm oder reich, Männer oder Frauen, Analphabeten oder gut ausgebildet. Als Kirche der Communio und Partizipation zu leben besagt, dass wir an die Gleichheit all derjenigen glauben, die an dieser neuen Beziehung teilhaben, Brüder und Schwestern in Christus zu sein. Eine Kirche, die die Gemeinschaft und Teilhabe fördert und lebt, ist eine Kirche, die alle Menschen einschließt, denn jede einzelne Person ist geschaffen als Ebenbild Gottes. Wir alle teilen die gleiche Würde. Es geht um eine Kirche, in der alle willkommen sind und ein jeder eine wichtige Rolle spielt. Wir sind alle eins in Jesus Christus. Und diese Ideen sind sehr deutlich in unserem diözesanen Pastoralplan zum Ausdruck gebracht worden.

Die Diözese Daru-Kiunga, im Westen Papua-Neuguineas gelegen, ist geprägt durch viele zum Teil nur schwer erreichbare Dörfer und Siedlungen. Kleine Christliche Gemeinschaften spielen eine große Bedeutung, um eine Kirche zu verwirklichen, die Teilhabe möglich macht und Gemeinschaft erfahrbar werden lässt. Diese Gemeinschaften ermöglichen es, sich selbst in entlegensten Dörfern auf die Seite der Armen zu stellen.
FOTO: GILLES COTE

Pastorale Richtlinien geben die Richtung vor

Wie aber können wir beständig und zugleich konkret dieser Richtung folgen? Gibt es irgendetwas, um uns auf dem richtigen Weg zu halten? In unserer Diözese Daru-Kiunga haben wir pastorale Richtlinien entwickelt für unsere Arbeit der Evangelisierung und menschlicher Entwicklung. Dies stellt sicher, dass wir auf einer Linie sind mit dem Modell einer Kirche, die wir zu verwirklichen suchen: dass alle Menschen eingeladen sind, einen aktiven Part im Leben und der Sendung der Kirche zu spielen, dass all das, was wir tun, die Menschen dazu bringt, Gemeinschaft zu leben durch Beziehungen der Liebe.

Ein Aspekt ist sehr deutlich und häufig wiederholt worden: wenn wir planen und unsere jährlichen Programme entwickeln, rufen wir uns alle Menschen in Erinnerung und stellen sicher, dass wir die Armen, die häufig in weit entfernten Siedlungen leben, nicht vergessen. Wir stellen zudem sicher, dass die Dienste und Ausbildungskurse, die in den Zentren der Pfarreien angeboten werden, ebenso den Menschen in den weit entlegenen Dörfern angeboten werden.

Im Folgenden einige unserer pastoralen Richtlinien, die für uns so wichtig sind:

  • Alle Aktivitäten beginnen dort, wo die Menschen leben;
  • Wir planen und bringen unsere Aktivitäten gemäß den Nöten und Bedürfnissen der Menschen auf den Weg;
  • Wir bieten an, was die Menschen imstande sind zu empfangen, so dass sie auch antworten können;
  • Unsere Einladungen richten sich an alle Menschen, nicht nur an diejenigen, die sonntags zur Kirche kommen, denn alle sind Kinder Gottes;
  • Niemand ist so arm, dass er / sie nichts anzubieten hat;
  • Jeder von uns hat eine besondere Gabe oder Fähigkeit anzubieten, die dem Leben der Gemeinschaft dienlich ist;
  • Es ist besser, dass viele Menschen etwas tun, als das wenige alles tun.
  • Wir heißen den Beitrag einer jeden Person willkommen und akzeptieren und wertschätzen ihn;
  • Wir laden jeden ein, was auch immer ihm / ihr möglich ist, zu teilen.
  • Menschen wachsen, wenn ihnen Verantwortung übertragen wird; sie sind bereit, ihren Dienst zu schenken, wenn sie gemäß ihrer Fähigkeiten gefragt werden;
  • Junge und Alte, Männer und Frauen, gut ausgebildete und einfache Menschen fühlen sich alle eingeladen und fühlen, dass ihnen die Chance eingeräumt wird, teilzuhaben.

Mit solch pastoralen Richtlinien wäre es sehr schwer, die Armen im Stich zu lassen und sich nicht um sie zu sorgen. Mit all den anderen zusammen sind sie Kirche.

Ein konkretes Beispiel für unsere Sorge für die Armen ist die Hilfe, die wir den Flüchtlingen aus West- Papua (Anm. d. Red.:West-Papua gehört zu Indonesien und ist nicht Teil Papua-Neuguineas) bieten, die aufgrund der Gewalt in ihrer Heimat über die Grenze nach Papua-Neuguinea gekommen sind und auf dem Gebiet unserer Diözese leben. Seit 1984 sind diese Menschen Teil unserer Sorge und unseres Engagements.

Auch Menschen mit Behinderungen, die es in der Gesellschaft sehr schwer haben, sind im Blick unserer Bemühungen. Es berührt mich sehr zu sehen, wie aktiv und zugleich glücklich sie sind, wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird, eine aktive Rolle im Leben der Kirche zu übernehmen. Sie fühlen, dass sie dazu gehören. Sie sind Teil von uns, während wir ihnen den notwendigen Raum geben.

Behinderte Menschen gehören ebenso zur Kirche wie Nicht-Behinderte. Für Bischof Gilles Cote ist es wichtig, ihnen den entsprechenden Raum zu geben, damit auch sie sich als Teil der Kirche erleben dürfen. FOTO: GILLES COTE

Eine arme Kirche für die Armen – ein nie abgeschlossener Prozess

Wir sorgen uns um diejenigen, die mit HIV infiziert sind, die AIDS haben, die behindert sind, um junge Männer, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, um die Kranken und die Notleidenden. Wir bringen Menschen bei, wie man Reis anbaut und Fischteiche anlegt. Und am wichtigsten, die Pfarreiteams besuchen die Menschen in den entlegensten Dörfern und stellen sicher, dass sie alle notwendigen Informationen erhalten, um aktiv am Leben der Kirche teilhaben zu können. Wir bieten den Menschen spirituelle, pastorale und soziale Dienste an, um sie zu befähigen, für ihr Wachstum als Person und auch als Gemeinschaft selbst Verantwortung zu übernehmen.

Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang den so genannten Kleinen Christlichen Gemeinschaften zu. Sie haben zum Ziel, eine Kirche der Communio und Partizipation zu verwirklichen. Alle Menschen, die Armen eingeschlossen, partizipieren an Treffen der Gemeinschaft und haben teil an Entscheidungsprozessen, die dem Wohl aller dienen.

Lassen Sie mich diese Reflexionen mit folgenden Überlegungen schließen: eine arme Kirche für die Armen zu sein, wird niemals ein Prozess sein können, der seinen Abschluss findet. Es ist vielmehr eine Art undWeise, den Glauben zu leben und Kirche zu sein, eine Art undWeise das Werk der Evangelisierung und der menschlichen Entwicklung zu verrichten, der einzigeWeg, Christ zu sein, denn dies war der Weg Jesu. Wir können niemals mit dem zufrieden sein, was wir getan haben oder für die Armen tun.Wir müssen uns die Situationen der Armut mit neuen Augen anschauen und entdecken, auf welche Weise wir auf der Seite der Armen in der gegenwärtigen Realität stehen können und auf welcheWeise wir mit ihnen den gemeinsamenWeg gehen können und mit ihnen zusammen Kirche sein können.

Ich hoffe und bete, dass während des Dienstes von Papst Franziskus unsere Kirche mehr und mehr zu einer armen Kirche für die Armen wird.

GILLES COTE
Bischof der Diözese Daru-Kiunga / Papua-Neuguinea

Gratis-Ausgaben

Ich möchte Forum Weltkirche mit 2 Gratis-Ausgaben kennen lernen.

/ Bestellen bei HerderShop24