Juli / August 2013 »Wer ist mein Nächster?« corner

»Wer ist mein Nächster?«

Die Kirche Pakistans und die Herausforderung, eine Kirche der Armen und für die Armen zu sein

von JAMES CHANNAN OP

Als Minderheit in Pakistan sehen sich die Christen herausgefordert, die Sendung Jesu fortzuführen und sich für die Armen einzusetzen.
FOTO: KNA-BILD

Es war so inspirierend und zugleich ermutigend, die Erklärung unseres Papstes Franziskus zu hören, der sagte: »Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!« Diese Aussage berührte wirklich sehr tief mein Herz und meine Seele. Wenn ich mich umschaue und die Situation der Christen in Pakistan reflektiere, dann ist dieses Statement unseres Papstes sehr wahr und zugleich bedeutsam. Es offenbart die Realität unserer Situation in Pakistan. Die Botschaft von Papst Franziskus lässt Christus in unserer Mitte erlebbar werden. Sie fordert uns auf, sich auf den Weg zu den Armen zu machen.

Die Armut und der Reichtum Jesu

Die Botschaft von Papst Franziskus reflektiert sehr stark das Leben und die Verkündigung unseres Herrn Jesus Christus, der selbst arm war. Wenn wir über das Leben Jesu lesen und reflektieren, dann stellen wir fest, dass er ökonomisch gesehen sehr arm war. Seine Eltern waren arm. Seine Mutter Maria gehörte zu einer sehr armen Familie, sein Vater Joseph war ebenfalls arm, ein Zimmermann, der hart arbeiten musste, um seine Familie ernähren zu können. Wir wissen, dass Jesus gewohnt war, seinem Vater bei der Arbeit zu helfen.Wir können nirgendwo lesen, dass Jesus ein luxuriöses Leben geführt hat. Er war ein einfacher, armer Mann; er besaß kein Land, keinen Palast, keine Diener und keine Ackerflächen. Er war ein armer Mann, der keine Soldaten oder Bodyguards benötigte, die ihn beschützten. Er stand mit beiden Beinen auf der Erde, und es war einfach, ihn zu erreichen. Die Menschen fühlten sich wohl, auf ihn zuzugehen, mit ihm zu sprechen auf der Suche nach Barmherzigkeit, ihn um die Vergebung der Sünden zu bitten, um Heilung zu bitten, ja sie baten ihn sogar, Tote zum Leben zu erwecken. Wir finden eine Fülle von Hinweisen solcher Ereignisse undWunderberichte in den Evangelien. Jesus selbst besaß nicht die entsprechenden Finanzmittel, um die Menge zu ernähren. Vielmehr fragte er einfach seine Jünger, wie viel Nahrungsmittel sie dabei hätten. Mit den fünf Broten und zwei Fischen, so lesen wir im Matthäusevangelium, die Jesus segnete, konnte schließlich eine Menschenmenge von über 5000 Personen, Männer, Frauen und Kinder gesättigt werden (Mt 14,13–21; vgl. Mt 15,32–39).

Jesus besaß auch kein eigenes Boot. Er fuhr mit den Booten seiner Jünger. Er ritt auf einem Esel, der ihm nicht gehörte, in die Stadt Jerusalem. Das letzte Abendmahl wurde von jemand anderem vorbereitet. Dies alles sind Hinweise darauf, dass Jesus ein sehr einfaches Leben geführt hatte. Und so sagt denn Jesus selbst: »Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.« (Mt, 8–20)

Trotz all dieser materiellen Entbehrungen, war Jesus sehr reich an Barmherzigkeit, Mitleid, in der Vergebung anderer, in der Heilung der Kranken, in der Annahme der Geknechteten und Unterdrückten, der Marginalisierten, der Unberührbaren, der Sterbenden und der Kranken. Jesus hat soviel anzubieten aufgrund seines Reichtums, seiner Liebe und seines Mitleids. Bisweilen verurteilte Jesus gar die materiell Reichen wie zum Beispiel den jungen reichen Mann, der nicht in der Lage war, Jesus zu folgen, da er zu sehr seinem materiellen Reichtum verbunden war und ihn nicht loslassen konnte. Jesus sieht die Gefahr, wenn jemand von seinem materiellen Reichtum gefangen gehalten wird und warnt deshalb auch seine Jünger: »Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen. Nochmals sage ich Euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.« (Mt 19,23f).

Viele Menschen in Pakistan leiden unter Armut und Ausgrenzung. Die meisten von ihnen sind Muslime. Das Foto zeigt Menschen, die auf einer Müllkippe in
Abottabad leben und nach Verwertbarem suchen. FOTO: KNA-BILD

Die Sendung Jesu

Den Armen die Frohe Botschaft zu verkündigen war die eigentliche Sendung Jesu Christi. Und so heißt es im Evangelium: »Der Geist des Herrn ruht auf mir; der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht: damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.« (Lk 4,18 –19)

Diese Passage des Evangeliums erklärt das Ziel und die Agenda der Mission Jesu. Er war gesandt für die Armen, Gefangenen und Unterdrückten. All die Menschen, die unter diese Kategorie fallen, waren das Ziel der Sendung Jesu. Christus liebte die Armen. Denn sie sehnten sich nach Gerechtigkeit, sie benötigten die Akzeptanz, den Respekt, und sie sehnten sich nach Würde in ihrem Leben. Und es bedarf der Distanz zu materiellen Dingen, die uns davon abhalten, Jesus zu folgen. Jesus tröstet die Armen und Schwachen, wenn er sagt:

»Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. « (Mt 5,3–6)

Die pakistanische Kirche hat eine lange Geschichte. Es ist eine Geschichte einer Kirche, die in all den Zeiten immer finanziell gesehen arm war. Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Wurzeln bis ins erste Jahrhundert zurückreichen. Gemäß den Überlieferungen war es der Apostel Thomas selbst, der bis ins heutige Pakistan vorgedrungen ist, um in den Jahren 45–52 n. Chr. das Wort Gottes zu predigen und die Frohe Botschaft zu verkünden. Gemäß der Tradition war es der Ort Sir Koop in der Nähe von Texila (etwa eine Autostunde von der heutigen Hauptstadt Islamabad entfernt), wo der Hl. Thomas gewirkt hat.

Wenn wir zurückblicken und das Leben und die Geschichte der Kirche in Pakistan uns anschauen, werden wir sehen, dass es die Armen dieses Landes waren, schwach und marginalisiert, diskriminiert und verachtet von den Reichen, die die Botschaft Jesu annahmen und das Christentum umarmten. Sie wurden getauft und akzeptierten Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser.

Dem Dialog kommt in Pakistan eine große Bedeutung zu. Christen, Muslime und Hindus beten vor dem Presse Club in Lahore für die Genesung von Malala Yousafzai, die für ihren Einsatz für die Schulausbildung von Mädchen von Taliban angeschossen und schwer verletzt wurde. (Fünfter von links: Fr. James Channan OP, Direktor des Friedenszentrums der Dominikaner und Autor dieses Artikels). FOTO: JAMES CHANNAN

Christen in Pakistan

Christen sind ein nicht wegzudenkender Teil der Bewegung Pakistans, der Unabhängigkeit, seines Fortschritts und seines Erfolges. Politisch gesehen waren es Christen wie zum Beispiel S. P. Singha, Sprecher der Punjab Legaslative Assembly, C. Gibbons, Joshua Fazal Din und Chandul Lall, die Seite an Seite mit Muhammad Ali Jinnah – dem Gründer Pakistans – gekämpft haben. Christen haben eine sehr wichtige Rolle gespielt, damit die Provinz Punjab ein Teil von Pakistan wird, denn ihre Stimmen waren entscheidend, damit die Muslim-Liga die notwendige Mehrheit erhielt. Und es war schließlich mit S. P. Singha ein christlicher Sprecher, der 1945 den Wahlsieg der Muslim-Liga verkündete.

Heute ist Punjab die größte und wichtigste Provinz Pakistans. 110 Millionen der insgesamt 180 Millionen Bürger des Landes leben in der Provinz Punjab. 75 Prozent der etwa 3,5 Millionen Christen Pakistans leben ebenfalls im Punjab. Auch die meisten Priester und Ordensleute der pakistanischen Kirche stammen aus dem Punjab.

Zahlreiche führende Persönlichkeiten des Landes, die Christen sind, stammen ebenfalls aus dem Punjab. Zum Beispiel Shabaz Bhatti, der als Bundesminister für die Angelegenheiten von Minderheiten der Bundesregierung angehörte, am 02. März 2011 jedoch von Extremisten erschossen wurde, Julius Salik, Länderminister für Minderheiten, Peter John Sohtra, Mitglied der Nationalversammlung, Paul Bhatti, ehemaliger Berater des Premierministers etc. In der Geschichte Pakistans spielten Christen sowohl in der Armeeführung als auch im Justizwesen eine wichtige Rolle. Zu nennen ist an dieser Stelle unbedingt auch A. R. Cornelius. Er war oberster Richter des Höchsten Gerichtshofes Pakistans. Er war es, der den Entwurf der pakistanischen Verfassung erarbeitet hatte, die dann unter Präsident Zulfiqar Ali Bhutto 1973 in Kraft gesetzt wurde. Aber auch im Bereich der Musik und der Kunst Pakistans gibt es zahlreiche berühmte Personen, die allesamt Christen sind.

Der Einfluss der christlichen Kirchen in Pakistan ist sicherlich auf die Bedeutung einiger ihrer Schulund Ausbildungseinrichtungen zurückzuführen, die zu einem nationalen Symbol für das Schul- und Ausbildungswesen geworden sind. Das Foreman Christian College (Universität) in Lahore, St. Patrick’s College in Karachi, La Salle Schools, Jesus and Mary Schools sowie die Presentation Sister Schools haben landesweit eine sehr hohe Reputation für ihre ausgezeichnete Ausbildung, die sie bieten. Hinsichtlich des Ausbildungsstandards werden keine Kompromisse eingegangen. Die meisten christlichen Schulen und Colleges dienen der Masse der Armen, sowohl Christen als auch Muslimen. Bezeichnenderweise werden diese Ausbildungseinrichtungen nicht nur von Christen, sondern auch von Muslimen sehr geschätzt. Diese loben den hohen Ausbildungsstandard als auch die moralischen Werte, die dort unterrichtet werden. Viele bekannte muslimische Politiker des Landes haben allesamt an christlichen Bildungseinrichtungen studiert. Zu ihnen gehören u. a. die ehemalige Premierministerin Benazir Bhutto, die Premierminister Shaukat Aziz und Yousaf Raza Gilani; zu nennen sind auch die Staatspräsidenten Pervaiz Musharraf und Asif Ali Zardari sowie der ehemlige Präsident des höchsten Gerichtshofes, Nasim Hasan Shaw.

Es gibt zwei Arten von Schulen, die von den christlichen Kirchen geführten werden. Zum einen diejenigen, in denen die Unterrichtssprache Englisch ist und dann die Schulen und Bildungseinrichtungen, in denen die Unterrichtssprache Urdu ist. Besonders die letztgenannten sind Bildungseinrichtungen, die sich an die breite Masse der Armen richten. Diese Bildungseinrichtungen können sich nicht selbst tragen, da die Studierenden gar nicht das Geld hätten, Schulgebühren zu bezahlen. Ein sehr hoher Anteil der Studierenden sind Muslime. Auch wenn es den christlichen Kirchen schwerfällt, den Unterhalt dieser Schulen sicherzustellen, so sind sie für uns doch ein wichtiges Zeugnis als christliche Gemeinschaft, gesandt zu den Armen.

Eine Kirche der Armen für die Armen zu sein, birgt auch viele Probleme, wie zum Beispiel Diskriminierungen, Bedrängnis, falsche Anschuldigungen etc. – alles Dinge, die uns nicht unbekannt sind. Wir haben gelernt, in diesen schwierigen und herausfordernden Situationen zu leben. Manchmal scheint unser Leben in Gefahr zu sein, doch sind wir nicht verängstigt, Zeugnis abzulegen von Christus unserem Herrn. Lautstark protestieren wir gegen Ungerechtigkeiten, die wir erfahren müssen. Und dies wird auch vernommen, sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene. Während wir als Pakistani in Pakistan leben, werden wir fortfahren, unsere wichtige Rolle zur Errichtung unserer Nation zu spielen und alle nur notwendigen Dienste einbringen, die dazu führen, dass eine Nation entsteht, in der keiner mehr diskriminiert wird.

Eine Kirche, die sich für die Armen einsetzt, sieht sich immer wieder Protesten, Diskriminierungen und Anfeindungen gegenüber. Für James Channan sind aber nicht nur Christen das Ziel von Diskriminierungen und Anfeindungen. Viele Muslime in Pakistan erleiden das gleiche Schicksal und werden zu Opfern eines ungerechten Klassensystems, des Terrorismus und Fanatismus. Das Foto zeigt gewaltsame Ausschreitungen gegen Christen am 09. März 2013 in Lahore. FOTO: KNA-BILD

Interreligiöser Dialog – wesentlicher Bestandteil der Sendung der Kirche

Erlauben Sie mir ein weiteres wichtiges Feld im heutigen Pakistan zu benennen, in dem Christen eine hohe Anerkennung und Wertschätzung trotz mancher Anfeindung erfahren: es ist der interreligiöse Dialog zwischen Christen und Muslimen. Das Christian Study Center in Rawalpindi sowie das Dominican Peace Center in Lahore sind landesweit bekannt und anerkannt. Aber auch international erfahren beide Zentren eine hohe Anerkennung für die wichtige Aufgabe des Dialogs zwischen Christen und Muslimen in Pakistan. Ich selbst war dreimal Vize- Provinzial der Dominikaner der Vize-Provinz Ibne- Mariam und über 15 Jahre Konsultor des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog sowie der vatikanischen Kommission für die Beziehungen mit Muslimen. Seit 2010 bin ich Direktor des Friedenszentrums der Dominikaner in Lahore. Der Dialog ist wesentlicher Bestandteil der Friedensarbeit in Pakistan. Für mich ist es eine große Ehre, dass Dr. Georg Evers mich in dieser Zeitschrift in der Ausgabe März / April 2013 als »Pionier des Interreligiösen Dialogs in Pakistan« vorgestellt hat. Seit etwa 30 Jahren engagiere ich mich nun schon im interreligiösen Dialog. Für mich ist dieser Dialog ein wesentlicher Bestandteil der Sendung der Kirche. Der Dialog ist ein Instrument, den gegenseitigen Respekt zwischen Christen und Muslimen, aber auch die Zusammenarbeit zu fördern.

Das Erbe des Hl. Thomas, Apostel der Völker, wurde fortgeführt durch Missionare wie den Franziskanern, den Kapuzinern, den Dominikanern und Jesuiten sowie zahlreichen Frauenorden. Dieses Land ist sehr reich an Glauben. Die Kirche der Armen ist stark. Und sie ist engagiert in vielfältigen Apostolaten: Bildung, Verkündigung, Dialog, Evangelisierung, Pastoral, Jugend, Frauen, Kinder, Gerechtigkeit und Frieden, Glaubensformation, Dienst an den Armen, im Elend Lebenden, Marginalisierten, Kranken, Weisen und Gefangenen. In Pakistan versteht sich die Kirche nicht als eine Einrichtung einer Glaubensgemeinschaft, die nur für ihre Mitglieder da ist. Vielmehr geht sie auf Menschen aller Religionsgemeinschaften zu, auf Muslime, Hindus, Sikhs, Zoroastrier und indigene Völker. Viel Bedeutung wird dem Dialog mit den Muslimen beigemessen, die 96 Prozent unserer Bevölkerung ausmachen. Die meisten Muslime sind ebenfalls sehr arm und viele von ihnen werden ebenfalls diskriminiert. Es gibt sehr viele Beispiele und Vorfälle von Ungerechtigkeiten, die diese Muslime erleiden. Sie sind Opfer eines ungerechten Klassensystems, des Terrorismus und Fanatismus. In diesem Kontext müssen wir uns die Frage stellen: Wie können wir Jesu Gebot erfüllen, wenn er uns lehrt »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.« (Mt 22,37–40). Wer aber ist unser Nächster? Mein Nächster ist Christ und ebenso Nicht-Christ. Meine Nächsten sind Muslime, Hindus, Sikhs und Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften. Mit ihnen allen komme ich täglich in Kontakt. Dies ist auch der Grund, weshalb die sozialen Dienste der Christen wie zum Beispiel Bildung, Gesundheitsfürsorge, Hilfe für die Opfer von Überschwemmungen und Erdbeben sowie der Dienst an den Kranken nicht den Christen reserviert sind, sondern allen Menschen um uns herum. Indem wir den Armen und Notleidenden um uns herum helfen, fühlen wir, dass wir das Gebot Christi erfüllen, der uns lehrte, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst.

Heilung ermöglichen

Im Kontext Pakistan gibt es so viele Orte und Situationen, die der Heilung bedürfen. Es geht darum, den Respekt füreinander zu fördern, das Verständnis füreinander und den Dialog unter Menschen unterschiedlicher Religionen, insbesondere Christen und Muslimen. In diesem Zusammenhang sehen wir sehr deutlich, dass unsere arme Kirche eine Kirche für die Armen ist. Indem wir den Dialog zwischen Christen und Muslimen auf allen Ebenen des Lebens hervorheben, setzen wir die Sendung Jesu Christi um. Und es gibt viele Herausforderungen und Hürden in unserem Apostolat des Dialogs. Aber wir Christen, trotz unseres Leidens, zuweilen diskriminiert von anderen, zuweilen missverstanden, werden unser Apostolat, den Dialog und die Harmonie zu fördern, niemals aufgeben. Inzwischen wird die Bedeutung des Dialogs für die Gesellschaft in Pakistan wahrgenommen und Dialoggruppen haben sich im gesamten Land gegründet. Heilung zu ermöglichen, Vergebung, ein positives Verständnis füreinander, zu den Marginalisierten und Unterprivilegierten zu gehen, ist ein integraler Teil unserer Sendung als Kirche in ganz Pakistan.

Eine arme Kirche für die Armen in Pakistan

Die Botschaft unseres Papstes inspiriert uns sehr, so dass wir unsere Sendung neu reflektieren, unsere Option für die Armen. In ihnen finden wir Christus, der uns sagte: »Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen… Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan.« (vgl. Mt 25,35ff.). Wenn wir also den Armen, Notleidenden, Hilflosen und Marginalisierten um uns herum helfen, dann helfen wir Christus selbst. Wir dürfen uns nicht von den Armen um uns herum entfernen. Wir müssen zu ihnen gehören.

Jesus hat uns aufgetragen, uns von den materiellen Gütern zu trennen und arm zu sein für die Armen: »Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd …« (Lk 9,3) Dies verdeutlicht: Wenn wir mit leeren Händen losziehen, fühlen wir uns den Armen, zu denen wir gesandt sind, näher. Wir werden untrennbar mit ihnen verbunden sein.

In Pakistan haben wir als arme Kirche für die Armen eine bedeutsame Rolle zu spielen. Das bedeutet, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, wie Jesus lehrte (vgl. Mt 5,13f). Dies ist es, wozu wir berufen sind. Wir müssen Licht schenken und wir dürfen niemals als Christen aufhören, Salz zu sein. Das ist unser Leben, und das ist das Leben der armen Kirche für die Armen in Pakistan. Gott segne Pakistan!

JAMES CHANNON OP
Ordensmann und Theologe, Direktor des Friedenszentrums der Dominikaner in Lahore / Pakistan

TIPP

Fr. James Channan OP war im März diesen Jahres von der Notre Dame University in den USA eingeladen, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Enzyklika »Pacem in Terris« einen Vortrag über den Einfluss und die Herausforderungen dieser Enzyklika für die Christen in Pakistan zu halten. Im Rahmen dieses Vortrages geht er ausführlich auf die Bedeutung des interreligiösen Dialogs in Pakistan ein. Nachzulesen ist der Vortrag auf der Homepage der weltweiten Initiative mit Namen »United Religions Iniciative« – eine Initiative unterschiedlicher Relgions- und Glaubensgemeinschaften, die sich dem Frieden durch die Zusammenarbeit der Religionen verschrieben hat. Link

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