Religionsfreiheit in Gefahr? Der Kampf um die Seele des Islams in Indonesien corner

Religionsfreiheit in Gefahr?

Der Kampf um die Seele des Islams in Indonesien

von FRANZ MAGNIS-SUSENO SJ

Protestierende Schiiten fordern Anfang Juli vom Staatspräsidenten Indonesiens, für ihren Schutz zu sorgen und die Gewalttäter, die im vergangenen Jahr ihre Dörfer zerstört haben, vor Gericht zu bringen.
FOTO: UCANEWS

Die Vorfälle mehren sich: Gewalt gegen christliche Kirchen und Einrichtungen, Gewalt gegen Schiiten, Gewalt gegen Ahmadiyya. Scheint Indonesien, das asiatische Land mit den meisten Muslimen der Welt, die Achtung religiöser Minderheiten mehr und mehr zu verlieren? Bisher ist die Religionsfreiheit in Indonesien ein hohes Gut. Die unzureichende Reaktion so mancher Politiker auf die Gewalt von Extremisten schadet der Rechtstaatlichkeit und scheint extremistischen Gruppen in die Hände zu spielen. Die durch Korruption der politischen Klasse verursachte Demokratiemüdigkeit scheint zudem eine größere Gefahr für das Land zu sein, als zunächst der Fundamentalismus selbst. Trotz allem ist der vorsichtige Optimismus verantwortbar, dass auch zukünftig Religionsfreiheit ein hohes Gut bleiben wird.

Indonesien, das Land mit den meisten Muslimen der Welt, war einmal bekannt für den hohen Grad seiner Religionsfreiheit. 87 Prozent der etwa 250 Millionen Indonesier sind Muslime, etwa 23 Millionen Indonesier (9,3 Prozent) sind Christen, die übrigen 3,7 Prozent verteilen sich auf balinesische Hindus, Buddhisten, Konfuzianer, einheimische und andere Religionen. Als Indonesien 1945 seine Unabhängigkeit erklärte, erklärte es die fünf Prinzipien der Pancasila – Glaube an den einen Gott, gerechte und zivilisierte Menschlichkeit, nationale Einheit, Volksherrschaft und soziale Gerechtigkeit – zu seiner sittlichen Grundlage. Implizit war damit gemeint, dass in Indonesien Anhänger aller Religionen gleich geachtet und gleichberechtigt sind. Die Vertreter der großen islamischen Mehrheit verzichteten um der nationalen Einheit willen auf jede Sonderstellung des Islams.

Diese Pancasila ist auch heute noch die Basis des Staates. Ein Versuch vor 12 Jahren, für Muslime die islamische Schariahgesetzgebung verpflichtend zu stellen, wurde in der verfassungsgebenden Versammlung (MPR) mit einer Mehrheit von 81 Prozent abgeschmettert.

Zunehmende Intoleranz

Aber dennoch wächst die Besorgnis der Nichtmuslime. Intoleranz, gewalttätige Angriffe auf Gottesdiensthäuser, Hetzkampagnen und andere Belästigungen religiöser Minderheiten häufen sich in Indonesien 15 Jahre nach der Einführung der Demokratie. In Teilen Javas und Sumatras wird es immer schwieriger, Kirchen zu bauen. Gottesdienste in Räumlichkeiten ohne öffentliche Genehmigung werden immer wieder durch muslimische Hardliner Gruppen gestört oder aufgelöst.

Allein in den ersten sechs Monaten diesen Jahres wurden 30 Gottesdienststörungen christlicher Kirchen gemeldet. Im Jahr zuvor gab es mindestens 75 Störungen, Drohungen und Belästigungen. Die Fälle der protestantischen Jasmin und Philadelphia Gemeinden in West Java haben inzwischen internationale Beachtung gefunden. Der oberste indonesische Gerichtshof hatte das Recht beider Gemeinden, die von ihnen gebauten Kirchen zu benützen, bestätigt, doch die Lokalbehörden ignorieren den Richterspruch, während die Zentralregierung erklärt, sie habe keine Autorität, sich einzumischen.

Besonders prekär ist die Lage der islamischen Ahmadiyya und der wenigen schiitischen Gemeinden. Hass gegen diese Gruppen wird offen ausgesprochen und oft sind sie direkt physisch bedroht. Seit einigen Jahren mehren sich Angriffe auf deren Moscheen, Hunderte von Ahmadiyya Mitgliedern leben auf der Insel Lombok in Flüchtlingsunterkünften; vor anderthalb Jahren wurden die Schiiten aus ihren Dörfern auf der Insel Madura vertrieben. Mehrere Ahmadiyya und Schiiten sind dabei zu Tode gekommen. Im Unterschied zu den anerkannten Minderheitsreligionen wird die Existenz der Ahmadiyya und der Schiiten als solche nicht anerkannt. Der Staat gewährt diesen Gemeinden nur unzureichend Schutz. Der sunnitische Religionsminister hat wiederholt gesagt, die Ahmadiyya sollten zum sunnitischen Islam zurückkehren oder eine eigene Religion bilden, sie hätten im Islam keine Existenzberechtigung. Es muss zudem befürchtet werden, dass der zunehmende Konflikt in der muslimischen Welt zwischen Sunniten und Schiiten auch auf Indonesien übergreift.

Beunruhigend ist auch, dass seit Jahren vielfach auf lokaler Ebene von der islamischen Schariahgesetzgebung inspirierte Verordnungen in Kraft gesetzt wurden. Die derzeitige indonesische Regierung tut nichts gegen diese schleichende Islamisierung des öffentlichen Lebens.

In den richtigen Proportionen sehen

Allerdings müssen diese Entwicklungen in den rechten Proportionen gesehen werden. In Indonesien herrscht – allerdings unter Ausnahme der islamischen Schiiten- und Ahmadiyya Gemeinschaften – keineswegs eine Verfolgungs- oder Unterdrückungssituation. 95 Prozent aller christlichen Gemeinden in Indonesien leben, verkehren, arbeiten und halten Gottesdienste ohne irgendwelche Behinderungen. Es besteht Freiheit des Religionswechsels, und Religionswechsel findet in allen Richtungen statt. Von einer systematischen Diskriminierung der anerkannten Minderheitsreligionen in Indonesien kann man nicht sprechen.

Die Frage erhebt sich allerdings, was wohl die Zukunft der Religionsfreiheit in Indonesien sein wird. Um diese Frage zu beantworten hilft es, einen Blick auf die Geschichte der Beziehungen zwischen Christen und Muslimen zu werfen.

Indonesien auf einen Blick

Fläche: 1.904.569 km2
Einwohner: 251.160.000
Katholiken: 7.082.000
Diözesanpriester: 1.658
Ordenspriester: 2.277
Ordensbrüder: 1.063
Ordensschwestern: 8.456
Laienmissionare: 7.397
Katechisten: 27.747

Worldfactbook 2013; Statistisches Jahrbuch der Katholischen Kirche 2009

Die Entwicklung der Beziehungen zwischen Muslimen und Christen in Indonesien

Der Ausgangspunkt hätte nicht ungünstiger sein können. Ab dem 16. Jahrhundert kamen christliche Missionare zusammen mit Portugiesen und Niederländern auf die indonesischen Inseln. Der Islam galt als der alte Feind, ein Gefühl, das die Muslime erwiderten. Es war die indonesische Befreiungsbewegung und vier Jahre Befreiungskampf gegen die Niederlande von 1945 bis 1949, die Christen und Muslime zusammenbrachten. Seitdem sind die Christen als integraler Teil der indonesischen Nation anerkannt.

Doch außerhalb der politischenWelt gab es kaum Beziehungen zwischen Christen und frommen Muslimen. Die Christen fanden ihre politischen und kulturellen Verbündeten bei den sogenannten »Nationalisten« (politisch durch die nicht-muslimischen Parteien, aber vor allem auch durchs Militär repräsentiert). Die Mehrheit der Indonesier galt als »nationalistisch«, sie sahen sich zwar als Muslime an, wollten aber keine Einmischung des Islams in die Politik. Bei den einzigen freienWahlen der ersten 50 Jahre indonesischer Unabhängigkeit 1955 erreichten die islamischen Parteien, die sich für einen Islamstaat eingesetzt hatten, nur knapp 43 Prozent.

Doch seit den 70er Jahren begann sich die christliche Einstellung zu ändern. Eine wachsende Zahl christlicher Intellektueller, bestürzt über andauernde Menschenrechtsverletzungen durch das Suharto-Regime, erkannten, dass die Zukunft der Christen in Indonesien nur durch den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen mit »echten« Muslimen gesichert werden könnte, dass wir also von einer Win-losen zu einer Win-win-Beziehung mit den Muslimen finden müssten. Unterstützung fanden wir dabei bei vielen aufgeschlossenen, pluralistisch eingestellten muslimischen Intellektuellen. Von daher entwickelte sich, auch durch Mitgliedschaft in zahlreichen Nichtregierungsorganisationen, ein wachsendes Netzwerk enger Zusammenarbeit von meist jungen christlichen und muslimischen Indonesiern mit denselben politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Idealen. Von großem Einfluss war die Überfigur von Abdurrachman Wahid (dem langjährigen Führer der großen Nadlatul Ulama Organisation, der von 1999 bis 2001 Indonesiens vierter Präsident wurde), der völlig moderne Offenheit, Verpflichtung zur Religionsfreiheit aus Überzeugung Mehrheit sich durch das Vordringen des Fundamentalismus bedroht fühlt. Nach den Terroranschlägen auf Bali 2002 gründete Hasyim Muzadi, der damalige Chef der NU, zusammen mit Kardinal Julius Darmaatmadja ein nationales Moralforum. Diese positiven Beziehungen hatten sich bewährt, als von 1999 bis 2002 zwei brutale Bürgerkriege zwischen Muslimen und Christen in Ostindonesien ausbrachen.Wenn wir Christen heute Probleme mit Muslimen haben, gehen wir nicht zur Polizei oder vor Gericht, sondern zur NU. Auch wenn sie das Problem nicht immer lösen können (zum Beispiel örtlichenWiderstand gegen den Bau einer Kirche), so geben sie zumindest moralische Unterstützung und schaffen damit eine positive Atmosphäre. und Verwurzelung in der javanischen Kultur miteinander verband.

Obwohl die 90er Jahre als Folge der Wende Suhartos zum Islam wachsende Diskriminierung von Christen brachten, verbesserten sich die Beziehungen der Christen zu den beiden großen islamischen Organisationen Nadlatul Ulama (NU) und Muhammadiyah stetig. Christliche Studenten und katholische Seminaristen machen seitdem regelmäßig live-ins in pesantrens, den traditionellen islamischen Internaten. Viele katholische Pfarrer haben gute Beziehungen zu örtlichenMuslimführern aufgebaut, obwohl auf der Pfarrebene noch viel mehr geschehen könnte. Zunehmende terroristische Aktivitäten seit 1999 haben diese guten Beziehungen eher noch verstärkt, da auch die gemäßigte islamische Mehrheit sich durch das Vordringen des Fundamentalismus bedroht fühlt. Nach den Terroranschlägen auf

Bali 2002 gründete Hasyim Muzadi, der damalige Chef der NU, zusammen mit Kardinal Julius Darmaatmadja ein nationales Moralforum. Diese positiven Beziehungen hatten sich bewährt, als von 1999 bis 2002 zwei brutale Bürgerkriege zwischen Muslimen und Christen in Ostindonesien ausbrachen.Wenn wir Christen heute Probleme mit Muslimen haben, gehen wir nicht zur Polizei oder vor Gericht, sondern zur NU. Auch wenn sie das Problem nicht mmer lösen können (zum Beispiel örtlichenWiderstand gegen den Bau einer Kirche), so geben sie zumindest oralische Unterstützung und schaffen damit eine positive Atmosphäre.

Fundamentalistische Gruppierungen in Indonesien fördern eine zunehmende Islamisierung im gesamten Land. Das Foto zeigt eine Muslima, die im vergangenen Jahr gegen ein geplantes Konzert der US-Musikerin Lady Gaga in Indonesien protestierte. Das Konzert wurde schließlich aus Sicherheitsgründen abgesagt, nachdem die extremistische »Islamische Verteidigungsfront« (FPI) gedroht hatte, das Konzert zu verhindern.
FOTO: KNA-BILD

Zukunft der indonesischen Demokratie

Diese positive Entwicklung steht im Gegensatz zu den oben genannten Besorgnissen. Auch wenn Christen in Indonesien zum allergrößten Teil im Frieden leben und von einer Christenverfolgung in Indonesien nicht die Rede sein kann, so bleibt doch die Frage, wie es weitergehen wird. Man kann die Frage auch so stellen:Wird Indonesien eine Demokratie bleiben, wo die Menschenrechte, Freiheit der Religionsausübung und des Religionswechsels respektiert werden? Oder wird Indonesien, etwa nach mittelöstlichen Mustern, ein Land werden, in dem es für die Minderheiten immer prekärer wird? Die Antwort hängt zu einem großen Teil davon ab, in welche Richtung sich der indonesische Islam entwickeln wird.

Im Gegensatz zu landläufigen Meinungen über die Unverträglichkeit von Demokratie und Islam hat in Indonesien gerade der modernistische, durch die Muhammadiyah vertretene Islam von Anfang an die Demokratie gestützt. In den 50er Jahren waren es die in der javanischen Kultur wurzelnden politischen Parteien, die (islamische) Nadlatul Ulama, die nationalistischen Parteien und die Kommunisten, die westliche Demokratie als Vehikel eines kulturfremden Individualismus verdächtigten und die Einführung von Sukarnos »gelenkter Demokratie« 1959 unterstützten. Nach 39 Jahren autoritärer Herrschaft führte der Sturz Suhartos 1998 zum Konsens des gesamten politischen Spektrums, dass Indonesien nur als Demokratie eine Zukunft haben könne. Unter der Führung des vormaligen Führers der Muhammadiyah, Amien Rais, wurden in den nächsten Jahren tiefgreifende Verfassungsänderungen durchgeführt: Freie Wahlen, Wahl des Präsidenten und Beschränkung seiner Amtszeit auf zwei Perioden, Abschaffung der sogenannten zivilen Funktion des Militärs, die es ihm 40 Jahre lang erlaubt hatte, die eigentliche politische Macht in Indonesien in der Hand zu halten, und vor allem die ihrer Substanz nach fast vollständige Aufnahme der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen in die Verfassung, darunter auch die Religionsfreiheit – die als uneinschränkbares Menschenrecht qualifiziert wurde – allerdings ohne ausdrückliche Erwähnung des Rechtes auf Religionswechsels, waren die Kernpunkte dieser Erneuerung.

Der Hintergrund für eine um sich greifende, nicht ungefährliche Demokratiemüdigkeit im heutigen Indonesien ist nicht islamischer Fundamentalismus, sondern die um sich greifende Korruption der politischen Klasse. Die beiden schon erwähnten großen islamischen zivilgesellschaftlichen Organisationen Indonesiens, die Muhammadiyah mit etwa 30 Millionen Mitgliedern, und die Nadlatul Ulama mit 40 Millionen Mitgliedern, haben wiederholt, und mit Stoßrichtung auf fundamentalistische Gruppen, erklärt, dass für sie der bestehende Pancasilastaat die endgültige Form der politischen Organisation Indonesiens sei und eine formale Einführung der Schariah daher nicht nötig, und im Hinblick auf die große religiöse, auch innerislamische, sowie kulturelle Vielfalt Indonesiens kontraproduktiv wäre. Beide Organisationen stehen auch klar auf der Seite religiöser Toleranz – erkennen allerdings nicht das Existenzrecht der Ahmadiyya Gemeinschaft an, obwohl sie Gewaltanwendung ausdrücklich ablehnen. Beide Organisationen akzeptieren die Tatsache, dass es in Indonesien verschiedene Religionen gibt, und selbst radikale Randgruppen behaupten, dass in dem von ihnen angestrebten Islamstaat Nicht-Muslime volle bürgerliche Rechte genießen würden.

Die extremistische »islamische Verteidigungsfront« FPI fordert die Einführung der Schariah-Gesetzgebung für ganz Indonesien. Mehrfach schon ist diese Gruppierung wegen ihrer Gewalt gegen Minderheiten in Erscheinung getreten. Unter anderem hat sie auch Moscheen der Ahmadiyya attackiert. Das Foto zeigt Mitglieder dieser Gruppierung während einer Demonstration in Jakarta.
FOTO: UCANEWS

Der Einfluss des islamischen Fundamentalismus

Aber wie solide ist die moderate islamische Mehrheit, die derzeit sicher 80 Prozent aller indonesischen Muslime umfasst? Seit die Herstellung demokratischer Freiheitsrechte es den Extremisten ermöglicht hat, an die Öffentlichkeit zu treten und für ihre Auffassung des Islam zu werben, ist im ganzen Lande eine zunehmende Islamisierung nicht zu übersehen. Dass immer mehr Frauen eine islamische Kopfbedeckung (jilbab) tragen, muss nicht immer bedeuten, dass sie dem Fundamentalismus zuneigen, wohl aber, dass sie ihre islamische Identität betonen möchten. Die entscheidende Frage wird sein, ob die große Mehrheit des indonesischen Islams sich weiterhin als eine offene, plurale, den indonesischen, kulturellen Werten verpflichtete Religion ansieht, was in Indonesien derzeit oft mit einer ausdrücklichen Ablehnung von Arabisierungstendenzen zusammengeht, oder ob sich der Islam fundamentalisiert und eine arabisch orientierte Orthodoxie sich weiter ausbreitet. In Indonesien ist ein Kampf um die Seele des Islams im Gange.

Auffallend ist, dass sich die verschiedenen Formen des Fundamentalismus, ein expliziterWahabismus, Ideen der Muslimbrüderschaft oder des Pakistanis Maududi (»Islam is the solution«), die erwähnte Hizbuth Tahrir und andere, gerade an den säkularen staatlichen Universitäten unter den Studenten ausbreiten, während die vom Religionsministerium finanzierten Islamischen Universitäten (UIN, IAIN) einen gemäßigten, mehr national und pluralistisch orientierten Islam lehren.

Für Franz Magnis-Suseno SJ ist trotz aller Schwierigkeiten ein vorsichtiger Optimismus verantwortbar, was die Zukunft der Religionsfreiheit in Indonesien betrifft.
FOTO: KNA-BILD

Zukunftsaussichten

Vermutlich wird die Zukunft der Religionsfreiheit in Indonesien davon abhängen, ob die bestehende demokratische Staatsform den einfachen Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ihre Kinder eröffnet. Ist das der Fall, so wird Indonesien zwar islamischer werden, von den Christen und anderen werden Anpassungen gefordert werden, aber die tief in der einheimischen Kultur verwurzelte Achtung vor religiöser Freiheit – so lange sie sich in der Gemeinschaft des Dorfes und der Gemeinde hält – wird Freiheit des Gottesdienstes und sogar des Religionswechsels weiterhin als Gut ansehen und achten. Sollten die Menschen allerdings das bestehende System als ungerecht erfahren, sind alle Möglichkeiten offen.

Das Problem sitzt nicht so sehr in der indonesischen Gesellschaft selbst als im indonesischen Staat, in dem sich die verantwortlichen Führungskräfte aus mangelndem Mut beziehungsweise Opportunismus davor scheuen, das geltende Recht gegen islamische Extremisten wie zum Beispiel die »islamische Verteidigungsfront« (FPI) durchzusetzen. Bedenklich ist die stillschweigende Weigerung des Staates, die Schiiten und Ahmadiyya zu schützen.Wenn hier Gewalt und auch schon Totschlag mit Samthandschuhen angefasst werden, wird die indonesische Rechtsstaatlichkeit – wieder einmal – bleibenden Schaden leiden, was schlussendlich auch die anerkannten Minderheitsreligionen bedrohen würde.

In der jetzigen Situation scheint allerdings ein gemäßigter Optimismus, was die Zukunft der Religionsfreiheit in Indonesien angeht, verantwortbar zu sein.

FRANZ MAGNIS-SUSENO
Ordensmann, Theologe und Philosoph, Jakarta / Indonesien

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