Informationen aus der Weltkirche PAKISTAN corner

PAKISTAN

Todesstrafe für Missbrauch des Blasphemiegesetzes?

Pakistans höchstes Gremium religiöser Gelehrter hat die Empfehlung ausgesprochen, die Blasphemiegesetze durch einen neuen Artikel zu ergänzen, der die Todesstrafe für diejenigen vorsieht, die andere Menschen fälschlicherweise anklagen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben.

Der »Rat der Islamischen Ideologie« (»Council of Islamic Ideology« – CII) ist qua Verfassung authorisiert, den Gesetzgeber hinsichtlich der Kompatibilität von Gesetzen mit der islamischen Sharia zu beraten.

Während einer Ratssitzung am 18. September in Islamabad hob der Rat der Gelehrten hervor, dass der Missbrauch der Blasphemiegesetze genauso blasphemisch und zu bestrafen sei, wie die Blasphemie selbst. Diejenigen, die das Gesetz missbrauchen, sollten deshalb mit der gleichen Strafe belegt werden, wie diejenigen, die sich der Blasphemie schuldig gemacht haben.

Die Frage der Blasphemie ist in Pakistan sehr umstritten. Die Politiker Salman Taseer und Shahbaz Bhatti wurden von Fanatikern ermordet, nachdem sie angekündigt hatten, sich für eine Reform der Blasphemiegesetze einzusetzen.

Die »Nationale Kommission Gerechtigkeit und Frieden« setzt sich seit Jahren für eine Abschaffung der Blasphemiegesetze ein, da ihrer Meinung nach diese Gesetze immer wieder missbraucht wurden, um unschuldige Menschen aus verschiedenen Motiven heraus aus dem Weg zu räumen. Jüngstes Beispiel ist der Fall der 14-jährigen Rimsha Masih, die im August 2012 für mehrere Wochen in ein Hochsicherheitsgefängnis gesperrt worden war, nachdem sie von einem muslimischen Geistlichen zu Unrecht beschuldigt worden war, Seiten des Koran verbrannt zu haben. Dieser Fall löste in Pakistan großes Entsetzen in der Bevölkerung aus, nachdem erstmals nachgewiesen werden konnte, dass eine ganz bewusst falsche Anklage erhoben worden war.

Der Vorsitzende des Rates der pakistanischen Ulema (höchste islamische Gelehrte), Allama Tahir Ashrafi, hat die Empfehlung in die Beratungen des CII eingebracht. Gegenüber UCANews erklärte der Geistliche: »Ich danke Allah, dass es mir gelungen ist, die Mitglieder des CII zu überzeugen und der CII die Todesstrafe für diejenigen, die eine unwahre Anklage der Blasphemie erheben, bestätigt hat. Ich widme diesen Erfolg allen, einschließlich Salman Taseer und Shahbaz Bhatti, die für Gerechtigkeit gekämpft haben.«

Die Allianz pakistanischer Minderheiten (»All Pakistan Minorities Alliance« – APMA), eine Dachorganisation pakistanischer Minderheiten, lobte die Empfehlung des CII als einen »positiven Schritt nach vorne«.

»Wir haben lange dafür gekämpft, den Missbrauch der Blasphemiegesetze zu beenden. Vor diesem Hintergrund ist dies nun eine positive Entwicklung«, so Paul Bhatti, Vorsitzender von APMA und Bruder des ermordeten Shahbaz Bhatti. Bereits im Februar hatte APMA die gleiche Forderung erhoben, um den Missbrauch der Blasphemiegesetze zu beenden.

Islamische Gelehrte wollen falsche Beschuldigungen eindämmen

Für viele völlig überraschend fordert das »Council of Islamic Ideology«, die höchste Autorität im Land, die Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit der Sharia überprüft, die Blashemiegesetze zu erweitern. Der Missbrauch des Blasphemievorwurfs soll demnach ebenfalls mit der
Todesstrafe belegt werden. Das Foto zeigt die Zentrale von CII.
FOTO: UCANEWS

Gratis-Ausgaben

Ich möchte Forum Weltkirche mit 2 Gratis-Ausgaben kennen lernen.

/ Bestellen bei HerderShop24