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Religionsfreiheit im Irak

Bischof Rabban al-Qas warnt vor »Ghettobildung«

»Die Religion steht im Dienst der Person, wenn Religion die Menschen trennt, dann entfernt sie die Person von Gott.« Das sagte Bischof Rabban al-Qas am 2. September, im missio-Haus Aachen. Der chaldäisch-katholische Bischof von Amediye im nördlichen Teil des Iraks nahm an einem Gespräch zum Thema Religionsfreiheit mit Professor Harald Suermann teil, der das Missionswissenschaftliche Institut (MWI) leitet. Zusammen mit dem Bistum Aachen und dem Internationalen Katholischen Missionswerk missio in Aachen veranstaltete das MWI dieses Gespräch.

Bischof Rabban al-Qas beurteilte die Lage der Christen im nördlichen Teil des Iraks als gut. Dort garantierten eine autonome Regierung und Parlament weitestgehend Religionsfreiheit. Wichtig für die Christen sei es im gesamten Irak, sich aus der Auseinandersetzung zwischen den beiden islamischen Glaubensrichtungen der Schiiten und Sunniten herauszuhalten. Bischof Rabban al-Qas warnte davor, als Christ die Lage im Irak allein mit Blick auf die Christen zu analysieren. Selbst wenn den Christen vermeintliche Privilegien wie zum Beispiel das Recht auf einen eigenen Unterricht eingeräumt oder Wohnraum an einem Ort zugeteilt werde, »kann das Ghettobildung zur Folge haben«, so der Bischof. »Und das ist sehr gefährlich.«

Wichtiger sei, dass die verschiedenen Ethnien, Religionen und Konfessionen miteinander im Gespräch seien und die Kultur des jeweils anderen kennenlernten. Diesem Zweck diene auch die Internationale Schule im nordirakischen Dohuk, die Bischof Rabban al-Qas gründete, wofür er am 1. September mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden ist. »Es ist nicht einfach, vom Fanatismus geheilt zu werden, der in der Vergangenheit den Mittleren Osten erschüttert hat«, sagte Bischof Rabban al-Qas. Umso wichtiger sei es, »immer wieder mit Liebe auf diese Anfechtung zu antworten«, schloss er.

Gleichwohl wies Professor Suermann darauf hin, dass seit dem Irak-Krieg mehr als die Hälfte der Christen den mittleren und südlichen Teil des Iraks verlassen haben. Sie gingen entweder ins Ausland oder in den Norden des Iraks. Ungelöst sei im Irak auch ein fundamentaler Verfassungskonflikt: Zwar gelten uneingeschränkt alle Menschenrechte, aber der Islam ist gleichzeitig Staatsreligion. Das führe vor allem in Fragen der Religionsfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit zu Spannungen. Zudem könnten Rechte, auf die sich Vertreter von Religionen beriefen, oft nicht vom Staat durchgesetzt werden, so Suermann. In Kurdistan sei die Lage wesentlich besser. »Dort kann sich christliches Leben frei entfalten.«

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