Der Liebe Christi Grenzen setzen? Mönche und Nonnen im interreligiösen Dialog corner

Der Liebe Christi Grenzen setzen?

Mönche und Nonnen im interreligiösen Dialog

von NOTKER WOLF OSB

Monastischer interreligiöser Dialog – eine Form des Dialogs unter anderen in der heutigen Kirche – und doch eine besondere. Seit Jahrzehnten schon engagieren sich Benediktinermönche im Dialog mit Zen-Mönchen. Für Abtprimas Dr. Notker Wolf OSB wurde jedoch vor Jahren schon deutlich, dass angesichts der heutigen Realität der Dialog mit Muslimen gesucht werden sollte, einer Religion also, die das Mönchtum als solches nicht kennt. Für den Abtprimas der Benediktiner haben die bisherigen Erfahrungen des monastischen Dialogs mit schiitischen Geistlichen und Theologen gezeigt, dass es zunächst einmal um Freundschaft geht und letztlich um einen Dialog des ganzen Menschen, einen Dialog der Herzen. Und es geht um eine tiefe Spiritualität, die zum Ausdruck kommt, indem allen Menschen die gleiche Liebe erwiesen wird; das beste Zeugnis, das für Christus abgelegt werden kann.

Die Fatima Moschee in Qum
FOTO: BR. MAXIMILIAN MUSINDAI OSB

Vom 28. September bis 3. Oktober 2012 reiste eine internationale Gruppe von 10 Mönchen und Nonnen benediktinischer Tradition in die schiitische Universitätsstadt Qum im Iran. Für ein paar Tage waren wir zu Gast beim »Internationalen Institut für Islamische Studien« in der Universitätsstadt Qum und besuchten anschließend noch die prachtvolle Scheich-Lottollah-Moschee und die armenisch-katholische Kirche in der alten Hauptstadt Isfahan. Unser Thema lautete: »Monks and Muslims: Creating Communities of Friendship – Mönche und Muslime schaffen Gemeinschaften der Freundschaft«. Wir lauschten nicht nur Vorträgen von beiden Seiten zu diesem Thema, diskutierten nicht nur, wir aßen miteinander und waren bei den Gebetszeiten unserer muslimischen Partner zugegen, wie sie bei den unseren. Die Eucharistie haben wir unter uns gefeiert. Es war ein erlebnisreicher Austausch, der unsere Freundschaft vertiefte. So hat es uns doch bewegt, dass unsere Freunde uns nach dem abendlichen Besuch der Fatima-Moschee in Qum in ihr Restaurant unter der Moschee eingeladen haben, den Ort, an dem die Verantwortlichen und Angestellten der Moschee speisen. Das mag nichts Großartiges sein, aber uns Benediktinern, denen der heilige Benedikt die Gastfreundschaft ins Stammbuch geschrieben hat, bedeutet es sehr wohl etwas. Ein Jahr zuvor, im September 2011, war eine Gruppe von schiitischen Theologen für einen Austausch mit diesen Benediktiner/-innen und Trappisten nach S. Anselmo in Rom gekommen, dem zentralen Studienund Begegnungsort der Benediktiner aus aller Welt. Das Thema lautete »The Word of God Calling us to Prayer and Witness – Das Wort Gottes ruft uns zu Gebet und Zeugnis auf«. Am Ende der Begegnung kamen wir zur Auffassung, dass »interreligiöse Freundschaft« unseren Begegnungen angemessener ist als »interreligiöser Dialog«. Es kommt die menschliche Seite zum Tragen und gleichzeitig wahren wir die Unterschiede, zielen nicht auf eine utopische Einigung ab, sondern lernen einander schätzen und miteinander das Leben zu teilen. Im Sommer 2013 haben wieder zwei Studenten aus Qum in St. Ottilien einen Deutschkurs für Ausländer mitgemacht. Sie hatten ausdrücklich gewünscht, in einem klösterlichen Ambiente zu wohnen. So hat sich langsam ein Dialog, oder besser: die freundschaftliche Begegnung mit Gläubigen des Islam angebahnt.

Ein Zeichen der Freundschaft: Während des Besuchs einer internationalen Delegation von Mönchen und Nonnen im Iran wurde die Gruppe von ihren Gesprächspartnern nach dem Besuch der Fatima Moschee in Qum in das Restaurant unter der Moschee zum Essen eingeladen.
FOTO: ABTPRIMAS DR. NOTKER WOLF OSB

Freunde werden

Sofort kommen die Fragen: Warum engagieren sich die Benediktiner in diesem so schwierigen Dialog, wozu soll er gut sein, was will er bezwecken, was wollen sie bewirken?

Letzteres würde ich schlicht, wie soeben erläutert, beantworten: Wir wollen Freunde werden. Zudem ging die Initiative bei den Zen-Buddhisten wie den Schiiten von diesen aus. Sie kamen zu uns, wir lernten sie als tief fromme, spirituelle Menschen kennen.

Schon vor Jahren habe ich unsere Gruppe für den interreligiösen Dialog gebeten, angesichts der heutigen Realität den Dialog, den wir seit drei Jahrzehnten mit den Buddhisten führen, auf die Muslime auszuweiten. Es schien ein schwieriges Unterfangen zu sein, da die Muslime nichts Vergleichbares an klösterlichen Gemeinschaften haben wie die Buddhisten, auch die Sufi- Orden entsprechen nicht unseren Klöstern. Timothy Wright, der seinerzeit als Abt von Ampleforth in England erste Beziehungen zu den Schiiten geknüpft hatte, fuhr dann zu zahlreichen Benediktinerklöstern, um zu sehen, ob und was vor Ort an geistlichem Austausch bereits vorhanden war. Wir Benediktiner sind ja nicht zentralisiert, jedes Kloster geht seine eigenen Wege. In Westafrika, Frankreich, Belgien, England treffen sich schon länger benachbarte Gruppen regelmäßig und lesen gemeinsam heilige Texte. Von dem Dialog der Trappisten von Tibhirine im Atlasgebirge zeugt der einmalige Film »Von Göttern und Menschen«. 1997 sind sieben der neun Mönche in Tibhirine entführt und enthauptet worden. Sie waren von der muslimischen Bevölkerung gebeten worden, trotz aller politischen Schwierigkeiten bei ihnen zu bleiben. Schon zuvor waren auch muslimische Sheikhs umgebracht worden, und zwar weniger aus religiösen, denn aus politischen Gründen. Sheikhs wie Mönche standen politischen Interessen im Wege.

Während vier Trappisten im marokkanischen Midelt ein monastisches Leben führen, wollten sich andere Trappisten auf die Wiederbesiedlung von Tibhirine vorbereiten, wurden aber bislang daran gehindert. Unterdessen ließen sich Trappistinnen aus dem Kloster Valserena in Italien durch dieses Beispiel ermuntern und gründeten im Jahr 2005 ein kleines Kloster in Syrien. Sie teilen bis zum heutigen Tag das Leid der Bevölkerung.

Der Dialog der Herzen

Dialog bedeutet für uns zunächst einmal mit dem andern das Leben teilen, die Freuden, die Nöte, die Tragödien, aber auch die Hoffnungen. Auch wenn wir unterschiedlichen Glaubens sind, hindert uns das nicht, einander zu schätzen und zu lieben, je länger und besser wir einander kennen lernen, miteinander zu leben, an der Lebenswelt des andern teilzunehmen. Theologische, theoretische Dialoge sind ein Teil davon, sie machen aber bei weitem nicht die ganze Glaubenswirklichkeit aus. Der Glaube ist mehr als Theologie und umfasst die ganze Lebenswirklichkeit. Es braucht sozusagen den Dialog des ganzen Menschen, der ganze Mensch muss auf den andern zugehen.

Ein kleines Beispiel: Jüngst fanden sich ganz unterschiedliche Musiker in Wien zu einem Konzert zusammen: Der Wiener Oberrabbiner Cahim Eisenberg sang, der lutherische Bischof Michael Bünker saß am Schlagzeug, die Altenburger Sängerknaben bildeten den Chor, ich selber habe Querflöte gespielt. Die Musik stiftet Einheit über alle Grenzen hinweg. Es ist ein Dialog der Herzen. Ein solcher Dialog erfolgt nicht verbal, und ist doch ein echter Austausch. Die non-verbale Dimension spielt auch beim verbalen Dialog eine entscheidende Rolle.

Teilnehmer des monastisch-schiitischen Dialogs in Qum / Iran. Timothy Wright OSB (2. von links) und Dr. Mohammad Ali Shomali (5. von links) sind die Begründer dieses Dialogs. Links neben Dr. Shomali steht Abtprimas Dr. Notker Wolf, der die Delegation in den Iran geleitet hat.
FOTO: ABTPRIMAS DR. NOTKER WOLF OSB

Dialog bedarf der Organisation

Für interreligiöse Begegnungen haben wir Benediktiner eine eigene Organisation aufgebaut: DIMMID – Dialogue Interréligieux Monastique/Monastic Interreligious Dialogue/ Monastischer Interreligiöser Dialog. Wie andere benediktinische Organisationen ist auch diese langsam von unten her gewachsen. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts waren es mehrere herausragende Gestalten, die nach Indien gegangen waren, um die Weisheit der Hindus zu studieren und die östliche Weisheit mit der westlichen zu verbinden: der Weltpriester Jules Monchanin (1895 –1957), die beiden Benediktiner P. Henri Le Saux und P. Bede Griffith (1908–1993), und der Trappist P. Francis Acharya (1912–2002). Als 1961 zur Unterstützung der neuen Klöster in ärmeren Ländern die AIM, die Alliance Inter Monastères mit Sitz in Paris von Benediktinern, Zisterziensern und Trappisten gegründet wurde, lag von Anfang an ein besonderes Augenmerk bereits auf dem interreligiösen Dialog, weil diese Neugründungen in anderen Kulturkreisen lagen und fremden Religionen begegneten.

1979 wurde von Japan aus der Versuch eines großen Ost-West-Austauschs geplant: mit Vorträgen an europäischen Universitäten, mit Darstellungen der eigenen Kultur und eben auch durch Begegnungen mit der abendländischen Spiritualität. Japanische Firmen waren daran interessiert, herauszufinden, weshalb die abendländische Wissenschaft und Technik eine so globale Vorrangstellung erobert hat. Der mentale Hintergrund müsse, so glaubte man, das Christentum sein, und das erlebe man am besten durch Mitleben in Klöstern. So kamen Vertreter verschiedener Zen-Richtungen und Shintoisten in unsere Gemeinschaften und nahmen für vierzehn Tage am ganzen Tageslauf und Leben verschiedener Klöster teil, in Frankreich, Spanien, Belgien, Holland und Deutschland. Sie fielen durch ihre große Wissbegierde auf, besonders auch durch den Respekt, den sie unseren Traditionen entgegenbrachten.

Es war für beide Seiten eine neue Erfahrung, die uns viele Türen öffnete. Vier Jahre später folgten wir der Gegeneinladung. 20 Benediktiner und Benediktinerinnen fuhren nach Japan, lebten dort in den Klöstern mit, von 3 Uhr morgens bis in die Nacht hinein. Wir meditierten, nahmen unser spartanisches Essen – gemäß ihrem Ritus – sitzend aus Schalen mit Stäbchen ein. Wir arbeiteten mit an der Reinigung des Tempelbereichs und gingen auch mit den Mönchen zu ihrem monatlichen Bettelgang durch die nahe gelegene Ortschaft. Seither haben wir diese Form der Begegnung zwischen europäischen und japanischen Gemeinschaften in festem Rhythmus eingerichtet, jeweils für etwa 4–5 Mönche und Nonnen. Freundschaft ist kein einmaliger Akt, sie dauert an. Die amerikanischen Benediktiner und Benediktinerinnen knüpften ähnliche Kontakte zu tibetischen Mönchen.

Ein solcher regelmäßiger geistlicher Austausch bedarf zu seiner Planung, zur Nacharbeit und zur Weiterentwicklung einer festen Organisation. Im Vorfeld der ersten Begegnung 1979 kamen 1978 in Paris und den USA erste Treffen zustande. 1994 hat sich der DIMMID als selbständiges Organ mit dem Belgier P. Pierre de Béthune als Generalsekretär konstituiert. Er war auch Konsultor des Päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog. Ihm folgte 2007 der Amerikaner P. William Skudlarek. Heute definiert sich der DIMMID als »eine internationale klösterliche Organisation, die zum Dialog ermutigt und den Dialog unterstützt, insbesondere auf der Ebene der religiösen Erfahrung und Praxis, zwischen christlich klösterlich lebenden Männern und Frauen und Praktizierenden anderer Religionen. DIMMID ist ein Komitee des Benediktinerordens, mit formalen Verbindungen zu den beiden Zweigen des Zisterzienserordens. Es handelt in Verbindung mit dem Päpstlichen Rat des Heiligen Stuhls für Interreligiösen Dialog und begrüßt die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die sich dem interreligiösen Dialog widmen… Während naturgemäß klösterlich lebende Männer und Frauen anderer religiöser Traditionen die Gesprächspartner der christlichen Mönche und Nonnen sind, engagiert sich DIMMID auch im spirituellen Dialog mit Anhängern von Religionen, die keine institutionalisierte Form von klösterlichem Leben aufweisen, zum Beispiel – und besonders – mit Muslimen. Die Aktivitäten von DIMMID werden von einem Generalsekretariat koordiniert, dessen Mitglieder u. a. die Koordinatoren der vier bestehenden kontinentalen Kommissionen sind.« Kontinentale Kommissionen bestehen in Europa, Nordamerika, Indien/Sri Lanka und Australien. DIMMID gibt seit 2011 auch online eine Zeitschrift heraus. »Dilatato Corde« (www.dimmid.org ) dient der Veröffentlichung von Artikeln, Vorträgen, Berichten und Literaturhinweisen.

Für Abtprimas Dr. Notker Wolf ist der Dialog mit Gläubigen anderer Religionen ein Ausdruck tiefer Spiritualität. Es gilt, allen Menschen die gleiche Liebe zu erweisen. Das Foto zeigt den Abtprimas während einer Reise nach Sri Lanka, wo er das Gespräch mit buddhistischen Mönchen suchte.
FOTO: ABTPRIMAS DR. NOTKER WOLF OSB

Dialog statt Mission?

Nach der Schilderung, wie sich der interreligiöse Dialog konkret entwickelt hat, möchte ich nochmals die Frage aufgreifen, weshalb wir Mönche und Nonnen uns auf diesen Weg des Dialogs begeben haben und ob wir die Mission der Kirche außer Acht gelassen haben. Zum ersten ist zu sagen, dass wir heute allerorts Gläubigen anderer Religionen begegnen und uns herausgefordert sehen, mit ihnen in Kontakt zu treten. Wir begegnen vielen Andersgläubigen, die tief religiöse Menschen sind, gerade auch Muslimen, und es ist eine Tragik, dass politische Kräfte die Religion für ihre Zwecke instrumentalisieren. Terroristen sind dabei augenfälliger als die große Schar der bescheiden und treu Glaubenden. Die Begegnungen sind für uns Benediktiner naturgemäß begrenzt, weil wir eben in Gemeinschaft leben und uns mit ähnlich strukturierten Glaubensrichtungen leichter tun. Bezüglich der Muslime ist es leichter, mit den Schiiten Kontakt aufzunehmen, weil sie großen Wert auf die Bildung legen. Wir haben Muslime getroffen, die unsere Mystiker besser kennen als viele von uns. Bei den Sunniten fehlen uns bislang die Ansprechpartner. Aber ich erinnere an die Mönche in Tibhirine und an die Nonnen in Syrien.

Was bleibt dann aber noch von der Mission, dem Wesenskern der Kirche? Wie verstehen wir Mission im Kontext des interreligiösen Austauschs? Denn viele sehen auch heute noch den Sinn der Mission im Abwerben der Gläubigen anderer Konfessionen und Religionen und der Bekehrung zum christlichen Glauben. Dieser »Proselytismus« hat eine lange und teils unheilvolle Geschichte. Papst Franziskus hat in einem Interview mit Eugenio Scalfari, dem Chefredakteur von »La Repubblica«, in seiner deutlichen Art geäußert: »Proselytismus ist eine Riesendummheit, er hat gar keinen Sinn. Man muss sich kennenlernen, sich zuhören und das Wissen um die Welt um uns vermehren… Jeder von uns hat seine Sicht des Guten und auch des Bösen. Wir müssen ihn dazu anregen, sich auf das zuzubewegen, was er als das Gute erkannt hat… Das würde schon genügen, um dieWelt zu verbessern…Die Liebe zum andern, die unser Herr gepredigt hat, ist kein Proselytismus, sondern Liebe. Liebe zum Nächsten, ein Sauerteig, der auch dem Gemeinwohl dient.«

Der Glaube ist ein Geschenk der Gnade Gottes. An uns liegt es, der Gnade in der Nachfolge Christi den Boden zu bereiten durch die Verkündigung und das glaubwürdige Zeugnis der selbstlosen Liebe bis hin zur Feindesliebe. Mission so verstanden, führt in der Begegnung mit anderen gläubigen Menschen zunächst zur Bekehrung unserer selbst. Damit aber werden wir frei für das Zeugnis echter Liebe. Unsere Dialogpartner erwarten von uns keineswegs eine Verwässerung unseres Glaubens, sie wollen uns als lebendige Christen erfahren. Von Zen-Mönchen wurde ich zweimal gefragt, warum die christlichen Mönche so frohe Menschen seien. Ich weiß nicht, ob das immer stimmt. Meine Antwort war: »Weil wir an einen Gott glauben, in dem wir geborgen sind, der uns liebt und uns dazu bringt, auch andere Menschen so zu lieben.«

Allen die gleiche Liebe erweisen

Der heilige Benedikt hat den Mönchen besonders die Gastfreundschaft ans Herz gelegt: »Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus: denn er wird sagen: ›Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen‹ (Mt 25,35)… Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern« – aber eben auch den andern Gästen. »Allen Gästen begegne man bei der Begrüßung und beim Abschied in tiefer Demut: man verneige sich, werfe sich ganz zu Boden und verehre so in ihnen Christus, der in Wahrheit aufgenommen wird.« (Benediktusregel 53, 1–2.5 –6) Das »alle« schließt grundsätzlich niemanden aus. Es geht um die grundsätzliche Offenheit der Gastfreundschaft ohne soziale, politische oder religiöse Vorurteile (vgl. M. Puzicha, Kommentar zur Benediktusregel, St. Ottilien 2002, S. 447). »Porta patet, magis cor – die Tür steht offen, mehr noch das Herz«, haben später die Zisterziensermönche formuliert. Aber kann ich in einem Andersgläubigen »Christus verehren«? Er ist genauso von Gott geschaffen wie ich und von derselben Liebe Christi umfangen wie ich als Christusgläubiger. Warum sollten wir der Liebe Christi Grenzen setzen? Letztlich sollten wir es seinem Geheimnis überlassen und allen die gleiche Liebe erweisen. Es ist das beste Zeugnis, das wir für Christus ablegen können. Und wir erfahren auch von den andern eine Gastfreundschaft ohne diesen Hintergrund, die uns sehr bescheiden macht und uns zueinander führt. Über vielen Pforten von Benediktinerklöstern steht geschrieben: »Pax«. Die »Pax Benedictina« ist sprichwörtlich. So möchten wir Benediktiner etwas beitragen zum friedlichen Zusammenleben von Menschen, in Freundschaft verbunden.

Der Monastische Interreligiöse Dialog ist eine Form des Dialogs, eine unter anderen in der Kirche. Wohin er letztlich führen wird, ist Sache des Heiligen Geistes, der als gestaltende und heiligende Kraft in dieser Welt wirkt.

NOTKER WOLF OSB
Abtprimas des Benediktinerordens, Rom

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