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PAKISTAN

Schiiten erneut zu Opfern von Extremisten geworden

Nach einem erneuten Terroranschlag auf Schiiten in Pakistan haben schiitische Gruppen landesweit zu Protesten gegen die Gewalt im Land aufgerufen. Das Foto zeigt Kinder der schiitischen Minderheit Pakistans, die während einer Demonstration am 22. Januar in Quetta das Ende der Ermordung von Schiiten in Pakistan fordern.
FOTO: UCANEWS

Landesweite Proteste ringen Regierung Zugeständnisse ab

Die religiöse Minderheit der Schiiten in Pakistan (schätzungsweise 10–15 Prozent der Bevölkerung) hat am 22. Januar landesweite Proteste abgesagt, nachdem die Regierung des Landes ihr zugesagt hatte, die Täter eines Bombenattentates auf einen Bus schiitischer Wallfahrer der Hazara-Gemeinschaft in der Provinz Belutschistan zur Verantwortung zu ziehen und vor Gericht zu stellen.

Der Bus der Schiiten war auf dem Heimweg von einer Wallfahrt in den Iran. Bei dem Attentat waren am 21. Januar 24 Menschen getötet worden. Die Familien der Opfer weigerten sich daraufhin, ihre ermordeten Familienangehörigen zu beerdigen und blockierten eine Hauptstraße in der Provinzhauptstadt Quetta. Die Demonstranten forderten von der Regierung die umgehende Strafverfolgung der sunnitischen Extremistengruppe Lashkar-e-Jhangvi, die sich zu dem Anschlag bekannt hatte. Kurze Zeit später brachen Proteste im gesamten Land aus: in Karachi, Lahore, Islamabad und Peshawar.

In Karachi errichteten schiitische Demonstranten mindestens ein Dutzend Protestcamps in der gesamten Stadt und brachten den Verkehr zum Erliegen. In Lahore hatten Mitglieder der schiitischen Partei Majlis Wahdat-e-Muslimeen ein Sit-in vor dem Sitz des Gouverneurs begonnen und forderten von der Regierung eindeutige Maßnahmen gegen pakistanische Taliban und sunnitische Extremisten im Land.

Premierminister Nawaz Sharif schickte nach Ausbruch der Proteste den Innenminister Pakistans, Chaudhry Nisar, und Senator Pervaiz Rashid nach Quetta, um die Anführer der Proteste zu treffen.

»Ich versichere Ihnen, dass den Terroristen nicht erlaubt wird, weitere Terrorangriffe wie diesen furchtbaren Anschlag auf die friedvolle Hazara- Gemeinschaft auszuüben. Wir werden die Täter dieses Anschlags zur Verantwortung ziehen«, so Minister Nisar gegenüber den Demonstranten in Quetta. »Das gesamte Land teilt den Schmerz der Hazara-Gemeinschaft, die bereits mehrfach von Extremisten angegriffen worden ist.«

Der Anführer der schiitischen Hazara- Gemeinschaft, Abdul Khaliq Hazara, sagte sodann die Proteste ab und ordnete die Beerdigung für den darauffolgenden Tag an.

Unterdessen hatten in Karachi Schiiten und Sunniten gemeinsam für den 24. Januar zu einem Streik gegen die extremistische Gewalt im Land aufgerufen. Busunternehmen der Stadt verkündeten daraufhin, dass an diesem Tag alle Busse in den Depots bleiben würden.

In einem Statement vom 23. Januar zeigte sich UN-Generalsekretär Ban Kimoon besorgt angesichts der zunehmenden Gewalt im Land und verurteilte scharf den Anschlag auf den Bus sowie den Bombenanschlag auf den Basar in Rawalpindi am 20. Januar, der 13 Todesopfer gefordert hatte. Zudem verurteilte er die Anschläge auf Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden, die in Waziristan und Belutschistan Polio-Impfungen durchführten. Zwölf Mitarbeiter waren getötet worden. Pakistan gehört zu den drei verbliebenen Ländern weltweit, in denen Polio endemisch ist. Die Zahl der Polio-Erkrankungen hat sich im vergangenen Jahr um 57 Prozent erhöht, von zuvor 58 registrierten Fällen im Jahr 2012 auf 91 Fälle im Jahr 2013.

Seit Beginn des Jahres wird Pakistan von einer Welle der Gewalt überzogen. Am 08. Januar waren sechs Sufis nach dem Besuch eines Sufi-Schreins in Karachi von pakistanischen Taliban entführt und brutal ermordet worden. Am 10. Januar war der ranghöchste Polizist einer Anti-Terroreinheit durch einen Bombenanschlag in Karachi getötet worden. In Peshawar war am 16. Januar während des Abendgebetes eine Bombe in einer Moschee explodiert und hatte acht Menschenleben gefordert. Über 50 Personen waren bei diesem Anschlag verletzt worden. Am 20. Januar war ein Bombenattentat auf das Hauptquartier der Armee in Rawalpindi verübt worden und hatte 13 Todesopfer gefordert. Einen Tag zuvor waren 20 Soldaten in dem Ort Bannu in Waziristan durch Extremisten getötet worden.

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