Umkehr, Veränderung und Verwandlung Die Kraft der Evangelisierung aus afrikanischer Perspektive corner

Umkehr, Veränderung und Verwandlung

Die Kraft der Evangelisierung aus afrikanischer Perspektive

von AGBONKHIANMEGHE E. OROBATOR SJ

Für den Theologen und Provinzial der ostafrikanischen Jesuiten, Fr. Orobator SJ, ist Evangelium Gaudium eine deutliche Absage an einen kirchlichen Zentralismus und an eine monotone Einheitskultur. Zugleich fordert es die afrikanischen Kirchen heraus, sich der harten Wirklichkeit
der Gewalt, des Leidens und des Elends zu stellen. Das Foto zeigt die St. Rita Kirche im Benin kurz vor der Ankunft von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2011. Auf dieser Reise überbrachte er der afrikanischen Kirche das Abschlussdokument der Afrikasynode, die sich in erster Linie mit den Themen Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung befasst hatte.
FOTO: KNA-BILD

Wer als Christ, der in einem nicht-westlichen kirchlichen Kontext lebt, die apostolische Exhortation Evangelii Gaudium von Papst Franziskus liest, stößt auf Aussagen und Besonderheiten, die nach tiefer Dankbarkeit, kritischer Analyse und weiterer intensiver Reflexion verlangen.

Ungewöhnliche Quellen

Zunächst: Die Exhortation speist sich aus einer Vielzahl von Quellen. Dies ist nichts Ungewöhnliches. Enzykliken und Verlautbarungen zitieren häufig und gerne dogmatische, pastoraltheologische und katechetische Literatur, um ihre Botschaft zu verdeutlichen, zu untermauern und sie in die Linie der Lehrtradition der Kirche einzureihen. Überraschenderweise scheint Papst Franziskus aber von dieser selbst-referentiellen Praxis deutlich Abstand zu nehmen. Wenn er sein Verständnis von der Verkündigung des Evangeliums in der heutigen Welt darlegt, zitiert er routiniert und mit Autorität Bischöfe aus Indien, aus der Demokratischen Republik Kongo, Brasilien und den Philippinen, ganz zu schweigen von verschiedenen regionalen Bischofskonferenzen des globalen Südens. Dadurch bringt er seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Kulturen in all ihrer Diversität und Vielschichtigkeit wirksame Orte für die Aktualisierung der missionarischen Berufung zur Evangelisierung und für die Annahme der befreienden, bereichernden und erneuernden Botschaft des Evangeliums sind. In diesem Sinne spiegelt diese apostolische Exhortation von Papst Franziskus die universale Identität der Kirche als eine globale Gemeinschaft wider, die Karl Rahner seinerzeit als »Weltkirche« bezeichnete.

Von Anfang seiner Ausführungen an gibt Franziskus den Kirchen aus allen Teilen der weltweiten kirchlichen Gemeinschaft Raum. So kann die Kirche in Afrika, zusammen mit anderen Ortskirchen, ihren rechtmäßigen Platz unter den Gemeinschaften der Kirche Jesu Christi beanspruchen. Die Klarstellung, dass keine einzige Kultur über das Monopol auf das Evangelium verfügt und dass keine einzelne Kultur das Geheimnis der Erlösung ausschöpfen kann (EG 115 –118), ist eine freudige und befreiende Botschaft für die Kirche Afrikas, die lange genug gefangen war in der kulturellen und imperialistischen Bevormundung seitens einer eurozentrischen Kirche. Dass Franziskus auf verschiedene dieser »ungewöhnlichen« Quellen zurückgreift, ist ein erstes klares Zeichen für die von ihm angekündigte kirchliche Dezentralisierung sowie für einen neuen Stil der Evangelisierung (EG 17–18).

Einheit in kultureller Vielfalt

Die Sprache dieser Evangelisierung ist verortet, aber nicht festgelegt, sie ist auf den Kontext bezogen, aber nicht starr. Sie kann afrikanisch oder asiatisch geprägt sein in derselben Weise, wie sie Jahrhunderte lang europäisch und amerikanisch geprägt war. Die Weisen, wie sich ein Volk von sich aus ausdrückt und wie es kommuniziert, ermöglichen diesem Volk, die christliche Botschaft anzunehmen, aufzunehmen und auszudrücken. Wenn, wie der Papst argumentiert, die Evangelisierung eine Aufgabe der ganzen Kirche ist – verstanden als Volk Gottes, das in den Völkern und Kulturen dieser Erde lebt –, dann wird die Evangelisierung zum Ausdruck von Katholizität in all ihrer Größe. Für Franziskus ist Katholizität synonym mit kultureller Vielfalt. Diese Vielfalt stellt keine Bedrohung dar, sondern wird im Gegenteil durch das Wirken des Heiligen Geistes zur Einheit (EG 117). Ohne Zweifel hat der Begriff »Relativismus « in katholischen Kreisen einen negativen Klang – auch in Evangelii Gaudium. Ich bin aber der Meinung, dass Franziskus eine stille Revolution eingeleitet hat, die die Vorherrschaft einiger Kulturen über die Weisen und Medien der christlichen Verkündigung relativiert, ohne der Versuchung des Relativismus, wie er dem Westen vorgeworfen wird, oder des Synkretismus, der in Afrika zum Problem wird, zu erliegen.

Die arme Kirche für die Armen ist nach Evangelii Gaudium eine »verbeulte Kirche«, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie hinausgeht, um den Opfern von Gewalt und Ungerechtigkeit beizustehen. Mitarbeiter von »Justitia et Pax« im Kongo sind ein Beispiel für eine solche Kirche. Sie kümmern sich um Frauen, die während der Kämpfe im Kongo systematisch vergewaltigt worden sind. Rechts: Therese Mema, Koordinatorin der Traumazentren in der Diözese Bukavu.
FOTO: KNA-BILD

Wider die monotone Einheitskultur

Um diesen wichtigen Punkt zu wiederholen: Keine Kultur hat ein Monopol auf das Evangelium. Eine einzelne Kultur kann das Geheimnis der Erlösung nicht ausschöpfen. Aus afrikanischer Sicht bedeutet dies, dass das Evangelium Christi nicht ein ungewollter Bettnachbar der afrikanischen Kultur ist, sondern sich vielmehr in ihr inkarniert. Das Antlitz der Kultur kann das Antlitz der Frohen Botschaft zeigen und es mit den besonderen Gaben eines bestimmten Volkes in einem gegebenen Kontext bereichern. Die Aufmerksamkeit für die Gaben, die jede Kultur für die Verkündigung des Evangeliums mitbringt, führt zu einem vielfältigen Gemälde der Harmonie, die das Gegenteil einer bürokratischen Uniformität und einer monotonen Einheitskultur ist. Kultureller Zwang oder kolonialer Import, der sich als christliche Botschaft ausgibt, steht im Gegensatz zum transkulturellen Wert der Frohen Botschaft. Wer auf einem solchen monokulturellen Verständnis des Evangeliums beharrt, leistet letztlich einem kulturellen Fanatismus Vorschub, der zur Evangelisierung im Widerspruch steht. Als afrikanischer Christ empfinde ich Evangelii Gaudium als eine wahrhaft befreiende Botschaft für alle Kulturen, die mit dem Christentum in Berührung gekommen sind und noch kommen werden.

Franziskus hinterfragt die Praxis einer auf eine Kultur verengenden Evangelisierung und unterbindet jegliche nachahmende Bewahrung überkommener Formen des Christentums. Als Afrikaner jubele ich über den Fall der alten Dämonen des kulturellen Imperialismus, der sich damit begnügte, fremde Pantomimen, als christliche Wahrheiten verkleidet, Orten und Völkern anzudrehen, die mit ihrem kulturellen Reichtum in der Lage waren, die Frohe Botschaft des auferstandenen Christus mit ihrem eigenen Genius und in ihrer Muttersprache aufzunehmen und auszudrücken. Das Geheimnis der Erlösung in Christus reicht weiter und tiefer als die Fähigkeit einer einzelnen Kultur, es zu erfassen und auszuschöpfen.

Die Evangelisierung ist eine Aufgabe, die der ganzen Kirche anvertraut ist (EG 111). Dann lauten die Fragen: Was bedeutet diese Aufgabe für die Kirche in Afrika? Welche Rolle kommt der Kirche in Afrika bei der Evangelisierung zu? Welche Aufgaben muss die Kirche in Afrika für ihre Sendung der Evangelisierung erfüllen? Welche besonderen Herausforderungen und Anfragen formuliert Evangelii Gaudium für die Kirche in Afrika? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir die folgenden drei Punkte beachten.

1. Afrikanische Ekklesiologie

Wie einige andere wichtige in Evangelii Gaudium erwähnte Aspekte sind diese Fragen nicht neu. Tatsächlich spiegeln sie nämlich die Sorgen der Kirche in Afrika wider, wie sie bereits die erste Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika im Jahr 1994 formuliert hat. Diese erste Afrikasynode hatte zum Thema »Die Kirche in Afrika und ihr Evangelisierungsauftrag im Hinblick auf das Jahr 2000: ›Ihr werdet meine Zeugen sein‹ (Apg 1,8)«. Für diese Synode bezog sich der Evangelisierugsauftrag in erster Linie auf die Ekklesiologie. So stellte sie die prägnante Frage: »Kirche Afrikas, was musst Du jetzt sein, damit Deine Botschaft glaubwürdig und relevant ist?« In ihrer Antwort arbeitete die Synode die Grundlagen der Glaubwürdigkeit und Relevanz der Kirche in Afrika heraus: ihre Fähigkeit, die Botschaft der Freude auf einem Kontinent zu verkündigen, der voller schlechter Nachrichten ist, und zwar indem sie eine Gemeinschaft bildet, die beispielhaft lebt und handelt und deren Barmherzigkeit allen Frauen und Männern gilt, ohne Ausschluss und Diskriminierung – als Familie Gottes. In diesem Zusammenhang betont Evangelii Gaudium diese Qualitäten der Inklusion, der Beziehung und Gastfreundschaft, die die grundlegenden Tugenden der Kirche als Familie Gottes ausmachen und aufzeigen – sie sind die Kennzeichen afrikanischer Ekklesiologie (EG 87–92 und 112–114).

Für Fr. Orobator SJ ist die afrikanische Kirche herausgefordert, ihre Rolle als Evangelisierende Europas neu zu entdecken. Das Foto zeigt die Leitung der SECAM (gesamtafrikanische Bischofskonferenz), die Mitte Januar 2014 für drei Tage zu Gast bei missio Aachen war. Von links: Erzbischof Gabriel Mbilingi, missio-Präsident Prälat Klaus Krämer, Bischof Louis Portella Mbuyu und Erzbischof Gabriel Anokye.
FOTO: KNA-BILD

2. Die zwei Kirchen Afrikas

Der Kontinent Afrika liegt, was die Zukunft der Christenheit betrifft, auf einer Linie des Wachstums. Wie verschiedene Quellen belegen, besteht kein Zweifel daran, dass Afrika einer der Orte ist, an denen das Christentum die höchsten Zuwachsraten verzeichnet. Wenn wir also von der demographischen Südverschiebung des Christentums sprechen, ist Afrika ein strategisch bedeutender Ort, an dem die Zukunft des Christentums aufleuchtet. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass Papst Benedikt XVI. bei der Zweiten Afrikasynode 2009 Afrika mit einem gewissen Pathos als eine spirituelle »Lunge der Menschheit, die in einer Krise des Glaubens und der Hoffnung zu sein scheint«, bezeichnet hat. Wenn wir von Afrika als einem Ort der spirituellen Erneuerung und des spirituellen Wachstums für die Kirche und die Menschheit sprechen, soll das nicht den Blick darauf verstellen, dass es auch ein Ort der schlimmsten Gewalt, des Leiden und des Elends ist. Afrika ist ein Kontinent, der die harte Wirklichkeit und die Agonie von Armut, Gewalt und Leidens im großen Umfang kennt. So gesehen stellt Evangelii Gaudium die Kirche in Afrika vor eine enorme Herausforderung.

Bei näherem Hinsehen gibt es zwei Kirchen in Afrika. Da ist auf der einen Seite die Kirche der Privilegierten: eine Kirche, die krank ist, sich verschlossen an die eigenen Sicherheiten klammert, »die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein, und schließlich in einer Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist« (EG 49). Zu dieser Kirche gehören die Führer der Myriaden von Denominationen und Hierarchien der Christenheit. Häufig genießen sie die Ornamente der Macht, Autorität und Privilegien auf Kosten der verarmten Massen von Christen, die voller Hoffnung nach Wegen aus den Fängen der Armut, der Gewalt und des Elends suchen, denen aber immer nur Plattitüden und Placebos, verschnürt in aufgesetzen evangelikalen Sprüchen, angeboten werden. Solche pseudo-evangelikale und fundamentalistische Strategien sind »eine Ausnutzung der Notsituation der Bevölkerung, die an den Peripherien und in den verarmten Zonen lebt, die inmitten großer menschlichen Leiden überlebt und unmittelbare Lösungen für die eigenen Bedürfnisse sucht« (EG 63).

Auf der anderen Seite steht die Kirche der Armen – die Kirche von Männern und Frauen, für die der Glaube eine lebendige Wirklichkeit ist, die wie die Witwe im Markusevangelium (Mk 12,41– 44) die Kirche sogar noch mit dem wenigen, das sie besitzen, unterstützen. Wenn in Evangelii Gaudium von der armen Kirche die Rede ist, dann zeigen sich die Merkmale dieser Kirche bei Millionen gläubigen Afrikanerinnen und Afrikanern. Es ist tatsächlich »eine ›verbeulte‹ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straße hinausgegangen ist …«, während »so viele unserer Brüder und Schwestern ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben, ohne eine Glaubensgemeinschaft, die sie auf- nimmt, ohne einen Horizont von Sinn und Leben« (EG 49). Auch wenn wir anklagend mit dem Finger auf mächtige Kräfte und Phänomene zeigen können, wie auf die Globalisierung, die Tatsache, dass Menschen zu Waren herabgestuft werden, auf die Vergötterung der Marktwirtschaft, die Idolatrien der Finanzwelt, wie dies auch Evangelii Gaudium tut (EG 51ff.), so bleibt doch die Tatsache bestehen, dass die »Kirche für die Armen« (EG 198) nicht beim Lamentieren über die Übel und Leiden, die diese Kräfte zeitigen, stehen bleiben soll. Franziskus ruft diese Kirche vielmehr dazu auf, sich unermüdlich einzusetzen, die strukturellen Gründe für Armut zu hinterfragen und sich um ihre Opfer zu kümmern (EG 202–215). Dies ist für die Kirche in Afrika, wo die große Masse der Menschen ständig von Armut, Gewalt und Elend erschüttert und niedergedrückt wird, eine klare und aktuell anstehende Aufgabe der Evangelisierung.

3. Evangelisierung und Verwandlung

Der dritte Punkt betrifft den Ort und die Rolle Afrikas in der Weltkirche. In jüngster Zeit wurden die Bemühungen intensiviert, den sterbenden Glauben in Europa durch eine Strategie der Neuevangelisierung wieder zu beleben. Das christliche Europa ermattet unter dem quälenden Gewicht von Individualismus, Relativismus und Säkularismus, die den Glauben nahezu in den Bereich des Irrelevanten abgedrängt haben. Das Ergebnis ist Pessimismus, Defätismus und eine geistliche »Wüstenbildung « (EG 85–86). Angesichts solch erschreckender Szenarien streckt sich die Kirche des Nordens aus nach den sogenannten jungen Kirchen, um Mittel einer spirituellen Wiederbelebung zu finden. An diesem Punkt betreten Afrika und der übrige globale Süden die Szene – als Evangelisierende Europas. Aus afrikanischer Sicht ist der von Franziskus betonte Hinweis auf Evangelisierung als konstitutives Element der Kirche eine Selbstverständlichkeit, die die Kirche in Afrika dazu bringen sollte, ihre Rolle gegenüber den sogenannten alten Kirchen zu entdecken. Nächstenliebe, so sagen sie, beginnt zu Hause. Die Kirche in Afrika hat eine besondere missionarische Berufung, die sie gegenüber der Kirche der nördlichen Hemisphäre geltend zu machen hat. Wie Franziskus ausführt, ist diese Rolle ein Paradigma für die missionarische Berufung der universalen Kirche (EG 15, vgl. EG 111–113). Ich vertrete jedoch die Ansicht, dass Evangelisieren nicht notwendigerweise eine nach außen gerichtete Berufung ist. Es ist höchst lehrreich, dass Franziskus die Aufmerksamkeit darauf lenkt, dass die Kirche in all ihren Strukturen und Ausdrucksformen der Evangelisierung am dringendsten bedarf. Alles, so schreibt er, muss verwandelt werden (EG 27). Die Kirche in Afrika bildet da keine Ausnahme.

Freude zeichnet die afrikanischen Kirchen aus, Freude im Glauben und im Feiern. Das Foto zeigt Frauen während eines Gottesdienstes in Benin.
FOTO: KNA-BILD

Die Freude des Evangeliums!

In einer weiteren und globaleren Sichtweise gibt es viele Wege, wie die Kirche in Afrika in und für die Weltkirche evangelisieren kann. Wie ich es wahrnehme, fängt der Titel und die Grundausrichtung von Evangelii Gaudium das Wesentliche des Glaubens in Afrika ein, nämlich: Freude! Freude scheint auf im Glauben und im Feiern in Afrika. Ohne die oben erwähnten Herausforderungen durch Armut, Gewalt und Leiden auf dem Kontinent herunterzuspielen – wenn es darum geht, das Evangelium zu leben und zu verkünden, strahlt Afrika Freude aus – im Lobpreis und im Gebet. Hier verbirgt sich vielleicht eine häufig vergessene Gabe Afrikas an die Weltkirche, nämlich dass Afrika sie daran erinnert, dass es im Evangelium um eine immer neue und mit andern geteilte Freude geht (EG 2). Das Evangelium verkündet die Freude über die Erlösung, bei der Gott der Hauptzelebrant ist, der alle zum Festmahl ruft und einlädt (EG 4). Einer solchen Freude steht jedoch auf diesem Kontinent die unentwegt erforderliche Suche nach Frieden gegenüber. Als kritische Dimension der Evangelisierung ist Frieden eine weitere Herausforderung und Aufgabe für die Kirche in Afrika. Schon die zweite Afrikasynode betonte 2009 die Bedeutung von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden als konstitutive Dimensionen des Evangelisierungsauftrags der Kirche in Afrika. Will die Kirche in Afrika die Freude des Evangeliums verkünden, muss sie sich für den Frieden und den Dialog auf der riesigen religiösen, kulturellen, sozioökonomischen und politischen Landkarte des Kontinents einsetzen (EG 250ff.).

Schließlich sind die befreienden Erfahrungen mit dem Evangelium eine Einladung an Afrika und die Kirche in Afrika, sich von jedweder entkräftenden Resignation angesichts der Situationen von Gewalt, Leiden und Verarmung frei zu machen. Veränderung ist möglich, wenn der Glaube authentisch gelebt und Evangelisierung ganzheitlich verstanden wird. Mit Kühnheit und Kreativität birgt die Verbindung von Glaube und Mission die Kraft zur Umkehr, zur Veränderung und Verwandlung nicht nur vereinzelter Individuen, sondern ganzer Netzwerke sozialer Beziehungen, die selbst Objekte der Erlösung sind (EG 178, vgl. EG 33). Für Afrika ist die Kirche eine missionarische Gemeinschaft sowohl für sich selbst als auch für die Weltkirche.

AGBONKHIANMEGHE E. OROBATOR SJ
Theologe, Provinzial der ostafrikanischen Provinz der Jesuiten, Nairobi / Kenia Übersetzung: Marco Moerschbacher Theologe, Referent von missio Aachen

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