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PAKISTAN

Aufgehetzter Mob greift Hindu-Tempel an

Das Gerücht, ein Hindu habe den Koran geschändet, reichte einem muslimischen Mob, um die Tempelanlage der Hindus in Larkana in Pakistan anzugreifen, zu plündern und anzuzünden. Das Foto zeigt Mitglieder der hinduistischen Gemeinde, die nach dem Angriff die Schäden in der Anlage begutachten.
FOTO: UCANEWS

Hunderte von Muslimen haben am 16. März 2014 einen Hindu-Tempel geplündert und ein dem Tempel angeschlossenes Begegnungszentrum in Brand gesteckt, nachdem das Gerücht aufgekommen war, dass ein hinduistischer Mann Seiten des Korans verbrannt habe. Der Vorfall ereignete sich in Larkana, dem Heimatort der ermordeten Premierministerin Benazir Bhutto, ein Ort in der Provinz Sindh.

Der leitende Polizeioffizier Tauqir Ahmed Naeem bestätigte gegenüber UCANews, dass die Gerüchte über die Schändung des Korans der Auslöser für die Gewalt gewesen seien. Der der Blasphemie beschuldigte Mann, Sangeet Kumar, wurde von der Polizei in Schutzhaft genommen. In dem Ort wurde von den Sicherheitsbehörden eine Ausgangssperre verhängt, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.

»Der junge Mann, der der Blasphemie beschuldigt wird, ist ein gewöhnlicher Drogenabhängiger«, so Param Anand, ein Mitglied des Leitungskomitees der Tempelanlage gegenüber UCANews. »Die Hindu-Gemeinschaft in Larkana käme niemals auf die Idee, die religiösen Überzeugungen der Muslime oder den Koran nicht zu respektieren.«

Nachdem die Gerüchte aufgekommen waren, dass ein Hindu Seiten des Korans verbrannt habe, hat ein aufgehetzter Mob zunächst das Haus des Beschuldigten umstellt und gefordert, dass der Mann ihnen auszuliefern sei. Polizeikräften gelang es schließlich, den Beschuldigten vor dem Mob in Sicherheit zu bringen. Daraufhin hat sich der Mob seinen Weg in die Tempelanlage erzwungen, diese geplündert, historische Figuren und Statuen zerstört, bevor er das Begegnungszentrum in Brand steckte. Zudem wurden in dem Ort einige Geschäfte von Hindus in Brand gesteckt.

Die Situation, so der Polizeioffizier, sei weiterhin sehr angespannt, zumal islamistische Parteien zu einem Streik aufgerufen haben, als Antwort auf die vermeintliche Schändung des Korans. Sicherheitskräfte patrouillieren auf den Straßen und vor den Gotteshäusern und Tempelanlagen der Stadt.

Die religiöse Minderheit der Hindus zählt etwa 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung Pakistans, das nach offiziellen Statistiken etwa 180 Millionen Einwohner hat.

Premierminister Muhammad Nawaz Sharif hat seine Besorgnis hinsichtlich des Vorfalls in Larkana zum Ausdruck gebracht und die Provinzregierungen angewiesen, notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit aller Minderheiten zu gewährleisten.

Die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit erklärt, dass das in Pakistan umstrittene Blasphemiegesetz mit keinem anderen Blasphemiegesetz weltweit vergleichbar sei. Den Angaben dieser Kommission zufolge würden zurzeit in Pakistan 14 Menschen in der Todeszelle sitzen und weitere 19 eine lebenslange Haftstrafe wegen Blasphemie gegen den Islam verbüßen.

Weiter führt der Bericht der US-Kommission aus, dass dieses Blasphemiegesetz und der Mangel an Verfahrensgarantien hauptsächlich dafür verantwortlich seien, dass es eine alarmierende Zahl von Mob-Angriffen und Formen der Selbstjustiz gegen religiöse Minderheiten in Pakistan gebe.

Erst im Januar ist ein 69-jähriger britischer Staatsbürger in Pakistan wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Wie UCANews am 27. Januar berichtete, ist Muhammad Asghar aus Edinburgh von einem Gericht in Rawalpindi der Blasphemie für schuldig befunden und verurteilt worden. Seine Anwälte waren von dem Verfahren ausgeschlossen worden.

Muhammad Ashgar war 2010 verhaftet worden, nachdem er Briefe an Anwälte und Politiker verfasst hatte, in denen er behauptete, ein Prophet zu sein. Obwohl er die Briefe nie abgeschickt hatte, fand ein verärgerter Mieter, dem Ashgar mit der Zwangsräumung gedroht hatte, die Briefe und brachte sie zur Polizei.

Der Fall von Muhammad Ashgar wirft erneut berechtigte Zweifel auf, ob die Gerichtsverfahren bezüglich Blasphemie rechtmäßig durchgeführt werden. Obwohl der britische Staatsbürger bereits Jahre zuvor von Medizinern in England als paranoid schizophren diagnostiziert worden war, sah das Gericht in Rawalpindi keinerlei Anlass, an der Gesundheit des Angeklagten zu zweifeln. Zudem wurde den Anwälten des Angeklagten untersagt, diesen vor Gericht zu verteidigen. Es verfügte dagegen, dass Ashgar einen vom Gericht bestellten Strafverteidiger erhielt, der weder die medizinischen Dokumente aus England zur Entlastung des Angeklagten vorbrachte, noch Zeugen zur Verteidigung des Angeklagten benannte.

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