Pakistan – eine auseinanderbrechende Nation Das Elend der Nicht-Muslime corner

Pakistan – eine auseinanderbrechende Nation

Das Elend der Nicht-Muslime

von KHALED AHMED

Für Khaled Ahmed hat sich Pakistan hin zu einer »intoleranten, autoritären Demokratie« gewandelt. Das Foto zeigt Demonstranten, die im vergangenen Jahr während einer Wahlkampfveranstaltung in Islamabad eine wahre Demokratie einfordern.
FOTO: KNA-BILD

Die religiösen Minderheiten Pakistans sind letztlich zum Spielball politischer Interessen und der Einflussnahme Saudi-Arabiens geworden. Ein Staat, der sich dem übergroßen Nachbarn nicht geschlagen geben will und deshalb nicht davor zurückschreckt, den Terrorismus zu unterstützen, muss nun feststellen, dass diese Gruppierungen, ideologisch durch die Einflussnahme Saudi-Arabiens gelenkt, sich gegen die religiösen Minderheiten im Land wenden. Pakistan droht, als Nation auseinanderzubrechen.

Im Jahr 2009 flüchteten etwa 12 christliche Familien aus ihren Häusern in einem Dorf im Distrikt Sahiwal in der Provinz Punjab in Pakistan, denn sie fürchteten, dass ein zunehmender Disput um einen Vorfall der Blasphemie in einer Schule letztlich in ihrer Verfolgung münden würde. Das 6.500 Einwohner zählende Dorf erlebte eine nicht mehr zu kontrollierende Auseinandersetzung, die möglicherweise politisch motiviert war. Diese Auseinandersetzung war aufs Engste mit den politisch motivierten Blasphemiegesetzen verflochten. Die christliche Gemeinschaft versuchte sich wegzuducken angesichts der furchtbaren Ankündigungen, die aus den Lautsprechern umliegender Moscheen erschallten. Der Blasphemie-Vorfall hatte sich in einem Klassenzimmer einer örtlichen Schule ereignet, wo eine Seite des Korans, vollgespritzt mit Tinte, morgens nach Öffnung der Schule gefunden worden war. Die christlichen Familien flohen aus dem Dorf, nicht weil sie kein Vertrauen in die örtlichen Verwaltungsbehörden gehabt hätten, sondern weil sie wussten, dass alle vergleichbaren Vorfälle in der Vergangenheit dazu geführt hatten, dass die Situation außer Kontrolle geriet. Hab und Gut wurden schwer beschädigt, arme und ungeschützte Menschen wurden gezwungen, körperlichen Schaden und Demütigungen zu erdulden.

Menschen, die dafür verantwortlich sind, dass sich solche Vorfälle ereignen, ergreifen später Besitz von den verlassenen Häusern der geflohenen Familien. Keine noch so umfassende Berichterstattung in den nationalen Medien hat dazu geführt, dass diese Straftäter abgeschreckt werden, denn sie erfreuen sich ausnahmslos des Rückhalts benachbarter religiöser Elemente.

Die »intolerante, autoritäre Demokratie« Pakistans

Pakistan bricht heute aufgrund des Terrorismus auseinander, der zum Teil eine Rückwirkung der islamischen Welt ist, vor allem aber originär Pakistan selbst entstammt, entstanden aufgrund der »Verteidigungsdoktrin « Pakistans gegenüber Indien. Pakistans Identität als religiöser Staat reiht das Land in die Reihe anderer muslimischer Staaten ein, die nach einem »demokratischen Frühling« kollabieren, und den populären Instinkt entfachen, unter dem Gesetzt der Scharia leben zu wollen.

Viele Muslime fassen ihren Glauben als einen ewigen Glauben auf, setzen dabei jedoch fälschlicherweise »ewig« mit »unveränderbar« gleich. Pakistan war durch Muslime geschaffen worden, die die Begriffe »moderner Staat« und »moderne Demokratie« missverstanden hatten und dachten, dass eine gewählte Regierung die Demokratie ausfülle. Sie entrissen dem Volk die Souveränität und gaben sie Gott. Sodann erschufen sie eine fehlerhafte Verfassung, die islamzentriert war. Bezüglich der Rechte von nicht-muslimischen Minderheiten wurden lediglich Lippenbekenntnisse abgelegt. Pakistan ist in eine »intolerante, autoritäre Demokratie« abgeglitten.

Der geförderte Nationalismus gegenüber dem übermächtigen Nachbarn Indien wird beispielhaft sichtbar an dem täglich stattfindenden Spektakel an der pakistanisch-indischen Grenze von Attari, 20 Kilometer westlich von Lahore: Beim Hissen oder Einholen der Nationalfahne werden indische und pakistanische Soldaten von der je eigenen Bevölkerung mit nationalistischen Sprechchören und Schlachtrufen unterstützt.
FOTO: NORBERT KÖSSMEIER

Die ideologische Legitimation des Staates gefährdet die Minderheiten

Wenn Pakistan als Staat überleben will, dann muss es sich folgende Artikel der Verfassung in Erinnerung rufen, die den Schutz der religiösen Minderheiten, insbesondere der Christen – die größte religiöse Minderheit im Land mit schätzungsweise 2–4 Millionen Gläubigen –, garantieren: Artikel 20: das Recht, eine Religion zu bekennen und religiöse Einrichtungen zu leiten; Artikel 22: Garantien in Fragen der Erziehung und Ausbildung mit Respekt vor der Religionsfreiheit; Artikel 25: Gleichheit der Bürgerrechte; Artikel 36: Schutz von Minderheiten.

Aber diese Rechte und Werte, verankert in der Verfassung, wurden durch eine Serie von Gesetzgebungen unterhöhlt, zugunsten der Bestätigung der ideologischen Legitimation des Staates.

Indes hat die Einführung des Qanoon-e-Shahadat (das Beweisrecht) im Jahr 1984 den Wert der Zeugenaussage einer muslimischen Frau oder eines nichtmuslimischen Mannes vor Gericht auf den Wert der Aussage eines halben muslimischen Mannes reduziert, und das einer nicht-muslimischen Frau auf den eines Viertels eines muslimischen Mannes. In ähnlicher Weise hat die Einführung einer Serie von Gesetzesänderungen zu den Blasphemiegesetzen im pakistanischen Strafrecht (Sektion 295) dazu geführt, dass die weithin von Armut geplagten Christen dem Missbrauch dieser Gesetze ausgesetzt sind. Im Jahr 1982 wurde Artikel 295-B dem Gesetz hinzugefügt, der für die Schändung des heiligen Korans eine lebenslange Freiheitsstrafe zwingend vorschreibt. Und im Jahr 1986 wurde schließlich der noch strengere Artikel 295-C hinzugefügt. Dieser sieht für die Beleidigung des heiligen Propheten zwingend die Todesstrafe vor.

Es heißt in Artikel 295-C wörtlich: »Der Gebrauch abwertender Bemerkungen etc., in Bezug auf den heiligen Propheten: Wer auch immer durch Wörter, entweder gesprochen oder geschrieben, oder durch sichtbare Darstellung oder durch jegliche Unterstellung, Anspielung oder Andeutung, direkt oder indirekt, den heiligen Namen des heiligen Propheten Muhammad (Der Friede ruhe auf ihm!) beschmutzt, soll mit dem Tod bestraft werden oder mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe und soll zudem zu einer Strafzahlung verpflichtet werden.«

Das Blasphemiegesetz ist so formuliert, dass es die Regel des »Vorsatzes« verletzt. Es bestraft all jene mit dem Tod, die den Propheten »direkt« oder »indirekt« beleidigen. Dieses Gesetz hat bisher viele Opfer gefordert, obgleich bis heute niemand gehängt worden ist. Dutzende von Opfern haben in Gefängnissen im Durchschnitt neun oder mehr Jahre geschmachtet, bevor sie durch den Höchsten Gerichtshof freigesprochen worden sind. Pakistanische Christen sind zum Opfer dieses Gesetzes geworden, aber auch andere religiöse Minderheiten. Anerkannte und nicht anerkannte Minderheiten wurden ins Visier genommen. Viele Nicht- Muslime wurden ermordet, bevor ihr Gerichtsprozess überhaupt begonnen hatte.

Finanziell und ideologisch von Saudi-Arabien gefördert, wird heute in den zahllosen Koranschulen in Pakistan eine islamische Orthodoxie gelehrt, die Schiiten und Ahmadiyya als Nicht-Muslime ansieht und Mitglieder anderer religiöser Minderheiten als Schutzbefohlene betrachtet, die für ihren Schutz zu zahlen haben.
FOTO: KNA-BILD

Die islamische Orthodoxie der Madrassa

Der islamische Staat Pakistan hat sich gewandelt, von einem eher moderaten hin zu einem sehr strengen islamischen Staat. Mehr und mehr mittelalterliche Interpretationen der Staatsreligion wurden erzwungen. Verfassungsänderungen beziehungsweise -zusätze und Strafgesetze unterwerfen mehr und mehr Gemeinschaften dem gesetzlichen oder realen Ausschluss. Die zweite Ergänzung der Blasphemiegesetze hat zum Ziel gehabt, die Gemeinschaft der Ahmadiyya als vom Glauben Abgefallene abzustempeln, in einer Art und Weise wie der Iran es mit den Bahai gemacht hat.

Warum sind bestimmte religiöse Elemente nicht geneigt, den unterdrückten religiösen Minderheiten in Pakistan Unterstützung zu bieten? Diese Unterstützung erfolgt nicht, weil der Islam als Religion intolerant ist, sondern weil im Laufe der Zeit das dhimma-Konzept des Islam mehr und mehr stringent durch eine islamische Orthodoxie, die in den Madrassa – den nicht kontrollierten Koranschulen – vorherrscht, interpretiert wurde.

Dhimma ist historisch gesehen der nicht-muslimische Schutzbefohlene des Staates in einem eroberten Land, der für seinen Schutz Geld, genannt jiziya, bezahlen muss. Es gab eine Zeit, in der man sagen konnte, dass diese Schutzbefohlenheit nicht für Nicht-Muslime in Pakistan galt, denn Pakistan ist kein erobertes Land. Aber heute hat diese Sichtweise unter dem wachsenden Einfluss der Taliban und ihrer mit Waffengewalt erzwungenen Scharia keine Geltung mehr.

Jedoch ist die Hauptursache für den graduellen Tod des Staates in der pakistanischen Politik gegenüber Indien zu sehen. Es ist die Strategie eines revisionistischen Staates, die darauf gerichtet ist, die Grenzen gegen einen zweifelsohne wesentlich größeren und stärkeren benachbarten Staat zu verändern. Nachdem sie Kriege verloren hat, hat die dominante Armee Pakistans sich dahin geflüchtet, Stellvertreterkriege gegen Indien zu führen, indem sie dem Terrorismus erlaubt, mitten in der Zivilgesellschaft zu leben.

Um ihre Sicherheit fürchten Mitglieder religiöser Minderheiten im Land. Die katholische Sacred Heart Convent Highschool hat Sicherheitsvorkehrungen getroffen, da christliche Schulen auch als Ziel von Terrororganisationen gelten.
FOTO: MISSIO / HARTMUT SCHWARZBACH

Saudi-Arabien finanziert die Ausrichtung des pakistanischen Islam

Der »harte« Islam war die Konsequenz des stellvertretenden Jihad im Kaschmir. In vielen Fällen waren die Kämpfer in Afghanistan ausgebildet worden, wo jegliche islamische Schulen außer den Deobandi verboten waren. Die Deobandi-Schule ist benannt nach einem Seminar des hanafitischen Islam in Indien; diese Schule reichte im 18. Jahrhundert der aufkommenden wahabitischen Bewegung in Saudi-Arabien die Hand. In den 1980er Jahren, als der Krieg gegen die Sowjetunion fortgeschritten war, wuchs mit Hilfe amerikanischer und saudischer Gelder der saudische Einfluss in den vorherrschenden Deobandi-Seminaren. Pakistanis, die in den von Osama bin Laden geführten Camps trainiert wurden, mussten der Deobandi Bewegung angehören. In ihren Augen waren die Mitglieder der Barelvi-Schule in Afghanistan Häretiker. (Die Barelvi- Schule ist ebenfalls eine im 18. Jahrhundert gegründete Reformbewegung des Islam im damaligen Indien; dieser Bewegung gehört die überwiegende Mehrheit der pakistanischen Muslime an, Schätzungen gehen von bis zu 80 Prozent der Bevölkerung aus.) Der Unterstützung der Saudis erfreuten sich die Deobandi vor allem auch deshalb, weil sie die Schiiten als vom Glauben Abgefallene betrachten. Und die strenge Schule der Wahabiten wurde auch wegen ihres finanziellen Potentials von den Deobandi sehr geschätzt.

Dieses Schisma des pakistanischen Islam spiegelte sich wieder im afghanischen Jihad. Als dieser endete, spiegelte es sich wieder in der ersten Exilregierung der Mudschaheddin. Die afghanische Mudschaheddin- Regierung wurde im Jahr 1989 im pakistanischen Peshawar gegründet. Auf Druck von Saudi-Arabien wurden die schiitischen Milizen, die Seite an Seite mit den Mudschaheddin in Afghanistan gekämpft hatten, von der Regierung ausgeschlossen. Der Aufstieg der Taliban im Jahr 1996, sehr schnell anerkannt von Saudi- Arabien und Pakistan, war in gewisser Weise eine Umkehrung dessen, was im Iran geschehen war, wo die Schiiten die Regierung stellten und andere islamische Schulen ausgeschlossen hatten. Die Entwicklungen in Pakistan sind letztlich von Saudi-Arabien herbeigeführt worden.

Im Jahr 1986 haben die Deobandi-Seminare in Pakistan und Indien Fatwas der Apostasie gegen die schiitische Bevölkerung ausgesprochen und folglich das Manifest von Sipah Sahaba hochgehalten. Sipah Sahaba ist eine im Jahr 1985 gegründete Partei in Pakistan, die als Basis ihrer Partei die Forderung ansieht, dass Schiiten durch den Staat Pakistan mit Hilfe einer Verfassungsänderung zu Nicht-Muslimen erklärt werden. Der Staat hatte bereits mit dem zweiten Verfassungszusatz von 1974 einen Präzedenzfall geschaffen, indem er die muslimische Gemeinschaft der Ahmadiyya aus politischen Erwägungen zu Apostaten und somit zu Nicht-Muslimen erklärt hatte.

Die anti-schiitischen Fatwas wurden durch einen Deobandi Gelehrten aus Indien auf den Weg gebracht, Manzur Numani, der zuvor bereits ein Buch gegen Imam Khomeini und den Iran geschrieben hatte. Finanziell gefördert durch die saudische Wohltätigkeitsorganisation Rabita Alam Islami (World Islamic League), schrieb er die Deobandi-Seminare in Indien und Pakistan an und bat sie um ihre juristische Meinung bezüglich des schiitischen Glaubens. Im Jahr 1986 sandten ihm alle Seminare ihre Fatwas, die die Schiiten zu kuffar – Ungläubigen beziehungsweise Gottesleugnern – oder Nicht-Muslimen erklärten. Dem schiitischen Glauben wurde in Pakistan nicht die notwendige Beachtung geschenkt, ein schwerwiegender Fehler auf politischer Ebene, wie heute die Gewalt gegen Schiiten in Pakistan verdeutlicht.

Die dominierende Barelvi-Schule in Pakistan sieht die Schiiten nicht als Apostaten an, aber glaubt an den Kult des Propheten durch mystische Observanz an heiligen Schreinen, was sie wiederum zu den aggressivsten Befürwortern der Blasphemiegesetze macht, die wiederum die religiösen Minderheiten im Land, insbesondere die Christen zu Opfern machen.

Khaled Ahmed gilt als einer der profiliertesten politischen Analysten Pakistans und als ausgewiesener Experte, was die Extremistenszene betrifft. Mehrfach schon ist er als Journalist in lebensgefährliche Situationen geraten. Das Foto zeigt ihn während der von missio Aachen organisierten und durchgeführten Konferenz zur Situation der religiösen Minderheiten in Pakistan Anfang Januar in Lahore.
FOTO: NORBERT KÖSSMEIER

Geblendet durch Ideologie

Die meisten Pakistani sind der Meinung, dass die Minderheiten im Land umfassende Freiheiten genießen. Sie sind schockiert, wenn internationale Institutionen wie die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen Pakistans Führung widersprechen, nicht aber Indiens. Sie übersehen jedoch dabei die Regel, dass nur Misshandlungen, die von der Gesetzgebung ausgehen, dem Staat vorgeworfen werden können.

Statistiken zur Menschenrechtslage in Pakistan liegen vor, werden aber als Lügen abgelehnt. Die NGOs, die es wagen, diese Statistiken zu veröffentlichen, werden als aus dem Ausland finanzierte Institutionen wütend verurteilt. Ihnen wird vorgeworfen, in Pakistan die Agenda ausländischer Staaten zu verfolgen. Wenn Organisationen wie Amnesty International Pakistans Negativrekord enthüllen, werden sie abgelehnt. Wenn die gleichen Organisationen den Negativrekord Indiens veröffentlichen, werden ihre Ergebnisse mit großer Freude in den Vordergrund gestellt.

Die verlogene Führungselite Pakistans

Die christliche Gemeinschaft fährt fort, sich über die unterschiedlichen Formen der Diskriminierungen zu beschweren. Einigen Christen wurde gedroht, den Islam zu umarmen. Einige sind diesen Drohungen erlegen, andere haben unter hohem Risiko für ihr eigenes Leben diesen Drohungen widerstanden. Shantinagar und Sangla Hill in der Provinz Punjab sind zwei prominente Gemeinschaften, wo die gesamte Bevölkerung vernichtet werden sollte. Es ist grauenvoll feststellen zu müssen, dass die eingesetzten Brandzünder und weitere technische Vorrichtungen, die beim Versuch, diese Orte zu zerstören, benutzt wurden, den verschiedenen Jihadisten-Gruppen vom Staat zur Verfügung gestellt worden waren. Und just diese Brandzünder und technischen Vorrichtungen kommen nun im Kampf von Extremisten gegen Christen zum Einsatz.

Wenn man die Geschichte der Christen im Land betrachtet, stellt man fest, dass Christen sich schon sehr früh auf dem Gebiet des heutigen Pakistans für Ausbildungseinrichtungen eingesetzt haben. Der Missionar Dr. Charles William Forman, unterstützt von weiteren Missionaren, hat nicht nur in Lahore, sondern auch vielen anderen Städten des heutigen Pakistans Schulen errichtet. 1862 gründeten sie die erste Schule in Karachi. Auch Alphabetisierungszentren für Erwachsene wurden von diesen Missionaren der presbyterianischen Kirche errichtet. Dr. Forman engagierte sich 45 Jahre lang in Lahore. 1894 starb er und wurde in Lahore begraben.

Die Ordensgemeinschaft der Schwestern Jesu und Mariens eröffnete ihre Ordensschulen in Murree (1872) und Lahore (1876), und im Jahr 1882 nahm das St. Thomas College seinen Schulbetrieb auf. Etwa zur gleichen Zeit wurden Schulen in Hyderabad und Multan errichtet. Eine Mädchenschule wurde in Rawalpindi eröffnet. Weitere Beispiele vom Engagement der Christen im Ausbildungs- und Gesundheitsbereich wären an dieser Stelle zu nennen.

Die bewegendste Geschichte der Christen im Land ist die der anglo-indischen Christen, die beschlossen hatten, in einem »kastenfreien« Pakistan zu bleiben. Sie waren davon ausgegangen, da sie vor allem im Schul- und Gesundheitsbereich tätig waren und in erster Linie Muslimen dienten – auch als Müllsammler –, dass sie vom Zorn des Islam bewahrt würden. Aber muslimische Politiker, die ihre Ausbildung an christlichen Missionsschulen erhalten hatten – wie dies auch bei Premierminister Nawaz Sharif der Fall ist –, erzwangen die Todesstrafe als unumgängliche Strafe für Blasphemie, obwohl sie wussten, dass dieses Gesetz gegen arme Christen missbraucht werden würde.

Pakistan leidet heute unter dem Mangel an guten Führungspersönlichkeiten. Muslimische Verantwortungsträger verhalten sich nicht ehrlich, aber niemand will einsehen, warum diese zunehmende Charakterlosigkeit um sich greift. Der Grund für diese um sich greifende Charakterlosigkeit wäre nicht schwer zu erraten, wenn man einmal realisiert, wie schlecht diese Führungselite die Minderheiten im Land behandelt hat.

KHALED AHMED
Journalist, Consulting Editor von Newsweek Pakistan, Lahore / Pakistan

Pakistan auf einen Blick

Fläche: 796.095 km2
Einwohner: ca.180.000.000

Religionen:
– Muslime: 96,5 %
– Christen: 2,0 %
– Andere: 1,5 %

Katholiken: 1.194.000
Diözesanpriester: 153
Ordenspriester: 127
Ordensbrüder: 65
Ordensschwestern: 803
Laienmissionare: 34
Katechisten: 663

QUELLEN: Worldfactbook 2014; Statistisches Jahrbuch der Katholischen Kirche 2011

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