»Liebe, Erlösung, Frieden« Interview mit Erzbischof Sebastian Francis Shaw OFM, Lahore corner

»Liebe, Erlösung, Frieden«

Interview mit Erzbischof Sebastian Francis Shaw OFM, Lahore / Pakistan

von NORBERT KÖSSMEIER

Trotz aller Gewalt, trotz aller Not der religiösen Minderheiten in Pakistan zeigt sich der Mitte Februar in sein Amt eingeführte neue Erzbischof der größten Diözese Pakistans hoffnungsvoll und optimistisch. Positive Entwicklungen im interreligiösen Dialog, die wachsende Erkenntnis, dass alle Menschen des Landes zuallererst Bürger des gleichen Landes sind und nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit beurteilt werden sollten, sind nach Ansicht von Erzbischof Sebastian Francis Shaw Anzeichen dafür, dass sich, wenn auch nur langsam, ein Wandel vollzieht. Nichtsdestotrotz ist auch die Politik gefordert, ihren Beitrag für ein friedvolles Zusammenleben zu leisten. Noch immer müssen religiöse Minderheiten unter dem Missbrauch der Blasphemiegesetze leiden.

Forum Weltkirche hat mit Erzbischof Sebastian Francis Shaw kurz nach seiner Einführung ein Telefoninterview geführt.

Für Erzbischof Sebastian Francis Shaw OFM hat der
interreligiöse Dialog die höchste Priorität.
FOTO: NORBERT KÖSSMEIER

Am 14. Februar sind Sie als neuer Erzbischof der Erzdiözese Lahore ins Amt eingeführt worden. Die Erzdiözese Lahore in der Provinz Punjab umfasst etwa die Hälfte aller Katholiken des Landes. Als neuer Erzbischof dieser bedeutenden Diözese, was haben Sie sich als Ziel für die Erzdiözese gesetzt, was wollen Sie als neuer Erzbischof von Lahore für die Menschen, für die Gesellschaft, für die Diözese erreichen?

Eines unserer wichtigsten Anliegen ist das Engagement im Bereich des interreligiösen Dialogs. Denn nur durch den interreligiösen Dialog wird es uns möglich sein, zusammenzuarbeiten, einander zu verstehen und uns gemeinsam für die Entwicklung des Landes einzusetzen und vor allem, Frieden in Pakistan zu errichten. Wir als Christen können auf uns alleine gestellt nicht viel in dieser Hinsicht ausrichten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir mit Menschen anderer Religionen zusammenarbeiten, dass wir uns gegenseitig unterstützen, seien es Christen, Muslime, Hindus etc. Und dies ist sicherlich unsere Priorität. Denn nur wenn es uns gelingt, dass wir zusammenarbeiten, werden wir einander besser verstehen lernen und fähig werden, wirklichen Dialog zu führen. Es geht darum, ein Umfeld zu errichten, das das friedliche Zusammenleben ermöglicht. Dieser Wert des friedlichen Zusammenlebens nimmt in seiner Bedeutung zu. Dafür setzen wir uns ein. Und wir engagieren uns in diesem Bereich aufrichtig und auch erfolgreich. Ich kann sagen, dass diesbezüglich die Entwicklungen hoffnungsvoll stimmen. Natürlich braucht es Zeit. Ich bin trotzdem sehr optimistisch, was den Dialog anbetrifft.

Bei meiner offiziellen Einführung als neuer Erzbischof von Lahore konnte ich mich darüber sehr freuen, dass die verschiedenen Denominationen und Religionen vertreten waren. Während des feierlichen Gottesdienstes waren Bischöfe der anglikanischen Kirche anwesend, auch Vertreter der Heilsarmee, der Presbyterianischen Kirche. Die Feier war sehr ökumenisch ausgerichtet. Nach dem Gottesdienst gab es ein offizielles Programm für die Zivilgesellschaft. An dieser Feier haben neben Regierungsvertretern auch 12 islamische Gelehrte teilgenommen, verschiedene Vertreter der Hindus und der Sikhs. Es war eine sehr schöne Feier, die mich sehr gefreut hat. Mir war es wichtig, alle diese meine Freunde zu dieser besonderen Feier einzuladen, denn es gilt, auch die Freuden miteinander zu teilen. Sehr häufig kommen wir zusammen, wenn wieder ein furchtbarer Bombenanschlag unsägliches Leid verursacht. Umso wichtiger ist es aber, auch die Freuden miteinander zu teilen, miteinander zu feiern. Und es hat mich sehr gefreut, dass auch der Großimam der Badshahi Moschee gekommen ist.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Erzdiözese, für die Gemeinschaft der Christen in der aktuellen Situation in Pakistan?

Auf meinem Wappen als Erzbischof steht: Liebe, Erlösung, Frieden. Dies sind meines Erachtens die Dinge, um dies es geht. Sich dafür einzusetzen, dass wir einander lieben. Dies ist nur möglich, wenn wir gute Beziehungen zu unseren Mitmenschen aufbauen. Wir hatten erst kürzlich ein großes Treffen von Jugendlichen. Dabei ging es um genau diese Frage. Wenn wir davon ausgehen, dass Gott uns liebt, dann gilt es auch, seine Weisung zu befolgen, einander zu lieben, wie Gott uns liebt. Jesus hat uns nicht gesagt, nur andere Christen zu lieben, sondern alle Menschen in unserem Umfeld. Deshalb geht es darum, genau dies zu lernen: Menschen zu lieben, die andere Meinungen haben, Menschen, die sich auf vielfältige Weise von uns unterscheiden. Je mehr wir fähig werden, sie zu lieben, umso mehr wachsen wir, sowohl in unserer Spiritualität als auch in der Fähigkeit, einander verstehen zu lernen. Dies ist natürlich eine große Herausforderung. Es wird sehr viel über Feindschaft gesprochen, über Rivalitäten, darüber, dass Menschen in Konkurrenz miteinander stehen. Deshalb ist es uns in unserer Diözese so wichtig, ein anderes Verständnis zu fördern, nämlich einander zu lieben. Und nur wenn wir lieben, sind wir in der Lage, anderen Menschen auch zu dienen. Wenn Du nicht liebst, wirst Du anderen auch nicht dienen können. Und dies ist meiner Meinung nach die Grundlage für Frieden.

»Schützt religiöse Minderheiten«, »Beendet die Ermordung von Minderheiten« steht auf den Plakaten von Demonstranten, die am 22. September 2013 nach dem furchtbaren Anschlag auf die anglikanische Kirche in Peshawar ein Ende der Gewalt gegen religiöse Minderheiten in Pakistan fordern.
FOTO: KNA-BILD

Seit Beginn dieses Jahres scheint eine Welle der Gewalt das Land Pakistan zu erschüttern. Brutale Angriffe auf Schiiten in Baluchistan, die brutale Ermordung von Sufis in Karachi, Angriffe auf Soldaten in Wasiristan, Angriffe auf Polizeistationen und Kasernen. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für diese ausufernde Gewalt?

Ich denke, es gibt eine Vielzahl von Gründen für diese Gewalt. Es ist sehr schwierig, die Gründe zu benennen. Die Situation in unserem Land ist sehr komplex, und selbst unsere Regierung hat häufig Schwierigkeiten zu verstehen, warum diese Gewalt geschieht. Und diese Gewalt ist Realität. Wir müssen versuchen, die Ursachen herauszufinden, zu verstehen. Aber es geht auch darum, Lösungen zu finden. Ich bin der festen Überzeugung, wenn Menschen den Traum haben, friedlich miteinander zu leben, dann wird dies auch Realität werden. Aber wenn man diesen Traum nicht einmal träumt, sondern sich gegenseitig umbringt, dann wird das Morden kein Ende finden, die Gewalt wird sich immer weiter fortsetzen. Und wir werden nicht lernen, einander zu akzeptieren. Ich denke, der gegenseitige Respekt und zu lernen, den anderen zu akzeptieren, sind wichtige Grundlagen für das Zusammenleben. Wir müssen verstehen lernen, dass wir einander brauchen. Die Lebensweise mag unterschiedlich sein. Und trotzdem brauchen wir einander. Diese Vielfalt ermöglicht Kreativität. Es geht darum zu begreifen, dass wir alle Pakistani sind und lernen müssen, friedvoll miteinander zu leben, dass wir alle zusammen die Nation Pakistan bilden. Und diese Denkweise fördern wir, insbesondere mit Hilfe des Dialogs, aber auch durch unsere Partizipation und nicht zu vergessen, durch unser Gebet. Diese Sichtweise bestimmt auch unsere ökumenischen und interreligiösen Treffen. Wir alle sind Pakistani, und dies bestimmt unsere Identität. Was die Religionen angeht, wir benötigen Religionen. Aber die Religionszugehörigkeit ist eine persönliche Entscheidung und Angelegenheit. Und dieses Verständnis ist im Wachsen begriffen. Die Mehrheit der Menschen akzeptiert dies. Wir alle zusammen, und dies steht im Vordergrund, bilden die pakistanische Nation, sind Bürger ein und desselben Landes. Der Glaube des Einzelnen ist eine persönliche Angelegenheit. Es wird noch Zeit benötigen, bis sich dieses Verständnis wirklich durchsetzt.

Sie haben in Ihrer Antwort auf einen wichtigen Punkt hingewiesen, nämlich zu verstehen, dass alle Menschen in Pakistan zuallererst Bürger ein und desselben Landes sind und die Religionszugehörigkeit in erster Linie eine persönliche Angelegenheit ist. Damit aber stellt sich die Frage nach der Situation der religiösen Minderheiten im Land, seien es Schiiten, Ahmadiyya, Christen, Hindus oder Sikhs. Wie beurteilen sie die gegenwärtige Situation religiöser Minderheiten im Land?

Wichtig ist zu verstehen, dass sie Teil unseres Landes sind. Die Mitglieder aller Minderheiten stammen in der Regel alle aus Pakistan, sind in Pakistan geboren Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass begriffen wird, dass wir keine Ausländer sind, nur weil wir einer religiösen Minderheit angehören, sondern Pakistani. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen dies mehr und mehr akzeptieren. In der Vergangenheit war es in dieser Hinsicht sehr schwer, aber meines Erachtens wächst das Bewusstsein, dass wir alle, die wir religiösen Minderheiten angehören, Einheimische sind. Diese Frage hat in der letzten Zeit gerade auch in den Medien eine wichtige Rolle gespielt, sei es in Zeitschriften oder Fernsehkanälen, und mit dazu beigetragen, dass ein neues Bewusstsein wächst. Einige mögen dies immer noch nicht akzeptieren, aber die Zahl derjenigen, die dies begreifen, steigt.

Das friedliche Zusammenleben aller Menschen ist für Erzbischof Sebastian Shaw das erstrebenswerte Ziel aller Bemühungen. Die Erkenntnis, dass alle Menschen in Pakistan zuallererst Bürger ein und derselben Nation sind und nicht aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit beurteilt werden dürfen, ist für ihn eine Grundlage des friedlichen Zusammenlebens.
FOTO: NORBERT KÖSSMEIER

Große Sorgen bereiten den religiösen Minderheiten die so genannten Blasphemiegesetze. Was ist der Grund dafür?

Das Schlimme im Zusammenhang mit Vorwürfen der Blasphemie ist, dass nicht nur das einzelne Individuum einer religiösen Minderheit verantwortlich gemacht wird, sondern in der Regel die gesamte Gemeinschaft, aus der die Person stammt. Und es reicht allein schon der Vorwurf der Blasphemie. Dann kann es passieren, dass zum einen die konkrete Person umgebracht wird, dass ihre Familie umgebracht wird, dass das gesamte Dorf oder Wohnviertel, aus dem die Person stammt, angezündet wird – selbst wenn die Person letztlich unschuldig ist. Und dies erzeugt natürlich viel Leid, aber auch viel Angst unter den religiösen Minderheiten. Häufig ist es so, dass bevor ein offizielles Verfahren vor Gericht eingeleitet wird, eine Person, die der Blasphemie beschuldigt wird, um ihr Leben fürchten muss, ja die ganze Familie und alle Nachbarn ebenso. Es ist der Missbrauch dieses Gesetzes, der so viel Angst erzeugt. Wenn im Falle des Verdachts der Blasphemie die dafür vorgesehenen rechtsstaatlichen Verfahren angewandt und eingehalten würden, wäre die Situation eine völlig andere.

Inwieweit wirken sich diese Gesetze dann auf das Alltagsleben der Menschen aus, wenn allein schon der Verdacht der Blasphemie ausreichen kann, um Menschen in Lebensgefahr zu bringen?

Die Menschen waren schon immer sehr vorsichtig, mit anderen über Gott, über den Koran zu sprechen. Heutzutage jedoch sind sie sich der Gefahr sehr bewusst und zugleich alarmiert. Sie sind sehr bemüht, niemanden durch ihre Aussagen oder Handlungen zu verletzen, ja sie sind bemüht, in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben, im Konsens mit ihren Nachbarn. Sie vermeiden es, diesbezügliche Fehler zu begehen und überlegen sich ihre Handlungen sehr genau.

Aber verhindert dann diese Situation nicht eher einen interreligiösen Dialog?

Nein, keineswegs. Der so genannte interreligiöse Dialog ist keine Auseinandersetzung über doktrinäre Fragen. Vielmehr geht es beim Dialog darum, sich auf die Inhalte zu konzentrieren, die von allen Religionen als wichtig anerkannt werden. So sprechen sowohl der Islam als auch der Hinduismus und Sikhismus von Frieden. Es geht also darum, eine gemeinsame Basis zu finden für das Verständnis von Frieden aus Sicht der unterschiedlichen Religionen, um dann gemeinsam zu einer Übereinstimmung zu kommen, auf welche Weise die unterschiedlichen Religionen ihren Beitrag leisten können, um eine friedvolle Gesellschaft, ein friedvolles Zusammenleben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Wenn wir daran glauben, dass Frieden ein wichtiger Bestandteil unserer religiösen Überzeugungen ist, dann muss dies durch unsere Handlungsweisen zum Ausdruck kommen. Von daher geht es beim Dialog darum, ein gemeinsames Verständnis zu finden für den Begriff Frieden, aber ebenso eine gemeinsame Basis zu finden, was wir unter Zivilgesellschaft verstehen, unter Fortschritt etc. Und es geht darum, eine gemeinsame Sichtweise zu finden, was es bedeutet, einander zu lieben, den Nächsten zu lieben.

Kirchen, Moscheen und Tempel werden heute angesichts der Gewalt extremistischer Kräfte von Polizei und Sicherheitskräften bewacht. Das Foto zeigt Polizeikräfte vor dem Gelände der Sacred-Heart-Cathedral in Lahore.
FOTO: MISSIO / HARTMUT SCHWARZBACH

Sie haben zu Beginn des Interviews darauf verwiesen, dass zur Feier Ihrer Einführung als Erzbischof von Lahore Vertreter der unterschiedlichen christlichen Denominationen, aber ebenso auch Vertreter der unterschiedlichen Religionen teilgenommen haben. Wie würden Sie Ihre eigene Rolle im Kontext des interreligiösen Dialogs beschreiben?

Ja, es war wirklich eine große Freude für mich, dass sie alle zu meiner Einführung gekommen sind. Natürlich kenne ich sie alle, zum Teil schon seit längerer Zeit. Wir haben uns in der Vergangenheit schon häufiger getroffen. Mir ist es wichtig, sie in ihren Bemühungen zum interreligiösen Dialog auch zu unterstützen, soweit es mir möglich ist. Dass sie nun alle zu meiner Einführung gekommen sind, ist meines Erachtens Ausdruck unserer gemeinsamen Reflexionen hinsichtlich der Nächstenliebe, des Friedens in unserem Land etc. Und ich denke, dass durch solche Begebenheiten auch unsere Vision einer gemeinsamen Zukunft sichtbar wird, dass wir nämlich bereit sind, eng zusammenzuarbeiten, dass wir bereit sind, uns gemeinsam für den Frieden zu engagieren, dass wir aufeinander hören. Von der Gegenwart ist es möglich, auf die Zukunft zu schließen. Wir sind bereits einen gemeinsamen Weg gegangen, und wir können sagen, dass wir einander lieben, dass wir an dem, was der andere macht, partizipieren, dass wir auch an den Freuden des anderen teilhaben. Diese Entwicklungen sind für mich eine sehr gute Sache.

Machen wir einen Sprung zu einem anderen Thema. Herr Erzbischof, Sie gehören dem Orden der Franziskaner an, mit zweitem Vornamen heißen Sie Franziskus, ein Name, den auch unser Papst gewählt hat. Welche Impulse mag Papst Franziskus der pakistanischen Kirche geben, inwieweit mag er die pakistanische Kirche in dieser schwierigen Situation vielleicht auch unterstützen können?

Ja, mit zweitem Vornamen heiße ich Franziskus. Es ist zugleich der Name meines Vaters, der ebenso Franziskus heißt. Es hat mich sehr gefreut, dass unser Papst nach seiner Wahl den Namen Franziskus gewählt hat, ein Ausdruck der tiefen Spiritualität des heiligen Franziskus, ein Ausdruck des einfachen Lebensstils und der Weisheit. Der heilige Franziskus hat zunächst nach dem Willen Gottes gefragt und verstanden, dass Gott unser Vater ist, dass wir alle Brüder und Schwestern sind. Von daher freut es mich sehr, dass unser Papst den Namen Franziskus gewählt hat. Er spricht häufig von der Bedeutung von Spiritualität, von einer armen Kirche, von Armut; er fordert die Reichen heraus, fordert ihre Verantwortung ein. Er fühlt sich den einfachen Menschen sehr verbunden. Für mich persönlich war es eine große Freude, ihn im vergangenen November im Gästehaus Sancta Martha im Vatikan treffen zu können. Ich war dort zur Vollversammlung des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, dem ich angehöre. Ich denke, dass unser Papst ein wirklicher Jünger Jesu ist. Es hat mich beeindruckt, wie er in dem Gästehaus im Speisesaal zusammen mit all den anwesenden Bewohnern und Gästen sein Mittagessen einnimmt, wie er auf die Menschen zugeht, sie willkommen heißt, sie nach ihrem Befinden fragt etc. Er ist für uns ein großartiges Vorbild. Und deshalb ist es sehr wichtig für uns, für ihn zu beten, dass er seinen Mut, seine Entschlossenheit bewahrt, dass es ihm gelingen möge, seine Vorstellungen umzusetzen. Er wird von uns Pakistani sehr geliebt, denn ihm gelingt es, die Schwächen und Fehler heutiger Gesellschaften aufzuzeigen. Und zugleich unterstützt er die Menschen, er unterstützt die gute Arbeit und natürlich auch den Dialog.

Kinder mit einem Fähnchen, das den neu ernannten Erzbischof von Lahore im christlichen Viertel Model Town begrüßt. Aufgrund des großen Besucherandrangs musste der Gottesdienst auf ein Schulgelände verlegt werden.
FOTO: MISSIO / HARTMUT SCHWARZBACH

Eine letzte Frage: In diesem Jahr hat missio als Schwerpunktthema Pakistan ausgewählt und im Oktober wird im Fokus der diesjährigen Kampagne für den Weltmissionssonntag Pakistan stehen. Was ist Ihre Botschaft an die deutschen Katholiken, die von der Situation der Christen in Pakistan erfahren werden?

An erster Stelle sind wir sehr dankbar für die großartige Unterstützung, die wir von der deutschen Kirche erhalten, sei es für unsere Kinder, sei es für unsere Gemeinden. Natürlich auch für die deutschen Missionare, die zu uns gekommen sind, mit uns zusammen hier in Pakistan gearbeitet haben. Die großartige Unterstützung, die wir aus Deutschland erhalten, bezieht sich jedoch nicht ausschließlich auf die katholische Kirche, sondern es ist eine Unterstützung für die ganze Gesellschaft. Als Beispiel nenne ich die großartige Hilfe nach den furchtbaren Überschwemmungen vor ein paar Jahren. Natürlich haben wir zurzeit keine einfache Situation und sind mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert. Aber ich bin optimistisch, dass es uns gelingen wird, diese Probleme zu überwinden, denn sie sind von Menschen gemacht. Damit ist es grundsätzlich möglich, dass diese Probleme auch wieder verschwinden.

Die Kirche in Pakistan hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr gewandelt. Heute gibt es praktisch keine ausländischen Missionare mehr im Land. Wir als Pakistani prägen die Kirche. Vor diesem Hintergrund ist die Unterstützung und Hilfe aus Deutschland sehr wichtig, denn wir sind bemüht, langfristige Strategien und pastorale Pläne der pakistanischen Kirche umsetzen zu können. Es geht um eine moralische und finanzielle Unterstützung, aber ebenso um eine Unterstützung durch ihr Gebet. Wir wissen, dass viele Menschen für uns beten, und dies zu wissen, ist sehr wichtig für uns.

Herr Erzbischof, haben Sie ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch!

NORBERT KÖSSMEIER

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