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MYANMAR

Erzbischof verurteilt neues Religionsgesetz

Mit scharfen Worten verurteilt Erzbischof Charles Bo aus Yangon / Myanmar die Entwürfe der neuen Religionsgesetze. Zugleich fordert er die Regierung auf, endlich gegen buddhistische Hassprediger vorzugehen, die im gesamten Land Muslime mit Hasstiraden beschimpfen.
FOTO: UCANEWS

Erzbischof Charles Maung Bo aus Yangon wendet sich mit scharfen Worten gegen ein neues Religionsgesetz, das die Regierung des Landes einführen will. Die vorgesehenen Gesetze »zum Schutz von Rasse und Religion« sind nach Ansicht des katholischen Erzbischofs völlig unnötig. Zugleich warnt Erzbischof Bo die Staatsregierung davor, in das verbriefte Recht eines jeden Individuums eingreifen zu wollen, nämlich frei die Religionszugehörigkeit zu wählen.

Gegenüber UCANews erklärte Bo am 10. April, dass die nun vorgeschlagenen Gesetze riskieren würden, die Religionsfreiheit in Myanmar zurückzudrehen. Und dies zu einem Zeitpunkt, als die Bürger des Landes sich nach langer Zeit der Diktatur nun zurückgewonnener Freiheiten erfreuen dürften.

Hintergrund dieser Gesetzesinitiative ist die politische Agitation der nationalistisch buddhistischen Bewegung »969«, angeführt von buddhistischen Mönchen. Diese hatte im vergangenen Jahr ein ganzes Paket von neuen Gesetzen gefordert, die Ehen zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Religionen, religiöse Bekehrungen und Bevölkerungswachstum regulieren sollen. Die Gesetze wenden sich in erster Linie gegen Muslime. Die Petition der Bewegung ist von 1,3 Millionen Bürgern des Landes unterzeichnet worden. Auf Grundlage dieser von der nationalistischen Bewegung »969« vorgeschlagenen Gesetzesänderungen will die Regierung nun neue Gesetze einführen.

Im Zentrum der Agitation der Bewegung »969« steht die Behauptung, dass buddhistische Frauen gezwungen würden, zum Islam zu konvertieren und dass die muslimische Bevölkerung an Zahl und Einfluss wachse. Die Gewalt zwischen den beiden Religionsgemeinschaften hat seit 2012 dazu geführt, dass zehntausende Menschen im Bundesstaat Rakhine, wo die staatenlose Minderheit der muslimischen Rohingya lebt (Anm. d. Red.: trotz der massiven Gewalt, die ihnen angetan wurde, wird ihnen bis heute die Staatsbürgerschaft verweigert), vertrieben worden sind. Die überwiegende Mehrheit der Vertriebenen sind Muslime.

Das umstrittenste der nun vorgelegten Gesetzesentwürfe verlangt von buddhistischen Frauen zukünftig, sich zunächst die Erlaubnis örtlicher Behörden, ihrer Eltern und Verwandten einzuholen, bevor sie einen Nicht-Buddhisten heiratet. Ihr zukünftiger Ehemann hat zudem zum Buddhismus zu konvertieren.

Für Erzbischof Charles Bo ist ein solches Gesetz in keinster Weise akzeptabel.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Staatspräsident Thein Sein und den Parlamentspräsidenten Shwe Mann aufgefordert, die Gesetzesentwürfe zu verwerfen. Diese Gesetze würden die autonome Entscheidungsfreiheit von Frauen sowie die Freiheit, eine Familie ihrer Wahl zu gründen, ernsthaft aufs Spiel setzen.

»Es ist schockierend zu sehen, dass Myanmar ernsthaft überlegt, eklatante Diskriminierungen im Zentrum des Familienrechts des Landes zu verankern«, so Brad Adams, Asien-Direktor von HRW in einem Statement. »Dieses Gesetz würde Frauen das Recht nehmen, frei zu entscheiden, wen sie heiraten wollen, und würde zudem einen großen Rückschritt für die Religionsfreiheit und für Frauenrechte in Myanmar bedeuten.«

Bisher hat sich die Regierung zu den Gesetzen in der Öffentlichkeit nicht geäußert. Politische Beobachter gehen jedoch davon aus, dass angesichts der bevorstehenden Wahlen im kommenden Jahr und aufgrund der großen Unterstützung der vorgeschlagenen Gesetze durch 1,3 Millionen Menschen sich die Regierung sehr schwer tun wird, diese Gesetze nicht zu verabschieden.

Myanmars Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi hat die Gesetzesvorlage als massive Verletzung von Frauenrechten und Menschenrechten verurteilt.

Des Weiteren sehen die Gesetzesentwürfe vor, die Konversion vom Buddhismus zu einer anderen Religion gesetzlich zu regulieren.

»Jedes Individuum hat das fundamentale Recht, sich für eine Religion frei zu entscheiden«, so Erzbischof Bo. »Die Regierung hat kein Recht dazu, jemanden zu zwingen, die eine oder andere Religion anzunehmen. Selbst der Papst betont, dass wir selbst Atheisten zu respektieren haben, die keine Religion bekennen. Wir haben das Gewissen eines jeden Einzelnen zu respektieren. Wir dürfen niemanden zwingen, der einen oder anderen Religion beizutreten. Weder der Staat darf dies, noch die Eltern, noch die Mönche!«

Zudem verlangen die Gesetze, dass Familien der Rohingya zukünftig nur noch zwei Kinder haben dürften, um auf diese Weise den muslimischen Bevölkerungsanteil im Land zu senken. Nach Ansicht von Erzbischof Bo hat niemand das Recht, Familien solche Vorschriften zu erteilen. Zugleich warnt Erzbischof Bo vor den immer öfter zu hörenden Hasspredigten im Land, die sich gegen Muslime richten. Gegenüber UCANews erklärt Erzbischof Bo, dass er erst kürzlich eine gewisse Zeit am Stadtrand der Hauptstadt verbracht habe und mit anhören musste, wie ein buddhistischer Mönch Tag für Tag über Lautsprecher voller Hass gegen Muslime predigte.

»Diese Hasspredigten sind inzwischen im ganzen Land zu vernehmen«, so Charles Bo. Zugleich verweist er auf U Wirathu, den Begründer der Bewegung »969«, der schon vor Jahren durch seine Hasspredigten gegen Muslime für Unruhe im Land gesorgt hat.

Erzbischof Bo hat seine Unterstützung zugesagt für eine neue Kampagne im Land, die den Namen »Panzagar« – »Blumensprache« trägt. Sie wurde gegründet von dem Blogger Nay Phone Latt, der diese Hasspredigten mit Hilfe sozialer Medien angreift.

»Selbst einfache Buddhisten übernehmen mehr und mehr die Vorurteile gegen Muslime. Wenn dann auch nur etwas geschieht, greifen sie zur Gewalt gegen Muslime. Deshalb ist es dringend geboten, dass die Regierung etwas gegen diese Hassprediger unternimmt.«

Bisher schweigt die Regierung zu diesen Entwicklungen.

Forum Weltkirche hat im vergangenen Jahr mit Erzbischof Charles Bo ein Interview über den buddhistischen Nationalismus, die Bewegung »969« und die Gewalt gegen religiöse Minderheiten geführt. Dieses Interview ist nachzulesen auf unserer Homepage: www.forumweltkirche.de

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