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PAKISTAN

68 Rechtsanwälte der Blasphemie bezichtigt

Sowohl Rechtsanwälte als auch der bekannte TV-Sender Geo-TV sind in jüngster Zeit der Blasphemie bezichtigt worden. Das Foto zeigt aufgebrachte Journalisten, die Ende April in Karachi aufgrund der Angriffe auf den Sender und auf einen bekannten Journalisten des Senders
gegen die Gewalt im Land protestieren. FOTO: UCANEWS

Die Polizei im Jhang Distrikt in der pakistanischen Provinz Punjab hat Anfang Mai gegen 68 Anwälte eine Anzeige wegen Blasphemie erlassen, nachdem diese vor einem Polizeigebäude gegen einen Polizisten demonstriert hatten. Wie es in der Anzeige heißt, hätten die protestierenden Anwälte den Kalifen Umar bin Khattab – gemäß islamischer Geschichte ein Weggefährte des Propheten Mohammad – beleidigt.

Die Anwälte hatten vor dem Polizeigebäude die Entlassung des Polizeioffiziers Umar Daraz gefordert, nachdem dieser verbotenerweise einen Kollegen der Anwälte in Haft genommen und verprügelt hatte.

Der umstrittene Polizeioffizier trägt den gleichen Namen wie der hochangesehene Kalif und Weggefährte des Pro pheten Mohammad. In der Anzeige heißt es nun, dass die protestierenden Anwälte eine abfällige Sprache gegen den Kalifen selbst benutzt hätten.

Als Antwort auf die Beschuldigungen hat die Anwaltskammer des Distrikts einen mehrtägigen Streik angekündigt. »Unser Protest wird solange fortgeführt werden, bis der Blasphemievorwurf zurückgezogen wird«, so Akhtar Kahn Baloch, Generalsekretär der Anwaltskammer gegenüber UCANews. »Die Anschuldigungen entbehren jeglicher Grundlage und sind fingiert.«

Ein anderer Anwalt, der namentlich nicht genannt werden wollte, erklärte gegenüber UCANews, dass die demonstrierenden Anwälte wie auch der zuvor verhaftete Kollege allesamt Schiiten seien, während der umstrittene Polizeioffizier Mitglied von Sipah Sahaba Pakistan ist, eine Bewegung, die vom Staat verlangt, Schiiten als Apostaten und Häretiker einzustufen. Demzufolge sei der Blasphemievorwurf lediglich eine Racheaktion des Polizeioffiziers und ziele darauf ab, die Minderheit der Schiiten zu treffen.

Hohe Wellen schlägt zur Zeit auch eine Kampagne islamistischer Organisationen gegen einen angesehenen TVSender im Land. Dem Sender Geo-TV wird ebenfalls Blasphemie vorgeworfen. Fanatiker fordern die Schließung des landesweit ausstrahlenden Senders.

Die Menschenrechtskommission Pakistans (HRCP) hat sich besorgt geäußert angesichts der »bösartigen Kampagne« gegen den TV-Sender. »HRCP kann nicht länger schweigen angesichts dieser bösartigen Kampagne gegen Geo-TV und angesichts der Art und Weise, wie Druck ausgeübt wird, um die Schließung des Sender zu erreichen«, so Zohra Yusuf, Sprecher von HRCP während einer Pressekonferenz am 19. Mai.

Geo-TV wird der Blasphemie bezichtigt, da der Sender während seiner Morgenshow eine vermeintliche Hochzeit der Schauspielerin Veena Malik ausstrahlte. Während dieser Aktion lief im Hintergrund ein Sufi-Song. Obwohl der TV-Sender und der Verantwortliche der Morgenshow, Dr. Shaista Lodhi, sich für den Fehler öffentlich entschuldigt hatten, haben islamistische Parteien einen Proteststurm gegen den Sender organisiert.

Sunni Ittehad Council, eine Dachorganisation religiöser Parteien, hat ein Dekret erlassen, demzufolge es Sünde sei, Geo-TV zu sehen. Eine Petition ist dem Obersten Gericht überreicht worden, die das Gericht auffordert, gerichtliche Schritte gegen den Besitzer des Senders, Mir Shakil ur Rehman, gegen den Programmverantwortlichen Dr. Shaista Lodhi und gegen Veena Malik und ihren Ehemann einzuleiten. Zudem habe die Polizei in Islamabad eine Anzeige gegen den Besitzer des Senders gemäß den Blasphemiegesetzen und den Anti-Terrorismus-Gesetzen aufgenommen.

»Unabhängig davon, was HRCP oder andere von Geo-TV und den ausgestrahlten Programmen denken, Menschen gegen den Sender aufzuhetzen, ist eine extrem gefährliche Entwicklung «, so HRCP.

»Das Umfeld der Angst, das nun erzeugt worden ist, macht das Leben von Journalisten, insbesondere denjenigen, die für Geo-TV arbeiten, extrem verwundbar. Sie werden bedroht und angegriffen. Es besteht die Gefahr, dass diese Situation außer Kontrolle gerate«, so HRCP.

Seit der bekannte TV-Star des Senders, Hamid Mir, einen Monat zuvor angeschossen worden ist und seine Familie den pakistanischen Geheimdienst ISI der Tat bezichtigt, sieht sich der Sender zahlreichen Angriffen auch von Politikern ausgesetzt.

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