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INDIEN

Fanatische Politiker greifen Muslime an

In Indien befürchten insbesondere Mitglieder religiöser Minderheiten, dass mit dem neuen Premier Narendra Modi (Foto) die Gewalt gegen religiöse Minderheiten durch hinduistische Nationalisten zunehmen werde. Zu den jüngsten Angriffen hochrangiger Politiker auf Muslime in Indien schweigt der neue Premier.
FOTO: KNA-BILD

Indiens neuer Premierminister Narendra Modi wird für sein Schweigen angesichts anti-muslimischer Übergriffe durch hochrangige Politiker massiv kritisiert. Damit verstärkt er Befürchtungen, dass seine nationalistischen Hindu-Anhänger die Beziehungen zwischen den Religionen in dem multireligiösen Land nun gefährden könnten.

Modis Bharatiya Janata Party (BJP) ist im Mai diesen Jahres erneut an die Macht gekommen. Der Wahlkampf dieser Partei war geprägt durch Versprechen, die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Jedoch hat die Partei zugleich die Hindu- Identität des Landes immer wieder betont.

Ende Juli sind sodann Videoaufnahmen aufgetaucht, die einen Parlamentarier einer radikalen Hindu-Partei zeigen, der mit Gewalt versucht, einem Muslim während des Ramadan ein Fladenbrot in den Mund zu stopfen. Ein Politiker der BJP hat die nationale Identität eines muslimischen Tennisstars Indiens in Frage gestellt, während ein Verbündeter des Premiers in einem Statement betonte, dass Indien nun unter Modi endlich eine Hindu-Nation werden könnte.

Verschiedene Kommentatoren befürchten, dass das Schweigen Modis letztlich dazu führe, noch aggressivere Verhaltensweisen nationalistischer Hindus zu ermutigen.

»Der Premierminister muss dringend solche Vorfälle aufs Schärfste verurteilen, um den religiösen Minderheiten glaubwürdig zu versichern, dass ihre Vorbehalte gegenüber Modi unbegründet sind. Sein Schweigen wird solch nationalistische Elemente nur noch ermutigen«, so der Kommentar der überregionalen Tageszeitung »Times of India«.

Indien hat eine dunkle Vergangenheit religiöser Gewalt, insbesondere zwischen der Mehrheit der Hindus und den Muslimen, etwa 180 Millionen in Indien. Modi selbst ist immer wieder mit der furchtbaren Gewalt gegen Muslime im Bundesstaat Gujarat im Jahr 2002 in Verbindung gebracht worden, zu einer Zeit also, als er dort Ministerpräsident war. Eine enge Verbündete des damaligen Ministerpräsidenten Narendra Modi, Dr. Maya Kodnani, ist 2012 wegen Mordes, Anstiftung zum Mord und Verschwörung zu 28 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Modi selbst konnte vom Gericht nie eine Mitschuld nachgewiesen werden. Trotzdem haben die USA ihn 2005 aufgrund seiner mutmaßlichen Verwicklungen in die Gewalt gegen Muslime zu einer persona non grata erklärt und seitdem jegliche Einreise verweigert. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 2.000 Muslime in Ahmedabad im Jahr 2002 während der dreitägigen Gewaltwelle von nationalistischen Hindus umgebracht worden sind. (Vgl. Cedric Prakash: Bedrohte Religionsfreiheit. Die Gewalt der Hindutva-Bewegung in Indien. In: Forum Weltkirche 1/2011, S. 21ff.)

Der Parlamentsabgeordnete Rajan Vichare von der radikalen Hindupartei Shiv Sena, Koalitionspartner der BJP, hatte in dem Ende Juli aufgetauchten Video versucht, einem Muslim während des Ramadan ein Fladenbrot gewaltsam in den Mund zu stopfen. Nachdem das Video in der Öffentlichkeit bekannt geworden war, versuchte er sich zu entschuldigen, indem er betonte, dass er mit dieser Aktion auf die schlechte Qualität des Fladenbrotes hinweisen wollte. Dieser Vorfall hat im Parlament zu chaotischen Szenen geführt, so berichtet UCANews am 28. Juli. Ein Abgeordneter der BJP forderte in dem Verlauf dazu auf, verschiedene Oppositionspolitiker nach Pakistan zu verbannen.

Am 24. Juli hat der BJP Politiker K. Laxman die indische Tennisspielerin Sania Mirza, die mit einem pakistanischen Cricketspieler verheiratet ist, als »Schwiegertochter« des feindlichen Nachbarn Pakistan bezeichnet. Während eines Fernsehinterviews wehrte sich die Tennisspielerin dagegen, sich immer wieder aufs Neue rechtfertigen und beweisen zu müssen, dass sie eine Inderin sei. Verschiedene Medien kritisieren den neuen Premier inzwischen aufs Schärfste für sein Schweigen.

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