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Hohe Erwartungen an den Papst

Papst besucht im »Jahr der Armen« die Philippinen

von SEBASTIAN D'AMBRA

Verwandte gedenken mit Fotos an Allerseelen, am 2. November 2014 in Manila, ihrer vermissten Familienangehörigen. Neben die Fotos der Vermissten haben sie ein großes Bild von Papst Franziskus gestellt. Darunter der Schriftzug: »Bitte hilf uns in unserem Bemühen um Gerechtigkeit für
unsere vermissten Lieben.« FOTO: KNA-BILD

Wenn der Papst Mitte Januar 2015 die Philippinen besucht, wird ihm eine große Begeisterung entgegengebracht werden. Der Enthusiasmus und die Vorfreude auf den Besuch sind enorm. Und doch verdeckt diese Begeisterung nicht die Probleme und Konflikte des Landes. Im Gegenteil: Hohe Erwartungen sind an die Papstreise geknüpft. Franziskus wird das asiatische Land im »Jahr der Armen« – ein Themenschwerpunkt der philippinischen Kirche in Vorbereitung auf die 500-Jahr-Feier ihres Bestehens – besuchen.

»Ich mag diesen Papst«. So äußerte sich ein hochrangiger Muslim, Mitglied des interreligiösen Rates religiöser Führer, während einer Konferenz in Zamboanga City, die von der Silsilah-Dialog-Bewegung wenige Monate nach der Wahl von Papst Franziskus durchgeführt worden ist. Diese Aussage und die Wertschätzung für unseren Papst sind weit verbreitet auf den Philippinen. Der angekündigte Besuch des Papstes steigert die Liebe der Menschen für Papst Franziskus. Es ist eine Atmosphäre der Vorfreude, Papst Franziskus in unserem Land willkommen zu heißen. Zugleich verbinden sich viele Hoffnungen mit diesem Besuch. Selbst die Armee der Philippinen, die sehr häufig mit Gewalt in unserem Land konfrontiert ist, insbesondere auf Mindanao, scheint für diesen Besuch besonders vorbereitet zu sein. Der Oberbefehlshaber General Gregorio Pio Catapang hebt deshalb auch in einem Interview hervor: »Wir sind so ermutigt und voller Vorfreude, so dass wir den Papst während seines Besuchs nicht enttäuschen werden.« Und er fügt hinzu: »Wir haben einen sehr ausgeklügelten Sicherheitsplan erarbeitet. Der Papst ist sicher in unserem Land.«

Eine jüngst durchgeführte Umfrage in Manila mit etwa 1.200 Katholiken hat ergeben, dass 99 Prozent den Besuch des Papstes als sehr positiv bewerten. In dieser Umfrage haben die Teilnehmer mit unterschiedlichen Worten ihre Freude auf den Besuch beschrieben: »glücklich« (42 Prozent), »gesegnet« (20 Prozent), »überwältigt« (20 Prozent), »aufgeregt« (17 Prozent). Die einfache und spontane Aussage meines muslimischen Freundes und die Umfrage unter den Katholiken in Manila geben uns einen klaren Hinweis, dass viele Menschen in unserem Land, auch viele Muslime, mit Freude den Besuch des Papstes erwarten.

Ich selbst lebe in Zamboanga, einer multikulturellen und multireligiösen Stadt mit einem muslimischen Bevölkerungsanteil von etwa 30 Prozent. Ich fühle, dass die Präsenz des Papstes auf den Philippinen ein Segen sein wird, auch hinsichtlich eines besseren Verständnisses für die christliche Gemeinschaft seitens der muslimischen Bevölkerung. Und dies wird zu mehr gegenseitigem Respekt führen in einer Zeit, in der radikale Islamisten versuchen, eine negative Haltung gegenüber Christen hervorzurufen. Einige christliche und muslimische Freunde haben mich gefragt: »Warum laden wir den Papst nicht ein, hier nach Zamboanga zu kommen, um die Menschen zu trösten, die direkt von den schmerzvollen Erfahrungen des Krieges während der Belagerung durch die MNLF – Moro National Liberation Front – Rebellen im September 2013 betroffen sind?«

Ein Segen für die Kirche

Ich weiß, dass Haji Murad, Führer der MILF – Moro Islamic Liberation Front – Rebellen, die zurzeit nach einem langen und schmerzvollen Prozess eine Friedensvereinbarung mit der Regierung abschließen, ein Prozess, der vor 17 Jahren begonnen hatte, sehr glücklich ist über den Besuch des Papstes und ihm einen Brief geschrieben hat, um ihn willkommen zu heißen. Der enorme Enthusiasmus in vielen Regionen der Philippinen ist einer der Gründe dafür, dass es sehr schwerfiel, das Programm des Papstes während seines Aufenthaltes bis ins Detail zu planen und diese Planungen abzuschließen, da viele den Papst in der eigenen Stadt oder Region empfangen wollten. Es steht fest, dass der Papst vom 15.–19. Januar 2015 die Philippinen besucht. Kardinal Tagle, der federführend mit den Planungen des Besuchs beschäftigt ist, hob in einer Pressekonferenz erst jüngst hervor, dass der Papst selbst den Wunsch geäußert habe, möglichst viele Orte und Regionen zu erreichen. »Jedoch müssen wir realistisch sein. Der Papst ist 77 Jahre alt. Sein Besuch an sich ist bereits ein Segen für die Kirche und die Menschen der Philippinen.« Um den Besuch vorzubereiten, sind alle Katholiken eingeladen, zu beten. Das Gebet lädt Katholiken dazu ein, »treu zum Papst, dem Stellvertreter Christi, zu stehen«, »erpicht darauf zu sein, den Papst zu treffen und ihm zuzuhören«, »mitfühlend mit den Armen und den Menschen in Not zu sein« und schließlich »barmherzig mit den Schwachen und Verlorenen zu sein«.

Ein besonderer Programmpunkt der Papstreise wird sein Besuch der vom Taifun Haiyan zerstörten Region sein, wo er am 17. Januar mit Opfern und Überlebenden zusammentreffen und auch mit ihnen zusammen essen wird. Dieser besondere Programmpunkt wird dem Papst die Gelegenheit geben, das Thema der philippinischen Kirche für das Jahr 2015 besonders hervorzuheben: »Das Jahr der Armen«. In Vorbereitung auf die Feierlichkeiten für die 500-Jahrfeier der Christianisierung der Philippinen im Jahr 2021 steht jedes Jahr unter einem spezifischen Thema. Begonnen haben

die Vorbereitungen im Jahr 2014 mit dem Thema »Laien in der Kirche«. Die Themen reflektieren die Prioritäten der philippinischen Kirche. 2015 werden die Armen im Mittelpunkt stehen, ein Thema, das dem Papst besonders am Herzen liegt.

Das koloniale Erbe

Die Geschichte der Philippinen kann die Kolonisation durch die Spanier vor 500 Jahren nicht ignorieren. Diese hatte zwei wichtige Konsequenzen: die Verbreitung des Christentums auf der einen Seite und das Ende der Expansion des Islam in diesem Teil derWelt auf der anderen Seite. Tatsächlich erreichte der Islam bereits zwei Jahrhunderte zuvor dieses Archipel, das durch die spanischen Kolonialherren in Ehrerbietung für König Philip II. von Spanien den Namen Philippinen erhalten hat. Zur Zeit der Kolonialisierung war der Islam bereits in der Region von Manila präsent, und es existierte das Sultanat von Jolo, die erste Region der Philippinen, die islamisiert worden war. Dieses Sultanat unterhielt zahlreiche diplomatische Verbindungen mit vielen Ländern in Asien, einschließlich China.

Heute sind die Philippinen neben Ost-Timor das einzige Land Asiens mit einer mehrheitlich christlichen Bevölkerung (85 Prozent). Die zweitgrößte Religion ist der Islam (7 Prozent), der vor allem in Mindanao, dem südlichen Teil des Landes, präsent ist. Unterdessen gibt es auch zahlreiche Stammesgruppen oder indigene Gemeinschaften, die über das gesamte Land verstreut sind. Viele von ihnen wurden gezwungen, ihr ursprüngliches Land zu verlassen, woraufhin sie sich in die Wälder der Philippinen zurückgezogen haben, um dort ihren Platz und ihre Freiheit zu suchen. Ihre Präsenz ist sehr wichtig für die Struktur der verschiedenen Kulturen und Religionen unseres Landes. Mehr als 100 Gruppen und Gemeinschaften gibt es in den Philippinen. Sie machen etwa 5 Prozent der einhundert Millionen zählenden Gesamtbevölkerung aus.

Ein konfliktreiches Land

Das von den Spaniern kolonialisierte Land leidet bis heute unter den verschiedenen Konflikten im Land. In Mindanao-Sulu herrscht weiterhin Gewalt. Verschiedene Rebellengruppen, die als »Moro-Gruppen« bekannt sind, verfolgen auch unter Einsatz von Gewalt ihre Ziele. In anderen Teilen des Landes sorgen kommunistische Gruppen (vor allem die NPA – New People’s Army) für Konflikte. Darüber hinaus sind zahlreiche Konflikte mit der Korruption im Land verbunden, der Hauptursache für die weit verbreitete Armut. Aber auch Naturkatastrophen, insbesondere Taifune, suchen das Land heim. In Zeiten des Klimawandels sind inzwischen alle Teile des Landes, das aus über 7.000 Inseln besteht, betroffen.

Zu den größten Herausforderungen für den Staat zählt sicherlich die Frage des Friedens in Mindanao, insbesondere mit dem muslimischen Sektor, der in den 70er Jahren eine Revolution gegen die Regierung gestartet hatte. Ihr Kampf für Unabhängigkeit oder völlige Autonomie wird bis heute fortgeführt. Die erste Rebellengruppe, die sich gegründet hatte, war die MNLF. Aus dieser Gruppierung ging später die MILF hervor. Aktuell ist diese Gruppe kurz davor, mit der Regierung ein Friedensabkommen zu schließen. Dieses Abkommen, das als Bangsamoro Basic Law (BBL) bezeichnet wird, befindet sich bereits im Kongress, wo es diskutiert wird. Jedoch hat das Friedensabkommen noch weitere Hürden zu überwinden, insbesondere auch die vorgesehene Volksabstimmung. Es gibt die Hoffnung, dass dieses Friedensabkommen diesmal erfolgreich sein wird, auch wenn die Regierung bereits 1996 mit der MNLF ein Friedensabkommen getroffen hatte, das jedoch nur kurze Zeit hielt. Der Friedensprozess hat sich mit vielen Gruppierungen auseinanderzusetzen und wird von ihnen herausgefordert, insbesondere auch die Bangsamoro Islamic Freedom Fighters (BIFF) und Abu Sayyaf, eine Gruppierung, die in den 90er Jahren aufgetaucht ist, geprägt durch eine radikale »islamische Identität«. Die Gruppierung wird auch international als eine islamistische Terrororganisation angesehen. Und weitere Gruppierungen entstehen, unter ihnen auch Gruppierungen der Stammesbevölkerung beziehungsweise der indigenen Bevölkerung, die ihrerseits beklagt, dass sie zu wenig in den Prozess einbezogen worden ist.

In dieser komplexen Situation, die seit der Belagerung von Zamboanga durch die MNLF im Jahr 2013 noch komplizierter geworden ist, kommt Papst Franziskus zu einem Besuch in ein Land mit zahlreichen Wunden: Gewalt, Korruption, Naturkatastrophen, Armut und all der mit Migration verbundenen Probleme wie Menschenhandel etc.

Philippinen auf einen Blick

Fläche: 300.000 km2
Einwohner: 107.660.000
Diözesanpriester: 6.065
Ordenspriester: 3.024
Ordensbrüder: 1.347
Ordensschwestern: 12.858
Laienmissionare: 5.185
Katechisten: 94.752

Quelle: Statistisches Jahrbuch der Katholischen Kirche 2011

Heilende Präsenz

Papst Franziskus wird der dritte Papst sein, der unser Land besucht. Im Jahr 1970 hatte der damalige Papst Paul VI. die Philippinen als erster Papst besucht, um vor der Föderation Asiatischer Bischofskonferenzen (FABC) zu sprechen. Als zweiter Papst besuchte Johannes Paul II. die Philippinen im Jahr 1981. Er besuchte Davao, Bacolod, Cebu, Legazpi, Baguio und Morong. Erneut besuchte er die Philippinen im Jahr 1995 aus Anlass des Weltjugendtreffens. Dieses Treffen mit der Jugend wird als eines der größten Zusammenkünfte junger Menschen in der Geschichte der Menschheit angesehen.

Wenn ich über den Besuch des Papstes reflektiere in einer Zeit, in der es alarmierende Anzeichen von wachsender Gewalt und Radikalisierungen gibt – dazu zähle ich auch die Terrororganisation IS, die einen islamischen Staat verwirklichen will, indem sie unglaubliche Gewalt anwendet und brutal gegen Andersgläubige vorgeht – dann fordert uns dies heraus. Auch auf den Philippinen erfreut sich die IS zahlreicher Anhänger. Aber auch der Verfall von zahlreichenWerten in unserer Gesellschaft machen dem Land zu schaffen. Der Wert der Familie war früher einer der sichtbarsten Aspekte unserer Kultur. Die Einheit unter den Familienmitgliedern, die Sorge für die Alten, die Hilfe unter Nachbarn und die Liebe füreinander und für die Weitergabe des Glaubens waren selbstverständlich. Doch heute müssen wir einen enormen Anstieg der Armut feststellen, obwohl das Einkommen des Landes steigt. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird beständig größer.

Papst Franziskus wird all diese Probleme nicht lösen können. Der katholische Radiosender »Radio Veritas« kommentierte die oben beschriebene Umfrage hinsichtlich des Besuchs des Papstes mit den Worten: »Der Besuch des Heiligen Vaters wird als eine Gelegenheit wahrgenommen, eine spirituelle Erneuerung hervorzubringen. Das Ergebnis der Umfrage ist letztlich eine öffentliche Bestätigung der Stoßrichtung des Papstbesuches, verstanden als eine heilende Präsenz, beschrieben in dem Leitwort, unter dem der Besuch steht – ›Barmherzigkeit und Mitleid‹.«

Muslime während des Gebetes auf einem Bürgersteig in Manila. Etwa 200 Jahre vor Ankunft der Spanier begann die Islamisierung des Archipels. Bis heute gibt es insbesondere auf Mindanao, wo die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch ist, gewaltsame Konflikte, da die muslimische Bevölkerung Autonomierechte von der Regierung fordert. FOTO: KNA-BILD

»Barmherzigkeit und Mitleid«

Mit Sicherheit ist dieses Leitwort »Barmherzigkeit und Mitleid« auch die Hoffnung für die Menschen in Mindanao. Viele von ihnen sind noch verstört durch die Gewaltausbrüche im Jahr 2013. Andere wiederum sind noch nicht von dem möglichen Friedensabkommen für Mindanao überzeugt, vor allem viele Muslime. Es besteht die Notwendigkeit eines Heilungsprozesses im Geist des Leitwortes des Papstbesuches: »Barmherzigkeit und Mitleid«. Wir können kein Vertrauen einzig und allein auf der Basis eines Friedensabkommens erbauen. Es erfordert einen längeren Prozess und das Verständnis, dass wir alle Brüder und Schwestern sind. Wir dürfen nicht länger zulassen, dass wir einzig und allein auf der Basis kultureller und religiöser Unterschiede gespalten zu sein scheinen.

Nach der schrecklichen Belagerung von Zamboanga im September 2013, die einem Krieg glich und große Teile der Stadt zerstörte, hat der Prozess »Ein besseres Zamboanga erbauen« begonnen. In dieser Zeit haben wir mit vielen Freunden, die an die Macht des Dialogs und der Versöhnung glauben, betont, dass wir einen Heilungsprozess benötigen. Die Silsilah-Dialog-Bewegung hat die Botschaft und den Slogan geprägt »ein verwundeter Heiler werden«. Der Papst hat die besondere Fähigkeit, sich auf die Seite der Verwundeten und der verwundeten Heiler der Gesellschaft zu stellen, und wir hoffen, dass seine Präsenz auf den Philippinen einen neuen Geist hervorbringen wird.

In seiner Exhortation »Evangelii Gaudium« fokussiert der Papst seine Aufmerksamkeit auf die »Freude des Evangeliums«, und er erinnert uns an die Botschaft des Apostels Paulus: »Lass dich nicht durch das Böse besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!« (Röm 12,21). Diese Exhortation benennt einige wichtige Punkte, die uns helfen, in einem Geist der Barmherzigkeit und des Mitleids zu leben und in Treue zum Evangelium zu bleiben. In Mindanao haben wir diese Punkte als Grundlage für einen nachhaltigen Frieden zwischen Muslimen und Christen hervorgehoben und reflektiert. Dazu zählen vor allem folgende Punkte:

– Evangelisierung

Papst Franziskus erinnert die Christen daran, dass wir alle Missionare sind und dass wir »eine missionarische Begeisterung« benötigen, grundgelegt in einer »missionarischen Spiritualität«. Es ist nötig, das Kerygma des Gebotes Jesu zu verstehen: »Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe« (Mt 28,20). Und die Exhortation ergänzt: »mit einem deutlichen sozialen Inhalt im Zentrum des Evangeliums«. Dazu gehört ein »Leben in Gemeinschaft und das Engagement für andere «. Folglich hat »der Inhalt der ersten Verkündigung eine unmittelbare moralische Implikation, die sich auf die Nächstenliebe zentriert.«

– Option für die Armen

Papst Franziskus ruft uns in »Evangelii Gaudium« dazu auf, »die Schreie der Armen zu hören… und dem Evangelium treu zu sein.« In diesem Zusammenhang beschreibt er die »Verwundbarkeit der Armen« und die »Verwundbarkeit der Erde«. Im »Jahr der Armen« wird, davon bin ich überzeugt, der Papst während seines Besuches genau auf diese Dinge bestehen. Mindanao und die meisten muslimischen Provinzen sind auch weiterhin sehr arm, obwohl es große natürliche Reichtümer gibt. Warum? Natürlich spielt in diesem Zusammenhang der lang anhaltende Konflikt in einigen Gebieten eine große Rolle. Gewalt, Korruption und Gier nach Macht gehören zu den Ursachen, denen nur in einem Geist der Barmherzigkeit und des Mitleids in geeigneter Art und Weise entgegengetreten werden kann. Ich hoffe, dass gerade auch die politischen Führer in Mindanao während des Papstbesuchs eine Gewissenserforschung betreiben.

– Muslimisch-christlicher Dialog

Papst Franziskus sagt: »Eine Haltung der Offenheit in Wahrheit und Liebe muss den Dialog mit Anhängern nicht-christlicher Religionen prägen, trotz verschiedener Hindernisse und Schwierigkeiten auf beiden Seiten. Interreligiöser Dialog ist eine notwendige Bedingung für Frieden in der Welt.«

Am 17. Januar 2015 wird sich Papst Franziskus mit Überlebenden und Opfern des Taifuns Haiyan treffen und mit ihnen gemeinsam essen. Das Foto zeigt Opfer des Taifuns Haiyan, die sich über erhaltene Hilfsgüter freuen. FOTO: KNA-BILD

Die drei benannten Punkte – Evangelisierung, Option für die Armen und interreligiöser Dialog – sind Papst Franziskus ein Herzensanliegen, und wir hoffen, dass sie auch zu den Prioritäten seines Besuches gehören, insbesondere wenn wir von einem zukünftigen Frieden in dem multikulturellen und multireligiösen Kontext von Mindanao träumen. BBL – das Friedensabkommen – wird die Probleme nicht lösen können, wenn diese drei Punkte nicht in angemessener Art und Weise Berücksichtigung finden. Unglücklicherweise denken viele Menschen, dass der neue Friedensprozess in Mindanao nicht in diese Richtung fortschreitet, obwohl es zahlreiche Versprechen von beiden Seiten gibt, die aber viele Menschen nicht überzeugen. Insbesondere die indigenen Gruppen sollten die ersten sein, die es verdienen, von einem Friedensabkommen zu profitieren, um das Land ihrer Ahnen zu schützen und diejenigen zu sein, die die Wälder und die Umwelt schützen. Die Christen ihrerseits behaupten, in den meisten Fällen eingeladen worden zu sein, nach Mindanao zu kommen, um dort Land zu erhalten und zu bewirtschaften. Auf der anderen Seite gibt es auch auf Seiten der Muslime zahlreiche Vorbehalte, denn die muslimischen Führer, die eingeladen worden sind, »die Autonome Region für Muslime Mindanaos« zu entwickeln, haben bisher nicht bewiesen, verantwortungsvoll genug zu sein und für das Allgemeinwohl zu arbeiten. Doch trotz all dieser Grenzen sollten diese Bemühungen hinsichtlich des Friedensabkommens unterstützt werden. Es ist nötig, einen Prozess zu ermutigen und zu stärken, der bessere Beziehungen zwischen den Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen in Mindanao zum Ziele hat. Wir hoffen, dass der Besuch des Papstes, das Leiden der Armen und die gemeinsame Notwendigkeit, unser Land angesichts der Naturkatastrophen zu schützen, dazu beitragen werden, ein besseres Verständnis füreinander und für die Nöte des Anderen auf den Philippinen, auf Mindanao zu entwickeln.

Demonstranten erinnern am 23. November 2014 in Manila bei einer Solidaritätskundgebung an 32 im Jahr 2009 ermordete Journalisten. Mit Kerzen haben sie das Wort »Justice« – Gerechtigkeit – auf den Boden geschrieben. FOTO: KNA-BILD

Ein Modell für Asien?

Die große Herausforderung für die Katholiken des Landes besteht darin, ein Modell für Asien zu werden, wo Menschen lernen, in Harmonie miteinander zu leben. Dies ist auch der Traum der Silsilah-Dialog-Bewegung, die sich in den vergangenen 30 Jahren engagiert für den Dialog und für Frieden in Mindanao eingesetzt hat.

Heute besteht der Auftrag von Silsilah und anderen Gruppen, die sich dem Dialog und dem Frieden verschrieben haben, vor allem darin, die Menschen davon zu überzeugen, dass Dialog und Frieden nicht die Frucht von Kalkulation und Strategie allein ist. Es ist zuallererst das Ergebnis einer inneren Haltung, der Haltung des Respekts vor anderen, die nur entstehen kann, wenn wir die spirituelle Dimension des Lebens verinnerlichen, dass wir alle Teil der einen Menschheitsfamilie sind, geschaffen und geliebt von dem einen Gott.

SEBASTIANO D'AMBRA
Ordensmann, Gründer und Leiter der Silsilah-Dialog- Bewegung, Zamboanga City / Philippinen

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