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Erfolge ja, Entwarnung nein!

Malawi und Sambia im Kampf gegen HIV/AIDS

von PIET REIJER

Plakatwerbungen in Sambia wollen die Menschen ermutigen, sich auf HIV/AIDS testen zu lassen.
FOTO: KNA-BILD

HIV und AIDS sind nicht länger die bestimmenden Begriffe in den Schlagzeilen über Afrika. Die Verfügbarkeit der antiretroviralen Therapie (ART) hat den (falschen) Eindruck hinterlassen, dass HIV und AIDS unter Kontrolle seien. Demgegenüber ist jedoch festzustellen, dass die HIV-Pandemie auch weiterhin sehr präsent ist und jedes Jahr aufs Neue die Zahl der Menschen, die sich mit dem Virus infizieren, steigt. Aber es gibt trotz der ansteigenden Zahl auch viele positive Entwicklungen, und diese sind es wert, auch genannt zu werden. Der folgende Artikel gibt einen kurzen Überblick über die HIV/AIDS-Epidemie in Malawi und Sambia, über die jüngsten Entwicklungen in diesem Zusammenhang und beschreibt die Rolle der katholischen Kirche in ihrer Sorge für Infizierte und Betroffene.

Malawi und Sambia sind Nachbarstaaten im südlichen Afrika. Beide Länder waren Teil der früheren Föderation Rhodesien und Njassaland, und beide Länder wurden 1964 unabhängig. Die beiden Länder weisen zahlreiche Ähnlichkeiten auf, insbesondere der östliche Teil Sambias mit Malawi, wo selbst die Sprache gleich ist.

Gemäß den Daten von UNAIDS (the Joint United Nations Programme on HIV and AIDS) sind beide Länder sehr schwer von der Pandemie betroffen. Sie gehörten im Jahr 1990 zu den Ländern mit der höchsten Prävalenz-Rate. Die geschätzte HIV-Prävalenz von Erwachsenen im Alter von 15 –49 Jahren betrug damals 13,8 Prozent in Sambia und 12,9 Prozent in Malawi. Uganda hatte damals die dritthöchste Rate mit geschätzten 12,4 Prozent.

Es ist nicht bekannt, wann die ersten Fälle von HIV in den beiden Ländern auftraten. Erstmals diagnostiziert wurden AIDS-Fälle im Jahr 1984 in Sambia und im Jahr 1985 in Malawi. Verschiedene Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich erwähnten, dass sie in der Rückschau vermutlich schon in den frühen 80er Jahren Patienten mit AIDS getroffen haben. Ich persönlich könnte verschiedene Patienten aus dem Jahr 1985 benennen, die ich heute wohl als Patienten mit HIV identifizieren würde. Patienten mit AIDS-Symptomen sind mir persönlich jedoch in der Zeit von 1980–1983 nicht begegnet.

Die Zahl der AIDS-Patienten stieg sehr schnell in der zweiten Hälfte der 80er Jahre sowohl in Sambia als auch Malawi an und um 1990 hatte die Zahl der Menschen mit AIDS die Ausmaße einer Epidemie erreicht.

Der Verlauf der Epidemie

Die HIV-Prävalenz in Malawi unter Erwachsenen zwischen 15 –49 Jahren stieg von 12,9 Prozent im Jahr 1990 auf 17,5 Prozent im Jahr 1999/2000 und verringerte sich auf 10,3 Prozent im Jahr 2013. Der Rückgang ist auf eine verringerte Inzidenz von HIV-Infektionen zurückzuführen, das heißt die Zahl der Neuinfektionen ist jährlich gesunken, während zugleich eine sehr hohe Todesrate unter Menschen mit HIV vorhanden war. Die Gesamtzahl der Menschen mit HIV (People Living with HIV – PLHIV) ist in dem Zeitraum vom Jahr 2000 bis 2013 ebenfalls gesunken.

Die Zahl der Neuinfektionen war in der Zeit von 1997–1999 die höchste überhaupt mit schätzungsweise 130.000 Neuinfektionen jährlich. Diese Zahl sank schließlich bis im Jahr 2013 beständig bis auf 34.000, ein Rückgang von etwa 74 Prozent. Die höchste Zahl von AIDS-Toten ist im Jahr 2003 verzeichnet worden (99.000), seitdem jedoch gesunken. Hauptsächlich ist der Rückgang der Todesfälle auf die weitverbreitete Verfügbarkeit und den Gebrauch von ART (der Therapie mit antiretroviralen Medikamenten) zurückzuführen. Die Zahl neuer Infektionen überstieg die Zahl der Todesfälle seit 2005, was die Gesamtzahl von PLHIV erhöhte. Seit 2006 ist die Zahl der AIDS-Toten höher als die Zahl neuer Infektionen und die Zahl von PLHIV ist von 1,1 Millionen im Jahr 2005/2006 auf 1 Million im Jahr 2013 gesunken. Der stärkere Rückgang der Prävalenz ist durch das Bevölkerungswachstum zu erklären. Eine mehr oder weniger gleiche Anzahl von Menschen mit HIV führt in einer wachsenden Gesamtbevölkerung zu einem Rückgang der Prävalenz.

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Sambia geht ebenfalls beständig zurück. Die höchste Zahl von Neuinfektionen ist für den Zeitraum von 1996–2003 mit jährlich etwa 90.000–100.000 Neuinfektionen zu verzeichnen. Die Zahl hat sich seit 2004 beständig verringert und lag im Jahr 2013 bei etwa 54.000. Die Gründe für diesen Rückgang sind, ebenso wie in Malawi und anderen Ländern des subsaharen Afrikas, nicht eindeutig, jedoch spielen die folgenden Faktoren eine wichtige Rolle:

  • eine reduzierte Übertragbarkeit des Virus durch PLHIV, die ART erhalten;
  • eine geringere Zahl von infizierten Neugeborenen aufgrund verbesserter Präventionsprogramme, die die Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind verhindern sollen;
  • verändertes Sexualverhalten (weniger Gelegenheitssex, erhöhter Gebrauch von Kondomen).

Fast zeitgleich sank im gleichen Zeitraum die Zahl der Menschen, die aufgrund der HIV-Infektion starben. Die Zahl der AIDS-Toten stieg im Zeitraum von 1990–2003 jährlich bis auf etwa 80.000 an, ging dann bis im Jahr 2013 auf etwa zwei Drittel zurück. Der Grund für den Rückgang der Todesfälle liegt vor allem in der Verfügbarkeit von ART. Der Umfang von ART zählt in Sambia zu den höchsten weltweit.

Nichtsdestotrotz ist in Sambia die Zahl von PLHIV auch weiterhin am Steigen, und die Zahl der Neuinfektionen übersteigt die Zahl derjenigen, die an AIDS sterben. Für 2013 wird die Zahl von PLHIV auf etwa 1,1 Millionen geschätzt.

Die Prävalenz von HIV-Infektionen unter Erwachsenen im Alter von 15 bis 49 Jahren sinkt, trotz der steigenden Zahl von PLHIV. Auch hier ist der Grund vor allem im Bevölkerungswachstum zu sehen. Die Prävalenz von 13,8 Prozent im Jahr 1990 war weltweit die höchste. Heute wird die Prävalenz in Sambia auf 12,5 Prozent geschätzt, auch weiterhin eine der höchsten weltweit.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Rückgang der Neuinfektionen und der Rückgang der Todesfälle positive Entwicklungen sind.

Fr. Joseph Mpinganjira, von 2001 bis 2008 Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz Malawis, hat während seiner Amtszeit dafür gesorgt, dass die AIDS-Programme der Kirche entwickelt, implementiert und ausgebaut wurden.
FOTO: KNA-BILD

Die Antwort der Staaten

Wie in fast allen subsaharen Staaten Afrikas war die offizielle Antwort in Malawi und Sambia auf die sich abzeichnende Epidemie geprägt durch Verleugnung und Zweifel:

»Malawi stand über 30 Jahre unter der Herrschaft von Präsident Hastings Banda, der diese im Jahr 1964 übernommen hatte. Während dieser Zeit ist der eskalierenden AIDS-Krise nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Seine puritanischen Überzeugungen machten es sehr schwer, entsprechende AIDS-Aufklärungs- und Präventionsprogramme umzusetzen, zumal öffentliche Diskussionen über sexuelle Fragen generell verboten oder aber zensiert wurden. HIV und AIDS wurden als Tabus angesehen.«

Die Situation in Sambia war seit der Entdeckung der ersten Fälle von AIDS vergleichbar:

»In den frühen Stadien der sich abzeichnenden Epidemie wurde alles, was über HIV-Prävalenz bekannt war, unter Präsident Kaunda geheim gehalten. Führende Politiker waren sehr zurückhaltend, über die wachsende Epidemie zu sprechen. (Die öffentliche Aussage des Präsidenten im Jahr 1987, dass sein eigener Sohn an AIDS gestorben sei, bildet eine große Ausnahme). Die Presse hat in dieser Zeit AIDS schlichtweg nicht erwähnt.«

Das National AIDS Surveillance Committee (NASC) und das National AIDS Prevention and Control Program (NAPCP) waren in Sambia im Jahr 1986 errichtet worden, um alle auf HIV/AIDS bezogenen Aktivitäten und Programme zu koordinieren. Malawi errichtete im Jahr 1988 das National AIDS Control Program (NACP), um die Bemühungen hinsichtlich der Aufklärungsprogramme im Kontext von AIDS und die HIV-Präventionsprogramme zu koordinieren. Diese beiden Einrichtungen hatten jedoch nur einen sehr geringen oder überhaupt keinen Effekt aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel und einer fehlenden Entscheidungskompetenz. Veränderungen kamen erst viele Jahre später in Gang, zu einer Zeit, als bereits sehr viele Menschen infiziert waren.

Notwendige Veränderungen im Kampf gegen AIDS

»Im Jahr 1994, infolge massiver Proteste und internationaler Verurteilungen, hat Banda letztlich zugestimmt, abzutreten, und Malawi wandelte sich hin zu einer Mehrparteien-Demokratie. Präsident Bakili Muluzi kam an die Macht und anerkannte in einer Rede erstmals öffentlich, dass Malawi eine sehr ernste AIDS-Epidemie durchlebe. Zugleich betonte er die Notwendigkeit einer vereinten Antwort auf diese Krise. Die Meinungs- und Redefreiheit wurde wieder errichtet, politische Gefangene wurden frei gelassen, was zu einem offeneren Klima führte, innerhalb dessen die Aufklärung über AIDS durchgeführt werden konnte, ohne zugleich mit Verfolgung rechnen zu müssen.«

»In den frühen 90er Jahren wurde geschätzt, dass einer von fünf Erwachsenen mit HIV infiziert war, was die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu veranlasste, die Errichtung eines nationalen AIDS-Beraterrates in Sambia zu fordern. Nach Angaben von Stephen Lewis, dem früheren Sondergesandten der Vereinten Nationen zu Fragen von HIV/AIDS in Afrika, hatte die Regierung die gesamten 90er Jahre hindurch die Realität von AIDS verleugnet und überhaupt nichts unternommen, um die Krise zu bekämpfen.«

Im Zeitraum zwischen der Entdeckung der ersten AIDS-Fälle und der Jahrtausendwende ist nur sehr wenig von den Regierungen unternommen worden, um die Epidemie einzudämmen und den Menschen mit HIV sowie den Betroffenen, dazu zählen vor allem auch die zahlreichen Waisenkinder, die notwendige Unterstützung zu gewähren.

Eine Wende zeichnete sich erst ab dem Jahr 2000 ab.

»Im Jahr 2000 wurde ein 5-jähriger nationaler, strategischer Rahmenplan zur Bekämpfung von AIDS implementiert. Die Policy brauchte aufgrund finanzieller und organisatorischer Schwierigkeiten innerhalb von NACP sehr lange, um erste Ergebnisse hervorzubringen. Eine besser strukturierte Organisation war notwendig, um Malawis Antwort auf AIDS zu koordinieren. So wurde schließlich im Jahr 2001 die Nationale AIDS-Kommission (NAC) ins Leben gerufen. Seit diesem Zeitpunkt hat NAC eine Vielzahl von AIDS-Initiativen in Fragen der Prävention und der Fürsorge für die Kranken überwacht; darin eingeschlossen auch Programme, die die Behandlung der Kranken sicherstellten, die Zahl der HIV-Test erhöhten und die Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind verhindern sollten.

Das neue Millenium signalisierte einen deutlichen Wandel in der politischen Haltung, um der Epidemie in Sambia zu begegnen. NAC wurde schließlich im Jahr 2002 einsatzfähig, als das Parlament ein entsprechendes nationales AIDS-Gesetz verabschiedete, das NAC zu einer rechtlichen Körperschaft machte, die auch in der Lage war, Fördermittel zu beantragen (der Ausblick auf eine große finanzielle Unterstützung durch die Weltbank stellte die notwendige Motivation sicher). Mit der Verabschiedung dieses Gesetzes wurde NAC zu einer singulären Einrichtung auf höchster Ebene, die für die Koordinierung der Aktionen aller Segmente der Regierung und Gesellschaft im Kampf gegen HIV/AIDS verantwortlich war und die Verantwortung für die Implementierung der nationalen HIV- und AIDS-Strategie (2006–2011) übernahm.«

Die Regierungen beider Länder haben sich sodann verstärkt engagiert, als ART verfügbar wurde. PLHIV waren in den Gesundheitseinrichtungen bis dahin nicht willkommen (»Es gibt nichts, was wir tun könnten, so dass es besser ist, dass Sie nach Hause gehen«), doch ART hat dieses Bild völlig verändert. Die massive Preisreduktion von ART, hervorgerufen durch die Produktion von Generika in Indien, macht die Behandlung mit ART finanziell erschwinglich und der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose, die Weltbank und PEPFAR (President’s Emergency Plan for AIDS Relief der USA) stellten in sehr hohem Maße die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung. Der Umfang der antiretroviralen Therapie stieg in beiden Ländern rasch an und gehört heute zu den höchsten weltweit.

Eine Patientin mit ihrem Kind während einer psychologischen Beratung in einer Klinik in Sambia.
FOTO: PIET REIJER

Die Antwort der Kirchen

»Über viele Jahrhunderte waren der religiöse Glaube und die Spiritualität die überragenden Ressourcen für die Förderung der Gesundheit und des Wohlergehens. Zudem waren sie den Menschen eine Hilfestellung, um mit den Auswirkungen einer Krankheit zurechtzukommen. Dies ist insbesondere in Afrika der Fall, wo die religiösen Überzeugungen eine sehr wichtige Rolle dabei spielen, die persönliche Identität, die Denkweisen und Wahrnehmungen von Krankheiten der Menschen zu formen. Auch hinsichtlich der Entscheidungen, die sie treffen und die ihre Gesundheit betreffen.«

Die Reaktionen der Kirche auf die wachsende Zahl von Menschen, die krank waren, aber in den Krankenhäusern kaum Beachtung erhielten, entspricht dem obigen Zitat. In allen betroffenen Ländern wurden Initiativen gegründet, um sich den Kranken, mit dem HI-Virus Infizierten und ihren Familien zu widmen und ihnen beizustehen. Es gibt nur sehr wenige und zugleich ungenügende Dokumentationen, die dieses Engagement der Kirchen in den meisten Ländern darlegen, doch die Vielzahl der in kurzer Zeit entstandenen Initiativen war beeindruckend. In anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in Indien, hat man sich darauf versteift, Hospize oder spezielle Kliniken zu errichten, nicht so in Afrika, wo das Konzept des Home Based Care (HBC), das Konzept der häuslichen Pflege, entwickelt wurde.

»Während der späten 80er Jahre begannen NGOs in Sambia auf die wachsende AIDS-Krise in der Weise zu antworten, dass sie Konzepte des HBC für Menschen mit HIV/AIDS entwickelten. Eine der ersten war das Hospital der Heilsarmee von Chikankata in der südlichen Provinz, das bereits 1987 mit solch einem Konzept startete.«

»Die häusliche Pflege wurde enthusiastisch durch die kirchliche Ärztevereinigung Sambias (Churches Medical Association of Zambia) gefördert und vom Gesundheitsministerium befürwortet. Unterstützt durch ausländische Geberorganisationen wurden Projekte der häuslichen Pflege in verschiedenen Teilen des Landes gestartet. 1996 gab es nach Angaben des Gesundheitsministeriums bereits mehr als 100 solcher Projekte. Dieser Ansatz der häuslichen Pflege wurde sodann auch in verschiedenen anderen Ländern Ost- und Südafrikas übernommen, insbesondere durch kirchliche Hospitäler und NGOs. Bis 1993 wurden allein in Simbabwe 67 solcher Projekte gestartet. In Uganda haben Missionshospitäler wie zum Beispiel das Nsambya Hospital in Kampala oder das Kitovu Hospital in Masaka Programme der häuslichen Pflege entwickelt und auf diese Weise tausenden von Menschen mit HIV/ AIDS sowie ihren Familien eine medizinische Grundversorgung sowie soziale Unterstützungsmaßnahmen ermöglicht.«

Die meisten Initiativen von Glaubensgemeinschaften in Sambia kamen aus der katholischen Kirche, vor allem als Initiativen einer Diözese oder einer Pfarrei. Die Programme der häuslichen Pflege der Erzdiözese Lusaka und der Diözese Ndola allein zählten mehr als je 10.000 registrierte Patienten. Initiativen der Bischofskonferenz Sambias, um ein nationales Netzwerk von HBC-Programmen zu koordinieren und zu organisieren, wurden zwar initiiert, sind jedoch nie zustande gekommen.

Im Jahr 1990 hat die Bischofskonferenz Malawis entschieden, sich in einer umfassenden auf die Gemeinschaft basierenden HIV/AIDS-Intervention zu engagieren. Das »AIDS Home Based Care Project« der Bischofskonferenz wurde geschaffen, »um den betroffenen Menschen zu helfen, vor allem ihre prekäre Lage zu verbessern und einen würdevollen Ort in ihrem Leben zu errichten.« Das Projekt kam 1992 langsam in Gang.

Die Einführung von ART

Die häusliche Pflege, fast ausschließlich von religiösen Organisationen angeboten, war die einzige Form der Unterstützung für die meisten Menschen mit HIV bis zur Einführung von ART im Jahr 2004/2005. Regierungen konzentrierten sich auf die Frage der Prävention (insbesondere der Förderung des Gebrauchs von Kondomen sowie deren Verteilung). Die massive Preisreduzierung der antiretroviralen Therapie von etwa 10.000 US-Dollar pro Jahr pro Patient auf schließlich etwa 300 US-Dollar im Jahr 2002 ermöglichte den Regierungen, häufig mit der Unterstützung internationaler Einrichtungen, entsprechende Behandlungsprogramme einzuführen. Die sambische Regierung begann im Jahr 2003 im überschaubaren Rahmen in den Provinzhospitälern solche Programme, kurz darauf erhielt auch in Malawi der erste Patient die notwendige Therapie.

ART hat das Bild für Menschen mit HIV dramatisch verändert. Bevor ART zur Verfügung stand, war das Schicksal eines Menschen mit HIV und seiner Familie vorgezeichnet: Er wurde krank, noch kränker und starb. Viele Familien verloren ihren Lebensunterhalt und endeten in schrecklicher Armut. ART gab den Patienten und ihren Familien eine neue Chance im Leben. Die Mehrheit der behandelten PLHIV haben im ersten Jahr der Einführung dieser Therapie zunächst unter massiven Auswirkungen der HIV-Infektion gelitten. Aber mit der Zeit wurden die Behandlungsrichtlinien geändert und mehr und mehr Patienten mit nur kleineren oder gar keinen Klagen erhalten ART. Das bedeutet, sie beginnen mit der Medikamententherapie, wenn sie selbst sich noch gesund fühlen, also lange bevor sie arbeitsunfähig werden oder aber nicht mehr in der Lage sind, sich um ihre Familien zu kümmern. ART ist deshalb mehr als einfach nur eine Verabreichung von Medikamenten. ART verhindert Armut und verhilft den Familien zu einem normalen Leben. Die Therapie verhindert zudem, dass Kinder auch weiterhin zu Waisen werden.

Heutzutage erhalten die meisten Menschen mit HIV, die für diese Medikamententherapie gemäß den Richtlinien in Frage kommen, die notwendigen Medikamente in Sambia und Malawi. Dies hat zu einem Rückgang der Todesfälle geführt. ART führt zudem dazu, dass die betroffene Person ein geringeres Risiko trägt, den Virus zu übertragen. Je mehr Menschen mit HIV die antiretroviralen Medikamente erhalten, desto geringer ist die Zahl derjenigen, die HIV übertragen können. Und dies ist einer der Gründe dafür, dass die Zahl der Neuinfektionen sinkt. Ende 2013 haben schätzungsweise 11,7 Millionen Menschen in Ländern niedrigen oder mittleren Einkommens eine antiretrovirale Therapie erhalten. Dies bedeutet einen Anstieg um zwei Millionen Menschen, verglichen mit dem Vorjahr. In Sambia haben Ende 2013 etwa 580.000 Menschen diese notwendige Therapie erhalten, in Malawi etwa 473.000. Dies bedeutet schätzungsweise etwa 52 Prozent beziehungsweise 46 Prozent aller Menschen mit HIV in diesen beiden Ländern.

Eine Mitarbeiterin in einer Ausgabestelle für antiretrovirale Medikamente in Sambia.
FOTO: KNA-BILD

Die Rolle der Glaubensgemeinschaften in der Sorge und Unterstützung für Menschen mit HIV ist geringer geworden. Die Therapie mit antiretroviralen Medikamenten, die Einführung der Therapie sowie die Verteilung ist Aufgabe der Gesundheitseinrichtungen. Obwohl Gesundheitseinrichtungen von Glaubensgemeinschaften eine Rolle spielen, ist diese doch wesentlich geringer als vor der Einführung von ART. Nichtsdestotrotz existieren auch weiterhin Programme der häuslichen Pflege. Die Notwendigkeit für diesen Dienst hat sich jedoch gewandelt. Es gibt nicht mehr die Notwendigkeiten wie früher vor der Einführung von ART, als der Patient innerhalb einer recht kurzen Zeit unweigerlich verstarb. Jedoch besuchen auch weiterhin die Freiwilligen, die das Rückgrat dieser Programme gebildet haben, Menschen mit HIV zu Hause. Sie helfen ihnen, die Einnahme der Medikamente gemäß den Vorgaben einzuhalten, sie beraten sie bei Problemen und ermuntern andere Menschen in der Gemeinschaft, sich testen zu lassen. Einige Programme der häuslichen Pflege sahen auch die Sorge um die Waisenkinder vor. Die Notwendigkeit eines solchen Engagements besteht auch weiterhin. Das große Programm der häuslichen Pflege der Erzdiözese Lusaka hat sich dahin gehend verändert, dass nun die Sorge und Unterstützung von Menschen mit HIV im Fokus steht, so dass sie in der Lage sind, den Lebensunterhalt vor allem besonders verwundbarer Familien zu sichern, wie zum Beispiel Haushalte, die von Frauen oder von älteren Menschen geleitetet werden.

Ausblick

Trotz der sichtbaren Erfolge im Zusammenhang mit der Einführung von ART, ist es noch viel zu früh, den Sieg über HIV zu feiern. Die Bereitstellung von ART hängt auch weiterhin zu einem sehr großen Teil von der Finanzierung durch das Ausland ab. Medikamente der zweiten und dritten Generation, die notwendig werden, wenn sich Resistenzen gegen Medikamente der ersten Generation gebildet haben, sind noch viel zu teuer, und der Gesundheitsbereich insgesamt steht unter einem enorm hohen Druck. Es gibt auch weiterhin viel zu wenig qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich in fast allen Ländern des südlichen Afrikas. Ursachen dafür sind u. a. die geringen Ausbildungskapazitäten und der auch weiterhin bestehende brain-drain in die einflussreichen Länder dieser Welt. Die finanzielle Unterstützung der Gesundheitsdienste ist weiterhin zu gering. Auch Sambia hatte die so genannte Abuja-Erklärung im Jahr 2001 unterzeichnet, die festhielt, dass die Mitglieder der Afrikanischen Union sich verpflichten, die Finanzierung des Gesundheitsbereichs auf mindestens 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu erhöhen. Für Sambia bedeutet dies, dass etwa 50 US-Dollar pro Kopf für den Gesundheitsbereich zur Verfügung stehen. Doch dieser Betrag ist viel zu gering, um selbst grundlegende Gesundheitsdienste im Land zu garantieren, ganz zu schweigen von der notwendigen Anpassung von ART. In Malawi liegt der Finanzrahmen sogar unter 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Sowohl Malawi als auch Sambia werden eine beständige Unterstützung benötigen, um die Ziele letztlich erreichen zu können.

PIET REIJER
Mediziner, Fachmann für Public Health, Missionsärztliches Institut, Würzburg

ANMERKUNGEN

1 Alle HIV-Daten in diesem Artikel sind von UNAIDS (Internet-Link ) übernommen, es sei denn, es wird ausdrücklich auf andere Quellen verwiesen.
2 Von 1980–1983 habe ich in einem Missionshospital in Nord-Sambia gearbeitet, von 1985–1989 in einem weiteren Hospital im so genannten Kupfergürtel Sambias.
3 Internet-Link
4 Internet-Link
5 Das Statement von Präsident Kaunda wurde während eines Staatsbesuchs in Kanada gemacht, von der einheimischen Presse aber verschwiegen.
6 Internet-Link
7 Internet-Link
8 Internet-Link
9 Internet-Link
10 Vgl. Journey of Faith. Church-based responses to HIV and AIDS in three southern African countries. Strategies for Hope 16.
11 Under the Mupundu tree. Volunteers in home care for people with HIV/AIDS and TB in Zambia’s Copperbelt. Strategies for Hope 14. 12 Ibid.

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