NIGERIA Keine Besserung in Sicht corner

NIGERIA

KEINE BESSERUNG IN SICHT

Seit vielen Jahren engagiert sich Erzbischof Ignatius Kaigama für den christlich-islamischen Dialog in Nigeria. Der Vorsitzende der nigerianischen Bischofskonferenz sowie des »Interreligiösen Kommitees für Frieden« wird von missio unterstützt.
FOTO: FRIEDRICH STARK

Terrorismus getarnt im Gewand religiöser Gewalt

In den meisten Ländern, in denen Christen an der Ausübung der Religionsfreiheit gehindert werden, befinden sie sich in einer Minderheitensituation. Anders ist dies in Nigeria. In dem westafrikanischen Land ist der Anteil der Christen und Muslime etwa gleich hoch. Dennoch kommt es immer wieder zu Anschlägen gegen Christen, und auch wenn mit Goodluck Jonathan von 2010 bis 2015 ein Christ das Präsidentenamt des Landes bekleidet hat, riss die Serie der Gewalt gegen Christen in Nigeria nicht ab. Am 3. Januar 2015 verübte Boko Haram in Baga, einer Stadt im Nordosten Nigerias, ein blutiges Massaker, dem 2.000 Menschen zum Opfer fielen – die meisten von ihnen waren Christen. Im vergangenen Jahr wurden 2.484 nigerianische Christen Opfer von religiös motivierten Mordanschlägen. Nur selten berichten westliche Medien über den religiös motivierten Terror in dem westafrikanischen Land. Anders war es im April 2014, als die islamisch-fundamentalistische Terrorgruppe Boko Haram 300 Schülerinnen einer christlichen Schule in Chibok im Nordosten von Nigeria verschleppte. Ziel des Terrors, mit dem Boko Haram derzeit zahlreiche Länder Westafrikas in Angst und Schrecken versetzt, ist die Errichtung eines islamischen Gottesstaates. Zahlreiche Priester sind in Nordnigeria bereits Opfer von Attentaten geworden, auch viele Kirchen wurden zerstört. In Teilen des Landes fällt es den Christen schwer, ihren Glauben im Alltag zu praktizieren. Gerade vor den großen Feiertagen trauen sie sich nicht, ihre Gotteshäuser zu betreten, da sie nie sicher sein können, wo der nächste Anschlag neue Todesopfer fordern wird. In einigen Regionen des Nordens kleiden sich Christen inzwischen wie Muslime, um nicht aufzufallen und Opfer von religiöser Gewalt zu werden. Christliche Mädchen werden dennoch immer wieder entführt und gezwungen, die Ehe mit einem Muslim einzugehen. Viele Christen fürchten eine fortschreitende Islamisierung Nigerias, das seit 1986 Mitglied in der Organisation Islamischer Staaten (OIC) ist und das in zwölf seiner nördlichen Bundesstaaten im Jahr 1999 die Scharia eingeführt hat. Layma Kaddor, ein bekannter nigerianischer muslimischer Schriftsteller, warnt vor einseitigen Darstellungen und betont, dass Muslime und Christen gleichermaßen Opfer des muslimischen Extremismus sind, da die Gewalt der gesamten nigerianischen Gesellschaft gilt. Doch es sind in der Regel Christen, die zur Zielscheibe des islamistischen Terrors werden. Mehr als 350 Kirchen sind in den letzten Jahren zur Zielscheibe von Brandanschlägen geworden. (lo)

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