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AFRIKA

Religion und Gewalt

In vielen Ländern Afrikas leben die Menschen mit ihrer Angst vor Gewalt und Krieg.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Forschungsprojekt in Kooperation mit der Gemeinschaft Sant’Egidio

Als 1994 die Römische Bischofssynode ihre erste »Sonderversammlung für Afrika « abhielt, begann in Ruanda, im Herzen Afrikas, ein systematisches Morden, bei dem innerhalb von hundert Tagen mehr als 800.000 Tutsi und Hutu ihre Leben ließen. Mehrere Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen und flohen in die benachbarten Länder Tansania und Kongo (damals Zaïre). Zwei Jahre später wurden die Flüchtlingslager im Osten Kongos von Rebellen angegriffen, und wieder wurden Abertausende Menschen massakriert. Die Problematik der Flüchtlinge prägt die Region der Großen Seen bis auf den heutigen Tag.

Die am Genozid beteiligten Gruppen wie etwa die Tutsi der Rwandan Patriotic Front oder die Hutu der Interahamwe sind Christen. Für viele Kommentatoren sind die Massenmorde ein Beleg dafür, dass die Region zwar weitgehend missioniert, aber nicht evangelisiert worden ist. Im Hinblick auf das Thema »Religion und Gewalt« gibt dies zu denken: Weder die traditionellen afrikanischen Religionen noch das Christentum in der Form, wie es Kolonialmächte, Missionare und heutige Kirchenstrukturen geprägt haben, halten offensichtlich ein Potenzial der Gewaltlosigkeit bereit, das diese Massenmorde verhindert hätte. Zudem scheint die christliche Religion in dieser Ausprägung gesellschaftlich nicht die Rolle spielen zu können, die sie sich als »Zeichen und Werkzeug« des Heils selbst zuschreibt. Unbenommen ist dabei, dass beispielsweise viele Ordensschwestern und Priester ihr Leben bei der Rettung Unschuldiger riskiert oder gar verloren haben. Es ist jedoch von einer doppelt tragischen Symbolik, dass Tausende Menschen vor den Todesschwadronen in die Kirchen flüchteten, um genau dort abgeschlachtet zu werden.

Um den vermeintlichen, den konstruierten oder den tatsächlichen Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt in verschiedenen Situation ausgewählter afrikanischer Länder näher zu beleuchten, hat missio das Forschungsprojekt »Religion und Gewalt« auf den Weg gebracht. Am Beispiel konkret auftretender Konfliktsituationen soll durch detaillierte Befragung in Form von Einzelinterviews und »Focus group discussions « die Meinung der Betroffenen, der politischen wie religiösen Führer, aber auch der am jeweiligen Konflikt Beteiligten erfasst und die Rolle der Religion (Christentum, Islam, afrikanische Religionen) eruiert werden.

Als erstes Beispiel wird im Jahr 2015 die Situation in Tansania mit der immer wieder aufflackernden Gewalt zwischen Christen und Muslimen untersucht. In Zusammenarbeit mit dem »Hekima Institute of Peace Studies and International Relations«, Nairobi, sowie einem Team des Fachbereichs für Politikwissenschaften an der Universität von Daressalam werden hundert Personen zu spezifischen Konfliktsituationen sowie dem Verhältnis von Christen und Muslimen befragt. In Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartnern sollen die Untersuchungen in den Folgejahren auf weitere Länder ausgeweitet werden. So sind für das Jahr 2016 zwei Länderstudien geplant: in Zusammenarbeit mit der Communità Sant’Egidio zur Situation in Côte d’Ivoire, sowie in Zusammenarbeit mit dem »Centre d’études et de formation pour le développement« (CEFOD) zur Frage von Religion und Gewalt im Tschad. (Moe)

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