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Wo das Herz der Kirche pulsiert

Kleine Christliche Gemeinschaften in Tansania

von BISCHOF METHOD KILAINI

Schon in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden in Tansania Kleine Christliche Gemeinschaften und prägen seitdem das Bild der Kirche.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Eine Kleine Christliche Gemeinschaft besteht aus acht bis zwölf katholischen Familien in einem Viertel oder Dorf, die eine kleine Ortskirche bilden möchten, um gemeinsam ihren Glauben an Christus zu leben. Die Kleine Christliche Gemeinschaft bildet die Basis einer lebendigen Kirche in Tansania.

Wenn man die Gründe für den Erfolg der Kleinen Christlichen Gemeinschaften in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara verstehen will, muss man in die kulturelle und politische Geschichte dieser Region zurückgehen. Grundlage der Bantu-Gesellschaft war das Clan-System. Angehörige eines Clans fühlten sich einander verbunden. Wurde ein Clan zu groß, bildeten sich mehrere Unterclans, die später selbst zu Clans unter dem Dach der älteren Clans wurden. Dadurch war die Familie nie isoliert. Sie war stets Teil des Clans, und der Clan gab ihr sozialen Schutz und bewahrte die moralischen Werte der Gemeinschaft. Ein soziales Agieren außerhalb des Clans war nicht möglich.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil suchte die Kirche verstärkt nach neuen Wegen, als Familie Gottes zu leben. Als Ideal galt es, dem Vorbild der christlichen Urgemeinde der Apostel in Jerusalem so nah wie möglich zu kommen. In Lateinamerika entwickelte man als Antwort auf die örtlichen Erfordernisse das Konzept der kirchlichen Basisgemeinschaften (comunidades eclesial de base). In der heutigen Demokratischen Republik Kongo suchte man schon vor dem Konzil nach einem afrikanischen Weg, dieses Ideal zu leben. Dort war es die AMECEA, die einen konkreten Plan für die Kleinen Christlichen Gemeinschaften entwickelte.

Kleine Christliche Gemeinschaften in Ostafrika

Auch in Tansania befasste sich die Kirche mit der Frage, wie das vom Zweiten Vatikanischen Konzil postulierte Ideal von der Kirche am besten in die Praxis umzusetzen sei. In Ostafrika war es Bischof Kalilombwe, Afrika-Missionar und später Bischof von Lilongwe (Malawi), der diesen Prozess anstieß. Er organisierte eine Diözesansynode, aus der ein pastoraler Plan der Diözese hervorging, dessen Grundlage die Kleinen Christlichen Gemeinschaften bildeten.

Beginnend mit den Generalversammlungen der Bischöfe von 1973 rückten innerhalb der AMECEA, der Vereinigung der Bischofskonferenzen in Ostafrika, die Kleinen Christlichen Gemeinschaften in den Mittelpunkt der Pastoral. Die zentrale Botschaft der Generalversammlung von 1976 im kenianischen Nairobi lautete: »Die systematische Bildung Kleiner Christlicher Gemeinschaften muss für die kommenden Jahre in Ostafrika die zentrale pastorale Priorität bilden. « Im Jahr 1992 bekräftigten die ostafrikanischen Bischöfe in Sambia: »Wir wiederholen also, dass die Kleinen Christlichen Gemeinschaften in unseren Kirchen keine mögliche Option, sondern die zentrale Struktur für das Glaubensleben und die Verkündigung des Evangeliums bilden.« Auf den AMECEA-Generalversammlungen der Jahre 1976, 1979, 1992 und 2002 standen jeweils die Kleinen Christlichen Gemeinschaften im Mittelpunkt. Im Jahr 2002 hielten die ostafrikanischen Bischöfe ihre Generalversammlung im tansanischen Daressalaam ab. Dort feierten sie das 25-jährige Bestehen der Kleinen Christlichen Gemeinschaften in der Region. Auf den Transparenten hieß es »Herzlich willkommen bei der AMECEA, der Mutter der Kleinen Christlichen Gemeinschaften«.

Tansania und die Kleinen Christlichen Gemeinschaften

Der erste tansanische Präsident, Mwalimu Julius Kambarage Nyerere, gründete sein Gesellschaftsmodell auf das traditionelle Ujamaa-System (Dorfgemeinschaft, Familie, Familiensinn und Gemeinschaftssinn). Er machte das Ujamaa-System landesweit verbindlich. Seine Pläne sahen vor, dass jeweils zehn Familien eine sich selbst verwaltende und versorgende Einheit bilden. Das sollte die basisdemokratische Teilhabe der Menschen an der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes stärken.

Einige führende Geistliche der katholischen Kirche zeigten großes Interesse an der Ujamaa-Ideologie. Der bekannteste unter ihnen war Christopher Mwoleka, Bischof der Diözese Rulenge, der selbst in einer Ujamaa-Dorfgemeinschaft lebte und sich an all ihren Aktivitäten beteiligte. Er war der erste Bischof in Tansania, der die Kleinen Christlichen Gemeinschaften in seiner Diözese offiziell zur pastoralen Priorität und zum grundlegenden Instrument der Evangelisierung machte. Mwoleka schuf sogar eine Verwaltungsstruktur mit verschiedenen Funktionen für die Mitglieder der Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Vieles davon wurde von anderen Diözesen und letztlich landesweit übernommen.

Ab 1976 machte die tansanische Kirche Ernst mit dem Beschluss der AMECEA-Bischöfe, zukünftig auf die Kleinen Christlichen Gemeinschaften als Instrument der Evangelisierung zu setzen. Die tansanischen Bischöfe beschlossen, dass die Kirche den Aufbau von Kleinen Christlichen Gemeinschaften als Priorität verfolgen soll. Gemeint waren damit die kleinen Ortskirchen, die gemeinsam beten, das Wort Gottes hören, darüber reflektieren und es verbreiten. Die Mitglieder sollen einander darin bestärken, die Werte des Evangeliums zu leben. Basis für die Kleinen Christlichen Gemeinschaften muss das Wort Gottes und die heilige Eucharistie sein. Das festigt die Gemeinschaft ihrer Mitglieder im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung (Koinonia – Gemeinschaft), lässt sie Zeugnis ablegen für den auferstandenen Christus, den sie als Gott und Heiland ausrufen (Martyria – Verkündung des Evangeliums) und verbindet dies mit dem Dienst innerhalb der Gemeinde und für die Bedürftigen (Diakonia – Dienst am Menschen). Dieser Ansatz wurde zum Bestandteil der Pastoral auf Ebene der Gemeinde, der Diözese und des ganzen Landes.

Seitdem verfolgt die Tansanische Bischofskonferenz die Umsetzung der basisorientierten pastoralen Pläne. Auch die meisten Hirtenbriefe der Bischöfe zur Fastenzeit enthalten einen Abschnitt zu den Kleinen Christlichen Gemeinschaften. So riefen die Bischöfe die Kleinen Christlichen Gemeinschaften in ihrem Hirtenbrief »Good Conscience – Vision of Our Nation« vom 21. November 1993 beispielsweise dazu auf, ihre Mitglieder dabei zu unterstützen, ihr Einkommen zum Wohle ihrer Familien aufzubessern. Im Fastenbrief von 1995 »The Laity of Tanzania – You will be my Witnesses « forderten die Bischöfe die Kirche auf, den Christen das Lesen der Schrift und das Verstehen des Wortes Gottes – besonders in den Kleinen Christlichen Gemeinschaften – zu erleichtern. Und erst 2008 erinnerten sie die Menschen in den Kleinen Christlichen Gemeinschaften mit ihrem Schreiben »God is Love – ›Deus Caritas est‹« erneut daran, die Armen und Bedürftigen unter ihnen nicht zu vergessen. Sie empfahlen den Kleinen Christlichen Gemeinschaften, dafür einen Spendenfonds einzurichten. Mit den Mitteln aus diesem Fonds sollte finanzielle Unterstützung bei der Ausbildung bedürftiger Mitglieder, in Krankheitsfällen und bei Katastrophen geleistet werden.

Auf der Generalversammlung von 1997 entschieden die Bischöfe, dass sämtliche Wahlen von Laien in Tansania auf der Ebene der Kleinen Christlichen Gemeinschaften beginnen müssten. So ist gewährleistet, dass niemand eine Pfarrgemeinde, Diözese oder landesweite Einrichtung führen kann, der selbst keine Wurzeln in einer Kleinen Christlichen Gemeinschaft hat. Dies war ein entschlossener und entscheidender Schritt zur Stärkung der Kleinen Christlichen Gemeinschaften und des Laienrates auf allen Ebenen. Das Jahr 2007/2008 wurde von der Bischofskonferenz zum »Jahr der Kleinen Christlichen Gemeinschaften« erklärt. Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften bilden also nicht nur auf nationaler, sondern auf allen Ebenen eine pastorale Priorität. Dies zeigt sich eindrucksvoll bei den Diözesansynoden, die über die Jahre beispielsweise in Mwanza, Musoma, Rulenge, Ngara usw. abgehalten wurden. Dort standen die Vorschläge zur Stärkung der Kleinen Christlichen Gemeinschaften stets im Vordergrund.

Kleine Christliche Gemeinschaften als Brückenbauer

Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften sorgen dafür, dass Menschen in der Nachbarschaft enger zusammenrücken. Weil sich die Gemeinschaften abwechselnd in unterschiedlichen Häusern treffen, lernen die Menschen einander besser kennen, erhalten Einlass in das Zuhause anderer und entwickeln Freundschaften. Mit der Zeit teilen sie miteinander ihre Liebe und ihre Sorgen, ihre Reichtümer und ihre Ängste und lernen, einander in der Not beizustehen.

Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften sind perfekte Begegnungsorte für Jugendgruppen, Frauengruppen und die Kinderkatechese – sowohl auf gemeinschaftlicher als auch auf zonaler Ebene. In vielen Gemeinschaften sind es die Männer, die sich zu besonderen Anlässen aktiv engagieren. Mit dem wöchentlichen Besuch der Treffen tun sich jedoch gerade auch Männer mitunter schwer.

Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften und die Evangelisierung nach innen

Viele neue Pfarrgemeinden in größeren und kleineren Städten werden von den Mitgliedern der Kleinen Christlichen Gemeinschaften gegründet. In der Regel läuft das so ab, dass sich in neuen Wohnvierteln aktive Katholiken zu einer Basisgemeinde zusammenschließen und dann gemeinsam in ihren Wohnungen und Häusern Andachten halten. Mit wachsender Mitgliederzahl stiftet ein Gläubiger ein Grundstück für die Errichtung einer gemeinsam genutzten kleinen Kapelle. Wird die Basisgemeinde zu groß, teilt sie sich, aber die Kapelle bleibt für alle offen. Wächst die Zahl der Christen stark, kaufen die Gläubigen mehr Land neben der ursprünglichen Parzelle (oder eine neue größere Parzelle in der Gegend) und bitten um die Erlaubnis, ein Gebetshaus und einen Kindergarten errichten zu dürfen. Im nächsten Schritt wird die Basisgemeinde zu einer Außenstelle und dann zu einer Pfarrgemeinde. Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften lassen also Solidarität entstehen, aus der Pfarrgemeinden und angegliederte Einrichtungen hervorgehen.

Grundlage der Kleinen Christlichen Gemeinschaften ist das Wort Gottes. Es ist Gegenstand des Lesens, der Betrachtung, des Austauschs untereinander und der Überlegung, wie das Wort Gottes im täglichen Leben umgesetzt werden kann. Die Gemeinschaften müssen mindestens einmal pro Woche zusammenkommen. Eine echte Kleine Christliche Gemeinschaft ist missionarisch in dreifacher Hinsicht: Sie hat eine Mission im Hinblick auf die Christen, im Hinblick auf jene, die sich vom Christentum abgewandt haben und im Hinblick auf jene, die noch nie Christen waren.

Schon in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden in Tansania Kleine Christliche Gemeinschaften und prägen seitdem das Bild der Kirche.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Kleine Christliche Gemeinschaften und christliches Leben

Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften fördern das geistliche Leben der Christen in den Städten und Dörfern. Sie holen den Einzelnen aus der Anonymität. Jedes Mitglied der Gemeinschaft fühlt sich geachtet und ist im Haus jedes anderen Mitglieds willkommen. Und dieses betreten sie mit Respekt, wie bescheiden es auch sein mag. So steht den Straßenverkäuferinnen das Haus des Ministers oder Richters am Obersten Gericht offen und umgekehrt. Gemeinsam diskutieren die Mitglieder der Kleinen Christlichen Gemeinschaften, was für sie von Bedeutung ist. Das gibt ihnen Würde.

In den Städten stellt sich die Aufgabe, die Katholiken unterschiedlicher Herkunft und Stellung zu einer Kirche vor Ort zu vereinen. Die Kleine Christliche Gemeinschaft hilft den vielfach kulturell entwurzelten und in anonymen Milieus lebenden Menschen, ihre Selbstachtung zu stärken. Ziel ist es, den Mitgliedern eine neue Heimat zu geben, deren Zusammenhalt auf Glaube, Liebe und gegenseitiger Unterstützung gründet – mit anderen Worten: ihnen die Großfamilie zu geben, die sie zurückgelassen haben.

In den Städten sind die Häuser der Wohlhabenden oftmals von Mauern umgeben. An den Toren finden sich Hinweise auf Wachhunde, installierte Alarmanlagen und Sicherheitsfirmen. Kein Außenstehender gelangt ohne gesonderte Einladung hinein. Gleichzeitig gibt es einsame Familien, die sich abkapseln, einsame Menschen – selbst unter den Reichen –, Kranke und Bedürftige, die nicht in der Lage sind, den Nachbarn anzusprechen. All dies sind Probleme des Lebens in der Stadt, die von den Kleinen Christlichen Gemeinschaften gelöst werden. Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften wurden zum Befreier aus Einsamkeit und Abgrenzung, aus Anonymität und Verzweiflung. In der Kleinen Christlichen Gemeinschaft kennen die Kinder einander und leben miteinander. Das ermöglicht es den Eltern, ihre Kinder gemeinsam großzuziehen und zu erziehen. Geht das Kind zum Nachbarn, weiß man genau, wer dieser Nachbar ist. Die Jugend in der Gemeinschaft hat die Möglichkeit, ihre Unternehmungen und ihre Freizeit gemeinsam zu planen. Dasselbe gilt für Frauengruppen. Im Idealfall wird die Kleine Christliche Gemeinschaft zur erweiterten Familie, einer Familie Gottes, einer Kirche.

In den Kleinen Christlichen Gemeinschaften wird am Sonntag Gottesdienst gefeiert, wenn der Weg bis zur nächsten Pfarrkirche zu weit ist.
FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Kleine Christliche Gemeinschaften und die kirchliche Organisation

Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften schufen die Voraussetzung für die Organisation und Kommunikation in den Pfarrgemeinden. Jetzt gilt der Grundsatz, dass die gesamte pastorale Tätigkeit in den Kleinen Christlichen Gemeinschaften beginnt. Die Sakramentenkatechese nimmt ihren Anfang in diesen Gemeinschaften. Sogar das Einwerben von Spenden gelingt nach Einführung von Kleinen Christlichen Gemeinschaften besser als zuvor. Zudem haben viele Kleine Christliche Gemeinschaften die Beziehungen zu anderen Konfessionen und Religionen intensiviert. Gelegentlich laden die Kleinen Christlichen Gemeinschaften Angehörige anderer Konfessionen aus dem Kreis ihrer Nachbarn, Freunde und Verwandten zu ihren Zusammenkünften ein – vor allem, wenn es etwas zu feiern gibt. Mich selbst sprach einst ein Bischof der Lutheraner an, der wissen wollte, wie sich Kleine Christliche Gemeinschaften ins Leben rufen lassen, weil er diese Form der Selbstorganisation auch bei den Lutheranern einführen wollte.

Gemeinsames Tragen der Verantwortung in den Kleinen Christlichen Gemeinschaften

Wenn die Kleinen Christlichen Gemeinschaften Erfolg haben wollen, muss die Verantwortung in der Gemeinschaft von allen Mitgliedern getragen werden. Das darf kein Monopol von einigen wenigen Mitgliedern der Gemeinschaft sein. Das war das Geheimnis des Erfolgs der Gemeinden von Bischof Mwoleka. Kandidaten für Führungspositionen müssen von der Gemeinschaft selbst gewählt werden und Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Sie müssen integrativ wirken und versuchen, jeden in seinem Wirkungsbereich einzubeziehen – auch die Schwachen. Es ist ihre Pflicht, sich für sie einzusetzen. So wird jedes Mitglied der Kirche zum Missionar der Botschaft Christi. Viele Aufgaben werden von den Mitgliedern der Kleinen Christlichen Gemeinschaften übernommen. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter führen die Kleinen Christlichen Gemeinschaften in spiritueller, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht. Ein Sekretär hält sämtliche Ereignisse und Beschlüsse der Gemeinschaft fest. Er beziehungsweise sie koordiniert auch die Events. Der Kassenwart erfasst und verwaltet die Mittel der Gemeinschaft und führt die der Pfarrgemeinde zustehenden Mittel ab. Ein Verantwortlicher für die Liturgie leitet die Andachten und organisiert liturgische Feste der Gemeinschaft. Er sorgt dafür, dass die Gemeinschaft die Liturgie einschließlich der Lieder kennt und bereitet die Mitglieder auf die liturgischen Feiern vor. Ein Familienberater begleitet Verlobte auf ihrem Weg zur Eheschließung, stärkt die Familien, bildet ein Team zur Schlichtung von Familienstreitigkeiten und kümmert sich um die Begleitung der Familien. Zudem macht das Team Hausbesuche bei Familien mit Problemen. Ein Religionslehrer (Mlezi) ist für die religiöse Bildung der Kinder zuständig. Er kümmert sich um das sakramentale Leben der Kinder einschließlich Taufe, Abendmahl und Firmung. Zudem begleitet er die religiöse Erziehung der Kinder – Gebete und Katechismus – und sorgt dafür, dass die Kinder zur Schule gehen. Die »Mhudumu« kümmern sich um die Bedürftigen in der Gemeinschaft, organisieren Krankenbesuche und die diakonische Betreuung. Der Verantwortliche für die lokale Entwicklung (Mchumi) trägt dafür Sorge, die Armut unter den Gemeinschaftsmitgliedern, insbesondere den Jungen, zu mildern. Bei Bedarf initiiert er eine regionale Kreditgenossenschaft.

Die Familien in den Gemeinschaften unterstützen sich gegenseitig, um die Lebenssituation vor Ort zu verbessern.
26 FOTO: HARTMUT SCHWARZBACH

Der Einfluss und die Situation der Kleinen Christlichen Gemeinschaften in Tansania

Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften haben großen Einfluss auf den Alltag der Christen in Tansania. Sie sind so stark in der Kultur der Menschen verankert, dass sich das Verpassen eines wöchentlichen Treffens anfühlt, als hätte man die Sonntagsmesse verpasst. Die Treffen der Gemeinschaften sind häufig Teil des gesellschaftlichen Lebens der Ortsgemeinde. Dort kommen die Christen zusammen, reflektieren über das Wort Gottes, beten, diskutieren und planen die Belange der Gemeinschaft. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Die Menschen sind bereits mit dem pastoralen Modell vertraut und organisieren sich selbst in Gemeinschaften. Dann laden sie den Gemeindepriester ein, sie zu beauftragen und zu segnen.

Die Zahl der Kleinen Christlichen Gemeinschaften wächst. Allein in der Erzdiözese Daressalaam gab es 2008 – dem »Jahr der Kleinen Christlichen Gemeinschaften « – mehr als 2400 Gruppen. Und seitdem ist ihre Zahl noch gestiegen. Man schätzt, dass es in Tansania inzwischen etwa 60.000 Gemeinschaften gibt. Die Vernetzung unter ihnen ist gut und gewollt. Benachbarte Basisgemeinden kommen in der Regel zum Feiern der Messe zusammen und kennen einander. Dies fördert den Austausch. Mitunter gehen Kleine Christliche Gemeinschaften – selbst aus verschiedenen Diözesen – auch Partnerschaften ein. Diese Partnergemeinden besuchen einander und tauschen ihre Erfahrungen aus. Gerade die jungen Mitglieder schließen sich in Sozialen Netzwerken zusammen und tauschen sich dort über die verschiedensten Dinge aus. Die Pfarrgemeinde entwickelt sich so zu einem Netzwerk vieler kleiner lebendiger Gemeinschaften.

Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften spielen eine zentrale Rolle für die Teilhabe der Laien in der Kirche. Alle Aktivitäten – von der Basis bis hinauf zur Landesebene – gehen von den Kleinen Christlichen Gemeinschaften aus. Alle Führungspersönlichkeiten sind zuallererst Laienführer in den Basisgemeinden.

Die Schwierigkeiten der Kleinen Christlichen Gemeinschaften

Eine Vorbedingung für den Erfolg der Kleinen Christlichen Gemeinschaften ist die aktive Unterstützung durch den Gemeindepriester und seine Helfer. Diese ist jedoch leider nicht immer gegeben. Daher muss es Seminare, Kongresse und andere Impulse gerade auch für Priester geben. Die Katechisten geben sich große Mühe, die Kleinen Christlichen Gemeinschaften mit Leben zu erfüllen. Leider haben viele von ihnen keine entsprechende Ausbildung. Hier besteht Nachholbedarf: Katechisten müssen geschult und mit dem nötigen Wissen ausgestattet werden. Männer – obwohl den Kleinen Christlichen Gemeinschaften wohlgesonnen und bereit, finanzielle Beiträge zu leisten – tun sich schwer, die wöchentlichen Treffen zu besuchen. In der Stadt herrscht aufgrund von Versetzungen und Umzügen eine hohe Mobilität. Das stört das Leben der Kleinen Christlichen Gemeinschaften, insbesondere dann, wenn die Fluktuation Personen mit Leitungsfunktion betrifft. Einige Kleine Christliche Gemeinschaften sind zu groß geworden, aber ihre Mitglieder stemmen sich gegen eine Aufspaltung. Dies beeinträchtigt das Leben der Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Auf dem Dorf hat das zur Folge, dass die »Jumuiya mama« als Dachverband der Gemeinschaften mitunter stärker als die eigentlichen Kleinen Christlichen Gemeinschaften ist.

Kleine Christliche Gemeinschaften als Grundstruktur der Kirche

Die Zukunft der Kirche in Tansania ist eng mit dem Erfolg der Kleinen Christlichen Gemeinschaften verbunden. Vor einigen Jahren war ich in Indien und sah dort mit Freude, dass einige südindische Diözesen das System der Kleinen Christlichen Gemeinschaften übernommen haben, die dort »Basic Christian Communities« heißen. Es gibt sie seit nicht einmal fünfzehn Jahren, und ihre Mitglieder leben ähnlich miteinander wie in Tansania. Man könnte beinahe glauben, sie hätten das Leben in den Gemeinschaften von uns kopiert. Dies zeigt, dass Kleine Christliche Gemeinschaften auch in anderen Regionen der Welt als lebendige Grundstruktur der Kirche leben (können).

BISCHOF METHOD KILAINI

geb. 1948 in Katoma, war seit 1999 Weihbischof in Daressalaam und wurde von Benedikt XVI. im Jahr 2009 zum Weihbischof in Bukoba ernannt.

Mitglieder der Kleinen Christlichen Gemeinschaften engagieren sich: Die Kakau-Band klärt in ihren Veranstaltungen über die Risiken von HIV/Aids auf.
FOTO: NIEDERMEIER/FOCUSWELTEN

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