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Eine Ahnung vom Paradies

Zehntausende kommen zum großen Domjubiläum nach Münster

Ulrich Jost-Blome

Auch Weihbischof Stefan Zekorn besuchte anlässlich des Domfestes in Münster den Flucht-Truck.
FOTO: JOHANNES HÖRNEMANN/BISCHÖFLICH MÜNSTERSCHES OFFIZIALAT VECHTA

Wenn eine große Organisation feiert, dann lockt die Versuchung der Selbstbeweihräucherung. Einmal auf heile Welt machen! Einmal alles andere vergessen lassen! Wer hätte dafür nicht Verständnis? Den Verantwortlichen des Domfestes, das vom 26. bis 28. August 2014 unter dem Titel »Willkommen im Paradies!« in Münster stattfand, ist es demgegenüber gelungen, auch in diesen drei Tagen die Welt nicht rosiger darzustellen, als sie nun einmal ist. Nicht nur hausgemachte Probleme wurden offen angesprochen, auch die globalen Zusammenhänge kamen vor – in Gebeten, Veranstaltungen, Projekten. Denn von Anfang an war es Absicht der Organisatoren, die weltkirchliche Dimension des Bistums vielgestaltig erfahrbar werden zu lassen.

So war beispielsweise das Internationale Katholische Missionswerk missio mehrfach präsent. Der Flucht-Truck sensibilisierte als multimediale Ausstellung die Besucher und Besucherinnen im durchaus beabsichtigten Kontrast ausgerechnet in Münsters »Guter Stube« über die Bedingungen, unter denen Bürgerkriegsflüchtlinge im Ostkongo ihre Heimat verlassen müssen. Ausstellungen informierten über »Glaubenszeugen « und über die Lage »Bedrängter Christen«; eine Mauer auf dem Domplatz wies auf die bleibende Forderung nach Religionsfreiheit hin und forderte zur Solidarität mit bedrängten Christen auf.

Am Syndikatsplatz bekam man einen Eindruck von der Vielfalt des Engagements für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung. Am Stand der Bistumspartnerschaften konnten sich die Besucher und Besucherinnen über die Formen der Zusammenarbeit mit den fünf Diözesen im Norden Ghanas und mit der Diözese Tula in Mexiko informieren. Offenbar machte es dabei viel Spaß, das viel bemühte Bild vom »Brücken bauen« ganz konkret durch menschliche Körper in Szene zu setzen.

Zu den »Promis« zählte der Ökonom und Theologe Friedhelm Hengsbach, der mit Franz Gulde (Misereor) das Verhältnis von politischem Engagement und solidarischem Lebensstil austarierte.

Dass der gebürtig aus dem Bistum Münster stammende Bischof Martin Happe aus Mauretanien den Schlussgottesdienst mitfeierte, war ein weiteres Zeichen weltweiter Verbundenheit, wie Bischof Dr. Felix Genn hervorhob. Ausgeschenkt und verkauft wurde übrigens der eigens für das Domfest auf den Markt gebrachte »Paulus-Kaffee«: Fair gehandelt, biologisch zertifiziert, regional geröstet, sozial und inklusiv hergestellt, gab er buchstäblich einen Vorgeschmack auf paradiesische Zustände.

Übrigens erinnerte so manchen Teilnehmer des Domfestes die Mischung aus Vorträgen, Gottesdiensten und Foren an das größere Format der Katholiken- und Kirchentage. Viele wussten von einer entsprechenden Anfrage an das Bistum Münster, Gastgeber des Katholikentages 2018 zu sein, daher machte das Wort vom »Probelauf« die Runde. Auf jeden Fall steht fest: Wenn es zu diesem Großereignis kommt, dann wird die weltkirchliche Dimension und insbesondere der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung auch wieder mehr als nur eine Duftnote sein.

Kann man so viele unterschiedliche Aspekte summieren? Wohl kaum. Bewiesen wurde aber zweifelsfrei, dass Feierstimmung und kritische Auseinandersetzung kein Widerspruch sein müssen. Sicherlich wird nach so viel Bewegendem niemand ernsthaft behaupten wollen, wir seien schon am Vorabend des Paradieses angekommen. Aber eine etwas genauere Vorstellung davon, wie es sich anfühlen könnte, haben wir schon bekommen.

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