Informationen aus der Weltkirche BISTUM LIMBURG corner

Lokale Kirchenentwicklung

Limburger Summerschool 2014

Jacqueline Schlesinger

Die Kirche hat im Laufe der Zeit oft ihren Namen verändert. Sie war »Versammlung «, »der neue Weg«, »Leib mit vielen Gliedern«, »Braut Christi« … »Es ist die Zeit für einen neuen Namen gekommen! « Die philippinische Theologin Estela Padilla steht lächelnd vor einer Gruppe von Menschen aus dem Bistum Limburg. Gerade mit einem solchen Satz trifft sie das Lebensgefühl vieler Teilnehmer, besonders nach den Erfahrungen der letzten Jahre und Monate im Bistum Limburg. Kirche hatte einen »schlechten« Namen bekommen unter vielen Zeitgenossen. Sich innendrin oder außerhalb als bewusst zur Kirche gehörig zu outen, kann bis heute einiges an Diskussionen bewirken. Der Leidensdruck vieler Engagierter ist nach wie vor hoch …

Sechs Pfarreiteams von Haupt- und Ehrenamtlichen und das Team des Bischof- Blum-Kollegs aus dem Bistum Limburg sowie jeweils ein Team aus den Bistümern Trier und Bremen nahmen erstmalig an einer »Summerschool« im Bistum Limburg teil, die vom Dezernat Pastorale Dienste veranstaltet wurde. Verstärkung erhielten die Limburger Akteure durch ein erfahrenes Team aus dem Pastoralinstitut »Bukal ng Tipan« auf den Philippinen, das in ihrer Heimat ganze Diözesen und viele Pfarreien in Entwicklungsprozessen und auf der Suche nach einer »shared vision«, einer gemeinsam geteilten pastoralen Vision, begleitet. Hinter dem Begriff »Summerschool « verbirgt sich ein mehrtägiges Veranstaltungsformat, das im Pastoralinstitut entwickelt wurde und das von den Beteiligten auf dem Hintergrund philippinischer Erfahrungen für die jeweilige Situation vor Ort weiterentwickelt wird. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es sowohl theoretische Reflexion und praktisches Erleben sehr eng miteinander verknüpft als auch pastoral- theologische Überlegung und spirituelles Erlebnis intensiv miteinander verbindet. Bei allem steht die Heilige Schrift im Mittelpunkt, deren theologisch- missionarische Impulse im liturgischen Ritual und im Gebet wahrgenommen werden und sich in praxisorientierten Übungen, in Gespräch und Erfahrungsaustausch weiter entfalten. So will die »Summerschool« einen Erfahrungsraum öffnen, der die Teilnehmenden inspiriert und sie miteinander konkrete Anknüpfungspunkte entwickeln lässt, von denen aus vor Ort weitergearbeitet werden kann. Die Zusammenarbeit mit dem Team aus Bukal hat sich in den letzten Jahren in der Diözese Hildesheim bewährt, wo diese Art von Schulung bereits seit einigen Jahren mit der Unterstützung von missio für Teams aus ganz Deutschland angeboten wird. missio fördert die Zusammenarbeit und Vernetzung von Pastoralinstituten weltweit und engagiert sich in der Vermittlung von innovativen pastoralen Ansätzen aus der Weltkirche für die deutsche Kirche.

Auf der Summerschool wurde schnell deutlich, dass es sich, neben der Vermittlung von Kenntnissen und Methoden eines partizipativen Handelns und der Ausbildung von Multiplikatoren für die Pfarreien, grundsätzlich um einen geistlichen Prozess handelt. Gleich zu Beginn der gemeinsamen Tage wurde der Bibel ein zentraler Platz im Raum gegeben, um deutlich zu machen, dass das Hören auf Gott und die Suche nach seinem Willen für die Kirche in diesem Prozess unerlässlich ist. Insgesamt zeigt sich der philippinische Ansatz als authentisch verwobene Einheit von Liturgie und Arbeitsinhalten, was auf die Teilnehmenden der Summerschool besonders nachhaltig wirkte: »Es waren Tage der Inspiration, voller Gemeinschafts-, Glaubens- und Gotteserfahrung. Sie waren für mich eine Quelle der Kraft und schenken mir Freude im Alltag«, »Die Tage wirkten auf mich wie eine Energie-spritze«, »Ich habe erlebt, wie fremde Menschen zu einer Glaubensgemeinschaft wurden und ihre Hoffnung auf eine neue Art der Kirche miteinander geteilt haben« …Das sind nur einige der Rückmeldungen auf die erfahrene Dichte in den Impulsen, Gesprächen und liturgischen Feiern, die neben den persönlichen Erfahrungen für den Einzelnen immer auch den Blick weiteten auf die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden.

Partizipatives Handeln in der Kirche bedeutet, ein möglichst hohes Maß von breiter Beteiligung aller Mitglieder anzustreben. Das zielt darauf, dass jeder nach dem Maß seiner Fähigkeiten und Begabungen (Charismen), nach den Möglichkeiten seiner Lebensumstände, besonders aber in der gleichen Würde und Sendung aller Getauften in der Kirche und für den Glauben Verantwortung übernehmen kann und soll. Unterschiedliche Ämter, Rollen und Funktionen bleiben in der »partizipativen Kirche« weiter wichtig und präsent, ordnen sich aber sichtbar und spürbar stärker als notwendige Dienste in ein gemeinschaftliches Gesamtbild von Kirche ein, das an der Communio- und Volk-Gottes-Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils orientiert ist. Die größtmögliche Teilhabe an den Prozessen, dass möglichst viele Menschen in einer Pfarrei (oder in einer Diözese, je nach Träger und Initiator des Prozesses) mitgehen, ist bei der Suche nach der gemeinsamen Vision unerlässlich. Und damit sind nicht nur die aktiven Gottesdienstbesucher oder die Kerngemeinde einer Pfarrei gemeint. Bei der eindrücklichen Darstellung des Prozesses, wie eine gemeinsame Vision gesucht, geteilt und entwickelt wird, machte das Team aus Bukal deutlich, dass alle Getauften dabei eine wichtige Rolle spielen. Zwar können nicht alle befragt, doch sollen möglichst viele in die Suche einbezogen werden. Dazu bildet man Teams aus, die die Menschen in ihrem Lebensumfeld aufsuchen und nach ihrer Meinung befragen. Neben einer umfassenden Analyse der wirtschaftlichen, sozio-kulturellen, ökologischen, politischen und religiösen Bedingungen vor Ort, wird durch die Einbeziehung möglichst vieler Meinungen das Bild klarer, wie Kirche auf die lokale Situation antworten könnte. In einem Prozess, der immer wieder die Basis mit einbezieht, wird eine gemeinsam geteilte Vision entwickelt, die Menschen motiviert, inspiriert und in Bewegung bringt. Keine Vision, die nur mit dem Hirn und mit den Lippen formuliert wird und dann in einem Ordner verschwindet, sondern eine Vision, die in den Herzen der Menschen ihren Ursprung hat. Von dort strahlt sie aus über die Augen und fließt in die Hände und Füße und verändert Kirche. Für die Teilnehmenden der Limburger Summerschool hat dieser Prozess begonnen. Er wird vor Ort in ihren Gemeinden und Pfarreien weitergehen. Er hat aber auch auf Bistumsebene Funken geschlagen.

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