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SRI LANKA

Papst Franziskus als Publikumsmagnet

Aloysius Pieris SJ

Bis 2009 herrschte in Sri Lanka ein Bürgerkrieg, in dessen Verlauf mehr als 100.000 Menschen starben. Bei seinem Besuch in dem asiatischen Land im Januar 2015 setzte Papst Franziskus ein Zeichen des Friedens.
FOTO: KNA-BILD/A. TARANTINO/REUTERS POOL

Wie gut war Sri Lanka auf den Besuch dieses Papstes vorbereitet? Die meisten von uns sahen dem Besuch mit großer Besorgnis entgegen und wünschten eigentlich, dass der Besuch des Papstes auf später verschoben würde. Verschiedene Laien- und Klerikergruppen teilten ihre Vorbehalte und Sorgen dem Nuntius und auch dem Vatikan mit. Viele Christen, aber auch Nicht-Christen waren empört, dass das jetzt abgewählte Regime versucht hat, seine Chancen bei der Präsidentschaftswahl durch Missbrauch des Namens und des Fotos des Papstes zu verbessern. Denn nur gerade mal drei Tage sollten zwischen der Verkündigung des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl und der Ankunft von Papst Franziskus liegen. Die gespannte Atmosphäre in der Vorwahlzeit, die erfüllt war von grobem Machtmissbrauch und offenkundiger Verletzung des Wahlgesetzes ließen ein Szenario der Gewalt nach der Wahl erwarten und auch die mögliche Verhängung des Kriegsrechts befürchten. Dies alles hätte das eigentliche Ziel der Pilgerfahrt des Papstes zunichte gemacht. Es war ganz sicher nicht voreilig oder unbegründet, dass wir diese Ereignisse für möglich hielten und die kirchlichen Autoritäten entsprechend warnten. Denn inzwischen wurde eine offizielle Untersuchung eingeleitet, die den Gerüchten über einen Militärputsch nachgeht, der geplant oder sogar während des Auszählens des Wahlergebnisses auch versucht worden sein soll.

Mit einem Seufzer der Erleichterung müssen wir jetzt anerkennen, dass die heilige Sturheit, die der Papst zeigte, indem er alle Warnsignale ignorierte, die Frucht einer »Unterscheidung der Geister« gewesen ist, die zur Ausbildung der Jesuiten gehört und von ihnen erwartet wird, wenn sie eine Wahl zwischen zwei strittigen Optionen zu treffen haben. Der Papst war entschlossen, bei uns zu sein, wie auch immer die Umstände waren. »Venit, vidit, vicit« – er kam, er sah und er eroberte unser aller Herzen. Einige Nachrichtenorgane behaupteten, dass die Masse der Menschen, die zu seiner Begrüßung kamen und die mit ihm beteten, die zahlenmäßig größte Versammlung gewesen ist, die jemals in der Geschichte des Landes aufgezeichnet wurde.

Diese Fakten straften alle unsere Bedenken Lüge. Seine Anwesenheit in unserem Land während des 13., 14. und 15. Januar wurden zu einem Triduum der spirituellen Wiedergeburt für die Christen. Zugleich waren sie so etwas wie eine Siegesfeier für alle, die auf den so notwendigen politischen Wandel gehofft hatten. Sie waren ein Vorgeschmack der Versöhnung unter den Volksgruppen für alle, die an den beiden Eucharistiefeiern und den sie begleitenden Predigten des Papstes im Gebiet der Singhalesen im Süden und in dem der Tamilen im Norden teilnahmen. Zugleich war der Besuch des Papstes auch eine Erfahrung eines Neuanfangs in der Ökumene für alle, die beobachten konnten, dass bei der Begegnung mit dem Papst selbst die Mitglieder der Evangelischen Allianz sich den übrigen Christen anschlossen, etwas, das bisher ohne Beispiel in unserer Ortskirche gewesen ist.

Die persönliche Ausstrahlung des Papstes bei der Begegnung mit den Nicht-Christen, besonders mit den Buddhisten, wurde von ihnen mit großer Wärme beantwortet. Am Schluss der Begegnung mit den Vertretern der anderen Religionen erhoben sich einige sehr bekannte buddhistische Religionsführer und grüßten den Papst mit Geschenken in den Händen – eine Geste, mit der sie das traditionelle Protokoll durchbrachen, nach dem sie immer sitzen bleiben und sich nur erheben, wenn sie andere Äbte oder ältere Mönche empfangen. Sie ehrten diesen Papst als einen religiösen Führer, der der ganzen Welt gehört.

»Elektrisierend« war das Wort, das wir von den Lippen vieler hörten, wenn sie die Wirkung zu beschreiben versuchten, die Papst Franziskus ausgelöst hat. Wenn ich beschreiben soll, was der Besuch bei mir ausgelöst hat, dann ist es die »Freude am Evangelium«, wie Papst Franziskus sie in seinem Schreiben »Evangelii gaudium« ausgedrückt hat. Durch seine spontanen Gesten einer alles umgreifenden Zuneigung zeigte er sich als ein Christ, der die Vertreter der anderen Religionen nicht als Rivalen in einem Rennen um Bekehrungen sieht, sondern sie als Mitarbeiter in einer gemeinsamen Mission versteht. Die gemeinsame Mission, für die Papst Franziskus in seinem Pontifikat eintritt, ist der geistige Kampf, die Gierigen zu bekehren und eine soziale Bewegung anzustoßen, die Bedürftigen zu stärken, so dass sowohl die Verschwendung, welche die Gierigen angerichtet, als auch die Not, welche die Bedürftigen erfahren haben, beide zu gleicher Zeit ausgerottet werden können.

Wir sind auch dankbar, dass er offiziell bestätigt hat, dass Joseph Vaz das sein kann, was er für Generationen von Christen in Sri Lanka seit dem 18. Jahrhundert bis in unsere Tage hinein schon immer gewesen ist: nämlich ein Heiliger. Joseph Vaz war ein Priester, der über bischöfliche Vollmachten verfügte, aber auf alle äußeren Zeichen dieses Amtes verzichtete. Er war ein Hirte, der mit seiner Herde ging und große Entfernungen mit dem demütigen Mittel der Armen, nämlich zu Fuß absolvierte. Er war ein Missionar, der in seinem Lebensstil ein Vorbild in seiner Einfachheit war, aber voller Großzügigkeit, wie er seine Zeit und Arbeit mit seinen Mitarbeitern teilte. In vielfältiger Weise hat er den pastoralen Stil vorweggenommen, den drei Jahrhunderte später der Papst praktiziert, der ihn heilig sprach. Wird das unauslöschliche Bild einer »Leitung durch Dienen«, das der Papstbesuch unserer Erinnerung eingeprägt hat, uns inspirieren, die Ausübung des Amtes in unserer Kirche zu entklerikalisieren?

Wir hoffen, dass die christliche Gemeinschaft hier vor Ort diese Schätze nutzen kann, im Besonderen den eindeutigen Wunsch des Papstes, dass der Staat den Opfern des Bürgerkrieges Gerechtigkeit widerfahren lässt und dass die Opfer von ihrer Seite barmherzig sind und den Tätern verzeihen können. »Am Fuß des Kreuzes vergab Maria den Mördern ihres Sohnes«, daran erinnerte der Papst die Pilger am Marienschrein Madhu im Norden des Landes. Ist nicht beides, Gerechtigkeit und Erbarmen, gefordert, um die schwärenden Wunden zu heilen, die der dreißigjährige bewaffnete Kampf hinterlassen hat? Die Botschaft des Papstes stieß auf offene Ohren und die Botschaft wurde von den Medien aufgegriffen.

Wenn die Friedensmission, die Franziskus uns hinterlassen hat, durch unsere Worte und Taten, durch unser Leben und unser Zeugnis Frucht trägt, dann wird unsere Ortskirche ganz sicher für unsere Mitbürger Gottes Frohe Botschaft werden. Dann wird sein Besuch ganz sicher das Risiko wert gewesen sein, das der Papst auf sich genommen hat.

Aloysius Pieris SJ,
aus dem Englischen übersetzt von Georg Evers

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