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ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK

Aachener Friedenspreis für Bischof Dieudonné

Vergabe des Aachener Friedenspreises 2015 an den missio-Projektpartner Erzbischof Dieudonné Nzapalainga und seinen muslimischen Partner Imam Omar Kobine Layama aus der Zentralafrikanischen Republik. Foto: missio/Christian Schnaubelt

Am 1. September wird der Aachener Friedenspreis an den Erzbischof von Bangui und langjährigen missio-Partner Dieudonné Nzapalainga und an den Imam Omar Kobine Layama verliehen. Sie werden für ihr Eintreten für den friedlichen Dialog der Religionen geehrt. Zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Nicolas Guerekoyame-Gbangou haben sie die »Plateforme des Confessions Religieuses de Centrafrique« gegründet, ein Forum, auf dem sich die verschiedenen religiösen Gemeinschaften der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) austauschen können, um nicht mehr als Feigenblatt zur Legitimation von Gewalt missbraucht zu werden. Der Konflikt in der ZAR ist politisch und nicht religiös motiviert. Jedoch sorgen die unbeschreiblichen und ungehemmten Gewalttaten der letzten Jahre für tiefe gesellschaftliche Risse, die sich an den verschiedenen religiösen Bekenntnissen entlangziehen, dem offensichtlichsten und einfachsten Unterscheidungsmerkmal der Menschen.

Die Zentralafrikanische Republik ist von Jahrzehnten des Bürgerkriegs zerrüttet. Mit Hilfe von internationalen Partnern sollen im Oktober freie und demokratische Wahlen stattfinden. Das Land steht am Scheideweg. Am 13. August 1960 wurde die ZAR von der französischen Kolonialmacht in die Unabhängigkeit entlassen. Heute, 55 Jahre später, ist das Land von Gewalt zerrissen und von Korruption und Klientelismus geprägt. Das Land, im Herzen Afrikas gelegen, ist fast doppelt so groß wie die Bundesrepublik, hat aber nur knapp fünf Millionen Einwohner. Es zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, obwohl die ZAR zu den rohstoffreichsten Staaten Afrikas gehört. Gold, Diamanten, seltene Hölzer und hervorragende klimatische Bedingungen für den Anbau von Baumwolle, Kaffee und Kautschuk könnten als Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes dienen.

Allerdings ist eine strukturierte und zielorientierte Wirtschaftspolitik nicht möglich, da eine funktionierende staatliche Verwaltung praktisch fehlt. Seit der Unabhängigkeit wechselt die Regierung in der Regel nicht nach einer Wahl, sondern nach einem Putsch. Fast schon traditionell missbrauchen Politiker ihre Macht zur persönlichen Bereicherung. Auch die Gewinne aus dem Abbau der Ressourcen kommen nicht der Bevölkerung, sondern einzelnen Warlords und ihren Anhängern zugute.

Seit dem letzten Regierungssturz im April 2013 befindet sich das Land in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand. Mit der Präsenz von gut 12.000 UN-Blauhelmsoldaten hat sich die Sicherheitslage verbessert. Dennoch steht das Land vor der Herausforderung eines langwierigen Friedensprozesses. Erschwert wird die Lage dadurch, dass die Blauhelme über kein Mandat zur Entwaffnung der verschiedenen marodierenden Gruppen verfügen. Zudem befinden sich 800.000 Menschen auf der Flucht, die wieder in ihre Heimatdörfer zurückkehren sollen. Ein Großteil dieser Flüchtlinge sind Muslime, die sich vor den Übergriffen christlicher Gruppen in Sicherheit brachten.

Am 23. Juli 2015 musste die stellvertretende Hochkommissarin für Menschenrechte der UN, Flavia Pansieri, zurücktreten, da sie auf Berichte über sexuelle Übergriffe französischer Soldaten auf Flüchtlingskinder nicht reagierte. Zwischen Dezember 2013 und Juni 2014 sollen einige Soldaten, die UN-Flüchtlingscamps in der Hauptstadt Bangui schützten, Kinder und Jugendliche zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben.

Doch es gibt auch Gutes zu berichten. Im Mai erklärten sich mehrere bewaffnete Gruppen bereit, bis zu 10.000 Kindersoldaten frei zu lassen und keinen Ersatz für sie zu rekrutieren.

Bei dem Versuch, die ZAR zu befrieden, handelt es sich um ein Langzeitprojekt mit ungewissem Ausgang. Es müssen verlässliche demokratische Strukturen geschaffen werden, um Frieden und Freiheit in diesem Land aufbauen zu können. Dafür braucht es internationale Hilfe und einen langen Atem der Geberländer.

(MD)

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