Länderbericht SRI LANKA corner

Freiheit für religiöse Minderheiten in Sri Lanka?

Die nationale Einheit des Landes ist bedroht

LAWRENCE FERDINANDO

Rund 70 Prozent der Bewohner Sri Lankas sind Buddhisten. Christen bilden mit 7,5 Prozent eine Minderheit.
FOTO: ANKE REERMANN

In der Verfassung von Sri Lanka heißt es: »Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Das schließt die Freiheit ein, eine Religion oder eine Weltanschauung eigener Wahl zu haben oder anzunehmen« und »die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Gottesdienst, Beachtung religiöser Bräuche, Ausübung und Unterricht zu bekunden«. Die Realität sieht jedoch anders aus: In Sri Lanka, das einen 26 Jahre währenden verheerenden Bürgerkrieg zwischen tamilischen Separatisten unter Führung der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) und der Zentralregierung hinter sich hat, leben religiöse Minderheiten unter dem Druck rassistischer und extremistischer buddhistischer Gruppierungen wie Bodu Bala Sena, Ravana Balakaya und Sinhala Ravaya.

Am 18. Mai 2009 erklärte die seit 2005 von Präsident Mahinda Rajapaksa geführte Regierung Sri Lankas den Bürgerkrieg für beendet. Im Anschluss daran startete man Entwicklungsprojekte zum Wiederaufbau des Landes wie Mega-Citys, Mega-Autobahnen und fünf Verkehrsknotenpunkte. In Unkenntnis der versteckten politischen und wirtschaftlichen Agenda von Rajapaksa begrüßten die Bürger das Programm. Zudem ergriff die Regierung Maßnahmen zur Singhalesierung vormals tamilischer Gebiete, indem sie singhalesischen Buddhisten Land gab und an mehreren Orten große Buddha-Statuen errichtete. Dies stieß auf die Ablehnung der Tamilen im Norden, aber auch Bürgerrechtsorganisationen zeigten sich besorgt. Die Singhalesen begrüßten die Maßnahmen jedoch, weil sie ihnen Vorteile brachten. So erhielten sie beispielsweise kostenlos Grundstücke. Hinter dieser Politik verbarg sich die Absicht, eine stärkere Kontrolle über die Tamilen auszuüben.

Schaffung einer buddhistischen Kultur

Statt das harmonische Zusammenleben der Religionen und die nationale Aussöhnung zu fördern, ließ die Regierung Rajapaksa die Bildung rassistischer und extremistischer singhalesischer Buddhisten-Gruppierungen zu. Das Ziel war die Schaffung einer buddhistischen Kultur unter dem Credo ›Sri Lanka ist ein Land Buddhas‹. Mehr noch: Die Regierung ließ es zu, dass diese Gruppen zahlreiche Anschläge auf Muslime, Christen und Hindus verübten.

Dem Volkszählungsbericht von 2012 lässt sich ein starker Rückgang der Zahlen von Buddhisten auf der mehrheitlich buddhistischen Insel entnehmen. Schätzungen zufolge sind von den insgesamt 20 Millionen Einwohnern Sri Lankas 70 Prozent Buddhisten, 12,6 Prozent Hindus, 9 Prozent Muslime und 7,5 Prozent Christen. Den extremistischen Buddhisten-Gruppierungen gefielen diese Zahlen im Volkszählungsbericht nicht. Sie reagierten mit Dutzenden von Angriffen auf Christen und ihre Kirchen – mit der Behauptung, die Christen würden Buddhisten zum Christentum bekehren. Außerdem forderten sie ein Gesetz, das Glaubensübertritte verbietet, und ein Verbot missionarischer Gruppen.

Die Rajapaksa-Regierung musste dem Druck der Extremistengruppen nachgeben und gab amtliche Rundschreiben zur Regulierung der Aktivitäten religiöser Minderheiten heraus. Das Jahr 2008 bot dafür eine Reihe von Beispielen. Laut einem Rundschreiben aus diesem Jahr sind religiöse Minderheiten verpflichtet, ihre Gebetsstätten beim Ministerium registrieren zu lassen und vorab Baugenehmigungen einzuholen. Diese Vorschriften galten vermeintlich für alle Religionsgruppen, wurden aber nur bei Christen und Muslimen durchgesetzt. Laut der National Evangelical Christian Alliance of Sri Lanka wurden 2014 dreißig Kirchen zwangsweise geschlossen. Auch einige nicht registrierte Gebetshäuser zwang man zur Schließung.

Recht auf Religionsunterricht wird verwehrt

Als Folge der Kampagne zur Beseitigung anderer Religionen wurden nicht-buddhistische Schüler an staatlichen Schulen von Seiten der Lehrer und des Verwaltungspersonals diskriminiert. Man zwang Schüler, am buddhistischen Religionsunterricht teilzunehmen. Lokale Medien berichteten über Angriffe auf nicht- buddhistische Schüler, wie die öffentliche Bestrafung christlicher Schüler an staatlichen Schulen. In einem Rundschreiben des Bildungsministeriums hieß es, Schulen mit mehr als 15 nicht-buddhistischen Schülern müssten eine Klasse für den Religionsunterricht der betreffenden Religion einrichten. An staatlichen Schulen wird diese Anweisung jedoch nur selten umgesetzt.

Einige extremistische buddhistische Gruppierungen instrumentalisierten kulturelle Sitten, um anderen Religionsgruppen zu schaden. So setzt sich Sinhala Ravaya, eine extremistische singhalesische Buddhisten- Gruppe, beispielsweise für ein landesweites Verbot der Schlachtung von Rindern ein. Für Buddhisten ist das kein Problem, weil die meisten von ihnen ohnehin kein Rindfleisch essen. Die Bauern setzen Kühe und Ochsen lieber für die Arbeit in den Reisfeldern, als Milchkühe, als Zugtiere und für die Produktion von Dung für die Felder ein. Für die Hindus ist die Kuh als Begleittier des Gottes Shiva ohnehin ein heiliges Tier, das aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen unantastbar ist. Sinhala Ravaya weiß, dass die meisten Rinderschlachthöfe und -metzgereien von Muslimen betrieben werden. Sinhala Ravaya schreibt Buddhisten jedoch nicht den Verzicht auf Rindfleisch vor. Mehr noch: Sie lassen die Einfuhr von Rindfleisch und dessen Verkauf zu. Gleichzeitig war Sinhala Ravaya während der Regierungszeit von Rajapaksa (2005–2014) jedoch Drahtzieher mehrerer Anschläge auf christliche Kirchen und von Muslimen geführte Metzgereien. Auch die Gruppierung Bodu Bala Sena (BBS) bediente sich ähnlicher Propaganda gegen Muslime und übte Druck auf die alte Regierung aus, in Sri Lanka das Tragen von Kopftüchern durch muslimische Frauen und den Verkauf von Halal-Lebensmitteln zu verbieten.

Es gibt das bekannte singhalesische Sprichwort »Wapula de thamai nel ganne« (»Was wir säen, werden wir ernten.«). Die Rajapaksa-Regierung, die es tatenlos zuließ, dass extremistische singhalesische buddhistische Nationalisten mit Gewalt gegen religiöse Minderheiten vorgehen, wurde dem Wüten dieser Gruppen am Ende nicht mehr Herr. Daher beschloss sie, eine Sondereinheit der Polizei einzurichten, die sich speziell mit Beschwerden religiöser Minderheiten befasst. Diese Einheit, die fast ausschließlich aus Buddhisten bestand, wurde jedoch von der Regierung und ihren BBS-Verbündeten dazu missbraucht, Angehörige religiöser Minderheiten einzuschüchtern und zu schikanieren. Die Einheit erfüllte also nicht ihre eigentliche Aufgabe, die Interessen der Opfer von Gewalt gegen religiöse Minderheiten zu schützen.

Der BBS-Generalsekretär, Galabodaatte Gnanasara Thero, drängte den Katholischen Erzbischof von Colombo öffentlich, eine katholische Gruppe mit dem Namen ›Kithu Bala Sena‹ (Christliche Brigade) zu

gründen und der BBS beitreten zu lassen, um den muslimischen Extremismus im Land zu bekämpfen. Gleichzeitig gab es Angriffe der BBS auf mehrere katholische Andachtsstätten. Am 20. Juni 2013 griffen Mitglieder der BBS die katholische Kirche in Maggona im Distrikt Kalutara an. Sie brachen den halbkreisförmigen Mondstein vor der Eingangstür heraus und behaupteten, mehrere Skulpturen in der Kirche gehörten Buddhisten. Dieselbe Gruppe griff auch die St.-Philipp-Neri-Kirche in Katukurunda im Distrikt Kalutara in der Erzdiözese Colombo an. Begründet wurde der Anschlag mit ähnlichen Vorwürfen wie beim Angriff am Tag zuvor. Dennoch versicherte die BBS immer wieder, sie hätte keine Probleme mit der katholischen Kirche.

Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt knapp 20 Prozent. Sie ist eine der großen Herausforderungen für die Gesellschaft Sri Lankas.
FOTO: ANKE REERMANN

Gewalt gegen religiöse Minderheiten nimmt zu

Örtliche Kirchenunterlagen dokumentierten für 2013/14 mehr als zweihundert Vorfälle und Angriffe auf christliche Gemeinden. Laut diesen Dokumenten wurden die meisten evangelikalen Kirchen Opfer von Angriffen extremistischer buddhistischer Gruppen.

Im Bericht über religiöse Gewalt in Sri Lanka von 2013, einer aktualisierten Fassung der »Sorgen der Muslime«, die dem UN-Hochkommissar für Menschenrechte im August 2013 von der SLMC (Sri Lanka Muslim Congress) vorgelegt wurde, ist von 241 islamfeindlichen Vorfällen die Rede. Von diesen Vorfällen entfallen 148 auf Hasskampagnen oder Propaganda, 37 auf Akte der Einschüchterung, 37 auf die Androhung oder Anwendung von Gewalt, 16 auf Diskriminierung und 16 auf körperliche Gewalt.

Man stellte fest, dass mindestens 118 der 241 Angriffe auf das Konto von sozio-politischen Bewegungen oder Politikern gehen. »In nahezu allen Fällen versagten die Polizeibeamten beim Schutz grundlegender Verfassungs- und Menschenrechte – obwohl sie bei den Angriffen häufig zugegen waren.«

Die Rajapaksa-Regierung wurde von den extremistischen buddhistischen Gruppen für die Durchsetzung ihrer politischen Agenda instrumentalisiert. So ermutigte die ehemalige Regierung diese Gruppen beispielsweise, Demonstrationen und Aufmärsche gegen US-Resolutionen in Bezug auf Sri Lanka zu organisieren.

2014 war das ›schwärzeste Jahr‹ der Gewalt gegen religiöse Minderheiten in den vergangenen zehn Jahren. Es gab Dutzende von Angriffen auf Muslime und Christen. So begann der Januar 2014 beispielsweise mit Angriffen auf sieben Kirchen in Kotadeniyawa, Homagama, Hikkaduwa und Rathgama.

Am 15. Juni 2014 griffen mehr als 500 extremistische singhalesische Buddhisten in den Städten Aluthgama, Beruwal und Darga Town im Distrikt Kalutara der West-Provinz Muslime an. Dabei kamen drei Menschen ums Leben und 80 weitere wurden schwer verletzt; 385 Häuser und 85 Geschäfte von Muslimen wurden zerstört; Motorräder, Fahrräder und andere Fahrzeuge von Muslimen wurden beschädigt; Moscheen wurden geschändet und tausende von Muslimen flohen zur eigenen Sicherheit aus der Gegend. Die BBS und Vertreter der Rajapaksa-Regierung mit Verbindungen zur BBS wurden der Komplizenschaft bei den Angriffen beschuldigt. Auf einer Pressekonferenz warf Justizminister Rauf Hakim seiner eigenen Regierung vor, beim Schutz der Muslime zu versagen. Konkret beklagte er, der Polizei sei es nicht gelungen, unschuldige Menschen zu schützen. Dies war entscheidend für den buddhistischen Terrorismus gegen die muslimische Minderheit. Es waren die größten und schwersten Angriffe auf Muslime seit dem Angriff im Jahr 1915. Deshalb ist der Juni als ›Schwarzer Juni‹ in die Geschichte eingegangen – ein von Journalisten in Sri Lanka geprägter Begriff.

Die Regierung versuchte, die Berichterstattung der Medien über die Ereignisse zu verhindern, indem sie Websites schließen ließ und Journalisten den Zutritt zu der Gegend verwehrte. Örtliche und internationale Organisationen, darunter die Vereinten Nationen, warfen der damaligen Regierung Versagen bei der Durchsetzung von Recht und Ordnung in den betroffenen Gegenden vor.

Gesellschaftliche Probleme ungelöst

Zu den großen Problemen im Lande zählen Korruption im Staatsapparat, Vetternwirtschaft und Versagen bei der Gewährleistung von Rechtsstaatlichkeit, Rechenschaftspflicht, Pressefreiheit und demokratischen Rechten sowie der Rechte von Minderheiten auf Ausübung ihrer Religion. Organisationen der Zivilgesellschaft gingen auf die Straße, um der Öffentlichkeit klarzumachen, dass die Rajapaksa- Regierung gestürzt werden muss, wenn sich die Situation im Lande verbessern soll. Die internationale Gemeinschaft unterstützte diese Bürgerrechtsgruppen in ihrem Kampf gegen die damalige Regierung.

Nach seinem Wahlsieg über Mahinda Rajapaksa leistete Maitripa Sirisena am 9. Januar 2015 seinen Amtseid als neuer Präsident Sri Lankas. Zu seinem Premierminister ernannte er den früheren Oppositionsführer Ranil Wickramasinghe. Die neue Koalitionsregierung startete mit dem Motto ›Gute Regierungsführung‹ im Dienste des Landes.

In einer Rede im Februar 2015 erklärte Präsident Sirisena: »Wir schützen die größte Religion des Landes, den Buddhismus, wir schützen aber auch die Rechte und die Freiheit von Hindus, Muslimen und Christen auf Ausübung ihrer Religionen. Unser Ziel ist es, einen Konsens unter ihnen zu erzielen und gemeinsam am Aufbau dieses Landes zu arbeiten.« Die Worte wurden bei öffentlichen Auftritten des neuen Präsidenten mehrfach wiederholt. Inzwischen leitete er auch Schritte für ein harmonisches Miteinander der Religionen ein. So verbot die gegenwärtige Regierung beispielsweise Hassdemonstrationen gegen ethnische und religiöse Gruppen im Land.

Darüber hinaus ließ Präsident Sirisena neue Ministerien einrichten, die sich mit den religiösen Angelegenheiten von Muslimen, Hindus und Christen befassen. Zudem ernannte das neue Ministerium für Christliche Angelegenheiten einen Sonderkoordinator für Charismatische, Evangelikale und Pfingstkirchen. Die von der Vorgängerregierung eingerichtete Sondereinheit der Polizei für religiöse Angelegenheiten wurde inzwischen aufgelöst.

Das Schlachten von Rindern ist zu einem Politikum geworden. Mit einem Verbot wollen extremistische buddhistische Gruppierungen die muslimische Minderheit treffen.
FOTO: ANNE KNÖRZER/MISSIO

Gesetze zur Förderung eines religionsverbindenden Zusammenlebens

Auf einer Pressekonferenz im April 2015 kündigte der Kabinettssprecher und Gesundheitsminister Dr. Rajitha Senaratne an, die Regierung werde neue Gesetze zur Verbesserung der friedlichen Koexistenz der Religionen einführen und jeden bestrafen, der versucht, religiöse oder ethnische Konflikte im Land zu schüren.

Dank der Politik der neuen Regierung zur Harmonisierung des Verhältnisses zwischen den Religionen im Land gehören Berichte über Massenangriffe auf Gemeinden religiöser Minderheiten im Inselstaat der Vergangenheit an. Im März 2015 besuchten Mitglieder der USCIRF (United States Commission on International Religious Freedom) Sri Lanka, um mutmaßliche Fälle religiöser Gewalt gegen Minderheiten zu untersuchen. Dabei sprachen sie mit Vertretern von Regierung und Religionen über Angriffe auf religiöse Minderheiten.

Im USCIRF-Jahresbericht 2015 zur Lage der internationalen Religionsfreiheit wurden die Pläne von Präsident Sirisena zur Stärkung der Religionsfreiheit in Sri Lanka begrüßt. Der Bericht enthielt folgende Empfehlungen an die US-Regierung: Unterstützung der positiven Schritte der jüngsten Monate; Ermunterung der Regierung Sri Lankas, eine transparente und unabhängige Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen, einschließlich der Angriffe auf religiöse Minderheiten, zuzulassen; Gewährleistung, dass ein Teil der humanitären Hilfe der USA an Sri Lanka dafür genutzt wird, Minderheiten vor religiös motivierter Gewalt zu schützen; Unterstützung der Regierung Sri Lankas bei der Schulung von Beamten, Polizisten und Richtern im Hinblick auf internationale Standards der Religionsfreiheit sowie Untersuchung und strafrechtliche Verfolgung gewaltsamer Angriffe sowie die Aufforderung an die Regierung Sri Lankas, Angehörigen von Minderheiten gleichberechtigten Zugang zu Religionsunterricht an staatlichen Schulen zu geben sowie – häufig auf lokaler Ebene – eingeführte Praktiken abzuschaffen, die Religionsgemeinschaften daran hindern, Gebetshäuser zu bauen und ihren Glauben zu praktizieren.

Extremistische singhalesische buddhistische Gruppen und nationalistische Gruppen mit engen Verbindungen zur Vorgängerregierung starteten jedoch Versuche, religiöse und ethnische Konflikte zu schüren, um die neue Regierung zu destabilisieren, zu stürzen und Mahinda Rajapaksa wieder an die Macht zu bringen.

In einem Gespräch mit Forum Weltkirche erklärte der Journalist Moulavi Mubarak Abdul Majeed, dass verglichen mit der Lage unter der Vorgängerregierung inzwischen Religionsfreiheit herrsche: »Es gibt mittlerweile keine größeren Angriffe auf Moscheen mehr. Allerdings gibt es noch Demonstrationen gegen den Bau neuer Moscheen – wie jüngst in Polonnaruwa.«

»Die Muslime in Polonnaruwa einigten sich mit extremistischen Gruppen, den Bau einer neuen Moschee zu stoppen. Dennoch zerstörten diese die bereits gelegten Fundamente. Dies ist ein klarer Verstoß gegen bestehende Gesetze«, so Moulavi, Chefredakteur von aljazeeralanka.com. Sollte es sich um einen illegalen Bau handeln, haben die Behörden die Möglichkeit, gegen die muslimische Gemeinde zu klagen, erklärt er. Zudem wies er darauf hin, dass sich der Vorfall unter der neuen Regierung ereignet habe. »Wir hoffen, dass Präsident Sirisena unverzüglich Maßnahmen gegen die Schuldigen am Angriff auf die Moschee in Borella ergreift «, fügt er hinzu.

Die Analphabetenrate ist in Sri Lanka mit 8,7 Prozent im regionalen Vergleich niedrig. Neben den Amtssprachen Singhalesisch und Tamilisch wird Englisch verstärkt gefördert, um die Verständigung zwischen den ethnischen Gruppen zu erleichtern.
FOTO: ANKE REERMANN

Separatistische Bestrebungen nehmen zu

Lokale Medien berichteten, dass bei mutmaßlich islamophoben Angriffen am 30. Mai 2015 mehrere Fensterscheiben der Jumma-Masjid-Moschee in Borella im Distrikt Colombo eingeschlagen worden waren.

Fr. Sarath Iddamalgoda, Mitglied der Christian Solidarity Movement (CSM), ein Dachverband aller christlichen Konfessionen, die sich für soziale Gerechtigkeit und die Befreiung der Menschen einsetzen, erklärte gegenüber Forum Weltkirche, mittlerweile hätten die Bürger des Landes die Freiheit, sich politisch zu betätigen: »Vor dem 8. Januar wurde unser Land diktatorisch geführt. Der damalige Diktator instrumentalisierte rassistische Tendenzen und religiöse Animositäten, um seine Position zu stärken. Zu politischen Zwecken förderte er extremistische Elemente in unserer Gesellschaft.«

Weiter führt er aus: »Inzwischen herrschen demokratische Zustände und die Menschen haben größere Freiheiten. Den Schutz dieser Freiheiten müssen sie in die eigene Hand nehmen. Die extremistischen Elemente hegen nach wie vor Amibitionen auf eine Rückkehr an die Macht.«

Die meisten religiösen Minderheiten sind nach wie vor guter Hoffnung, was die neue Regierung betrifft. Sie glauben daran, in Zukunft ihre religiösen Rituale in einem friedlichen Klima angstfrei praktizieren zu können.

Gelingt es der jetzigen Regierung nicht, sämtliche Formen der religiösen Gewalt einzudämmen, hätte das erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft des Landes. Dann würden auch die Autonomiebestrebungen religiöser Gruppen auf der ganzen Insel wieder zunehmen. Einige muslimische Gruppen bestehen schon jetzt darauf, dass die Regierung die Ost-Provinz angesichts ihrer muslimischen Bevölkerungsmehrheit als Sonderverwaltungsgebiet für Muslime anerkennt. Wenn andere religiöse Gruppen derartige Forderungen erheben, wird Sri Lanka auseinanderbrechen. Daher steht die Regierung in der Pflicht, eine nachhaltige Lösung für die religiöse Gewalt im Lande zu finden.

Lawrence Ferdinando
Redakteur und Herausgeber der ersten konfessionsübergreifenden christlichen Monatszeitschrift Sri Lankas, der »Saththyalokaya«

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