Pastorale Ausbildung in Simbabwe Das Ausbildungszentrum Wadzanai corner

Pastorale Ausbildung in Simbabwe

Das Ausbildungszentrum Wadzanai

SR. CATHERINE PHILOMENA KELLEHER

Das Ausbildungszentrum Wadzanai befindet sich in Borrowdale, einem Vorort von Harare, circa zwölf Kilometer nördlich vom Stadtzentrum. Das Gebäude, das wir gegenwärtig nutzen, wurde von den Schwestern der Verkündigung Marias im Jahr 1951 errichtet. Ursprünglich war es eine Schule, die Jungen auf den Besuch des St. George College vorbereitete. Es ist ein dreistöckiges Gebäude auf einem circa 15 Hektar großen Grundstück. Auf dem Gelände befinden sich außerdem eine Grundschule für Jungen, eine Kapelle, ein Schwesternkonvent, das Provinzhaus der Schwestern der Verkündigung, vier Exerzitien-Zimmer mit eigenem Bad, Spielflächen, ein Swimmingpool, ein Tennisplatz und ein Volleyball-Feld. Das Hauptgebäude beherbergt Schlafräume für 45 Schüler sowie sechs Privaträume. Neben den Büros im Erdgeschoss gibt es einen Computerraum, einen Konferenzraum, eine Videothek mit Videostudio, Klassenräume und eine Bibliothek mit etwa 6000 Büchern.

Die Verbreitung des HI-Virus hat die Lebenserwartung in Simbabwe deutlich sinken lassen. Sie liegt derzeit bei 56 Jahren.
FOTO: KNA-BILD/ WOLFGANG RADTKE

Von 1951 bis 1979 diente das Gebäude als Vorbereitungsschule für Jungen. Nachdem sich die Unabhängigkeitsbestrebungen verstärkt hatten, wurde Ende der 1970er Jahre die Grenze zwischen Sambia und Simbabwe geschlossen. Dadurch sanken die Schülerzahlen an der Schule. Aufgrund der instabilen Lage auf dem Land sahen sich die Ordensgemeinschaften zu jener Zeit gezwungen, viele ihrer Schwestern von den dortigen Missionen zurückzuziehen. Die Ordensoberen sahen dies als Chance, die Grundausbildung ihrer Schwestern zu verbessern. Es fehlte jedoch ein geeigneter Ort. Die Regelschule kam nicht in Frage. Daraufhin stellten die Schwestern der Verkündigung der Konferenz der Ordensoberen und -oberinnen ihr Haus in Borrowdale zur Verfügung.

Am 1. April 1979, kurz vor der Unabhängigkeit im Jahr 1980, nahm Wadzanai seine Arbeit auf – mit dem hehren Ideal, offen für alle Frauenorden zu sein. Daher auch der Name Wadzanai, was so viel heißt wie ›Zusammenkunft‹ oder ›Zusammenarbeit‹. Zu den Angeboten des Zentrums gehörte der Erwerb eines mittleren Schulabschlusses. Darüber hinaus bot man seelsorgerische Ausbildung, Nähkurse und Kurse für erwachsene Analphabeten an. Auch kürzere Kurse gehörten zum Angebot. Nach der Unabhängigkeit wurden viele ehemalige Soldaten aus den Camps entlassen. Sie benötigten psychologische und geistliche Betreuung zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Auch das bot Wadzanai an.

Neuer Schub, neue Entwicklungen

Ende 1983 war dann der Bildungsbedarf der Schwestern zum Großteil gedeckt. Die Sitzung der Generaloberen bat die Schwestern der Verkündigung, Wadzanai zu übernehmen. Diesem Wunsch kamen sie nach. Perpetua Lonergan wurde Leiterin des Zentrums und legte den Schwerpunkt auf die Ausbildung von Geistlichen und Katechisten. Wadzanai öffnete seine Türen für alle: Ordensleute und Laien, Frauen und Männer. Das zwölfmonatige Katechese- Seminar war umfassend und intensiv. Die Absolventen waren voller Tatendrang, ihre Arbeit wurde daheim in ihren Pfarrgemeinden jedoch nur gering vergütet. Daraufhin verhandelte Schwester Perpetua mit der Universität von Simbabwe über die Angliederung von Wadzanai an die Uni. Damit wollte sie Studenten die Chance geben, in Wadzanai einen Abschluss in Religionswissenschaften zu erwerben. Dieser Diplomabschluss würde einen sehr guten Hintergrund für die katechetische Ausbildung bieten und den Studenten die Möglichkeit geben, sich an der Universität einzuschreiben. Mitte der 1990er Jahre wurde eine Absichtserklärung mit der Universität von Simbabwe unterzeichnet. Die ersten Studenten schrieben sich 1994 ein und erhielten 1996 ihr Diplom. In den vergangenen 20 Jahren erwarben in Wadzanai rund 420 Studenten ein Diplom in Religionspädagogik und 280 ein Diplom in Religionswissenschaften von der Universität von Simbabwe.

Wadzanai heute

Wadzanai sieht seine Aufgabe darin, gut geschulte und glaubwürdige Katechisten und Lehrer für den Religionsunterricht auszubilden. Das Studium hilft den Studenten, ihren Glauben zu vertiefen und die Fähigkeit zu entwickeln, diesen lebendigen Glauben anderen zu vermitteln. Dieser Prozess findet innerhalb einer Glaubensgemeinschaft, in der Auseinandersetzung mit einer lebendigen katholischen Tradition und getragen vom Gedanken der Ökumene statt. Wadzanai sieht seine Aufgabe darin, Führungspersönlichkeiten für die katholische Kirche auszubilden, deren Mission es ist, die Botschaft Jesu von Gerechtigkeit, Liebe, Befreiung und Frieden in alle Welt zu tragen.

Am Ende des zweijährigen Studienganges erhalten die Studenten ein Zertifikat, das sie zur Arbeit als Katecheten berechtigt, sowie einen Nachweis über alle belegten Fächer. Der Studiengang umfasst eine Vielzahl von Fächern, darunter: Katechese in Theorie und Praxis, Methodik, Katholische Soziallehre, Führungsstil, Sakramente, Friedensforschung, Geschlechterforschung und Christliche Basisgemeinden. Der Studiengang läuft parallel zum Diplomstudium in Religionswissenschaften der Universität von Simbabwe. Alle Studenten belegen diesen Studiengang, der folgende Fächer umfasst: Altes und Neues Testament, Christentum in Afrika, Afrikanische Traditionelle Religion, Einführung in die Philosophie, Religionsphilosophie, Geschichte und Philosophie des Christentums, Christliche Theologie und Weltreligionen. Unsere Einrichtung ist mit hochqualifizierten und engagierten Mitarbeitern gesegnet.

Sonstige Aktivitäten

Seit 14 Jahren gibt es am Wadzanai-Zentrum einen von Bruder Chidavaenzi und Bruder Krystian Traczyk SVD geleiteten sechswöchigen Dei Verbum-Kurs. Mehr als 400 Teilnehmer, nicht nur aus Simbabwe, sondern auch aus Sambia, Mosambik, Südafrika, dem Sudan, Lesotho, Sierra Leone, Namibia, Malawi, Tansania und Kenia hatten bisher Gelegenheit zur Teilnahme an diesem einzigartigen Bibelstudium.

Die CMRS (Conference of Major Religious Superiors) hält am Wadzanai-Zentrum ihr Jahrestreffen ab. Zudem wird das Zentrum das ganze Jahr über für Kurse und Vorträge genutzt. Ausbilder schätzen die Räumlichkeiten für die verschiedenen Stufen der Ausbildung, Gruppen wie die Catholic Women’s League, Inter-faith Dialogue sowie »Glaube und Licht«-Gruppen waren im Zentrum zu Gast. Auch Exerzitanten nutzen die friedlichen und ruhigen Anlagen für kürzere oder längere Aufenthalte.

Ökumene

Wadzanai ist ein katholisches Zentrum, nimmt aber auch Studenten anderer christlicher Konfessionen auf. Im Vordergrund steht stets der gegenseitige Respekt. 2014 begrüßten wir anglikanische Schwestern zu ihren jährlichen Einkehrtagen und im Mai 2015 hielt der anglikanische Bischof hier eine Einkehr für seine Diakone ab.

Das Wadzanai Training Centre will mit anderen Colleges zusammenarbeiten, um in den Bereichen Katechetik und Religionsunterricht Akzente zu setzen.
FOTO: WADZANAI TRAINING CENTRE

Herausforderungen der Pastoralausbildung

Vor folgenden Herausforderungen stehen wir gegenwärtig: Ausbildung guter Katechisten, Anwerbung neuer Studenten, Bewusstseinsbildung in der Katechese und Finanzierung des Zentrums.

Ausbildung guter Katechisten

»Die Kirche muss vollständig in das gesellschaftliche Gefüge integriert sein. Doch kann sicherlich dieses Engagement in den sozialen Werken allein nicht die gesamte Evangelisierungstätigkeit darstellen; eine Vertiefung und Verwurzelung des Glaubens in den Herzen der Gläubigen ist unerlässlich.« Diese Worte richtete Papst Franziskus im Oktober 2014 an die Bischöfe aus dem Tschad, als er über die Evangelisierung sprach. Dieses kurze Zitat fasst unsere Herausforderungen bei der Arbeit mit zukünftigen Katechisten gut zusammen.

Anwerbung von Studenten

Unserer Erfahrung nach ist Mund-zu-Mund-Propaganda die beste Methode, und unsere Absolventen machen die beste Werbung für uns. Das Universitätsdiplom, das Studenten zu höheren Abschlüssen berechtigt, ist attraktiv. Im ersten Halbjahr 2014 wurden mehr als 1500 Werbebroschüren verteilt. Außerdem schickten wir Poster an viele andere Kirchen in allen Diözesen Simbabwes. Wir werben jedes Jahr in landesweit erscheinenden Zeitungen. Weil wir ein kleines College sind, bedarf es konzertierter Anstrengungen, um unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Angesichts der vielen Arbeitssuchenden in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit braucht es große Hingabe für seinen Glauben und dessen Verbreitung, um sich für ein Studium der Religionswissenschaften zu entscheiden. Das gibt uns auch im Hinblick auf die Zukunft zu denken. Unsere Studentenzahlen sind zwar klein, aber die Studenten kommen aus allen Teilen des Landes, sowohl vom Land als auch aus den Städten.

Schaffung von Bewusstsein

Ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass auch in der Katechese eine professionelle Herangehensweise nötig ist, bleibt eine Herausforderung. Der Rektor der Katholischen Universität von Simbabwe ist Mitglied unseres Beirats. Zusammen mit dem Dekan der geistes- und religionswissenschaftlichen Fakultät, der zufällig in Wadzanai studierte, regte er an, dass sich Studenten wissenschaftlich mit dem Zustand der Katechetik in der Diözese Harare auseinandersetzen. Vier Studenten haben inzwischen mit diesem Projekt begonnen. Ihre Erkenntnisse werden sie in ihrer Abschlussarbeit vorstellen. Dies könnte ein Motor für ein größeres Interesses und eine stärkere Kooperation im Bereich der Katechetik sein.

Für das Bildungssystem steht in Simbabwe nicht genügend Geld zur Verfügung. Dank internationaler Unterstützung hat sich die Ausstattung in den letzten Jahren deutlich gebessert.
FOTO: JASPREET KINDRA/IRIN

Finanzen

Wir versuchen, jedes Jahr einige Stipendien für bedürftige Studenten zu vergeben. Eine begrenzte Zahl von Studenten wird zu reduzierten Studiengebühren aufgenommen, die Mehrheit zahlt jedoch die volle Gebühr. Inzwischen haben wir viele Tagesstudenten, weil dies das Studium erschwinglicher macht. Das könnte die Zukunft sein. Durch die Landflucht haben viele Studenten Verwandte in der Stadt, bei denen sie wohnen können.

Zukunftspläne

Wadzanai steht gegenwärtig in Verhandlungen mit der Universität von Simbabwe, um unseren Studenten ein Lehrerdiplom anbieten zu können. Zusammen mit dem United Theological College haben wir ein Konzept für die Einführung von Lehrmethoden in das Diplomprogramm für Religionswissenschaften und den Lehrplan für das Fachstudium eingereicht. Dieses Konzept wurde im Hinblick auf den theoretischen Teil akzeptiert. Jetzt müssen die praktischen Aspekte ausgearbeitet werden. Die Fakultät für Religionswissenschaften freut sich über diese Entwicklung, es stehen jedoch noch weitere Verhandlungen mit dem Bildungsministerium an. Die Gespräche dazu haben bereits begonnen.

Wadzanai erlebte mit den Jahren viele Veränderungen. Mit Blick auf die Zukunft wollen wir mit vergleichbar aufgestellten Colleges ein Netzwerk gründen, um im Bereich Katechetik und Religionsunterricht mit vereinten Kräften etwas bewirken zu können.

Wir sind uns bewusst, dass die junge Generation in einer von Wirren geprägten Welt aufwächst. Es gibt eine Vielzahl christlicher Kirchen. In einer fragilen Wirtschaft üben Wohlstandskirchen eine große Anziehungskraft aus. Die größte Herausforderung bilden jedoch vielleicht die vielen selbsternannten »Propheten «, die mit ihrer Rhetorik und ihren »Wundern« die Menschen zu tausenden anziehen.

Wir hoffen, dass unsere Studenten besser für diese Herausforderungen gerüstet sind, über ausreichend Wissen und die Grundlagen verfügen, um kritisch und weise zu urteilen, um den Trends der modernen Zeit zu widerstehen und durch ihr Wirken anderen helfen, es ihnen gleichzutun.

SR. CATHERINE PHILOMENA KELLEHER
Direktorin des Wadzanai Training Centre

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