November/Dezember 2015 Burkina Faso corner

BURKINA FASO

Niemals Gewalt dem Dialog vorziehen

Paul Ouedraogo, Erzbischof von Bobo-Dioulasso in Burkina Faso, sieht die Kirche in der Pflicht, dem Land im Hinblick auf Versöhnung, Gerechtigkeit, Frieden und Vergebung zu dienen. Nach dem Putschversuch im September verlangt diese Aufgabe neue Anstrengungen.
FOTO: OCADES CARITAS BURKINA

Bischöfe positionieren sich nach gescheitertem Putsch

Die Bischöfe von Burkina Faso haben den Militärputsch und die damit zusammenhängenden Gewalttaten verurteilt. »Wir beklagen die Gewalt und ihre unheilvollen Folgen: den Verlust von Menschenleben, die Verletzten und die Zerstörung von Eigentum«, heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz. Die Bischöfe äußerten sich am 19. September, drei Tage nachdem die Präsidialgarde unter General Gilbert Diendéré eine Sitzung im Präsidentenpalast gestürmt und die Staatsspitze festgesetzt hatte. Zwar konnte Übergangspräsident Michel Kafando eine Woche später sein Amt wieder übernehmen, aber die Auswirkungen des Putsches werden länger dauern. Die für den 11. Oktober geplanten Wahlen wurden bereits verschoben. Infolge des Putsches hatte die Afrikanische Union Sanktionen gegen das Land verhängt. Die Bischöfe warnten vor katastrophalen Folgen für die Bevölkerung, falls die Sanktionen verlängert würden, und appellierten an die Besonnenheit der Verantwortlichen und der Internationalen Gemeinschaft.

Die Bischöfe verurteilten die Gewalt als Mittel, um politische Ziele durchzusetzen: »Die Gewalt darf dem Dialog niemals vorgezogen werden.« Die Putschisten hatten als Grund für ihren Angriff genannt, gegen den Ausschluss einiger Kandidaten von den kommenden Wahlen zu kämpfen. Beobachter mutmaßen jedoch, dass es der Präsidialgarde um ihr eigenes Weiterbestehen und um den Machterhalt der alten Eliten geht. Im Oktober 2014 war der langjährige Präsident Blaise Compaoré gestürzt worden; die danach eingesetzte Übergangsregierung sollte demokratische Wahlen vorbereiten und hatte auch die Abschaffung der Präsidialgarde ins Auge gefasst. Die Auflösung wurde nun nach dem Ende des Putsches unmittelbar beschlossen, allerdings geriet die Entwaffnung der Präsidialgarde ins Stocken. Nach erneuten Auseinandersetzungen flüchtete sich General Diendéré zunächst in die Nuntiatur in der Hauptstadt Ouagadougou, am 1. Oktober 2015 stellte er sich den Behörden.

In einem Interview kommentierte der Erzbischof von Bobo-Dioulasso und Vorsitzende der Bischofskonferenz von Burkina Faso und Niger, Paul Ouedraogo, die Ereignisse in seinem Land. Der Erzbischof leitet auch die nationale Versöhnungskommission. Er wies die Vermutung zurück, dass der Putsch mit dem Bericht zusammenhänge, den die Versöhnungskommission am 14. September vorgelegt habe. Er gehe vielmehr von einer geplanten Aktion aus. Aufgrund der nationalen und internationalen Reaktionen habe er das Gefühl, dass die Situation die nationale Einheit gefördert habe. Denn man könne beobachten, dass alle zusammengewachsen seien und dass die reguläre Armee sich hinter das Volk gestellt habe. Ouedraogo ging auch auf die Rolle der Kirche ein: »Die Kirche muss der Nation einen Dienst erweisen, im Hinblick auf Versöhnung, Gerechtigkeit, Frieden und Vergebung. Die Pfarrer müssen es als ihre Aufgabe ansehen, den Bevölkerungen, den Regierten ebenso wie den Regierenden, zu helfen, wirklich ein Leben gemäß den Wegen der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Versöhnung zu führen.« In Burkina Faso habe die Kirche den Vorteil, dass sie gemeinsam mit anderen Gemeinschaften agiere. »Wir handeln als moralische Kraft, zusammen mit der traditionellen Führung des Mogho Naba [König der Mossi], der muslimischen, protestantischen und katholischen Gemeinschaft.«

So oft wie möglich spreche man sich ab oder nehme gemeinsam an Gesprächen teil. Die Christen forderte er auf, sich zugunsten der Verwundeten und Schutzbedürftigen in der Politik zu engagieren. »Diejenigen, die das Charisma haben, müssen in die politische Arena steigen, aber immer, um die fundamentalen Werte zu wahren, die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Vergebung und besonders eine Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik, die die ganzheitliche Entwicklung unserer Völker fördert.«

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