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HONDURAS

Jesuit erhält Menschenrechtspreis

»Wenn du die Dinge nicht aus der Perspektive der Menschen siehst, deren Rechte dauernd verletzt werden und denen die Meinungsfreiheit geraubt wird, dann sag mir: Wo ist die christliche frohe Botschaft?« Für seinen Einsatz für die Menschenrechte erhielt der honduranische Jesuit Padre Melo den Preis der norwegischen Rafto-Stiftung.
FOTO: LUCY EDWARDS

Der honduranische Jesuit Ismael Moreno, bekannt als Padre Melo, hat am 1. November 2015 in Bergen den Menschenrechtspreis der Rafto-Stiftung erhalten. Die norwegische Stiftung zeichnet seit 1987 Personen und Organisationen aus, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Mit dem Preis würdigt die Rafto-Stiftung den Einsatz von Padre Melo für die Meinungsfreiheit in einem Land, das von extremer Gewalt geprägt ist. Journalisten und Menschenrechtsaktivisten würden in Honduras heftig drangsaliert und mit dem Tode bedroht. In der Erklärung der Stiftung heißt es: »In dieser Situation ist Padre Melo ein furchtloser Wortführer. Unermüdlich untersucht er die Gründe für die Gewalt und den Missbrauch, die gegen gefährdete Teile der Gesellschaft verübt werden, und macht diese öffentlich.«

Der Jesuit ist Direktor des lokalen Radiosenders »Radio Progreso« und Leiter der Organisation ERIC (Equipo de Reflexión, Investigación y Comunicación). ERIC wurde 1980 gegründet und hat seit 2002 eine eigene Abteilung für Menschenrechte. Auch an der Gründung honduranischer Zeitungen war Padre Melo beteiligt. Martin Paulsen, Vorsitzender des Preiskomitees, unterstrich den Mut, den Radio Progreso und ERIC gezeigt hätten. Kurz nach dem Staatsstreich 2009 habe sich der Radiosender entschieden, wieder zu öffnen, obwohl militärische Kräfte ihn geschlossen hätten. »Das Engagement von Radio Progreso, die unabhängige Berichterstattung fortzusetzen, kam zu einer Zeit, als die Meinungsfreiheit für die Einwohner des Landes äußerst wichtig war.«

Padre Melo sagte in seiner Dankesrede, er erhalte den Preis, weil die raue Realität der Gewalt und der Straflosigkeit das Recht zu träumen beeinträchtige. »Und ich bin hier, weil diese Anerkennung mich stärkt, zusammen mit meinem Team und vielen anderen aufrichtigen und großzügigen Menschen nach Wegen zu suchen, um mit Fairness und Gerechtigkeit den Frieden zu erlangen, der in Honduras und Mittelamerika so dringend gebraucht wird.« Mit poetischen Worten drängte Padre Melo zu einer »Übereinkunft der Träumer«, die es in jedem Land geben solle, angefangen mit den ärmsten in Mittelamerika und Afrika: »Wir werden aktive, organisierte ›Dreamers’ Communities‹ schaffen, die die Einigung zwischen multinationalen Konzernen, lokalen Wirtschaftseliten und korrupten Politikern herausfordern und ihre Komplizenschaft und Aktivitäten zurückweisen, die die Rechte der Menschen und der Umwelt mit Füßen treten.« Er stelle seinen ganzen Glauben und sein Leben in den Dienst dieser menschlich machenden und friedlichen Übereinkunft, sagte Melo im Rahmen der Preisverleihung. »Die Zukunft kann nur eine friedliche sein. Sie ist auf dem Weg, und es lohnt sich, das Risiko auf sich zu nehmen und für sie zu leben.«

Ausgabe 1/2016

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