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SIERRA LEONE

Aufatmen nach Ende des Ebola-Ausbruchs

Bruder Lothar Wagner leitet das Straßenkinderzentrum Don Bosco Fambul in Sierra Leones Hauptstadt Freetown. Nach fast eineinhalb Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation das westafrikanische Land im November 2015 für Ebola-frei erklärt.
FOTO: JULIA KROJER

Der Ebola-Ausbruch in Sierra Leone ist vorüber. Das hat am 7. November 2015 die Weltgesundheitsorganisation bekanntgegeben. Seit am 24. Mai 2014 der erste Ebola-Fall in Sierra Leone registriert worden war, erkrankten mehr als 8.700 Menschen, rund 3.600 starben. Insgesamt starben in Westafrika rund 11.000 Menschen an Ebola, rund 20.000 Kinder wurden zu Waisen. Während viele Menschen in der Hauptstadt Freetown das Ende des Ebola-Ausbruchs feierten, zeichnet Bruder Lothar Wagner, der seit langem für die Don Bosco Mission in Sierra Leone arbeitet, ein weniger positives Bild der Lage in dem westafrikanischen Land. Er kritisiert den Umgang der internationalen Gemeinschaft mit der Ebola-Krise scharf. »Die koordinierte medizinische und logistische Unterstützung hat viel zu spät eingesetzt und internationale Hilfsgelder sind nicht bei den Bedürftigen angekommen, sondern in ›dunkle Kanäle‹ geflossen«, so der Direktor des Straßenkinderzentrums Don Bosco Fambul in der Hauptstadt Freetown. Die aktuelle Situation sei insbesondere für junge Menschen verheerend. Die Ebola-Epidemie habe das Land gelähmt, jetzt grassierten Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger. »Die Menschen in Sierra Leone sind nicht gesund, sie erleben unsägliches Leid und vor allem die jungen Menschen sehen vor Ort keine Perspektive. Ich gehe davon aus, dass im nächsten Jahr ein neuer, größerer Exodus aus Westafrika nach Europa bevorsteht.« Auch wenn im Kampf gegen Ebola ein wichtiges Etappenziel erreicht sei, führten Leid, Hunger und Elend zur Flucht.

Der Katholischen Nachrichten-Agentur sagte Wagner, man müsse »viel effektiver und nachhaltiger« agieren, statt in zwei Jahren mit Milliarden Euro für Flüchtlingslager in Libyen zu reagieren. »Ich kann nicht begreifen, dass man den Beauftragten der Bundesregierung für Ebola, Walter Lindner, mit einer neuen Aufgabe nach Südafrika geschickt hat«, so Wagner. Das sei ein völlig falsches Signal. »Er kennt die Situation vor Ort sehr genau und kann präventiv eingreifen und so weitere Flüchtlingskarawanen stoppen.« Ebola sei »definitiv nicht zu Ende«, sondern werde »uns wieder einholen «. Es mangele nicht an Geld – es mangele an effektiver und nachhaltiger Unterstützung für die Menschen. Vor Ort bedarf es nach Worten des Ordensmanns bedarfsgerechter psychosozialer Hilfen. Dafür brauche man auch Therapeuten und Sozialarbeiter. »Das Leben muss wieder lebenswert werden«, fasste der gelernte Theologe, Erzieher und Psychotherapeut die Herausforderungen zusammen.

Ausgabe 1/2016

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