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Bischöfe fordern ein Ende der Gewalt in Mindanao

Kardinal Luis Antonio Tagle besuchte am 11. November 2015 überraschend ein Camp von Ureinwohnern in der philippinischen Hauptstadt Manila. In seiner Erklärung forderte er die Regierung auf, die Soldaten aus Mindanao abzuziehen.
FOTO: ROI LAGARDE/UCANEWS.COM

Kardinal Luis Antonio Tagle von Manila hat die philippinische Regierung dazu aufgerufen, Truppen aus den Gebieten von Stammesgemeinschaften zurückzuziehen. Nach Gräueltaten von Soldaten haben Tausende von Einheimischen in der südlichen Region von Mindanao ihre Häuser verlassen. »Wir rufen unsere Regierung auf, zum Frieden zurückzukehren. Das bedeutet, die Soldaten aus den Gebieten unserer Stammesvölker zurückzuziehen«, sagte Tagle in einer Erklärung, die er vor rund 700 Ureinwohnern verlas, die schon seit Monaten in der Hauptstadt protestieren. Der Kardinal forderte auch die Auflösung und Entwaffnung paramilitärischer Gruppen, die wiederholt beschuldigt worden sind, Grausamkeiten gegen die Stammesbevölkerung im südlichen Teil des Landes zu begehen. Überraschend besuchte der Kardinal am 11. November die Zeltstadt im Herzen von Manila, die kaum einen Kilometer von der erzbischöflichen Residenz entfernt ist und als Notbehelf für protestierende Ureinwohner aus Mindanao dient. »Was unseren indigenen Brüdern und Schwestern in Mindanao widerfahren ist, ist traurig und besorgniserregend«, sagte Kardinal Tagle. »Einige sind bereits gestorben oder getötet worden. Viele wurden gezwungen, zu fliehen, ihre Häuser und ihr angestammtes Land aufzugeben.« Daten der Organisation Katribu, einer Interessengemeinschaft indigener Völker, belegen, dass seit dem Amtsantritt von Präsident Benigno Aquino im Jahr 2010 mindestens 53 Ureinwohner (Lumad) ermordet wurden. Die Dokumentation zeigt auch, dass die Tötungen im Jahr 2015 zugenommen haben.

Rund 700 Ureinwohner Mindanaos kamen im Oktober in einem Protestmarsch in Manila an. Mit der Aktion wollten sie ihrer Forderung, die Soldaten aus den Stammesgebieten abzuziehen, Nachdruck verleihen. Vor dem Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Manila Mitte November 2015 forderte der Bürgermeister die Aktivisten auf, die Zeltstadt zu räumen. Datu Isidro Indao, Anführer des Matigsalug-Stamms der Kitawtaw, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur ucanews: »Sie wollen uns zur Räumung zwingen. Wir haben keinen Platz in dieser Stadt, weder als Bewohner noch als Besucher. Wir sind keine wichtigen Leute.« Damit spielte er auf die »wichtigen Leute« an, die zum Wirtschaftsgipfel in die Stadt kamen. Gleichzeitig benannte Indao den traurigen Widerspruch der Politik. Die Philippinen könnten zu dem Wirtschaftstreffen kaum etwas anderes beisteuern als die natürlichen Ressourcen des Landes. Von deren wirtschaftlicher Nutzung seien jedoch am meisten die Ureinwohner wie er betroffen. »Sie haben unser Land verkauft. Sie wollen die Lumad aus ihren Dörfern vertreiben, damit sie den Bergbauunternehmen Platz machen. Sie zwingen uns, unser Land zu Industrieflächen umzufunktionieren.« Bei ihren Aktionen gehe es nicht nur um Menschen, die in abgelegenen Regionen leben, sondern auch um die Umwelt, sagte ein anderer Aktivist. Und bei dem Wirtschaftstreffen gehe es um das große Geld, aber davon komme bei den Armen nichts an. Stattdessen nähmen die Investoren ihnen das Einzige, was sie hätten, ihr angestammtes Land.

Ausgabe 1/2016

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