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Vertreter der Weltchristenheit formulieren Schuldbekenntnis

Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant’ Egidio, war einer der Hauptredner auf der Konferenz »Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium: Christus gemeinsam nachfolgen« Anfang November 2015 in Tirana.
FOTO: GLOBAL CHRISTIAN FORUM/EERO ANTTURI

Anfang November 2015 kamen in der albanischen Hauptstadt Tirana hochrangige Vertreter verschiedener kirchlicher Traditionen zusammen, um diskriminierten und verfolgten Kirchen und Christen in der ganzen Welt zuzuhören, von ihnen zu lernen und ihnen beizustehen. Die Konferenz stand unter dem Thema »Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium: Christus gemeinsam nachfolgen«. Initiiert wurde das Treffen vom Global Christian Forum, gemeinsam mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen, der Weltpfingstkonferenz, der Weltweiten Evangelischen Allianz und dem Ökumenischen Rat der Kirchen. Bewusst hatten die Organisatoren Albanien als Ort der Tagung ausgewählt. Das Land war 1967 durch seine Verfassung zu einem atheistischen Staat erklärt worden und erlebt jetzt ein Aufblühen der Kirchen in einem Umfeld von Religionsfreiheit, wenngleich es Reste von Diskriminierung gibt.

Im Hinblick auf die gegenseitigen Verfolgungen innerhalb der Christenheit formulierte die Konferenz in ihrer Botschaft erstmalig ein Schuldbekenntnis: »Wir tun Buße darüber, dass wir zeitweise in der Geschichte einander oder andere Religionsgemeinschaften verfolgt haben und wir bitten einander um Vergebung und beten für neue Wege, Christus gemeinsam nachzufolgen.« Darüber hinaus richtete sie einen Appell an »alle Regierungen, dass sie die Religions- und Weltanschauungsfreiheit aller Menschen als ein grundlegendes Menschenrecht respektieren und schützen. Wir appellieren auch an die Regierungen und internationalen Organisationen, Christen und alle anderen Menschen guten Willens zu respektieren und vor Bedrohung und Gewalt, die im Namen der Religion begangen wird, zu schützen.«

Kardinal Kurt Koch übermittelte eine Botschaft des Papstes. »Ich denke mit tiefer Traurigkeit an die eskalierende Diskriminierung und Verfolgung von Christen im Nahen Osten, in Afrika, Asien und andernorts auf der Welt«, so der Papst. »Ihre Zusammenkunft zeigt, dass wir als Christen unseren leidenden Brüdern und Schwestern nicht gleichgültig gegenüberstehen. In verschiedenen Teilen der Erde ist das Bekenntnis zu Christus gerade durch den damit verbundenen Blutzoll zu einer gemeinsamen Erfahrung von Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern, Protestanten, Evangelikalen und Pfingstlern geworden, die tiefer und stärker ist als die Unterschiede, die unsere Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften immer noch trennen. Die ›communio martyrum‹ ist das größtmögliche Zeichen unserer gemeinsamen Wanderschaft.«

Einer der Hauptredner war der Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio, Andrea Riccardi. Er warf den westlichen Christen einen Mangel an Sensibilität vor: »Die westliche Kultur ist geprägt von einem starken Schuldbewusstsein aufgrund vergangener Fehlentwicklungen und Gewalt, die im Namen des Christentums begangen worden ist.« Dieses durchaus berechtigte Bewusstsein habe allerdings eine andere Realität fast vollständig überlagert, die sich durch das gesamte letzte Jahrhundert hindurch bis in die Gegenwart ziehe, die Verfolgung von Christen. »Christliche Gemeinschaften sind vielfach mit sich selbst beschäftigt und überhören häufig die Rufe aus einer Welt, in der Männer und Frauen des Glaubens gedemütigt und verfolgt werden. Ihnen fehlt das Gespür für die zutiefst schmerzhaften Erinnerungen des 20. Jahrhunderts. Diese Unkenntnis der Vergangenheit und gegenwärtige Insensibilität bedingen einander.« Zahlreiche Augenzeugenberichte aus Ländern wie Syrien, Sudan, Eritrea oder Nigeria unterstrichen die dramatischen Ausmaße, die die Verfolgung von Christen inzwischen angenommen hat.

Ausgabe 1/2016

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